Sebastian Kunze
19.02.2015 | 06:00 32

Fehlt der Zins im System?

Geldpolitik Zur Frage, ob die Geldschöpfung aus dem Nichts in Verbindung mit dem Zins zwangsläufig zu einem ständigen Wachstum der Geldmenge führt.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Sebastian Kunze

In einem Kreditgeldsystem wird immer nur dann neues Geld geschaffen, wenn eine Nichtbank (Verbraucher, Unternehmen, Staaten) bei einer Bank einen Kredit aufnimmt. Ohne Schuldverhältnisse kommt kein Geld in Umlauf. Würden in einem Kreditgeldsystem alle Schulden getilgt, gäbe es kein Geld mehr in der Volkswirtschaft.

Etwas vereinfacht lautet so die Definition des Kreditgeldsystems der Autoren Freydorf, Kimmich u.a. in ihrer Studie „Wachstumszwänge in der Geldwirtschaft“ aus dem Jahre 2012.

Autoren wie Norbert Häring und Otmar Pregetter würden hinzufügen:

„Nach der vollständigen Tilgung aller Kredite sind aber die Zinsen noch nicht bezahlt, da das Geld für die Zinsen in der Geldmenge nicht enthalten ist.“

Und damit sind wir bereits bei der ganz entscheidenden Frage angelangt, mit der sich der folgende Artikel auseinandersetzen wird:

Führt die Geldschöpfung aus dem Nichts in Verbindung mit dem Zins zwangsläufig zu einem ständigen Wachstum der Geldmenge oder können die Zinsen trotz stabiler Geldmenge aufgebracht werden?

Ausgangspunkt für die Betrachtungen soll folgendes Beispiel sein:

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Insel mit genau einer Bank und genau drei Kreditnehmern. Jeder Kreditnehmer erhält am Jahresanfang einen Kredit von 100 Euro von der Bank. Wie üblich in solchen Fällen möchte die Bank nicht nur den Kreditbetrag, sondern auch Zinsen haben und am Jahresende soll jeder der drei Kreditnehmer 100 Euro plus 5% Zinsen; also 105 Euro an die Bank zahlen.

Wenn man jetzt mal ein wenig rechnet, wird schnell klar, dass die Bank 3x100=300 Euro geschaffen hat, aber 3x105=315 Euro zurück haben will. Da sieht auch jeder schnell ein, dass ein solches Unterfangen unmöglich ist.

Die Bank erzeugt immer nur die Geldmenge für den Kredit, nicht jedoch für die Zinsen. Keine Bank erzeugt auch nur einen Euro, der originär für Zinszahlungen verwendet werden soll.

Das ist insoweit auch unstreitig.

Also kann nur der Kreditbetrag, nicht jedoch die Zinsen an die Bank gezahlt werden. Zinszahlungen sind nur dann möglich, wenn neues Geld in das System gelangt. Und neues Geld gelangt wiederum ausschließlich als Kredit in das System, für den seinerseits wiederum Zinsen zu zahlen sind, deshalb spricht man auch vom Zinses-Zins-System. Die Kreditnehmer benötigen also einen weiteren Kredit, um ihre Zinsen zu bezahlen. Das entspricht jedoch einem klassischen Schneeballsystem - auch Pyramidenspiel genannt.

So die Argumentation von Pregetter und Häring.

Dennoch gibt es Autoren, die behaupten, dass Zinszahlungen auch ohne Geldmengenwachstum möglich sind und formulieren:

„Wir widerlegen die mancherorts zu findende These, dass allein die Kreditgeldschöpfung bereits zu einem Wachstumszwang führen würde, da der Zins eine ständige Ausweitung der Geldschöpfung bedinge.“

Wie soll das funktionieren?

Das Modell dieser Vertreter beruht auf der Annahme, dass Banken ihre Einnahmen aus Zinsen wieder in den Geldkreislauf einspeisen und diese somit für die Rückzahlung der Kredite zur Verfügung stehen.

Nach dieser Theorie passiert auf unserer Insel im Ausgangsbeispiel in etwa Folgendes:

Die Bank gibt am 1.1. wie gehabt an alle drei Kreditnehmer 100 Euro zu 5% Zinsen heraus.

Am 30.6. zahlen alle drei Kreditnehmer eine erste Rate in Höhe von 5 Euro an die Bank. Die Bank erzielt also Einnahmen in Höhe von 3x5=15 Euro und verbucht diese als Zinsertrag.

Die Bank gönnt sich im August von Kreditnehmer A eine Organisationsberatung und zahlt dafür 15 Euro an A.

Damit sind die Zinsen aller 3 Kreditnehmer (3x5=15 Euro) von der Bank wieder in das Geldsystem eingespeist worden und stehen für die Rückzahlung zur Verfügung. Am 31.12. befinden sich 300 Euro im Insel-Geldsystem, die für die vollständige Rückzahlung der Kredite verwendet werden können.

Es funktioniert also – zumindest in diesem Beispiel sind Zinszahlungen ohne Geldmengenwachstum möglich.

Aber ist dieses Beispiel auch repräsentativ und kann damit verallgemeinert werden?

Zunächst lässt sich feststellen, dass alle Zinseinkünfte einer Bank letztlich in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen, so dass evtl. aus dieser abgeleitet werden kann, wie die eingenommenen Zinsen verwendet werden.

