Perlen der Propaganda (2)

Quergelesen Lesen bildet. Eine Auswahl zum Schmunzeln. Heute: Reinhard Mohr in der FAZ mit "Linke Heuchler"
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ich empfehle den Text im Original zu lesen. Es handelt sich hier um eine wahre Perle!

Thema ist der Hass des Autors auf vermeintlich „linke Heuchler“, angereichert mit Wahnvorstellungen, Feindbildern und dem Fehlen jeder Selbstreflexion.

Der Text wartet mit einer Reihe drolliger Scheinkausalitäten auf. Zum Beispiel: „Sie protestieren gegen Chlorhühnchen, aber nicht gegen Putin.“ - Nun muss man wissen, dass ich auch nicht vor hatte Putin zu essen, völlig egal ob dieser in Chlor badet oder nicht.

Ein Protest vor der chinesischen Botschaft mit 25 Jahren Verspätung ist in erster Linie: Folklore. Das sich ein Teil der politischen Interessierten lieber mit aktuellen, realen Ereignissen befasst, liegt außerhalb der Vorstellungskraft eines Herrn Mohr. Politischer Protest muss sich gegen alles und jeden wenden, vor allem aber gegen alles, was Herr Mohr doof findet. Sonst ist es Heuchelei.

Im nächsten Absatz wird die baldige Invasion Osteuropas herbei fantasiert:

Sie haben deutlich mehr Verständnis für den Macho-Autokraten Putin als für die frei gewählten Regierungen Westeuropas. Osteuropa, vor allem Polen, die Tschechische Republik und die baltischen Staaten, einst die ersten Opfer Hitlers, sind ihnen herzlich egal.“

Wer glaubt die Nazikeule sei damit schon abgehakt, irrt.

Inmitten von Zuständen, die im weltgeschichtlichen Vergleich paradiesisch zu nennen sind, wächst eine Ignoranz heran, deren Schwester der Wahnsinn ist. Einzelne Motive erinnern an die zwanziger Jahre, als viele den Untergang des verhassten demokratischen „Systems“ gar nicht erwarten konnten. Am Ende führte eine reaktionär-missgelaunte Gleichgültigkeit zum verheerenden Triumph des Nazi-Fanatismus, der Europas Freiheit unter sich begrub.“

Wir erinnern uns: Schon die Weimarer Republik scheitere an zu vielen Friedensdemonstrationen und zu wenig dümmlichen Schwarz-Weiß-Denkens.

Vertiefte politische und historische Kenntnisse sind hier ebenso wenig gefragt wie theoretische Diskussionen“

- Na dann.

Bemerkenswert ist, wie der Autor mangelnde Selbstreflexion stets bei anderen vermutet:

Statt Putins aggressives Vorgehen anzuprangern, werden dem Westen, der EU und der Nato „Kriegstreiberei“ und „Kumpanei mit Faschisten“ vorgeworfen - genau das also, was Putin betreibt. Verkehrte Welt, eine klassische Projektion.“

Bei allen historischen Unvergleichbarkeiten - auch heute ist das irrlichternde antiparlamentarische und antiwestliche Ressentiment nicht zuletzt der Reflex eines eigentümlichen Selbsthasses, der die Gesellschaft, in der man lebt, einschließt.“

Einschlägige Gewissheiten äußern die Wächter des neuen Mainstreams gern abends bei der selbstgemachten Lachslasagne in der Vier-Zimmer-Altbauwohnung im Prenzlauer Berg, zum Beispiel zur „Gentrifizierung“.“

Hierzu muss man wissen, der Autor wohnt im Prenzlauer Berg - Vermutlich in einer Vierzimmerwohnung.

Die ganze Beschreibung eines „linken Spießbürgertums“ passt dann auch weniger auf reale Montagsdemonstranten, als auf sein eigenes Umfeld. Hier schreibt ein „Teil einer globalen Konsum-Elite, der es so gut geht wie keiner Menschheitsgeneration zuvor“ höchstselbst. Der Hass zielt dabei auf jenen Teil seines eigenen Milieus, der seine Ideale noch nicht vollständig begraben hat: „Gerade weil man sich die offenkundige Verbürgerlichung der eigenen Existenz nicht eingesteht, hält man an den Positionen von früher fest, als alles noch schön klar war, mit und ohne Che Guevara.“

Die Vermutung liegt nahe, dass sich der Hass des Autors aus eben jenem Selbsthass speist, den er anderen unterstellt.

Und so verstehe ich auch die Intention des Textes. Es geht nicht darum Heuchler anzuprangern, zumindest ist dies nur ein Vorwand. Wer zu einer Verflachung des Weltbildes aufruft („Diktatur“ gegen „Freiheit“), persönlich beleidigend wird („Im Extremfall kann das zum akuten Ströbele-Syndrom führen, zum Morbus Kreuzberg: Denkfaulheit im fortgeschrittenen Stadium.“) und in Don Quijote Manier gegen selbst imaginierte Gegner hetzt, der stört sich nicht an Heuchelei als solcher. Das Problem des Autors liegt in linker Heuchelei, die er, als abgefallener Altlinker, durch eine dumme Heuchelei ersetzen will.

Kleine Anmerkung zum Thema Selbstreflexion: Mir ist, bewusst, dass ich dem Autor hier in gleicher Weise Dummheit nachsage, wie er etwa Ströbele. Dabei gibt es allerdings zwei wesentliche Unterschiede: Erstens ist es bei mir eine simple Darstellung der Faktenlage (:D), zweitens schreibe ich hier nicht für die FAZ, sondern kommentiere als Privatperson den Text eines Schreiberlings, der sich selbst für einen Journalisten hält. Ich wäre auch in der Lage, obigen Text so zu verfassen, dass er journalistischen Mindeststandards genügt. In diesem Fall entscheide ich mich bewusst dagegen.

17:08 04.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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