Opfer-AbonnentInnen

Missbrauch Pola Kinski, Klaus Kinskis Tochter aus erster von drei Ehen, berichtet in ihrem Buch „Kindermund“ vom jahrelangen Missbrauch durch ihren Vater.
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Foto: igorschwarzmann / Flickr (CC)

Neben vielen Artikeln und Kommentaren, die Bestürzung und Mitgefühl signalisieren, gibt’s auch andere. Sie hätte besser geschwiegen, meinen einige, sie sei geldgierig, deshalb habe sie das Buch geschrieben. Der Vater sei ja jetzt wehrlos meinen wieder andere. Sehr kontrovers diskutiert wurde z. B. ein Beitrag von Willi Winkler in der

Süddeutschen Zeitung

Er meint, das „breit ausgeschlachtete“ Buch wirke authentisch und scheine doch wie von professioneller Hand geschrieben. Und er resümiert mit dem aberwitzigen Satz: „Am Ende hat sie den Kinski-Familienmythos nicht demontiert, sondern um eine weitere Facette bereichert.“

Man spürt dem Beitrag und auch einigen Kommentaren das Unbehagen bis hin zur Aggression an. Woran? An der schrecklichen Geschichte oder daran, dass sie ans Licht gebracht wurde? Wieder eine Opfergeschichte, wieder eine Frau, wieder ein Opfer-Abo?

Talkrunde bei Beckmann

Vorgestern saßen sie an einem Tisch bei Beckmann: Neben Pola Kinski auch Andreas Huckele, eines der vielen Opfer des Leiters der Odenwaldschule Gerold Becker, der in seinem Buch schon vor Jahren gefragt hat „Wie laut soll ich denn noch schreien?" Er sprach auch über den inzwischen verstorbenen Gerold Becker, der selbstgewiss meinte: „Man wird Dir nicht glauben“.

Die Debatte um den sexuellen Missbrauch ist schon älter. Schon vor fast 15 oder 20 Jahren gab es Betroffenenberichte und sehr schnell darauf auch die Debatte um den „Missbrauch mit dem Missbrauch“, u. a. von Katharina Rutschky aufgegriffen und in einem Buch zur Diskussion gestellt. Lange Zeit verschwand dahinter die konkrete Auseinandersetzung mit den nach wie vor zahlreichen Missbrauchsfällen. Erst die Enthüllungen der vergangenen Jahre haben sie wieder in den Vordergrund gebracht.

Christian Pfeiffer, der reichlich gezähmt erschien, war auch zu Beckmann gekommen. Offensichtlich hat er gesehen, dass er den Opfern nicht so sehr hilft mit seinen ständigen Medienausfällen. Daneben der „brave“ Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, dem man eine Kontaktallergie mit Pfeiffer noch am ehesten zumutete, die anderen wollten wohl nicht mehr mit ihm verhandeln. Über die Talkshow bei Beckmann hat Heide Österreich in der taz mit viel Empathie für Pola Kinski und Andreas Huckele geschrieben.

Sie war auch ein bisschen ratlos wegen der weiteren Zusammensetzung. Sicher, Frau Enders von „Zartbitter“ Köln konnte Schilderungen der Betroffenen gut einordnen und Erfahrungen bestätigen, was auch Christian Pfeiffer ergänzend tat. Was aber sollten die beiden Herren sonst noch dort?

Es ist schon seltsam – die tausendfach aufgedeckten Missbräuche in Kinderheimen in Deutschland wecken – zu Recht – öffentliche Empörung und Genugtuung ob deren Aufdeckung, aber der „Einzelfall“, die persönliche Anschuldigungen ist immer ambivalent in der Aufnahme durch die Öffentlichkeit, selbst wenn es kaum Zweifel an der Wahrheit gibt. Da droht das Verdikt "Missbrauch mit dem Missbrauch" nach wie vor.

Die Katholische Kirche ist schon seit Jahrhunderten im Fokus der sexuellen Verdrängungs- und Missbrauchsdebatte. Genügend Literatur verweist darauf. Pensionatsschulen – auch schon immer ein Sujet für Missbrauch. In der Masse – mit vielen bestätigenden Zeugen und Opfern – ist das alles offensichtlich möglich. Es sind die Verhältnisse.

Wie kommt es, dass der Einzelfall und dabei besonders der weibliche Einzelfall Gegenstand besonderer Abneigung und Abwehr ist. Sie schlug auch z. B. Natascha Kampusch entgegen, die ihre Leidenszeit in einem Buch schilderte. Jetzt Pola Kinski. Liegt es daran, dass sie etwas öffentlich gemacht haben und zwar konkret und nicht mit allgemeinem Verweis auf „die Verhältnisse“ und irgendwelche Zusammenhänge, die dann wieder beim Verdrängen helfen würden? Ich weiß es nicht, aber es beschäftigt mich.

Am unangenehmsten berührte mich die moralisierende Anmerkung in vielen Kommentaren, Pola Kinski wolle bloß Geld machen. Was ist das für eine verlogene Welt. Sie hat ein Buch geschrieben, sie will dafür auch Geld bekommen. Ein solches Buch ist eine schwere Arbeit.

15:29 11.01.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

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Kommentare 304

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