"Seht ihr, wie Frankreich uns behandelt?"

Kolonialsoldaten Kriegsverbrechen. Gefangenschaft. Kolonialmassaker. Noch immer ist das Schicksal der "Tirailleurs sénégalais" im Zweiten Weltkrieg kaum bekannt
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18. Juni 1940. In einem Lager nahe der burgundischen Kleinstadt Clamecy erschießen Soldaten der Wehrmacht 41 Kriegsgefangene – mit Maschinengewehren. Einem Gefangenen gelingt die Flucht. Doch auch er wird bald gestellt und erschossen. Der Anlass des Massakers scheint banal: ein Gefangener gerät in Streit mit einem deutschen Offizier. Der reagiert auf diese „Respektlosigkeit“ mit einem Erschießungsbefehl. Zunächst werden 21 Gefangene getötet. Als sich 20 weitere Gefangene dem Befehl, die Gräber für die Toten auszuheben, verweigern, werden auch sie erschossen. Die Leichname bleiben 5 Tage liegen, bis sie auf Bitten des Bürgermeisters in ein Massengrab gelegt werden.

Der Frankreichfeldzug im Frühsommer 1940 gilt gemeinhin als normal geführter Krieg, wenn man es denn „normal“ ist, dass Zigtausende junger Männer ihr Leben verlieren. Das Massaker von Clamecy zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Toten sind zum großen Teil Kolonialsoldaten aus Französisch-Westafrika. Und es ist bei weitem nicht das einzige an den „Tirailleurs sénégalais“ verübte Kriegsverbrechen. Schon Ende Mai 1940 werden Dutzende massakrierter Kolonialsoldaten in Nordfrankreich gefunden, in einem Massengrab. An der Somme werden nach Mann-gegen-Mann-Kämpfen ca. 100 Tirailleurs von ihren „weißen“ Kameraden getrennt und exekutiert. Am 19. Juni „agieren“ SS und Wehrmacht im Lyonnais. Der Historiker Julien Fargettas hat das Massaker von Chasselay untersucht. Nach erbitterter Verteidigung des Dorfes geben die französischen Soldaten auf. Wieder findet eine Selektion statt. Mindestens 50 Tirailleurs werden mit Maschinengewehren niedergeschossen. Einige fliehen. Ich sehe noch heute die Panzergrenadiere, wie sie in aller Ruhe ihr Gewehr anlegen und unsere unglücklichen Tirailleurs abschießen, wie Kaninchen, berichtet der Adjudant Requier. Auf der Jagd nach Flüchtenden fahren die Täter in Panzerwagen über die zum Teil noch lebenden Opfer.

Der Historiker Raffael Scheck schätzt, dass im Frankreichfeldzug 1.500 bis 3.000 Tirailleurs sénégalais umgebracht wurden. In Wirklichkeit sind es noch mehr, denn viele Wehrmachtsoldaten sind anscheinend darauf aus, keine afrikanischen Gefangenen zu machen. Scheck weist auf die ungewöhnliche Todesrate der Tirailleurs hin: von den 40 bis 60.000 „schwarzen“ Soldaten werden im Mai und Juni mehr als 10.000 im Kampf getötet, was angesichts der Gesamtzahl von 60.000 Gefallenen disproportional ist.

„Tirailleurs sénégalais“ werden generell alle Soldaten aus den Kolonien südlich der Sahara genannt. Ihr erstes Regiment wird 1857 gegründet. Nach der Niederlage gegen Preußen 1871 entdecken die französischen Militärs, welche demographischen und militärischen Ressourcen die Kolonien bieten. Ab 1914 werden die „Tirailleurs“ systematisch erfasst und eingezogen, in kolonialistischer Manier unter Einbeziehung rassistischer Kriterien. Im Ersten Weltkrieg werden insgesamt 190.000 Tirailleurs eingesetzt. Sie kämpfen an der Somme und in Verdun, aber auch in Südosteuropa. In den Quellen wird immer wieder ihre Aufopferungsbereitschaft gelobt, die allerdings zu entsetzlichen Verlusten führt. Und in der Tat sind die Kolonialoffiziere erfahren genug, den Tirailleurs durch Distinktion (Uniform, Kopfbedeckung, Orden, Waffen, darunter das legendäre Messer „Coupe-coupe“) zu einer Männer-Gemeinschaft in fremder Umwelt zu formen.