Sehen wir uns beispielhaft die Gewinn- und Verlustrechnung der Deutschen Bank aus dem Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2013 an:

Aus Zinsen und ähnlichen Erträgen hat die Deutsche Bank im Jahre 2013 insgesamt 25,6 Mrd. Euro eingenommen. Abzüglich des Zinsaufwandes von 10,8 Mrd. Euro ergibt sich ein Zinsüberschuss von 14,8 Mrd. Euro.

Zusammen mit Einnahmen aus Provisionen (12,3 Mrd. Euro) ist der Zinsüberschuss damit die dominierende Einnahmeposition der Deutschen Bank.

Die beiden größten Positionen auf der Ausgabenseite sind der Personalaufwand mit 12,3 Mrd. Euro und der Sachaufwand mit 15,1 Mrd. Euro.

Jetzt könnte man meinen, dass über Löhne und Gehälter (=Personalaufwand) sowie Mieten, Büromaterial und sonstige Sachkosten der Zinsüberschuss wieder in den Geldkreislauf zurückgespeist wird und damit für die Rückzahlung von Krediten zur Verfügung steht.

Es soll an dieser Stelle gar nicht weiter problematisiert werden, ob dem tatsächlich so ist, da das eigentliche Problem ein anderes ist. Gehen wir der Einfachheit halber einfach einmal davon aus, dass tatsächlich der gesamte Personal- und Sachaufwand wieder im System ankommt.

Das wirkliche Problem ist jedoch der Zinsaufwand von 10,8 Mrd. Euro.

Warum?

Weil diese 10,8 Mrd. Euro an die Inhaber von Guthaben bei der Deutschen Bank ausgezahlt werden und sich somit die Frage stellt, inwieweit diese 10,8 Mrd. Euro wieder in den Geldkreislauf eingespeist oder diesem vorenthalten werden und damit für die Rückzahlung von Krediten nicht zur Verfügung stehen.

In der eingangs erwähnten Studie „Wachstumszwänge in der Geldwirtschaft“ wird genau dieses Problem analysiert:

Welche Verwendungsmöglichkeiten haben Bezieher von Zinseinkünften für ihre Einkünfte aus Zinsen und was folgt aus den verschiedenen Szenarien der Mittelverwendung?

Die Verfasser arbeiteten fünf verschiedene Verwendungsmöglichkeiten für Zinseinkünfte heraus:

Szenario 1: Die Zinseinkünfte werden für Konsum genutzt.

Szenario 2: Die Zinseinkünfte werden zum Kauf von Sachvermögen genutzt.

Szenario 3: Die Zinseinkünfte werden in bar gehalten.

Szenario 4: Die Zinseinkünfte werden bei einer Bank eingezahlt und als Einlagen gehalten.

Szenario 5: Die Zinseinkünfte werden in profitorientierte Unternehmensformen investiert.

Ergebnis der Studie ist, dass nur im Szenario 1 die Zinseinkünfte wieder vollständig in den Geldkreislauf gelangen und damit in Gänze für die Rückzahlung von Krediten zur Verfügung stehen.

Die Szenarien 3 und 4 hingegen begründen einen exponentiellen monetären Wachstumszwang.

Entscheidender Punkt dabei ist, dass durch das Horten von Geld (egal ob in bar oder als Bankeinlage) dem Markt Geld entzogen wird, dass aber zur Rückzahlung der Kredite PLUS Zinsen dringend erforderlich ist. Dieses fehlende Geld kann ausschließlich durch neue Kredite in das System gelangen, da eben nur auf diese Weise in unserem (Schuld-)Geldsystem neues Geld entsteht. Da für diese neuen Kredite wiederum Zinsen zu zahlen sind, entsteht ein dauernder monetärer Wachstumszwang.

Nun mag der Leser einwenden, dass es nun ja wohl entscheidend darauf ankäme, in welchem Verhältnis die einzelnen Szenarien in der Realität existieren und sich daraus ergebe, wieviel Geld denn tatsächlich dem Geldkreislauf entzogen werde.

Dass ein solches Verhältnis eben gerade nicht spielentscheidend ist, führen die Verfasser ebenfalls aus:

„Aus der Mathematik ist bekannt, dass exponentiell wachsende Einflüsse mittelfristig alle konstanten, konvergenten, linearen oder polynomial divergenten Einflüsse dominieren, es sei denn ihr Anteil am Gesamteinfluss geht gegen Null. Da Kapitaleinkünfte mit zunehmendem Sparvermögen steigen und mit steigendem Einkommen zugleich die Sparquote tendenziell steigt (sinkende marginale Konsumneigung), fließen Zinserträge zu einem immer kleineren Anteil in den Konsum. Insofern dürfte Szenario 1 (alle Einkünfte werden vollständig konsumiert) mit der Zeit immer mehr an Einfluss verlieren bzw. unwahrscheinlicher werden, wohingegen die übrigen Szenarien tendenziell mit der Zeit an Bedeutung gewinnen, mindestens eines sogar an Bedeutung gewinnen muss. … Mittelfristig ergibt sich jedoch aufgrund der sinkenden marginalen Konsumneigung eine Dominanz der exponentiell verlaufenden, monetären Wachstumszwänge (Szenario 3 und 4), weswegen allein aufgrund der selbstverstärkenden Fortschreibung der beschriebenen Entwicklungen der wachsende „materielle Wohlstand“ in erster Linie der Gläubigerseite zugute kommt.“ (S.39)

Insofern ist im Ergebnis Folgendes festzuhalten.

