Sebastian Seidler
24.02.2016 | 22:56 13

Das dunkle Herz Deutschlands

Rassismus Wer jetzt so tut, als sei er wie eine Plage über uns gekommen, der verkennt das wirkliche Problem. Der Rassismus war nie weg. Er hat sich bloß gut versteckt

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Sebastian Seidler

Das dunkle Herz Deutschlands

Nicht wegen der Flüchtlinge ist der unbescholtene Bürger besorgt – er war es schon immer

Bild: Sean Gallup/Getty Images

Jetzt ist das Geschrei groß. An Bautzen und Clausnitz entzündet sich alles. Mit den Ereignissen am Kölner Hauptbahnhof war es ähnlich, wenngleich in die andere Richtung. Wird da noch munter unter dem Deckmantel der Sorge um die Frauen fröhlich dem Rassismus gefrönt, so wundern sich nun alle, wie offen der Hass gegenüber Ausländern ausgelebt wird. Überall werden Parallelen zu Rostock gezogen, als würde das etwas erklären. Warum so weit zurückgehen, wenn man doch einfach mit dem Dom im Dorf bleiben kann. Spätestens die Debatte um Köln hat gezeigt, wie ungeschminkt die Menschenverachtung ihr Gesicht zeigt.

Die Talkshows der Republik haben aus diesen Affekten ihre Quote gezogen: "Ändert Köln jetzt alles?" Nein. Köln ändert nichts. Es war nur eine weitere Stufe der rassistischen Eskalation in einem Land, das sich immer gern in weißer Weste sieht. Hätte man einfach mal die Ermittlungsarbeiten der Polizei im NSU-Fall als strukturellen Rassismus ernst genommen, man hätte schon deutliche Anzeichen sehen müssen.

Jetzt haben sie eine neue Sau, die sie durch die Wohnzimmer der Nation treiben können. Das Sensationspendel schlägt auf die andere Seite. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Vorfälle in Bautzen und Clausnitz sind widerwärtig. Doch darum geht es mir nicht. Darüber wird bereits genug gesagt. Vieles davon ist aber ebenso Teil des Problems. Diese gespielte Überraschung, dieses Entsetzen wie es dazu nur kommen kann, hier in Deutschland. Wie kann sich hier nur die Geschichte wiederholen, wie als hätte man daraus nichts gelernt. All das ist ein Teil des Problems, das viel weiter reicht, als es die Erregung jemals zeigen könnte. Da gibt es nicht diesen einen Auslöser, kein "Plötzlich ist es da". Der Rassist ist nicht vom Himmel gefallen. Pegida ist das Symptom einer Krankheit, die viel tiefer liegt, die latent vor sich hin schwelte: Was wenn der Rassismus nie weg war? Das ist die unheimliche Frage, die mich umtreibt.

Der oberflächliche Humanismus der guten Bildung

Willkommen im dunkeln Herzen Deutschlands. Jahrelang wurde eine Gedenkkultur inszeniert, der Opfer der NS-Diktatur gedacht und die einstudierte Formel wiederholt, dass sich das niemals mehr wiederholen dürfe. In den Schulen hat man Fakten gelernt und Gedichte der Großen gelesen – so oder so ähnlich muss Dressur aussehen. Wer jetzt an Martin Walser denkt, der irrt. Der hat in ein ganz anderes Horn geblasen. Mit dem Gedenken darf nicht Schluss sein, es darf aber gleichzeitig nicht zu einer bloßen Handlung auf der Oberfläche der guten Bildung verkommen. Vor allem aber darf man aus dieser Gewalt von damals kein einmaliges, einzigartiges und unvergleichliches Verbrechen machen. Dann wird daraus nämlich eine Insel, auf die man sich zurückzieht, um sich seines eigenen Humanismus zu versichern. Das Geschehene muss in seinen basalen Strukturen nachvollzogen werden: Der Hass auf den Anderen, auf das Fremde, um sich seiner eigenen Position sicher zu sein, um von der eigenen Machtergreifung abzulenken. Wie entsteht diese Gewalt, die aus dem anderen keinen Menschen mehr macht, der in einem Haus verbrennt, sondern nur noch einen Eindringling? Den Opfern von damals gedenken und im selben Atemzug ABER sagen.