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges wird der „Appel à l'Afrique“ verstärkt. Den Familien der künftigen Tirailleurs wird finanzielle Unterstützung angeboten. Die für Südwestafrika herausgegebene „Gazette du Tirailleur“ verspricht den künftigen Soldaten Karriere, Abenteuer, Kameradschaft, verbunden mit dem Kampf für die gerechte Anti-Hitler-Sache. Und sie kämpfen an vielen Fronten, in Westeuropa, Nordafrika, in der Subsahara, in Ostafrika, im Nahen Orient. In Frankreich treffen sie auf einen Feind, der bei „Schwarzen“ das Kriegsrecht außer Kraft setzt, der obsessiv nach „Schwarzen“ sucht, der Gefangene erniedrigt und ermordet, mit dem „Coupe-Coupe“ auf sie einschlägt, der den toten Soldaten Amulette, Uniformteile und Identitätsplaketten als Trophäen abnimmt, so dass heute oft nicht einmal die Namen der Getöteten bekannt sind.

Die Kriegsverbrechen an den Tirailleurs sénégalais sind für den Historiker Johann Chapoutot der Ausdruck von Verachtung und tiefer Angst zugleich. Sie steigern das traditionelle rassistische „koloniale Archiv“ der Europäer, nach dem der „Indigene“ nicht „zivilisiert“, sondern „barbarisch“ kämpft, heimtückisch und aus dem Hinterhalt. Angeblich verstümmelt er seine Opfer (Einzelbeispiele werden sofort verallgemeinert). Schon im Ersten Weltkrieg wirft die deutsche Propaganda, bemüht von den Kriegsverbrechen in Belgien abzulenken, der französischen Republik den Einsatz der „Schwarzen Kraft“ vor. Ein Titelbild des Kladerradatsch aus dem Jahr 1916 zeigt einen über Leichen tanzenden affenähnlichen Wilden. Ein Schädel baumelt um seinen Hals. Darunter der Titel: „Die Zivilisierung Europas“.

Ähnliche Bilder tauchen in den folgenden Jahrzehnten immer wieder auf. Traumatisch wirkt der Einmarsch der Tirailleurs an Rhein und Ruhr zu Beginn der Weimarer Republik. 1920 wird durch die Medien und die Parteien (mit Ausnahme der USPD) eine Kampagne zur „Schwarzen Schmach“ inszeniert. Immer weder werden einzelne Übergriffe und Vergewaltigungen generalisiert, Freundschaften zwischen Tirailleurs und deutschen Frauen zur „Weißen Schande“ erklärt. Nationalistische, christliche, aber auch bürgerlich-feministische Gruppen überbieten sich in der Beschwörung des Unheils. Den „Bestien“ wird die Vergewaltigung des deutschen Bodens vorgeworfen. Gleichzeitig jedoch ergeht an die deutschen Männer der Vorwurf der Feigheit, inklusive sexueller Konnotationen. Einer halluzinierten sexuellen Potenz der Afrikaner wird das „männliche Versagen“ der Deutschen gegenübergestellt, die die Reinheit ihrer Frauen nicht schützen können. Auch die Faszination des „Coupe-Coupe“ gehört in diesen Kontext.

