Jens Balzer und Svenja Flaßpöhler: Gibt es gute und schlechte kulturelle Aneignung?

Interview Kultur ist immer schon Aneignung, aber welche Formen sind ethisch vertretbar? Diese und andere Fragen diskutieren der Autor Jens Balzer und die Philosophin Svenja Flaßpöhler
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 43/2022
Zum Beispiel Indianerspiele: Wo endet das Sich-Hineinversetzen, wo beginnt die Usurpation?
Zum Beispiel Indianerspiele: Wo endet das Sich-Hineinversetzen, wo beginnt die Usurpation?

Fotos: Peter Hirth/Laif, Johanna RUebel, Roland Owsnitzki (unten)

In seinem neuen Buch Ethik der Appropriaton versucht der Publizist Jens Balzer, die Debatte um Dreadlocks, Winnetou oder Elvis jenseits der ermüdenden Polemiken zu denken. Gute Aneignung verzichtet auf Projektionen, weiß um ihre Gemachtheit. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler hat da ein paar Rückfragen, gerade wenn es um Aneignung nicht auf dem Feld der Ethnien, sondern dem des Geschlechts geht.

der Freitag: Haben Sie sich schon einmal der Cultural Appropriation schuldig gemacht?

Svenja Flaßpöhler: Bei Cowboy-und-Indianer-Spielen war ich immer der Cowboy. Ich habe mich damals männlich identifiziert und wollte unbedingt eine Knarre haben. Aber selbst wenn ich mich als Indianer verkleidet hätte, hätte ich mich nicht „schuldig“ gemach

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