Dieses schreckliche Aber

In der Schule musste ich das miterleben. 13 Klasse, Gedichtinterpretation, irgendetwas von Günter Eich. Der Titel ist mir entfallen. Ich kann mich nur erinnern, dass sich die Fingerkuppen bereits wieder schwarz färbten: Die Warnung vor der Wiederkehr. Bei der Diskussion über das Gedicht waren alle gute Antifaschisten. Das beherrschten alle aus dem Stegreif. Gute, aufgeklärte Schüler, die im Geschichtsunterricht gut aufgepasst hatten. Dann aber ging es um die Frage, ob die heutigen Generationen immer noch Schuld tragen. Sicherlich ist das eine philosophisch hochkomplexe Frage. Was heißt Schuld? Welchen Begriff von Schuld legt man der Debatte zugrunde? Kann man Schuld weitergeben? Unabhängig davon spielte sich ein unheimliches Schauspiel ab: Aus den sauberen Antifaschisten wurden plötzlich kleine Wutbürger. Die Rede von den Russen im Dorf, von den Türken, die uns die Arbeit wegnehmen, und vom Großvater, der ja soviel durchgemacht hat im Krieg. Es waren nicht alle, die so gesprochen haben. Ein Großteil hat geschwiegen. Ich war schockiert, und bis heute muss ich an diesen Moment denken. Dieser nahtlose Übergang von demokratisch-aufgeklärten jungen Menschen, die sich vom Leid der Menschen in den Konzentrationslagern betroffen zeigen, hin zu geifernden Rassisten, die nichts aus all dem gelernt haben, was sie selbst vorher so wunderbar vorgetragen haben. Überall roch es nach der Pathologisierung der Herkunft.

Der Rassismus war niemals weg

Vielleicht war dieser Geist niemals weg. Haben wir uns darüber schon mal Gedanken gemacht? Ist es heute nur so offensichtlich, dass wir es nicht mehr übersehen können? Die Geschichte widerholt sich, aber sie wird ein anderes Gesicht tragen. Da helfen all die auswendig gelernten Haltungen nichts, all die zu Festschmuck erstarrten Gesichter auf den Feiern. Wir müssen uns fragen, jeder für sich, ob wir die vielen kleinen, alltäglichen Desaster wohlwollend übersehen haben. Der Rassismus (auch der Antisemitismus) war nie weg. Er war vielleicht unscheinbarer und versteckter, nicht so mobilisiert. Nun ist er da und wir haben ihm alle beim Wachsen zugesehen. Zeit, dass wir etwas dagegen tun. Ein erster Schritt wäre es, die Flüchtlingskrise nicht mehr als Alibi durchgehen zu lassen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (13)

schna´sel 25.02.2016 | 14:33

"Dieser nahtlose Übergang von demokratisch-aufgeklärten jungen Menschen, die sich vom Leid der Menschen in den Konzentrationslagern betroffen zeigen, hin zu geifernden Rassisten, die nichts aus all dem gelernt haben, was sie selbst vorher so wunderbar vorgetragen haben. Überall roch es nach der Pathologisierung der Herkunft."

Es ist immer bequem, Rassismus und Ursachen für Unrecht bei gesellschaftlichen Gruppen oder Schichten zu suchen, zu denen man sich selber nicht zählt. EInfach zu sagen: "Die Weißen sind schuld." Oder: "Die Männer sind schuld" Oder: "Die Sachsen sind schuld" Und sehr bequem bleibt auch, wie sich demokratisch aufgeklärte, freie Bürger selbst aus den Ursachen raus rechnen, die diesen latenten Rassismus mit Futter versorgen und ihn am brennen halten, indem sie mit ihren, im Geschichtsunterricht geschulten Fingern auf die Symptome zeigen und damit von der Verantwortung ablenken, die sie als arrivierte Nutznießer der real existierenden Ungerechtigkeiten für diese Erscheinungen tragen.