1940 nimmt die deutsche Propaganda diese Bilder wieder auf und radikalisiert sie. Schon am 30. Mai berichtet der Völkische Beobachter über angebliche Kriegsverbrechen an Deutschen (Durchschneiden der Kehle, bestialisches Töten von Verletzten) und endet mit: Diesen mörderischen Tieren werden wir kein Pardon gewähren. Die Soldaten an der Westfront werden mit Flugblättern, Traktaten, Zeitungs- und Radioberichten bearbeitet. Exemplarisch ist das Titelbild des „Illustrierten Beobachters“ (1940): Ein triebhaft grinsender afrikanischer „Koloss“, überquert die klassische Rheinlandschaft. In den Armen hält er sein Gewehr, in dessen Lauf die Trikolore mit der Parole Liberté, Egalité, Fraternité steckt. Hinter ihm stehen ein arroganter französischer Stabsoffizier und ein grinsender jüdischer Finanzier. In den Wochenschauen werden die afrikanischen Gefangenen als Barbaren inszeniert, denen die geordneten Militärzüge blonder deutscher Männer gegenübergestellt werden. Regionalzeitungen und der Völkische Beobachter behaupten, in Frankreich würden „den schwarzen Molochs die eigenen Frauen vorgeworfen“ (Freiburger Zeitung, 13. Juni, Völkischer Beobachter, 14. Juni).Die deutschen Soldaten sehen sich als Verteidiger der deutschen Ehre (und der deutschen Scholle). Es gilt alles zu tun, um die Invasion der Barbaren zu verhindern. Carl Schmitt beschreibt dies später in diesen „feinen“ Worten: Der hegende Ring, der von Männern gebildete Zaun, der Mannring ist eine Urform kultischen, rechtlichen und politischen Zusammenhangs.

Viele deutsche Soldaten fühlen sich also legitimiert, die Tirailleurs zu ermorden. Kleine Anlässe reichen (oder werden konstruiert). Im Fall Clamecy soll ein Tirailleur dem deutschen Offizier „an die Gurgel“ gegangen sein. Andere berichten von einem Biss. Mitglieder der Kavalleriedivision General Feldts begehen ihr Massaker aufgrund einer angeblichen Verstümmelung eines toten deutschen Soldaten. Zur Absicherung bedrängen sie den Präfekten Jean Moulin, den späteren Résistancechef, ihnen die Verstümmelung schriftlich bestätigen (was dieser verweigert). Dass Vergeltungen generell durch die Genfer Konventionen untersagt war, kommt ihnen bei afrikanischen Soldaten gar nicht in den Sinn.

Der „Mannring“ vollzieht Hitlers Order, keine gefangene Tirailleurs nach Deutschland zu transportieren. Die meisten werden in Frankreich, in Frontstalags, interniert. Dazu finden nach der Gefangenennahme Selektionen statt. Im Unterschied zu den „Weißen“ müssen die Afrikaner während des gesamten Vorgangs die Hände über den Kopf halten. Die Trennung von den Kameraden und Offizieren erschwert natürlich die Kommunikation mit den Siegern. Gerade in dieser Situation entstehen Massaker wie das oben beschriebene. Hinzu kommen die materiellen Bedingungen. Ein kürzlich gefundenes Manuskript des Dichters Léopold Senghor, der auch beinahe exekutiert worden wäre, beschreibt die Kälte, die schlechte Ernährungslage, die harte Arbeit und die Anfälligkeit für Krankheiten. Nach einer kritischen Phase „verbessert“ sich die Situation der gefangenen Kolonialsoldaten, vor allem der Nordafrikaner. Das hat zum einen ideologische Gründe. Mit der Kriegsausweitung auf Nordafrika entdecken die Nazis die Vorteile pro-islamischer Propaganda. Zudem wird das Wachpersonal ausgewechselt. Nicht kriegsfähige „Landschützen“ lösen die Truppen der ersten Linie und die Feldpolizei ab. Vor allem aber wird der ökonomische Nutzen der Gefangenen erkannt. Entgegen der Genfer Konvention werden sie bei Rüstungsmaßnahmen eingesetzt (Atlantikwall) verwendet. Andere „Arbeitskommandos“ werden in die Land- und Forstwirtschaft abgeordnet. In größeren Betrieben werden sie extrem ausgebeutet, in entlegenen Kleinbetrieben gehören sie oft zur Familie. Es kommt zu Freundschaften und Ehen. Zahlreiche Gefangene können fliehen und schließen sich der Résistance an. Senghor selbst verarbeitet seine Erfahrungen in Gedichten:

Ihr Tirailleurs Sénégalais, meine schwarzen Brüder, eure Hände/Warm unter dem Eis und dem Tod...