Beide Insel-Beispiele bestehen den Praxistest nicht. Es ist weder so, dass die Zinsen komplett fehlen noch dass sie komplett in den Geldkreislauf zurückgespeist werden. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, da Zinseinkünfte zum Teil verkonsumiert werden und zum Teil in bar oder als Einlagen gehalten werden.

DENNOCH, und das ist als entscheidendes Ergebnis anzusehen, gibt es in unserem Geldsystem einen exponentiellen monetären Wachstumszwang. Dieser resultiert daraus, dass (auch das teilweise) Horten von Zinseinkünften in bar oder als Bankeinlage dem System Geld entzieht und dies ein exponentielles monetäres Wachstum bedingt. Da die exponentiellen Prozesse alle anderen überlagern, führt die Hortung von Zinseinkünften, insofern sie nicht gegen Null tendiert, zu einem zwangsläufigen, exponentiellen Wachstum der Geldmenge.

Insofern ist es als bewiesen anzusehen, dass ein zinsbasiertes Schuldgeldsystem wie das unsrige zwangsweise ein ständiges Wachstum der Geldmenge bedingt, da es anderenfalls in kürzester Frist scheitern würde.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (32)

Lukasz Szopa 19.02.2015 | 10:35

Sie vergessen in Ihren Beispielen den KOMPLETTAUSFALL der Zinszahlungen und/oder der Tilgung. Angenommen, Kreditnehmer 3 STIRBT. Bank erhält weder Zinsen noch Tilgung (oder, sagen wir mal, nur die ersten 2 Zinsraten). Da bleibt nichts anderes übrig (angenommen "die Bank" = "Geld schaffende Zentralbank") als daß die Geldmenge sinkt. Das "Problemchen" heutzutage ist, daß Zinsgewinne nicht 100% gegen Zinsverluste ausgeglichen werden. In einer freien Marktiwirtschaft wären die Zinssätze entsprechende den zu erwarteten Ausfallsrisiken. Kurzfristig oder von 1 Bank ausgehen könnte es schon Zinsgewinne geben. In der ganzen VWL und langfristig wäre dies aber unmöglich.

Sebastian Kunze 19.02.2015 | 11:02

KOMPLETTAUSFALL der Zinszahlungen und/oder der Tilgung

Kommt eher selten vor, da die Bank üblicherweise Kredite nur gegen Sicherheiten rausrückt und sich im Falle de Falles aus den Sicherheiten befriedigt.

Und wenn die Bank doch mal einen Ausfall kassiert, dann hat sie in der Regel von den Zinseinnahmen der Vergangenheit etwas beiseite gelegt und gleicht den Ausfall damit aus. In der Bilanz der Deutschen Bank 2013 belief sich diese "Risikovorsorge im Kreditgeschäft" auf ca. 2 Mrd. Euro.

Lukasz Szopa 19.02.2015 | 11:11

Wenn ich mein Konto mit 1000 EUR überziehe, und danach ohne jegliches Vermögen sterbe - hat die Bank 1000 EUR verloren. Sollte sie dagegen versichert sein - ist das Geld der Versicherung weg etc.

Siehe auch HRE: deren Geld war eigentlich auch WEG. Nur hat der Staat diese übernommen, ob als "Garantie" (mögliche Zahlungen in der Zukunft) oder direkt als Schuldenübernahme. Hätte der Staat dies nicht getan, wäre ds Geld WEG - statt dessen wurde durch neue Schulden des Staates diese Geld "neu geschaffen".

@ Zinseinnahmen aus der Vergangenheit. Ja, in der Bilanz sieht es dann immer noch als ein "Plus" aus. Aber angenommen alle Bilanzposten der Deutschen Bank wären unverändert, und nur mein überzogenes Konto wäre nun wertlos - bei der Bank würde der Posten "Risikovorsorge" sich verringern.

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Ehemaliger Nutzer 19.02.2015 | 11:23

..."In einer freien Marktiwirtschaft wären die Zinssätze entsprechende den zu erwarteten Ausfallsrisiken" etc. etc. pp....

In der realenfreienMarktwirtschaft mussten die Steuerzahler den Lehmanncrash 2008 stöpseln, Lukasz Szopa, in den vergangenen Jahren bist du hier schon als "VWL'er" und "WiWi- Experte" aufgefallen, insbesondere für deinen Feinsinn der wahren Begebenheiten sind deine Expertisen sehr gefragt, eigentlich müsstest du bei Mcscheysel, Soldmann & Dreirad oder wenigstens bei Lutscher und Leibrand - KPMG mindestens eine halbe Million € im Jahr verdienen, ich empfehle dir dringensdens deine Bewerbung bei denen einzureichen, wenn es bei denen nicht reichen sollte, bei der HSBC in Genf ist da sicher noch ein Plätzchen frei.

Sebastian Kunze 19.02.2015 | 11:32

Wenn ich mein Konto mit 1000 EUR überziehe, und danach ohne jegliches Vermögen sterbe - hat die Bank 1000 EUR verloren.