Ganz bequem: Pegida ist schuld, nicht das, was Pegida überhaupt erst möglich gemacht hat. Wenn es ans Eingemachte geht, darum Vorteile und Unrecht im Interesse für der eigenen Pfründe zu rechtfertigen kommt Pegida eigentlich sogar gerade recht und jeder andere offensichtliche Rassismus auch. Man kann bequem Verantwortungsbewusstsein für rassistische Opfer beweisen, Schuldige benennen und nebenbei ganz bequem vom eigenen Rassismus gegenüber sozial Benachteiligten ablenken. Der Begriff Rassismus lässt sich schon lange nicht mehr nur auf die mehr oder weniger biologischen Vorstellungen reduzieren, die den Nazis als Grundlage für Abgrenzung ihrer menschenverachtenen Ideologie gedient hat. Wie der Spiegel bezeichnenderweise demonstriert, indem er diese Art gesellschaftlich wohlfeilen Rassismus mit der Metapher der Musik gekennzeichnet hat, die uns die Baumwollsklaven als Kultur hinterlassen haben. Auch der weiße, arbeitlose Sozialschmarotzer, der uns "wieder den Blues gesungen hat" wird rassistisch ausgegrenzt, Den Schuh wird sich der Spiegel ebensowenig anziehen, wie andere auch, für die es bequem bleibt, auf Ursachen in einem Dunkeldeutschland hinzuweisen zu dem sie sich selber natürlich nicht zählen. Aber auch das gehört in das dunkle Herz Deutschlands. Es ist an nichts weiter interessiert, als als am Wohlergehen der eigenen sozialen Schicht. Und der Rassismus der Anderen dient dieser Schicht als Ablenkungsmaöver von dem Rassismus, der von TTIP, Hartz IV und vielem anderen mehr ausgeht oder mindestens getriggert wird, das in einem direkt ursächlichen Zusammenhang dazu steht.

"Jeder von uns hält 60 Sklaven

Und zwar durch ganz normalen Konsum. Eine BWL-Professorin erklärt, warum.

Evi Hartmann ist Professorin für "Supply Chain Management" an der Uni Erlangen-Nürnberg. Eben ist ihr Buch "Wie viele Sklaven halten Sie?" im Campus-Verlag erschienen."