Der Krieg geht weiter. Zwei Frankreiche kämpfen mit ihren jeweiligen Alliierten um ein Empire. Schließlich gewinnt das „Freie Frankreich“ de Gaulles mithilfe Englands, der USA und den Kolonialsoldaten die Oberhand über Vichy-Frankreich. Im November 1944 landen zahlreiche afrikanische Soldaten in der Provence. Von den gefangenen Kolonialsoldaten werden 15.000 befreit. Viele afrikanische Gefangene werden kurz vorher unter chaotischen Bedingungen nach Deutschland geschafft. Man weiß wenig über sie. Nicht wenige sterben bei Bombardierungen der Transitlager im Elsass und in Lothringen. In der Nähe von Nürnberg entdecken amerikanische Soldaten eine Gruppe von Tirailleurs sénégalais, die sich ihnen anschließt. Andere schlagen sich im Frühjahr 1945 bis zum Mittelmeer durch.

Auf Veranlassung de Gaulles verkündet der französische Generalstab am 7. September 1944 das berühmte „Blanchiment“: Die Verwendungsprobleme der senegalesischen Truppen während der kalten Saison verlangen die Transformation in vollständig weiße Truppen. Ersetzt werden sie mit Résistants der FFI (Forces françaises de l'Intérieur) und durch Zivilisten. Das Klima ist natürlich vorgeschoben. De Gaulle möchte den Alliierten das metropolitane Gesicht der französischen Armee präsentieren. Vor allem aber müssen die noch bewaffneten kommunistischen Résistants integriert werden. Die Tirailleurs werden in Frankreich höchstens noch für Militärparaden gebraucht.

In den großen Mittelmeerhäfen kaserniert, warten die Tirailleurs monatelang auf ihre Repatriierung . Unterbringung, Kleidung und Ernährung sind katastrophal, schlechter als in den Frontstalags, sagen sie. Ihre Heimat haben manche seit 10 Jahren nicht mehr gesehen. Es kommt zu Meutereien und blutigen Konflikten mit der Bevölkerung. Bezeichnend ist die Situation im bretonischen Morlaix. Dort sollen am 3. November 1944 ca. 2.000 Tirailleurs in Richtung Dakar eingeschifft werden. 300 weigern sich. Sie wollen erst den ihnen zustehenden Sold. Gendarmerie greift ein. Es gibt Verletzte. Die „Meuterer“ werden interniert. Ein Polizeibericht gibt Einblick in die Verzweiflung der Tirailleurs:

Man hat uns in das Kriegsgefangenenlager Trévé gebracht. Stacheldraht. Wachen um uns herum. Wir sterben fast vor Hunger. Nichts zu essen, außer heißem Wasser, ein wenig Kartoffeln, ein Stück Brot für 24 Stunden. Seht ihr, wie Frankreich uns behandelt.Vier Jahre Leiden in den Händen der Deutschen, und jetzt macht uns Frankreich zum zweiten Mal zu Kriegsgefangenen.

Schließlich einigt man sich. Die Tirailleurs bekommen ein Drittel des Solds. Den Rest sollen sie im Senegal erhalten. Anschließend sollen sie vom Lager Thiaroye bei Dakar aus in ihre jeweilige Heimat gefahren werden. Allerdings ist der Generalgouverneur von Französisch-Westafrika durch eine Mitteilung des Kolonialministers vom 31. Oktober vorgewarnt:

Die Rückkehr der ehemaligen Kriegsgefangenen stellt eine gewisse Anzahl von Problemen dar... Diese Eingeborenen haben gewisse Gewohnheiten, Denkmanieren und eine Mentalität erworben, die aus ihnen ein sehr spezielles Element macht.

Beim Begriff „Element“ wird der Kolonisator hellhörig. Elemente sind schließlich oft „subversiv“. Immerhin werden die 1280 Tirailleurs mit einer Parade empfangen. Und doch wird ihre „Mentalität“ schnell deutlich. Sie verlangen die ihnen zustehende Auszahlung des Restsoldes. Die Spannung steigt. Der Oberstleutnant Siméoni muss folgendes hören:

Fürs Getötet-Werden sind die Schwarzen gut, aber ohne sie zu bezahlen.

