Ist Krieg reine Männersache?

Frauentag Setzten Frauen in der Krisenpolitik andere Akzente als Männer? Außenministerin Annalena Baerbock ist dafür ein gutes Beispiel
Frauen suchen Zuflucht in einem Parkhaus in Kiew
Frauen suchen Zuflucht in einem Parkhaus in Kiew

Foto: Chris McGrath/Getty Images

Im Krieg ist die Welt zweigeteilt. Es gibt die Männer, die angreifen, kämpfen, verteidigen. Und die Frauen, die mit ihren Kindern fliehen oder, wenn ihnen das nicht gelingt, in ihren Häusern auf die Bomben warten oder darauf, dass die Aggressoren kommen, die sie vielleicht vergewaltigen. Denn auch das gehört zum Krieg, und in Kiew und anderswo in der Ukraine könnte das schon bald Realität sein. Nichts scheint sich geändert zu haben seit den drei Kriegen, die uns hierzulande aus den vergangenen Jahrzehnten besonders im Gedächtnis geblieben sind, die beiden am Golf und den in Südosteuropa.

Männer und Frauen sind vom Krieg unterschiedlich betroffen. Das wussten schon die über 1.200 Frauen, die im April 1915 in Den Haag zu einem Friedenskongress zusammenkamen. Erst 85 Jahre und zwei Weltkriege später wurde daraus mit der UN-Resolution 1325 die Konsequenz gezogen. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten in kriegerischen Auseinandersetzungen zur Gewaltprävention und zur Verfolgung der Täter. Nicht die nationale Sicherheit ist das Leitmotiv, sondern eine an den Menschenrechten orientierte, wozu auch die Ächtung von Vergewaltigung als Kriegswaffe gehört. Gleichzeitig sollen Frauen adäquat an Konfliktlösungen und Friedensverhandlungen beteiligt und ihre Perspektive berücksichtigt werden. Studien haben gezeigt, dass eine Einigung dann 15 Jahre hält, ein Drittel länger als üblich.

Dabei geht es gar nicht darum, ob Frauen friedlicher seien und deshalb prädestiniert, friedensstiftend zu wirken. Während des Golfkriegs 1991 gab es eine starke Fraktion in der Frauenfriedensbewegung, die sich dies mehr oder weniger explizit auf die Fahnen schrieb, und die Kritik folgte auf dem Fuß.

30 Jahre später ist von diesen Netzwerken nur noch wenig übrig, nicht zuletzt, weil es nun durchaus Frauen gibt in den Entscheidungszonen, selbst in der immer noch männerdominierten Außenpolitik. Ihr eine „feministische“ Richtung zu geben, verspricht der Koalitionsvertrag, mit Annalena Baerbock als Außenrepräsentantin. Die drei Prozent aus dem Bundeshaushalt für Verteidigung, Entwicklung und Diplomatie sollten möglichst kreativ und keinesfalls für mehr Rüstung ausgegeben werden. Wir wissen heute, wie es darum bestellt ist. Für die zivile Friedenssicherung wird nur wenig übrig bleiben.

Deshalb muss man auch gar nicht darüber spekulieren, dass sich die Außenministerin wie wohl alle ihre Geschlechtsgenossinnen im Amt der nun herrschenden Kriegslogik, der Dominanz militärischer Stärke und der Freund-Feind-Bestimmung nicht wird entziehen können. Gelegentlich hat man sogar den Eindruck, dass die inzwischen in Sicherheitsfragen aufgerufenen Frauen sich noch entscheidungsfreudiger geben und den Militärs nacheifern. Damit, dass Baerbock mit rhetorischem Eifer Europas Einigkeit „als Überlebensfrage“ bezeichnet, suggeriert die Grünen-Politikerin eine Situation auf Leben und Tod, die zumindest außerhalb der Ukraine nicht realistisch ist.

Sich in solche ausweglosen Entscheidungssituationen treiben zu lassen, ist gefährlich. Gerade hat das Berliner Bündnis Gesundheit aufgerufen, am Internationalen Frauentag gegen die sozialen Auswirkungen von Aufrüstung zu demonstrieren, denn die vielen Milliarden werden fehlen für Care-Arbeit, Daseinsvorsorge und Klimaschutz. Und es ist in diesem Zusammenhang kein Zufall, dass nun auch wieder die Forderung nach einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Menschen aufkommt.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

Kommentare 17