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Rettungsroutine So heißt das von der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürte "Wort des Jahres".
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Hier wurde das schon thematisiert.

Ich finde, es passt ganz prima - nicht nur zur Finanzkrise, auch zum Alltag und ganz besonders zum Religiösen.

Christ der Retter ist da, jubelt der Chor zu Weihnachten. Gottes Rettungsbeauftragter kommt zum Einsatz. Immer wieder, der ist schon der reine Rettungsroutinier.

Wer das mit der Rettung glaubt oder hofft, muss auch irgendein Zeichen dafür kriegen. Rituale und Zeichen - von der Taufe bis zur Beschneidung - alles reine Rettungsroutine. Rettung von Furcht vor dem Tode, vor der ewigen Strafe, vorm Ausgeschlossensein, wenn alle anderen so gerettet erscheinen und nur man selbst so hilflos in den Seilen hängt. Es geht ums Fühlen. Denn - auch das ist ein gemeinsame Merkmal und eine Erkenntnis aus der Finanzwelt - es muss nicht helfen, es muss nur rettend und routiniert wirken. Es muss beruhigen - die Märkte oder einen selbst. Das reicht schon.

Also, wie gesagt, Rettungsroutine rettet nix, sie gehört nur zur allgemeinen Beruhigungsroutine und zur "Das ist alternativlos"-Routine.

Reale Rettungsroutine besitzen eigentlich nur die mutigen Leute von der Rettungswacht.
Jetzt weiß ich, warum ich die so gern sehe. Die retten mit Routine und Professionalität, was der Rettung harrt - im Berg, am Berg, auf hoher See und im Alltag auch. Die sind wirklich ehrlich.

Aber, diese ganzen weltlichen und religiösen Rettungsroutiniers - das ist so wie mit dem Screensaver. Man hat festgestellt, dass diese Anwendungen heutzutage nicht mehr gebraucht werden, weil die Monitore gar nicht mehr "gerettet" werden müssen vor irgendwelchen Schäden durch zu langen Gebrauch oder so. Aber, die Menschen haben sich dran gewöhnt, dass ihr Bildschirm nicht schwarz sieht, wenn sie mal ne Weile nicht am Arbeitsplatz sind und darum lebt dieser Brauch fort. Das erinnert mich auch irgendwie an all die Rettungsroutinen.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachtsroutine.

11:45 24.12.2012
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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