Merkels Hofnarr

Dieter Nuhr Ein AfD-Clown in der "Ersten Reihe" stützt das System Merkel breitenwirksam.
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Dieter Nuhr sagt über sich selbst ganz unbescheiden, dass er gerne als "Witzbold" bezeichnet werden möchte - als Comedian sei er "nicht blöd genug" , "als Kabarettist" aber "zu lustig".

Dass Nuhr Comedy und Kabarett auseinanderhält, hat etwas Einnehmendes, Intelligentes, fast Altmodisches. Allerdings hat die Grenze zwischen Kabarett und Comedy nichts mit "lustig" oder "blöd" zu tun. Sie ist anders, aber doch sehr scharf definiert: Comedy bedient herrschende Vorurteile, Kabarett bekämpft sie. Nuhr jedoch meint, diese Grenzziehung galant umgehen zu können, indem er sich selbst darüber & zu Lebzeiten erhebt. Das ist zunächst erst einmal eitel. Subversiv ist es im Leben nicht.

Dass nun ein Rassist wie Dieter Nuhr allgemeinhin als Kabarettist firmieren darf Dass nun ein mutmaßlicher Rassist wie Dieter Nuhr allgemeinhin als Kabarettist firmiert, verdanken wir auch der Überzahl transatlantischer Vollidioten in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Inzwischen hat die wahrscheinlich auch noch kurz vor Burdas „Bambi“ stehende „heute-show“ diesem Sprach-Quacksalber die mediale Stange gehalten: der offenbar dauerpubertierende Serdar Somuncu durfte dort in ziemlich abgestandener Hassknecht-Manier einen Stammtisch-Brüller zu Gunsten Nuhrs ablassen.

Ohne den fehlenden Rauswurf Sarrazins aus der SPD wäre ein Nuhr im deutschen TV an so exponierter Position schwer zu halten. Sarrazin hat, dank der Inkonsequenz der SPD, das Ressentiment wieder salonfähig gemacht. Oder besser: Den Salon, der solch' reaktionäres Zeug faselt, wieder gesellschaftsfähig. Die derzeitige „Debatte um Nuhr“ ist eine Folge dieser Inkonsequenz. Und ein gefundenes Fressen für alle Sarrazin-Fans. (Jedoch wird das, wieder einmal, der SPD nichts bringen. Davon profitiert eher der rechte Stammtisch. Und der wählt im Zweifel AfD.)

Es wäre müßig, einen kleinen Demagogen wie Nuhr, einen cheerleader of the system (Leo Bassi) der Demagogie zu überführen. Satire ist letztlich immer das Mittel der Kleinen gegen die Großen, der Schwachen gegen die Starken. Muslime von deutschen Kabarettbühnen aus frontal anzugreifen, sie strategisch in einen Topf zu hauen mit Salafisten, Islamisten, ist wohl so ziemlich das Gegenteil davon. Ob ein Nuhr wohl den Arsch und die verbale Kompetenz in Hemd und Hose hätte, zu benennen, dass Religionen in institutionaliserter Form hauptsächlich missbraucht wurden und werden? Und zwar so, wie das etwa bspw. gerade der Typ praktiziert, der als deutscher Bundespräsident amtiert?..

Rassismus ist immer Ausdruck von Herrschaft. Es ist wohlfeil, Salafismus und Islamismus anzuprangern, wenn man historische, regionale und soziale Zusammenhänge außen vor lässt. Das Ins-Mikro-Nuscheln, welches Konsumenten der Nuhr'schen Possen mit Britischem Understatement verwechseln, ist ästhetisch durchaus auch vergleichbar mit dem lauten Gegeifere u.a. eines Goebbels vor der „Machtergreifung“.

Um etwaige Missverständnisse solcherart auszuschließen: Wer so richtig gerne gegen Salafisten ätzen möchte, sollte sich doch besser mal die deutschen Exporte Richtung Saudi-Arabien und Katar, sowie die mutmaßlich spezielle deutsche Unterstützung für Katar und v.a. für die dort auszutragende Fußball-WM anschauen.

Nur können wohl diejenigen, die das profund und mit subversivem Witz tun, nicht mehr damit rechnen, schadlos Merkels TV-Hofnarr zu sein.

Update 2.11., 9:30 Uhr:

Hunters Kritik an meinem Beitrag ist berechtigt und für mich nachvollziehbar. Das gebe ich mit einiger Zerknirschung zu. Ich hätte ruhiger und kühler argumentieren sollen. Das ist mir nicht gelungen. Und das ist ein Fehler. Ich ärgere mich selbst wohl am meisten darüber. Ich möchte den Beitrag aber nun nicht klammheimlich depublizieren. Dafür haben ihn offensichtlich auch schon zu viele gelesen.

Ich würde mir aber wünschen, dass eine notwendige, eindeutige, profunde kritische Auseinandersetzung mit Dieter Nuhrs Auftritten trotzdem stattfindet; ich halte seine - auch durch seine TV-Präsenz multiplizierten - reaktionären Angriffe auf das, was man vielleicht als gesunden Menschenverstand bezeichnet, für sehr bedenklich. Vor allem, wenn ich sehe, dass dies offenbar von einer Vielzahl von Zuschauern so eben nicht gesehen wird. Ich kann eine solche Kritik im Augenblick nicht leisten. Das wird mir an Hunters Kritik meines Beitrags klar (Danke).

MfG-mcmac

Update 2.11.,11:00:

Teaser geändert: "Rassist mit Understatement - der AfD-Clown Nuhr stützt das System Merkel breitenwirksam" in "Ein AfD-Clown in der "Ersten Reihe" stützt das System Merkel breitenwirksam" geändert.

Der Einflüsterer - Gibt es rechtes Kabarett? Angesichts des ARD- „Satire Gipfels“ muss man diese Frage ernsthaft stellen (fc-Beitrag vom 9. April 2013)

Beim Barte des Propheten! - Der Fall Nuhr Auch wenn man gerade nicht den Eindruck gewinnt: Der Humor in der islamischen Welt lebt (dF-Beitrag vom 30. Oktober 2014)

00:54 02.11.2014
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