Jahr der Fortsetzungen und Neuverfilmungen

Kinorückblick 2015 Auch 2015 hatten Hollywoodstudios nicht viele neue oder originelle Ideen und versorgten das Publikum mit überdurchschnittlich vielen Fortsetzungen und Neuverfilmungen.
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Die Ergebnisse waren gemischt bis durchwachsen.

INSIDIOUS – CHAPTER 3

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Die zweite Fortsetzung des gelungenen US-Horrorfilms ist eigentlich die Fortsetzung (ein Prequel) und spielt vor dem Original. Eine andere Familie wird von Dämonen heimgesucht und das Gespensterjäger-Trio um die alternde Seherin schließt sich hier zum ersten mal zusammen. Dabei ist das Konzept bereits bekannt, überzeugt aber immer noch durch eine geschickt konstruierte Geschichte und sorgfältig konzipierte Schockmomente. Regie führt inzwischen der Australier Leigh Whannel, der als Darsteller und Drehbuchautor der SAW-Filme bekannt wurde.
Gute Qualität für Horrorfilmfreunde

MAD MAX 4 – FURY ROAD

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MAD MAX war Ende der 70er Jahre der Urknall des modernen Actionkinos und das australische Kino eroberte die Welt. Davor gab es wahrscheinlich keine solchen rasanten Autorennen und selbstmörderischen Stunts auf einer Leinwand zu sehen. Wenige Jahre später setzte die Fortsetzung noch einen drauf und kombinierte Verfolgungsjagden mit einem der ersten überzeugendenen Endzeitszenario. Die Filme waren mit wenig Geld aber viel Engagement gedreht und überraschten mit Einfallsreichtum und viel Irrsinn. Teil 3 war dagegen als jugendfreies Treppchen für Mel Gibson nach Hollywood gedacht und enttäuschte durchgehend.
Die Gefühle waren natürlich gemischt, als nach über 30 Jahren ein neuer MAD-MAX-Film angekündigt wurde.
Wer würde Max spielen. Mel Gibson würde es sicher nicht werden. Er geht auf die 60 zu und fällt immer wieder durch Pöbeleien gegenüber Kolleginnen und Kollegen sowie durch antisemitische Eskapaden auf; viele Leute in Hollywood möchten nicht mehr mit ihm zusammen arbeiten.
Der Brite Tom Hardy trat die wortkarge Nachfolge an. Der Film hat wieder sehr gut gemachte Action- und Stunt-Szenen und besteht mit kurzen Unterbrechnungen im Wesentlichen aus zwei ultralangen Verfolgungsjagden. Wir sehen pures Tempo uns spüren pure Energie. Schräge Figuren wie ein degeneriertes Albino-Skinhead-Volk, diverse Mutanten und ein entführter Harem von Schwangeren in Brautkleidern und selbst gebastelte Karren bieten erneut den Irrsinn, der vor über 30 Jahren bei MAD MAX 2 von der Leinwand in meine Netzhaut sprang und an den der neue MAD MAX qualitativ fast heran reicht. Allerdings wurde hier viel mit Digitaleffekten gearbeitet, was aber nur selten deutlich zu sehen ist. Die Fahrt durch einen riesigen Wüstentornado hätten sie sich sparen können.

Fazit: fast perfekt.

POLTERGEIST (2015)

POLTERGEIST ist einer der besten, gelungensten und unterhalstsamsten Horrorfilmen der 80er Jahre. Die Heimsuchung einer fünfköpfigen Familie durch Indianergeister wurde von TEXAS-CHAINSAW-MASSACRE-Regisseur Tobe Hooper mit viel Tempo, Witz und Energie sowie mit erzählerischer und optischer Rafinesse inszeniert und von Steven Spielberg produziert.

Eine Neuverfilmung war in der Gelddruckmaschine Hollywood unvermeidlich. Dass ich mich auf Anhieb an fast gar nichts außer einigen den recht genau nachgedrehten Szenen erinnern kann, ist schon mal kein gutes Zeichen. Erst durch den Trailer erinnere ich mich daran, wie schlecht der Film gemacht ist. Vieles ist sehr modernen Sehgewohnheiten angepasst, die hier nicht funktionieren. Die Filmfiguren sind sehr lieblos und oberflächlich charakterisiert und ihr Schicksal in der Filmhandlung ist dadurch einfach völlig uninteressant.

TERMINATOR 5 – GENESYS

Ach, musste das unbedingt sein. Musste der Endsechziger Schwarzenegger unbedingt noch mal den Terminator geben.
Ja, leider. TERMINATOR ist eine dieser Gelddruckmaschinen, die so lange wieder verwertet werden, bis sie wahrscheinlich tatsächlich finanziell Verlust machen.

Nach einer halben Stunde durchaus unterhaltsamer Verweise auf das Original und TERMINATOR 2 wird das neue Zeitreisespektakel immer konfuser. Die Figuren überzeugen nicht. Der interessanteste Handlungsfaden ist die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die im späteren zeitlichen Verlauf zum System SKYNET wird und den thermonuklearen Krieg auslösen. Dabei werden die möglichen Gefahren mobiler Kommunikation und so genannter Sozialer Netzwerke auf interessante Weise angeschnitten. Als genau dieser Handlungsfaden in Fahrt kommt und richtig interessant wird, als dieser Handlungsfaden vielleicht droht, zu zivilisationskritisch zu werden, wird er abgewürgt und der Film konzentriert sich wieder auf Standard-Action. Dass der sagenhafte Rebellenführer John Connor von einem Computervirus infiziert wird, zu einem Maschinenmenschen wird, zur Maschinenarmee von Skynet überläuft und damit als neuer Terminator Arnold Schwarzenegger die Schau stielt, ist dann zwar noch eine Überraschung, rettet den Film aber auch nicht mehr. Schwarzeneggers Terminator lernt dabei noch einige neue Redewendungen und einen neuen Gesichtsausdruck – ein gekünsteltes Lächeln.