Und wenn man es mal ganz genau betrachtet, dann sind ebendiese 1.000 Euro, die die Bank abschreiben muss, eine Art Vollgeld inmitten des großen Schuldgeldsystems. Diese 1.000 Euro sind dann nämlich nicht mehr mit einem Kredit unterlegt und müssen an niemanden zurückgezahlt werden.

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Ehemaliger Nutzer 19.02.2015 | 11:33

..."Siehe auch HRE: deren Geld war eigentlich auch WEG. Nur hat der Staat diese übernommen"...

Aha, das Knöpfchen klingelt so ein bisschen, aber beim Topfschlagen bist du noch bei "lauwarm", OBACHT:

Nicht der "Staat" hat diese übernommen, sondern der "Steuerzahler", z.B. also du oder ich bei der MwSt. beim Buttereinkauf oder mal Spritnachladen oder so ähnlich, mal schauen ob es noch weiterklingelt...

Lukasz Szopa 19.02.2015 | 11:36

Ja, aber nur weil in Ihrem Insel-Beispiel - wie leider in der heutigen Finanzwelt - die Banken Geld "aus dem Nichts" schaffen können Oder woher hatte Ihre Insel-Bank die 300 EUR? Das ist eine entscheidende Frage, was Geldsysteme angeht. Bei Vollgeld wären die 300 EUR nicht "geschaffen", sondern das Geld der Sparer & Eigentümer der Bank. Die Bank wäre gleichzeitig ein Schuldner gg. den Sparern und den Aktionären. In der heutigen Welt aber ist eine Privatbank zwar berechtigt, Giralgeld zu schaffen, doch Eigenkapital & Spareinlagen decken - je nach Bank - nur einen Teil der vergebenen Kredite. So schaffen eben Banken mehr Geld - indem sie mehr verleihen als sie haben. Theoretisch schulden sie diese Differenz der Zentralbank - doch wem schuldet sie?... Niemanden, außer... unserem Vertrauen auf das FiatGeld.

Sebastian Kunze 19.02.2015 | 11:39

VERDIENEN tut bei den ganzen PowerPoint-Casinos keiner irgendwas. Die BEKOMMEN einfach. Meine Theorie ist ja, dass die sinnlosesten Jobs das meiste Geld einbringen und die Menschen, die für die Gesellschaft wirklich was leisten, nagen am Hungertuch. Ein paar Beispiele? Sinnlosjobs: Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmens,- Lifetyle-, Versicherungs- und alle sonstigen Berater, Investmentbanker. Sinnvolljobs mit übersichtlichen Einkommen: Kindergärtner, Krankenschwestern, Hebammen, Müllfahrer. Wenn die mal 2 Wochen nix machen, ist die Hölle los. Wenn die ganze Beraterbrut mal zwei Wochen pausiert, juckt das niemanden.

iDog 19.02.2015 | 13:04

schön klar zusammengefsst ***** :-))

...und warum wird es so gerne gehortet , das Geld ? ...

Ich nehm mal die Abkürzung : je mehr es gehortet wird, desto schlechter stehen die wirtschaftlichen Chancen etwas "vernünftiges" damit anzufangen ... die verzweifelte Suche nach dem nächsten "Verlierer" beim Zins-Pyramidenspiel lässt selbst Krieg zur verlockenden Ware werden.

Ausflug nach Doomsday anstatt Urlaub im Paradies ??

Irgendwas stimmt an dem verdammten Konzept nicht.

Pregetter Otmar 19.02.2015 | 16:21

Habe zwar ziemlich "Land-Unter" - dennoch ein paar Anmerkungen:

1.) Wachstum - JA, wenn damit, Du hast dies öfters glaube ich eh erwähnt Sebastian, n u r das Wachstum der Geldmenge gemeint ist - die eben aus 2 Gründen exponentiell ist:

A) weil es ja auf vwl. Ebene n i e eine Tilgung geben kann (weil es ja dann kein Geld mehr gäbe - mit der Stornobuchung des Kredites = Tilgung sind die Salden ja NULL) + die Neuverschuldung eben wiederum nur aus Bankkrediten möglich ist,

B) eben durch den Zins, der n i e in der in de Geldmenge enthalten ist, sondern p.a. immer wieder neu durch Kredite "bezahlt" werden muss = exponentielle Steigerung, was eben auch bei 2-3% p.a. so nach 60-70 Jahren zum Crash führen muss - und alle Indikatoren zeigen, dass wir uns genau in dieser Phase befinden. Daran ändert auch der ESm usw. nichts, auch wenn er auf 10.000 Mrd. Euro aufgeblasen wir.

Zins(es)zins :

wieso so kompliziert, Sebastina, der 1. Schritt der Geldschöpfung reicht dazu völlig aus = wenn sich die Geschäftsbanken das Geld (ZB-Geld - also Münzen/Scheine + ZB-Buchgeld) von der ZB "Kaufen" - auf Kredit, selbstverständlich - die Gleichung ist ganz simpel: K = Kredit, Z = Zins (Seignorage).

K = K + I . . . Q.E.D.

d.h. es ist natürlich keine Gleichung, eben weil die GB ja Kreditbetrag + Zins zurückzahlen muss.