rioja 26.02.2016 | 04:43

Gut, bleiben wir mal nur bei uns, den Germanen, bevor wir schon wieder über andere herziehen. Ja, der Rassist ist quicklebendig, heute manifest, sonst latent. Der/die "Weiße Mann/Frau" erhebt sich seit immer und ewig über alle anderen Hautfarben der Erde. Ein höllisches Nord-Südgefälle, wenn sie so wollen. Zur Farbe weiss, was rein heisst, kommt dann noch seine körperliche Größe dazu. Groß und Weiss gehen eine unheilvolle Ehe ein. Zu diesen rein äußeren Faktoren, den hard facts, treten dann noch die inneren Phänomene, die soft facts, dazu. Da wäre an erster Stelle die Intelligenz des weißen Menschen zu nennen. Da wären wir also, schon mal, a priori, etwas Besonderes: Weiss, groß und klug. Still und leise gesellt sich, kurz gesagt, dann noch der Reichtum dazu, quasi als logische Folge der bisher genannten Erfolgsfaktoren. Es wird immer, doller, schon gemerkt? Weiss, groß, klug, reich! Unschlagbar! Es soll mal genügen, um die Wurzelsünde zu identifizieren: Sich über andere erheben! Die Herrenrasse sein! Born to govern! Je dunkler die Pigmentierung der Haut wird, bis zum Äquator, desto größer wird die Minderwertigkeit. Beim Neger in SchwarzAfrika sind wir dann schon fast beim Affen -Hereromassaker von 100 Jahren- Dieses Muster, als Daueraufgabe weisser Eliten am Leben gehalten, zieht sich durch alle Jahrhunderte hindurch, wie ein roter Faden, pardon, ein weisser Faden. Dazu kam dann ab 380 n.Chr. noch der theologische, weiss-elitäre Überbau. Gott wurde rein geboren, geistgezeugt von der unbefleckten Jungfrau. Alle samt weiss und rein, wie Schnee! So ging denn säkular und spirituell die unheilvolle Fusion ihren Weg, bis heute. Über den gerafften Reichtum beider Größen ganz zu schweigen. Nun sollte diese Nummer der ganzen Welt übergebraten werden. Beginnen wir mal im Mittelalter:Kreuzzüge, Columbus, Vasco da Gama etc. pp - Der weisse Mann eroberte Jerusalem und Süd+NordAmerika, blutig. Die Christianisierung war der äußere Antrieb, die Heidenmenschen zu Christenmenschen zu bekehren, die Missionierung. In Wahrheit war es nur die Gier, die Neugier ebenso, wie die Raffgier. Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein! Machen wir einen Sprung, bitte. Stichwort: Kolonisierung! Macht euch die Erde untertan, war die Legitimation. Das nächste Kapitel des Horrors war aufgeschlagen. Und in der jüngeren Geschichte schließlich, bis heute, der weisse Wahn:Demokartisierung der Welt. Die Teile der nicht weissen Welt haben seit immer nur fuck off erlebt. Offensichtlich ist das Mass heute nun voll. Der weisse Rassist steht nackt auf der Weltbühne, entlarvt, entzaubert als Lügenbold und kapitalistisches Raubtier. Das jagt ihm diesen Hass ins weisse Gesicht, das rot vor Scham werden müsste. Die globale, nicht nur die deutsche, Herrenrasse will es nochmal wissen, wer auf dem Planeten das Sagen hat. Doch, leider ist mit dem von ihm selbst kaputt gemachten Planeten keine Wurst mehr zu gewinnen. Egal, dann eben wie bei der Titanic: Stehend, die Hand zum Gruß an der Schirmmütze, wie ein echter, weisser Mann, senkrecht ins Eiswasser, in den Heldentod. Weisse Rasse, klasse! Nix Nigger, nix Sandnigger! Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit! change? non we won`t - sorry -

Ursprung 26.02.2016 | 05:51

Ein ziemlich rassistisch daherkommender Beitrag- gegen nur eine phaenotypische Sektion der evolutionaeren Krankheit namens Mensch in der Biosphaere.

Ich setze dagegen: das Problem ist weder weiss, noch gespensterglaubenabhaengig, noch europaeisch, amerikanisch, kolonistisch, sondern: hirnbedingt.

Hirnbedingt?

Zu grosses, grobes Gehirn in zu kleinem und leistungsschwachen Koerper, zu hirngespinstig, reiner afrikanischen Herkunft, denn dort liegen unser aller Wurzeln. Ein schlichter Evolutionsirrweg, ein Biofehler, den wir gerade zu durchleiden haben als biologische Traeger desselben.

Jede Ameise, Katze, Ratte oder Kakerlake agiert folgerichtiger, als wir es je lernen koennten. Nicht die Verbreitung ueber den Erdball ist ein Erfolgskriterium -im Gegenteil!

Ein nachhaltiger Symbiont geworden zu sein, fuer die Biosphaere waere es gewesen.

Sind "wir" nicht.

schna´sel 26.02.2016 | 12:30

"Gott wurde rein geboren, geistgezeugt von der unbefleckten Jungfrau. Alle samt weiss und rein, wie Schnee!"

