Der Segen der (Wetter-) Katastrophen

Hochwasser Was für die meisten wohl ein Fluch ist, ist für die Politik oft ein Segen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Es ist wieder Hochwasser angesagt. Seit Tagen steigen die Pegel von Elbe, Donau, Saale und vielen weiteren Flüssen im Süden und Osten des Landes. Vielerorts gibt es neue Rekordwasserstände und in Magdeburg rechnet man sogar mit einem Pegel von "2002 plus x". Tausende freiwillige Helfer, Feuerwehr, THW und Bundeswehr kämpfen gegen die Fluten an, dennoch wird der Schaden wohl riesig sein. Es gibt also wirklich nichts Gutes an solch einer Katastrophe!

Wirklich nicht?

Ein Segen für die Politik

Wetterkatastrophen wie das jetzige Hochwasser oder auch das von 2002 haben den Vorteil, dass man erstmal niemanden direkt dafür verantwortlich machen kann. Schließlich war es die Natur, die es so lange und so stark hat regnen lassen, dass die Flüsse viel zu viel Wasser führen und alles überschwemmen. Unmöglich, dass Politiker dafür zur Verantwortung gezogen werden können.
Andererseits bieten sie eine perfekte Bühne für die Politiker. Das konnte man in den letzten Tagen gut beobachten. Am Dienstag besuchte unsere Bundeskanzlerin einige Städte die vom Hochwasser betroffen waren. Sie sicherte auch gleich Hilfen in Höhe von 100 Millionen Euro, die vom Bund kommen, zu.

Dass andere Themen dabei in den Hintergrund geraten, ist ein weiterer Vorteil für die Politik. Bei uns in Sachsen-Anhalt gibt es zur Zeit eine große Debatte über die Sparpolitik. Unter anderem an den ohnehin schon unterfinanzierten Universitäten soll maßiv Geld eingespart werden. Das rief nicht nur Studenten auf den Plan. So konnte vor kurzem eine Petition mit über 80000 Unterschriften im magdeburger Landtag eingereicht werden. Von solchen Sachen hört man dann immer wenig und die Politiker haben, zumindest kurzfristig, etwas Zeit zum Luft holen.

Das Beste an der Sache ist allerdings, dass man in einer solchen SItuation wirklich so gut wie garnichts falsch machen kann. Wie anfangs schon gesagt: Man schaut hier mal vorbei, sagt da ein paar Hilfen zu und schon hat man alles richtig gemacht. Was soll auch schon schief gehen?

Es ist eben nicht nur die Natur

Das Problem ist bloß, dass die Politik sehr wohl eine Mitverantwortung für solche Wetterkatastrophen trägt. Die Schäden eines solchen Hochwassers, wie wir es jetzt haben, sind nämlich zum größten Teil Menschengemacht beziehungsweise auf sein Verhalten gegenüber der Natur zurückzuführen. Wir begradigen unsere Flüssen, um sie besser befahren zu können, versiegeln Flächen, damit wir darauf Häuser bauen können und wundern uns dann, wenn die Flüsse über ihre Ufer treten und dort große Schäden anrichten. Hans Springstein hat in der Community einen schönen Beitrag über den menschlichen Einfluss zum Hochwasser geschrieben.

Es ist Aufgabe der Politik hier einzugreifen und Vorsorge zu treffen, damit so etwas nicht wieder passieren kann. Es ist viel Zeit seit 2002 vergangen, aber es wurde nicht viel gemacht. Vielleicht hat man im Umgang mit solchen Fällen dazugelernt und es gibt heute eine bessere Koordination, aber die Wurzel das Problems wurde nicht angepackt. Hier hat die Politik versagt.
Doch das geht meistens unter, wie manche Straßen und Häuser in diesen Tagen.

18:56 05.06.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 4