Der Schluss ebnet schon den Weg zu Teil 6. Schwarzenegger hätte sich nach seiner Politikerkarriere würdevoll zur Ruhe setzen und vielleicht noch ein paar lustige Gastauftritte machen sollen.

Enttäuschend.

JURASSIC WORLD

Neue Leute, neues Unternehmen, neuer Park, neue Dinosaurier, neue Katastrophe. Der Film hält sich an die Spielregeln des Originals und bietet erstaunlich gute Unterhaltung, ohne zu nerven.

James Bond 007 – SPECTRE

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Darüber möchte ich mich nicht noch mal ausführlich auslassen. Zusammengefasst: Ich bin geschüttelt, nicht gerührt

STAR WARS EPISODE 7 – DAS ERWACHEN DER MACHT

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30 Jahre nach der Originaltrilogie, zehn Jahre nach den mit Enttäuschung aufgenommenen Episoden I bis III und vier Jahre nach der teuer bezahlten Übernahme des STAR-WARS-Imperiums durch den Disney Konzern waren sowohl die Erwartungen als auch die Befürchtungen groß. Würden Disney´s Manager das STAR-WARS-Universum verkitschen und mit jugend-affinen Fernsehdarstellern des Konzerns als Skywalker-Enkel besetzen.

Die Vermarktungsmaschnierie funktionierte jedenfalls bestens. Sorgfältig platzierte Informationsschnipsel bis hin zur inszenierten Frage „Was ist mit Luke Skywalker / Mark Hamill? Er ist nirgends zu sehen – spielt er überhaupt mit – kommt er überhaupt vor?“ fütterten die Gier und die Erwartungen der Fans.

Der Film kann sich als Ergebnis sehen lassen und ist für mich die positivste Überraschung des Jahres. Den Machern gelang es einerseits, sich vom Erfinder George Lucas zu emanzipieren und ihn aus der Produktion völlig draußen zu lassen und sich andererseits an den Filmen der Ur-Trilogie zu orientieren.

In Sachen Handlung gibt es nicht viel Neues. Erneut wird ein Roboter mit wichtigen Informationen ausgestattet und muss in Sicherheit gebracht werden. Erneut landen er und seine Begleiter auf einem Wüstenplaneten und tun sich mit Einheimischen zusammen. Der neue Skywalker ist eine kämpferische junge Frau und die interessanteste Figur seit Jahren ist ein desertierter Soldat der imperialen Kampftruppen, der zum Widerstand wechselt. Bei der imperialen Führung überzeugt der militärische Führer durch seine überkandidelte Korrektheit, während die Figur des neuen bösen Lords keine überzeugende Figur abgibt, nachdem er den Helm abnimmt, und wirkt wie die Nachgeburt von Darth Vader. Auch gibt es wieder einen Vater-Sohn-Konflikt mit neuer Rollenverteilung und den unerwarteten Filmtod einer wichtigen Figur.

Dabei ist Episode 7 wie alle Vorgängerfilme wie eine Seifenoper inszeniert und wechselt regelmäßig zwischen verschiedenen Personengruppen an verschiedenen Handlungsorten: Rebellengruppe 1 auf der Flucht im All, Rebellengruppe 2 zu Besuch auf Planet Soundso, die imperiale Führungsriege auf dem Basisraumschiff. Neben den Altstars der Ur-Trilogie und diversen eher unbekannten Darstellern als neue Generation der Rebellen spielt ausgerechnet der alte Schwede Max von Sydow einen Dorfältesten, der deutlich an Sir Alec Guiness als alter Obiwan Kenobi erinnert und nach zwei Netto-Filmminuten massakriert wird.

Im Gegensatz zu den digital und technisch übertriebenen Filmen der I-II-III-Trilogie wird hier wieder viel Handarbeit bei Kulissen, Fluggeräten und Effekten geleistet, was durchaus zu sehen ist und einen sehr positiven Eindruck macht.

Entweder man wuchs mit der Originaltrilogie als Kind oder Jugendlicher auf und fuhr total darauf ab oder man kann nicht viel mit STAR WARS anfangen. Dazwischen dürfte es wenig geben. Viele der Stilmittel sind Kult. Als die Fanfare von John Williams erklingt und sich die vertraute Schrift von vorne in die Weiten des Alls schiebt „Luke Skywalker ist verschwunden“, springt der Funke von der Leinwand auf mich über. Als später tatsächlich Han Solo und der Affenmensch Chewbacca auftauchen, habe ich tatsächlich fast Tränen in den Augen.

Die Gelddruckmaschine funktioniert wieder. Aber das kann ich niemandem zum Vorwurf machen. Denn wir wollen es ja. Wir gieren ja danach.

Die Wartezeit von zwei Jahren erschien mir beim Abspann unerträglich lange.

18:06 29.12.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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