Mehr als Beweis ist nicht nötig - alle anderen Beispiele dienen eher der Verwirrung.

Dennoch - ein paar korrigierende Gedanken:

a.) Zinseinnahmen werden ausgegeben.

Hier macht man den 2. Gedanken zur "Erklärung" - vergisst aber auf den 1. Gedanken = Ursache, also.

woher stammt das Geld (dei Geldmenge )für den Zins = Zinseinnahme der Bank, die dann - so die heere Theorie - wieder in die Wirtschaft fliessen soll. Ich empfehle immer, einfach mal all dies "Erklärungsversuche" b i l a n z i e l l, also aus den Buchungen bei den GB zu erklären und darzustellen - dann kommt man gleich drauf, dass dies nicht SO darzustellen ist.

Pregetter Otmar 19.02.2015 | 16:27

b.) aus unter a.) genanntem Grund, sind für mich die Beispiele 1-5.) nur Nebelgranaten und bringen keine echte Erhellung zur Zentralfrage - mal davon abgesehen, dass die von der Bank an die Sparer (das Geld dafür stammt ja auch o r i g i n ä r aus einem Kredit, weil ja Sparer/Haushalte kein Geld drucken/erzeugen können!) bezahlten Zinsen als 1 Beispiel gelten, wo eben Geld n i c h t als Kredit in die Wirtschaft fliesst. Die 10 Mrd. machen aber bei einer aggregierten Bilanzsumme der Banken von ca. 7.600 Mrd in DE - ohne Schattenbanken ! - nur ca. 0,15% aus.

In einer freien Marktiwirtschaft wären die Zinssätze entsprechende den zu erwarteten Ausfallsrisiken.

Pregetter Otmar 19.02.2015 | 16:50

2.) @ Lukas Szopa

a.) 10.35h

"Das "Problemchen" heutzutage ist, daß Zinsgewinne nicht 100% gegen Zinsverluste ausgeglichen werden.

Wieso nicht? Der Zinssaldo entsteht ja indem man in der G/V die Zinserlöse mit den Zinsaufwendungen gegenrechnet.

In einer freien Marktiwirtschaft wären die Zinssätze entsprechende den zu erwarteten Ausfallsrisiken.

Hier dürfte ein Gedankenfehler vorliegen, weil Zinsen j e d e s Jahr vom ausstehenden Kreditobligo berechnet werden - die Kreditrisken aber nur 1 x eben bei "Bewertung des Risikos" als reiner Buchungsvorgang = kein Cashzugang bilanziell kalkuliert werden. Beides ist strikt zu trennen.

Auch gibt es keinen "Marktuins", denn der Leitzins wird politisch und nicht durch Angebot/Nachfrage festgelegt - und die GB "vergeben" Zinsen an die Unternehmen auch nicht nach Marktgegebenheiten,, sondern nach Kreditwürdigkeit - wie immer sie diese auch "raten".

b) 11.32h

"Der einzige ethisch vertretbarer Grund für einen Zins, angenommen es gäbe keine Inflation, ist die realistische Wahrscheinlichkeit dessen Ausfalls plus des Ausfalls der Tilgung."

Sehe ich nicht so - denn der Zins hat weder mit einem Ausfallsrisiko noch mit der Inflation etwas zu tun; er wird nur für die zur Verfügungstellung von "Buchungszeilen" - als für ein Produkt = Geld, das zuvor nicht vorhanden war ... - verrechnet.

Ethische Begründung sehe ich auch darin keine.

c) 11.36h

Bei Vollgeld wären die 300 EUR nicht "geschaffen", sondern das Geld der Sparer & Eigentümer der Bank.

Sehe ich auch nicht so - denn bei Vollgeld müsste sich die GB ja das Geld v o r der Kreditvergabe (Geld aus dem Nichts) von der ZB (egal ob Bares oder ZB-Buchgeld) besorgen - als auch das Eigenkapital + Spareinlagen nur ca. 10% zusammen der Bankbilanzsummen = Kreditvergaben ausmachen.

In der heutigen Welt aber ist eine Privatbank zwar berechtigt, Giralgeld zu schaffen, doch Eigenkapital & Spareinlagen decken - je nach Bank - nur einen Teil der vergebenen Kredite.

Kurz mal nachgedacht:

- Der Kreditbetrag steht als Forderung in der Bankbilanz

- Spareinlagen sind vom Standpunkt der Banken ja Schulden.

d.h. mit Schulden (Spareinlagen) kann ich doch kein Vermögen (Forderung) "decken" ... ?

Der korrekt Begriff wäre "finanzieren" - wobei man ja k e i n vwl. Sparen braucht, um Investitionen zu finanzieren, weil die Banken ja das Geld aus dem Nichts vergeben können - und dabei nur durch die Mindestreserve (zu vernachlässigen) und durch die Eigenkapitalvorschriften (auch kaum hemmend) darin begrenzt werden.

pleifel 19.02.2015 | 19:13

Schöner Beitrag Herr Kunze, gerne gelesen, auch die Hinweise auf die Links.