Diese assoziative Deutung der Farbe Weiß, auch als Metapher der Unschuld westlichen Zivilisation für die eigene Hautfarbe geht ihrem Ende entgegen. China ist längst zurück auf der Weltbühne. Und obwohl sie zur Zeit die Rückschläge durch Umweltbelastung kassieren, ist anzunehmen, dass weder die Chinesen, noch die Inder bereit sind, sich auch zukünftg so widerspruchslos, wie in den vergangenen Jahrhundertn dem Anspruch der Gringos auch auf kulturelle Deutungshoheit zu beugen.

»In östlichen Kulturen wie z.B. China, Japan oder Korea ist Weiss Symbol für Alter, Herbst, Westen und Hinterlist.
In einem gebrochenen cremigen Ton ist es in die Farbe der Trauer und des Todes. So tragen die Menschen dort bei Beerdigungen weisse Kleider und Fahnen.« (beispielhaft)

oder:

»TODESFARBE

Wer im chinesischen Sprachraum zu einem Fest eingeladen wird, sollte bei seiner Kleiderwahl berücksichtigen, daß Weiß die Farbe des Todes ist. Auch in Nepal kleiden sich Trauernde weiß; sie dürfen von niemandem berührt werden.«

Das wird natürlich nicht lustig für uns. Im Gegenteil, es wird brutal werden. Privilegien und Ressourcen für Mächtige, die in gated communities für die Masse der Hungenden unerreichbar bleiben. Kampfroboter mit implementierter Tötungsethik die die Pfründe der Reichen vor dem Zugriff der marodierenden Outlaws schützen. Ganze Städte oder Landstriche in denen man vielleicht nur nur Zutritt bekommt, wenn man sich, freiwillig natürlich einen Chip implementiert. Das sind Spekulationen und Horrorszenarien, die sich mir aufdrängen. Aber wenn man sich anschaut wohin der Dampfer im Miment fährt, glaube ich dass es so oder so ähnlich ablaufen wird im Westen. Der Osten wird sich zwar weiterhin genau so restriktiv verhalten, was die Zensur der Meinungsfreiheit betrifft und sowohl die Umwelt, als auch die Ökonomischen Probleme werden sich von denen des Westens nicht großartig unterscheiden. Aber das findet in einem anderen historischen Kontext statt. Die zwischenmenschliche Erosion zu der die real gelebte Scheinheiligkeit, die Diskrepanz zwischen dem Anspuch, zivilistiert zu sein und der Ausbeutung der Welt durch die weißen Eroberer der letzten Jahrhunderte geführt hat, die Dekadenz und essentielle Lebensuntüchtigkeit, die unserem verwalteten und vertrockneten Humanismus innewohnt, ist in Asien nicht in dem Maße bestimmend für das Bewusstsein der Menschen, abseits ihrer Eigenschaft als Bürger eines Staates. Die weden sich nicht gegenseitig so zerfleischen, wie wir das ja heute schon verbal vorexerzieren wenn wir uns online von unserer besten Seite zeigen. Das ist jedenfalls mein Gefühl und deshalb glaube ich, wie Sie dass die Titanic untergehen wird. Aber das wird nicht der Untergang der Zivilisation bedeuten. Ich denke, es wird zu brutalen Vertreilungskämpfen kommen. Und es wird Kriege geben. Und die Kultur wird sich insofern erneuern, als dass der Fokus nicht mehr länger auf dem liegen wird, was die Weißen vorgeben. Wie das konkret vonstatten gehen wird steht natürlich in den Sternen.

