Lieber Markus, hör auf dein Herz!

Lanz vs. Wagenknecht Am Donnerstag leistete sich Markus Lanz in seiner gleichnamigen Talkshow einen peinlichen Auftritt. Seitdem glüht das Netz. Eine Online-Petition fordert gar den Rauswurf
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Lieber Markus, hör auf dein Herz!
Den Finger fest auf dem Moderationskärtchen: Das ist wahrer Investigativ-Journalismus
Foto: Screenshot, Youtube

Ach Markus,

was hast du bloß für eine Karriere vor dir gehabt? Groß wie der Gottschalk wolltest du werden, und verdienen wie der Jauch.

Apropos verdienen. Da war ja was. In deiner Sendung, am letzten Donnerstag, zu später Stunde. Du erinnerst dich, du fragtest dich, was eigentlich die Wagenknecht vom Steuerzahler für ihre linken Dauerstänkereien im Parlament bekomme?

So war jedenfalls der Tenor und das wolltest du dem Zuschauer vermitteln. Nichts zu leugnen, Markus. Dabei wäre die einzig zwingend logische Frage gewesen: Was verdienst eigentlich du beim ZDF? Immerhin zahlen wir Bürger auch dein Gehalt und mussten uns trotzdem dein klägliches Bemühen am Donnerstagabend reinziehen. Was haben wir dir dafür gezahlt, Markus? Sag schon. Frau Wagenknecht hat im Übrigen cool reagiert und auf deine „Frage“, wie viel sie als Abgeordnete des Europäischen Parlaments erhielt und eine klare Antwort geliefert: 7000 Euro – in etwa so viel wie heute im Bundestag. Und als Moderator einer schicken Latenight-Show beim ZDF? Etwa 8,50 Euro? Natürlich nicht, du wirst es uns auch nicht verraten. Seis drum, es kommt früher oder später immer raus. Wahrscheinlich verdienst du dann mehr als die Bundeskanzlerin, mehr als Joachim Gauck, ach sogar mehr als Christian Wulff inklusive „Spenden“.

Alles halb so wild, Markus. Jeder erwischt mal einen schlechten Tag. Auch Leute im Show-Business, das ist nichts Neues. Zum Beispiel Klaus Kinski, dem einfach das Essen am Set nicht schmeckte. Aber was war eigentlich dein Problem? Was hat dich so sehr an Sahra Wagenknecht gestört, dass du jegliche journalistische Vernunft komplett über Bord geworfen hast?

Stefan Niggemeier, ernstzunehmender Journalist und übrigens dein Jahrgang, hat es nicht mal fertig gebracht, deine Sendung bis zum Schluss durchzuhalten. Kein Wunder.

Dafür hat er dich treffend verglichen mit einem kleinen Kind, das bewaffnet ist mit 200 Hackbällchen in Tomatensauce und sich auf diese Weise aussucht, wer wann was zu seinem Spielzeug in seinem Sandkasten sagen darf. So war auch mein Eindruck. Im Gegensatz zu anderen Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wolltest du nicht, dass deine Sendung mit deinem Namen im Titel zur Plattform für dieses linke Gestänker wird. Nicht in deinem Namen! Und da du im Vorfeld der Sendung wahrscheinlich nur wenig Zeit und Lust hattest, dich mit diesen irrsinnigen Argumenten und ständigen Horrorvisionen von links zu beschäftigen, hast du es dir dann einfach gemacht: Euro ja oder nein? Rein oder raus? Zu mir oder zu dir?

Es hätte alles so einfach sein können, Markus. Du kommst zum ZDF, übernimmst eine Talkshow zur besten Sendezeit, jeder kennt dich, jeder spricht über dich. Ein Selbstläufer. Und zu guter Letzt beerbst du dann nach und nach das deutsche TV-Urgestein, den Gottschalk. Was steht deiner schillernden Karriere noch im Wege?

Ich sag es dir: Du selbst! Denn diesmal hast du den Bogen wahrscheinlich überspannt. Die Geduld der Leute ist am Ende. Das hättest du früher erkennen können und müssen. Spätestens als dein eigenes Publikum es gewagt hat, gegen dich Widerspruch zu erheben. Sie haben geklatscht und Frau Wagenknecht unterstützt, als sie sich wehrte.

Aber der wahre Shitstorm, der lauert nicht in deinem Publikum. Er sitzt vor der Mattscheibe, twittert, postet und organisiert sich. Die Online-Petition, welche deinen Rauswurf vom ZDF fordert, genießt in diesen Minuten enorme Popularität. Wir sitzen wohl gerade beide am Rechner und klicken alle paar Minuten auf aktualisieren. Uns macht's Freude, dir wohl weniger. Zu Beginn, als ich anfing diese Zeilen an dich zu verfassen, da waren es noch 6000 Unterstützer. Innerhalb kürzester Zeit wuchs diese Zahl auf über 9000. Selbst von der kleinen Insel Helgoland aus haben Zuschauer die Petition gezeichnet. So weit hast du es am Donnerstag getrieben. Spätestens das sollte dir jetzt zu denken geben.

Hör auf dein Herz Markus und sag uns Steuerzahlern, was dieser Spaß gekostet hat.

Dein Stewart Gilligan "Stewie" Griffin

18:04 20.01.2014
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Stewie Griffin

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