Das alte Thema, schon des Öfteren hier in der FC diskutiert. Am übersichtlichsten sind ja die vereinfachten Bankbeispiele mit nur einer Bank. Für die Wirtschaft und uns Konsumenten wäre eine zentrale Bank wie die EZB (mit Zweigstellen) völlig ausreichend. Und wenn keine politischen und privatwirtschaftlichen Risiken der Bargeldabschaffung zu befürchten wären, bräuchten wir Cash ebenfalls nicht mehr.

Lassen wir nun noch Zins (Gebühren usw.) aus Vereinfachungsgründen weg und bleiben beim reinen Kreditsystem (Geldschöpfung), dann wäre „nur“ eine kongruente Geldmenge vorzuhalten, die dem jeweiligen Wirtschaftsgleichgewicht (Realökonomie) entspricht. Unter diesen Annahmen kann die Geldmenge (Buchgeld) nur durch Ausweitung von Kredit erzeugt werden. Und abhängig von der Größe der Rückzahlung, dem Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen neuen Krediten, verhält sich die Geldmenge.

Nun wäre zu berücksichtigen, dass die Bank Kredit nur gegen Sicherheit gewährt, was das Kreditvolumen binden würde. Ankauf von Staatsschuldverschreibungen sollte über die Deckung der Infrastruktur möglich sein. Allerdings ist der ganze Geldkreislauf im gewissen Sinne nur eine Verknüpfung (Ersatz) der Interaktionen menschlicher Güterproduktion und Dienstleistung, die früher ohne das ganze gelaufen ist.

Nun lässt sich leicht denken, dass bei einer kontinuierlichen menschlichen Wertschöpfung, die über den Verfall (Verbrauch, Verschleiß) der Güter hinausgeht, auch die Geldmenge adäquat steigen müsste. Denn abgesehen von den Fällen, wo jemand sich ohne Geldtransfers und Kredite im Wald seine Hütte baut (die dann auch einen Wert darstellt), also keine Geldbewegung verursacht, dient der Kredit ja nur der Ermöglichung einer Aktivität, die entweder neue Werte schafft (neue Sicherheiten) oder über den Konsum die Wertschöpfung an anderer Stelle begleitet.

Der ganze Geldschöpfungsprozess ohne Zinsen beinhaltet aber immer noch das Problem der Eigentumsfrage, die von der Geldschöpfung nicht zu trennen ist. Angenommen, es gäbe kein Wirtschaftswachstum (konstante Bevölkerung), dann dürfte es kein Eigentum an den Buchgeldern selbst geben. Zahlungen, die geleistet werden (bleibt immer auf den Konten der EZB), dienen nicht der Vermögensakkumulation und dürfen nicht über eine bestimmte Größe zurückbehalten werden. Dieses Problem ließe sich auch über eine kontinuierliche Gutschrift, bzw. Verfall von Buchgeld lösen.

Die Vorraussetzung dieses Verfahrens wäre also dem Geld die Funktion des längerfristigen „Wertaufbewahrungsmittels“ zu entziehen. Eine weitere Voraussetzung wäre eine völlig neue Art, wie Arbeit und Produktion (Dienstleistungen) gekoppelt werden. Zwar würde man weiterhin das Geld aus Vereinfachungsgründen einsetzen, es hätte dann aber klar abgegrenzte Funktionsinhalte, die zu keinen „wertlosen“ Blasen wie heute führen könnten.

Jetzt wäre noch eine Sache zu klären, die bei Kredit mit Untergang der Investition einhergehen könnte. Was dann? Nun, dazu bedarf es halt einer Konstruktion, die dann den Vorgang wie ein normales Naturereignis (Sturm, Erdbeben Überschwemmung usw.) zu prüfen hätte. Denn Verschwendung und keine Nachhaltigkeit vertragen sich auch nicht mit dem Modell.

Ich gebe zu, dass dafür eine beträchtliche ethische Wandlung bei uns eintreten müsste, die doch heute eher von Skepsis und Misstrauen geprägt ist, was die Leistung anderer betrifft. Solange wir aber keine neuen Vorstellungen entwickeln, versuchen wir weiterhin: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Zitat Einstein). Aus dem Kreislauf müssen wir raus.

Alles als grobe Vereinfachung geschrieben, aber wer will (kann) schon ein Buch schreiben? ;-)

Sebastian Kunze 20.02.2015 | 10:52

weil es ja auf vwl. Ebene n i e eine Tilgung geben kann (weil es ja dann kein Geld mehr gäbe - mit der Stornobuchung des Kredites = Tilgung sind die Salden ja NULL) + die Neuverschuldung eben wiederum nur aus Bankkrediten möglich ist

Lieber Otmar, das ist einer der wenigen Punkte, in denen ich Dir (noch) nicht folgen kann. Das kann natürlich auch an meiner V/BWL-Unterbelichtung liegen.

Ganz konkret:

Kann die Bank nach Belieben Zahlungen des Kreditnehmers entweder auf die Dahrlensforderung ODER auf die Zinsen buchen?

Wenn sie das kann und auch macht, dann müsste mein Bsp. mit den 3x5 Euro Zinszahlungen vor der Tilgung doch funktionieren, oder? Denn dann vernichtet sie die 15 Euro nicht, sondern kann sie wieder in den Geldkreislauf einspeisen. Und dann können (zumindest theoretisch) die Zinsen oder Wachstum der Geldmenge aufgebracht werden.