"Egal, dann eben wie bei der Titanic: Stehend, die Hand zum Gruß an der Schirmmütze, wie ein echter, weisser Mann, senkrecht ins Eiswasser, in den Heldentod."

denkzone8 26.02.2016 | 12:45

dummheit/ressentiment bleibt meist un-entdeckt, in-aktiv, relativ folgenlos.

das gefühl rassischer/ethnischer überlegenheit ist ohne kontakt zu den jeweiligen rassen/ethnien nur für wenige störend/ärgerlich.

meine these: was sich hier als rassismus/nationale überlegenheit outet, ist : aktuell zuzugs-feindlichkeit verpackt in alten braunen schläuchen.

die ablehnung des massen-haften zuzugs von lebens-chancen-konkurrenten ist das kern-problem, das von verschiedenen interessierten seiten be-mäntelt wird. oder?

Reinhold Schramm 26.02.2016 | 15:11

Kapitalismus ["Soziale Marktwirtschaft"] und Rassismus

Ungeschminkte (auch historische) Bemerkungen zu den Quellen der kapitalistisch-imperialistischen Ökonomie und rassistisch-nationalistischen Ideologie, gestern wie heute.

Einen eigenständigen Systembruch hat es vor und nach 1945 [WK.II] in Deutschland nicht gegeben. Der zeitweilige Versuch einer demokratischen und antifaschistischen Minderheit in Ostdeutschland endete in der (auch von außen herbeigeführten) Implosion der antifaschistischen und antiimperialistischen DDR 1989/1990.

Die kapitalistische Ökonomie und der Antisemitismus-Rassismus blieb bis heute nahezu ungebrochen, allenfalls durch den Massenkonsum -- nach der Neu-Gründung der BRD 1949 -- vernebelt und verdeckt.

Der Kapitalfaschismus wurde -- vor und nach Mai 1945 -- in Deutschland nicht von der werktätigen Bevölkerungsmehrheit überwunden. Das Kriegsende wurde von den Alliierten herbeigeführt. Dabei wurde die Hauptlast von den Völkern der historischen (und später implodierten) UdSSR getragen.

Noch bis (vor) Frühjahr 1944 gab es in Deutschland eine quantitative und qualitativ hochwertige Industrie und Rüstungsproduktion. Diese materielle Arbeits- und Produktionsleistung kam aber erst mit dem zunehmenden Verlust der Lieferanten und Rohstoffquellen [vor allem: in und aus Europa] zum versiegen. // Millionen Werktätige, vor allem Angehörige der deutschen Arbeiterklasse, überstellte Zwangsarbeiter und Arbeitssklaven aus Gefangenen- und Konzentrationslagern, sie sorgten bis zum [historsich zeitweiligen] Ende des territorialen Großdeutschlands für eine hochwertige Produktion von Verbrauchs-, Gebrauchs-, Techn. Ausrüstungen, Produktionsmitteln und Rüstungs-Vernichtungsgütern.

Eine nennenswerte Sabotage der materiellen (Rüstungs-)Produktion, unter den Augen von gut-qualifizierten deutschen Facharbeitern, Vorarbeitern, Industriemeistern, Abteilungs- und Produktionsleitern etc., hat es vor Kriegsende in Deutschland nicht gegeben.*

* [Für deren Übereinstimmung in den Produktionszielen bedurfte es keiner besonderen Kontrolle der werktätigen Mitarbeiter durch Firmeneigner und Leitung, Werkschutz, Gestapo, SS und/oder Polizei. Das bürgerliche und kapitalfaschistische System in Deutschland funktionierte nahezu im ideologisch-materiellen Selbstlauf.]

Eine inhaltliche Abrechnung und Aufklärung über die ökonomischen und ideologischen Quellen des Rassismus hat es bis heute in Deutschland und Europa nicht gegeben! [Der zeitweilige historische Versuch in der DDR wurde nachhaltig liquidiert.]