Das Geld, was wir haben, haben wir von den Boches. Die sind besser als die Franzosen.

Du sagst, dass du Gefangener in Deutschland gewesen bist, und warum bist du in meinem Land, konntest du nicht in Frankreich bleiben?

General Dagnan hat seine ganze Karriere im Kolonialdienst gemacht. Er will sich persönlich ein Bild machen. Im Lager hört er sich den Sprecher der Tirailleurs, den Adjutanten Ouedraogo, an. Er verspricht eine Lösung, verlässt das Lager aber in der Überzeugung, es mit einer offenen Rebellion zu tun zu haben. Er entscheidet sich in Absprache mit seinem Vorgesetzten für die Repression. Am 1. Dezember 1944, um 7 Uhr, dringen Militärs ins Lager ein. Die Insassen werden aufgerufen, sich zwecks Abtransports zu versammeln. Sie weigern sich.

Ich gebe ihnen eine Viertelstunde. Allgemeines Gelächter, Beleidigungen, die Hände in den Taschen (!). Sie kommen auf mich zu: „Du bist zu blöd!“ Eine Pistole wird auf den Leutnant Boussar gerichtet. Ich berichte dem Oberst Carbillet und verlange Verstärkung.

So der Rapport, den Oberstleutnant Le Berre noch am 1. Dezember verfasst.

Um 9.20 Uhr erfolgt eine erneute Aufforderung an die „Meuterer“. Wenige Minuten treten die automatischen Maschinengewehre in Aktion. Angeblich wurde aus den Barcken geschossen. 24 Tirailleurs sofort getötet. 46 Verletzte sterben später im Hospital von Dakar. Die offizielle Zahl der Toten wird 35 „institutionalisiert“. Die „Rädelsführer“ werden festgenommen (und im Februar 1945 zu schweren Strafen verurteilt). Sie werden als Kollaborateure bezeichnet. Hitlerbilder seien bei ihnen gefunden worden. Der Generalgouverneur schreibt dem Kolonialminister, die Maßnahme sei „unausweichlich“ gewesen. Schließlich sei „die Souveränität Frankreichs infrage gestellt worden“.

Heute ist Thiaroye Anlass für einen Historikerstreit. Ist es eine Tragödie oder ein Staatsverbrechen? Die Historikerin Arlette Mabon spricht von einem vorsätzlichen Massaker mit viel mehr Toten, als offiziell behauptet. Die Archive seien deswegen „bereinigt“ worden. Die restlichen Quellen sind auch (oder gerade deswegen?) als offizielle keine „unschuldigen“ Dokumente. Dass sie sich widersprechen, dass sie unvollständig sind, wirft Zweifel auf. Nicht zu bezweifeln aber ist die Tatsache, dass General Dagnan 1946 vor seiner Pensionierung zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt wird. Er stirbt 1978, mit 93 Jahren.

Senghor schreibt über Thiaroye:

Schwarze Gefangene, ich sage bewusst, französische Gefangene, ist es also wahr, dass Frankreich nicht mehr Frankreich ist?

1944/45 ist der faschistische Teil Europas besiegt. Endlich. Übrig aber bleibt der ordinäre Kolonialismus, der mit dem Massaker von Thiaroye seine brutale Seite zeigt. Hier ist der Begriff „Weiße Schande“ berechtigt. Und es sollten noch viele Massaker folgen.

Julien Fargettas, Les Tirailleurs sénégalais. 1939 - 1945. Paris 2012

Johann Chapoutot/Jean Vigreux (Hrsg.), Des soldats noirs face au Reich. Les massacres racistes de 1940. Paris 2015

Achille Mbembe, Kritik der schwarzen Vernunft. Berlin 2014

Michelle Zancarini-Fournel, Les luttes et les rêves. Paris 2016

15:49 03.08.2017
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