Verbucht Sie aber immer zuerst alle Zahlungen auf die Dahrlensforderung, dann verschwindet das Geld und es gibt nix, was die Bank in den Geldkreislauf zurückspeisen könnte.

???

Pregetter Otmar 20.02.2015 | 16:14

Lieber Sebastian, vorweg zu Deinem eher "an den Haaren" (weil ja "Beratunsleistungen" die die Banken an Kreditkunden vergeben, wohl nur im 0,0001 Promillebereich bei einer Bilanzsumme von ca. 7.600 Mrd. Euro ausmachen dürften) herbeigezogenem Beispiel.

Ich verstehe Dich, glaube ich, gut - denn es soll ja nur der theretischen Debatte dienen, ob das geld für den Zins auch anders - als eben durch neue Kredite - entstehen kann:

- bei jedem Kreditvertrag gibts eine vereinbarte Annuität p.a. (Tilgung+ Zins) und sohin ist eine vorzeitige, explizite und halbjährige (die 5,- werden am 30.6. bezahlt - machen aber den Zinsbetrag p.a. aus) Zinszahlung in der Praxis auszuschliessen, d.h. die Bank hat keine Entscheidungsmöglichkeit wie sie die 5,- Vorabzahlung verbucht (Kredittilgung oder Zinszahlung).

- unabhänig von Deinen Annahmen ist eines korrekt:

wenn GB Leistungen für ihren "Betrieb" kaufen (Beratungsleistungen in Deinem Beispiel) kommt Geld o h n e Kredit in Umlauf, da diesen ja Aktiva (Bürobau) oder Aufwendungen (Rechtsanwaltskosten z.B.) - also VORLEISTUNGEN gegenüberstehen.

Nur . . . stellt sich dann z.B. beim Büroturm der EZB (1,3 Mrd. Anschaffungswert für 2.800 Beschäftigte) die entscheidende Frage: w o h e r nahm denn die Baufirma das Geld ... um genau diesen Bau über die Bauzeit vor-zu-finanzieren und ihre Löhne + Material usw. zu zahlen? Und nachdem die Baufirma wiederum nur über eine Kredit das Geld dazu bekommt . . . ;-)

Stellt man die 1,3 Mrd. des Bürobaues der EZB zu ihrer Bilanzsumme von derzeit ca. 2.300 Mrdf. in Bezug - so ergibt dies ca. 0,5 Promille ... so Geld ohne Schuld entsteht - wobei, wie gesagt, ja die Vorleistungen der Baufirma wieder aus einem Kredit ...

- - -

Zurück zu Deinem Beispiel - nachgefragt:

die 15,- fliessen ja nur dem A) zu, d.h. B + C fehlt nach wie vor das Geld, um den Zins zu zahlen, währenddem A) einen Überschuss von 10,- hat. Volkswirtschaftlich gehts sichs wieder nicht aus ...

iDog 22.02.2015 | 21:17

"Um noch zu leben..." ... ist das ÜberdieFormelhinausgedachte nun was? Nur interessehalber, denn da wird es ja erst richtig spannend, oder?

... und das meine ich ja : es verabschieden sich zu viele von der Suche bevor sie was gefunden haben. Man kann nur hoffen, viele finden die "Formel", um sich dann gebührend davon zu verabschieden, wenn sie begriffen haben , was sie genau bedeutet.

"Veranchlässigen" kommt ein wenig zu salopp daher. Damit wird sich nichts veränderen lassen....

John Hader 24.02.2015 | 12:59

Ich hätte da mal eine Frage, ok nein, es sind mehrere Fragen:

es wird doch permanent getilgt. Also Geld vernichtet und Bankbilanzen verkürzt. Und da ja Ersparnisse kaum verkonsumiert und vielleicht eher weniger neue Kredite ausgegeben werden, könnte man annehmen die Geldmenge in der Realwirtschaft sinkt ständig.
- würde das nicht aus Sicht der Bank dazu führen, dass sie eher weniger neue Kredite vergibt, und diese Entwicklung dabei noch anheizt ?
- hätte das nicht einen stark deflationären Effekt ?
- müsste die EZB diese Entwicklung nicht genaustens auf den Zentralbangeldkonten erkennen ?
- wie muss ich mir eine Bankbilanz vorstellen wenn diese dabei pleite geht ?
- und was hindert die Bank eigentlich daran bei einer Schieflage sich selbst Kredit zu geben ?

es wäre wirklich nett wenn sich dazu jemand äußern mag.

Joachim Weiß 23.06.2015 | 09:49

Da ZInsen Flussgrößen sind (dazu gehören übrigens alle Einkommensarten) und keine Bestandsgrößen, sind BIlanzen völlig untauglich, ob der ZIns fehlt oder nicht.

Es macht auch wenig Sinn, nur den Bankzins als fehlend zu betrachten. Denn auch Dividenden/Unternehmergewinne sind Zinsen -also alle wollen ein surplus erwirtschaften. Wenn hier also angebracht wurde, die Bank sollte den ZIns vorher verbuchen und ausgeben, müsste das ja für alle Unternehmen gelten. Die bekommen ihr Eigenkapital gutgeschrieben, bevor sie überhaupt geleistet haben. :-)

Dss man nur auf den Bankzins schielt liegt daran, dass man sich sämtliche Kredite als eine große Summe betrachtet, die gleichzeitig getilgt werdne müsste. In der Realität haben wir es aber mit vielen verschiedenen sich überschneidenen Fristen/Laufzeiten von Krediten zu tun, so dass der gesamte Zins nicht sofort da sein muss.