R.S.: Tischler-Facharbeiter, Metall-Facharbeiter, Handwerksmeister, früherer Lehrer für Fachpraxis [Berufsverbot, Nov. 1995].

denkzone8 26.02.2016 | 21:16

kontinuitäts-beschwörung. wozudas?

das ende des großdeutschen reiches war das ende der unterdrückungs-institutionen und der öffentlichen propaganda der nazis. punkt.

das regime der ddr ist wesentlich durch von außen herbei-geführtes implodiert: durch den schutz-entzug der su.

die hauptlast...schon mal drüber nachgedacht,daß die west-alliierten es auch mit dem japanischen imperialismus zutun hatten?

think about it.

zelotti 26.02.2016 | 23:22

Vielleicht war dieser Geist niemals weg. Haben wir uns darüber schon mal Gedanken gemacht? Ist es heute nur so offensichtlich, dass wir es nicht mehr übersehen können?

Vielleicht wird zu oft Rassismus geschrien. vielleicht macht auch die Dosis das Gift. Keine Ahnung. Die wichtige Frage ist doch nicht der Rassismus sondern das Verhalten der Menschen.

Reinhold Schramm 27.02.2016 | 04:20

Wilhelm Reich: "Den häufigsten Anlass zu Missverständnissen über die Beziehung einer Ideologie zu ihrer historischen Funktion bietet die Nichtuntersuchung ihrer objektiven und ihrer subjektiven Funktion. Die Anschauungen der Diktatur sind zunächst nur zu verstehen aus der ökonomischen Basis, der sie entstammen. So haben die faschistische Rassetheorie und die nationalistische Ideologie überhaupt eine konkrete Beziehung zu den imperialistischen Zielen einer führenden Schichte, die Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur zu lösen versucht. Der deutsche und der französische Nationalismus des Weltkrieges appellierte 'jeweils an die Größe der Nation', hinter der wirtschaftliche Expansionstendenzen des deutschen und französischen Großkapitals standen. Aber diese wirtschaftlichen Faktoren machen nicht das Substantielle der entsprechenden Ideologie aus, sondern nur den sozialen Boden, auf dem diese Ideologien sich bilden können; die Bedingungen, deren Vorhandensein für die Entstehung solcher Ideologien unerlässlich ist. Gelegentlich ist der Nationalismus seinem Gehalt nach gar nicht gesellschaftlich repräsentiert, noch weniger mit rassistischen Gesichtspunkten in Einklang zu bringen. Im alten Österreich-Ungarn fiel der Nationalismus nicht mit der Rasse, sondern mit der 'Heimat' Österreich-Ungarn zusammen. Als Bethmann-Hollweg 1914 das 'Germanentum gegen das Slawentum' aufrief, hätte er folgerichtig gegen Österreich, diesen überwiegend slawischen Staat, vorgehen müssen. Die ökonomischen Bedingungen einer Ideologie erklären also zwar ihre materielle Basis, aber sie sagen unmittelbar nichts über ihren irrationalen Kern aus. --

Dieser Kern ist unmittelbar gegeben als charakterliche Struktur der Menschen, die den betreffenden ökonomischen Bedingungen unterworfen sind und solchermaßen den historisch-ökonomischen Prozess in der Ideologie reproduzieren. Indem diese Menschen Ideologien bilden, formen sie sich selbst um; im Prozess der Ideologiebildung ist ihr materieller Kern aufzufinden.

Die Ideologie erscheint somit doppelt materiell fundiert: mittelbar durch die ökonomische Struktur der Gesellschaft, unmittelbar durch die typische Struktur der sie produzierenden Menschen, die selbst wieder durch die ökonomische Struktur der Gesellschaft bedingt ist. Es ist nun klar, dass irrationale Ideologiebildungen die Menschen irrational strukturieren." {...}

Vgl. Wilhelm Reich: Die Rassetheorie. 2. Objektive und subjektive Funktion der Ideologie. In: Die Massenpsychologie des Faschismus.

balsamico 28.02.2016 | 13:07

Vielleicht war dieser Geist niemals weg. Haben wir uns darüber schon mal Gedanken gemacht?

Ja, haben wir. Ich, für meinen Teil, kam dabei zu der nicht eben bahnbrechenden Erkenntnis, dass dieser Geist keine Schmeißfliege ist, die man verscheuchen kann, und die dann ein für alle Mal weg ist, sondern dass er in diffusen Ängsten besteht, die nie auszurotten sind sondern nur klein gehalten werden können, am besten mit Bildung, Bildung und nochmal Bildung, wobei die Bildung nicht mit dem Schulabschluss im 13. Schuljahr aufhört, sondern dann, wenn der Groschen fällt, was lange dauern kann und manchmal auch gar nicht passiert. Leider.

Michael Sachs 28.02.2016 | 17:02

Rassismus ist eine schwierige Angelegenheit, ich denke Rassismus hat mit Politik erstmal nichts zu tun man kann nicht alles politisch erklären. Rein genetisch dürfte es keinen Rassismus geben es gibt ihn, aber der hat andere Gründe.
Immer wieder auf Hitler alleine zu kommen wird der Sache nicht gerecht, jedes Volk hat seinen eigenen Rassismus, auch das von Hitler fast vernichtete Jüdische Volk hat einen ausgeprägten Rassismus, die so tollen Staaten Amerika und seine Verfassung, Frankreich mit der französchischen Revolution hat trotz Revolution einen klar sichtbaren Rassismus. Die sogenannte Aufklärung hat dem Rassismus kaum Einhalt geboten, sonst wäre Hitler nicht an die Macht gekommen.
Ich denke Rassismus hat etwas zu tun mit unten u. oben, mit Arm u. Reich mit Dunkel u. Hell, Dunkel steht für die Nacht, Hell steht für Tag, Dunkel steht für unsauber, Hell steht für Rein. Ein bischen Himmel u. Hölle. Natürlich auch Herr u. Sklave auch mit Bildung u. ungebildet, mit der Ideologie der rassischen Überlegeheit.
Was im Menschen als Veranlagung vorhanden ist, ist die Dominanz, ich fühle mich gut als Diktator ich fühle mich stark wenn ich Sklaven unter mir habe über die ich Macht ausüben kann, die das tun müßen was ich sage, das gibt mir ein souveränes Gefühl, speziell Männer sind schnell im Rausch der Macht u. rutschen dann in einen Rassismus hinein wenn sich äußerlich die Chance ergibt, das ist der Rassismus von dem wir reden. Rein politisch läßt sich alles erklären oder nichts. Da ist es immer Hitler oder Duce o. Stalin, o. Mao, komischer Weise egal ob Kommunist oder Faschist. Es gibt ja einen starken Amerikanischer Rassismus aber der ist gut verpackt im Größenwahn u. extremem Militarismus, die Verfassung tut sich in Amerika immer schwerer den Rassismus unter Kontrolle zu halten. Soziale Spannungen wie jetzt in Deutschland äußern sich häufig in Rassismus. Auf die Frage was wenn der Faschismus nie weg war kann ich nur sagen der war nie weg und der wird nie völlig weg gehen, wenn sich alles beruhigt hat zieht er sich vielleicht zurück, manchmal schämt man sich dafür sogar.

M.S.



Raffael Sonnenschein 04.03.2016 | 03:42

Rassismus kann nur dort entstehen, wo die Gesellschaft, in der Bundesrepublik bereits in den 60er Jahren, in verschiedene Ethnien unterteilt wurde, um eine gruppenspezifische, hierarchische Gesellschaftsordnung hier im Lande zu betonieren. Wenn man aufhören würde uns auf unser Backgroundwissen (Migrationshintergrund) herunter zu reduzieren, stattdessen anfangen könnte uns alle, die wir hier Tür an Tür leben, uns innerhalb der Gesellschaft bewegen als ganz <Natürlich Deutsch> anzunehmen. Wie etwas Selbstverständliches uns als Deutsche anzusehen, dann wird Rassismus in Deutschland endlich Geschichte sein.