Zudem würde auch eine Wirtschaft ohne Bankzins/Unternehmergewinne laufende Verschuldung bedingen. Denn verschulden müssen sich Unternehmer ständig, um ihre Investitionen vorzufinanzieren bzw. um im Wettbewerb mitzuhalten (ihr Eigenkapital zu verteidigen/zu erhalten).

Aber nicht nur der ZIns verursacht Akkumulationen sondern generell auch die Löhne. Ein Konzern z.B. hat höhere Umsätze als mitunter ein kleineres Unternehmen und zahlt deswegen höhere Nettolöhne.(Je nach preislicher Monopolstellung).

Auch international gibt es Lohngefälle, was Akkumulationen erzeugt. Gespart wird ergo nicht nur der ZIns sondern auch das Lohneinkommen.

Also die Reduzierung auf den Bankzins ist dann doch eine verkürzte Sichtweise.

pleifel 22.08.2015 | 18:06

Hallo Herr Kunze,

ich würde mir gerne mal ein Beispiel bestätigen lassen, ob das ihrem Szenario 1 entspricht: "Die Zinseinkünfte werden für Konsum genutzt."

Dazu folgende vereinfachende Prämissen:
1. Es gibt nur eine Bank.
2. Die Bank führt zwei Kundenkonten (Angestellter und Kreditnehmer).
3. Es wird nur ein Kredit gebucht.
4. Der Angestellte bekommt genau den Lohn, den der Kreditnehmer als Zins zahlen muss.
5. Der Kreditnehmer erbringt gegenüber dem Angestellten eine Leistung, die genau der Zinshöhe entspricht.
6. Angestellter überweist den Betrag auf das Konto des Kreditnehmers.
7. Der Kreditnehmer kann nun den Gesamtkredit mit Überweisung zurückzahlen.

Zusammenfassung: In dem Fall sind Kreditnehmer und Angestellter die Größe "Haushalte" und bei komplettem Verkonsumieren der Zinsen lässt sich hier der Kredit aus dem Kredit (ohne weitere Kredite!) komplett zurückzahlen.

Habe ich den Sonderfall so richtig dargestellt?
Danke im Voraus.

Sebastian Kunze 25.08.2015 | 16:40

Hallo Pleifel,

das wäre modellhaft ein solcher Fall.

Da sich die Diskussion um diesen Teilaspekt mit Otmar u.a. ja doch ziemlich intensiviert hat, werde ich mal einen zweiten Teil zum obigen Artikel schreiben.

Otmar hat ja Recht, wenn er sagt, dass der Zins nie von der Bank geschaffen wird. Da die Bank aber vereinnahmte Zinsen wieder ins System gibt, ist es m.E. zumindest theoretisch denkbar, dass trotz Zins kein monetärer Wachstumszwang entsteht. Wahrscheinlich ist das Sparen (und dann auch noch mit Zinsgewinn!) der wesentlichere Treiber. Des Weiteren dürfte eine relevante Rolle spielen, dass bei mehreren Kreditnehmern selbst bei 100%-igem Zinsrückfluss von der Bank nur bei optimaler Verteilung der Geldmenge auf alle Kreditnehmer diese ihre Forderungen gegenüber der Bank erfüllen können.

LG und vielen Dank für den Input

Sebastian

pleifel 25.08.2015 | 17:14

Vielen Dank für ihre Antwort,
wobei die doppelte Buchhaltung als geniale Erfindung den Zins bereits mit der Kreditbuchung in der Gleichung beinhaltet. Sie setzt ihn quasi als gegeben voraus: eine antizipierte Forderung. Sie ist bei adäquaten Sicherheiten auch jederzeit zu liquidisieren und falls nicht, muss die Arbeitskraft des Einkommensbeziehers halt herhalten. Das Recht steht auf der Seite des Gläubigers. Als letzte Alternative kann die Bilanz um den Gesamtkredit gekürzt werden, wenn der Kredit ausgebucht werden muss. Dann schmerzt der Ausfall der Zinsen weniger, denn der ist eh nicht zur Auszahlung gelangt. Und bei ordentlicher Kalkulation, sind normale Ausfälle gleich eingepreist.

Den Banken (oder nur einer für mich erforderlichen Bank), könnte man leicht auf die bloße Kostendeckung und Risikovorsorge im Rahmen kaufmännischer Sorgfalt reduzieren. Damit würde vieles erleichtert und eine spekulative Seite ganz gestrichen.

Die jetzige Notwendigkeit weiterer Kredite (falls es nicht aus Realwachstum resultiert), ist für mich zumindest dem ungleichmäßig verteilte Buchgeldstrom geschuldet (auch die gesetzlichen Zahlungsmittel), die ihre Ursachen in Vermögens- Gewinn- und Einkommensungleichgewichten haben. Das stimmt dann mit ihrer Einschätzung wieder überein, was die Kreditrückzahlung der Zinsen betrifft.

Beste Grüße Paul