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Ulrich Becks Denkfehler

04.01.2010 | 15:50 FOW
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05.01.2010 | 23:44 Giuseppe Navetta
Beck? Ist das nicht der Autor von "Risikogesellschaft", also das deutsche Pendant zu Giddens?
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06.01.2010 | 11:18 FOW
Genau der - ich hatte auf seine "Risikogesellschaft" und seine "Weltrisiokogesellschaft" verwiesen. Es geht aber nicht einfach pauschal um seine (kritikwürdige) politische Position, sondern um einen genauer zu diskutierenden Denkfehler (der dann allerlei politische Konsequenzen stützt).
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Ulrich Becks Denkfehler

04.01.2010 | 15:50 FOW
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04.01.2010 | 19:22 haydnplayer
Vielen Dank nochmals für den Link zu U.Beck! Ich denke, Sie kennen sich mit den Grenzen wissenschaftlicher Prognostik ebenso gut aus, wie Ulrich Beck, und ich kann zwischen Ihrem Text und Becks Ausfü...
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05.01.2010 | 10:24 FOW
Es geht gar nicht darum, ob Ulrich Beck ein engagierter Mann ist, der auch vieles Richtige fordert. Das habe ich noch nie bestritten. Aber in seinem Buch 'Weltrisikogesellschaft' (wie schon in seinem ersten Bucherfolg 'Risikogesellschaft') vertritt er eine These über das Verhältnis von 'Risiko', 'Gefahr' und 'Unsicherheit', die auf eine Eliminierung der Gefahrenabwehr aus unseren gesellschaftlichen Handlungsperspektiven hinausläuft. Das halte ich immer noch für einen Denkfehler. Das Gravierendste daran ist für mich eine gesellschaftstheoretische Konsequenz: Beck suggeriert, wir hätten es heute nicht mehr mit den Herrschaftsverhältnissen zu tun, gegen die die alten sozialen Bewegungen gekämpft hätten, sondern mit einem diffusen, gleichsam 'klassenlosen' Risiko. Auf diese Weise ist m.E. kein Aspekt der heutigen globalen Krisenkonstellation zu begreifen und wirksam zu bekämpfen. Aber das ist eine sehr viel weiter führende Debatte als die über Becks falsche Dichotomie von Risiko und Unsicherheit...
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Ulrich Becks Denkfehler

04.01.2010 | 15:50 FOW
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04.01.2010 | 19:22 haydnplayer
Vielen Dank nochmals für den Link zu U.Beck! Ich denke, Sie kennen sich mit den Grenzen wissenschaftlicher Prognostik ebenso gut aus, wie Ulrich Beck, und ich kann zwischen Ihrem Text und Becks Ausfü...
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04.01.2010 | 22:37 FOW
Ich denke, der Denkfehler - der aus der Perspektive des unbeteiligten Beobachters unsichtbar ist - liegt einfach darin nur zwischen berechenbaren Risiken und Ungewissheit zu unterscheiden - anstatt sich als Handelnder auf die immer relativen (aus wenn-dann-Beziehungen beruhenden) Prognosen der Wissenschaften einzulassen. Das Beispiel der Pandemie-Prognose verdeckt das Problem. Das Klima-Beispiel ist sehr viel sprechender: Es geht nicht um eine Wette, um eine absolute Prognose (die in der tat einfach nicht zu haben ist), sondern um eine Gefahrenabwehr aufgrund einer relativen Prognose: Nachdem das Handeln der Menschheit zu einem erdgeschichtlichen Faktor geworden ist, muss die Menschheit tun, was in ihrer Macht steht, um ihren eigenen Beitrag zum Klimawandel unter Kontrolle zu bringen. Und zwar ganz unabhängig von dem, was sonst noch alles so passieren könnte. Genau dies wird von Ulrich Becks Denkfehler, alles für 'ungewiss' und 'nichtgewusst" zu halten, was nicht versicherungsmathematisch als Risiko berechenbar ist, konsequent verdeckt.
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Nach Kopenhagen muss es anders weitergehen!

20.12.2009 | 12:58 FOW
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20.12.2009 | 20:58 Eselsmöhre
Guten Abend, FOW, danke für Ihren Artikel, der mir als bekennendem Gutmenschen aus der Seele sprach. Bei der Lektüre habe ich mich jedoch gefragt, ob die aufscheinende Sicht auf die Dinge nicht ei...
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20.12.2009 | 22:59 FOW
Ich möchte zu beiden Kommentaren etwas klar stellen: Selbstverständlich liegt es an uns - wir können nicht nur bei uns selbst anfangen, uns weniger klimaschädlich zu verhalten, sondern wir haben auch - letztlich jedenfalls - die Regierungen die wir verdienen. Sich selber zu ändern und seine Regierungen zu verändern sind zwei Seiten deselben Prozesses. Nach Jahrzehnten der Niederlage fällt es vielleich schwer, sich so etwas überhaupt noch vorzustellen - aber die historische Erfahrung lehrt uns doch - auch ganz nüchtern betrachtet: Es geht!
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01.10.2009 | 23:01 FOW
Zu MisterL nur ein simples Argument: Wie soll es denn sonst möglich sein, die nötigen politischen Entscheidungen zu treffen? Geschenkt, dass Deutschland hier nicht im leeren Raum steht und auch dass die politischen Parteien hier nicht die primären Akteure sein werden! Aber auch in Deutschland wird es eine Reguierung geben müssen, die entsprechende Entscheidungen zumindest umsetzt. Ob das dann links ist, ist nicht weiter wichtig. Klar ist aber, dass sich das bürgerliche Lager, wie es die Wahlen gewonnen hat, diesen Problemen erklärtermaßen nicht stellt.
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03.07.2009 | 13:18 Streifzug
Hallo FOW, meinen Sie das Buch:" Europa sind wir" - Gewerkschaftspolitik für ein anderes Europa von Dieter Scholz (Herausgeber), Frank Schmidt-Hullmann (Herausgeber), Anne Karrass (Herausgeber), Helm...
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03.07.2009 | 13:33 FOW
Genau dieses Buch meinte ich. Die Rolle des Deutschen Bundestages in der ganzen Angelegenheit - die Kläger gegen den Vertrag ausgenommen - ist wirklich ein großes und skandalöses Trauerspiel!
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03.07.2009 | 11:27 migrant
Auch das Bundesverfassungsgericht hat EIGENE INTERESSEN: vor allem seine Kompetenzen. Seine Objektivität hat also Grenzen. Ganz abgesehen davon, dass auch Verfassungsrichter nur Menschen sind.
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03.07.2009 | 12:58 FOW
In der Tat, das ist völlig unstrittig. Die interessante Frage ist aber, was sie von ihrem besonderen Standpunkt und mit ihren eigenen Interessen sehen - und ob und wie es möglich ist, davon etwas zu lernen, was auch für andere Interessen (und letztlich das Interesse an einem befreiten Leben) nutzbar zu machen ist. Wenn die dünne Abstraktion des Staatsrechtsdenkens, das den RichterInnen in der Tat anhaftet, aufgehoben wird, ist das der Gedanke, dass wir damit, Europa in unserem Sinne demokratisch zu verändern, in Deutschland, in der deutschen Politik anfangen müssen!
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Das Problem sitzt knapp hinter der Nase

01.03.2009 | 13:06 Ingo Stützle
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02.03.2009 | 12:21 FOW
Das ist aber nur die Version für doofe NaturwissenschaftsphilosophInnen, die an nichts glauben außer an physikalische Messungen. Falsche 'Naturalisierungen' des historischen 'Kapitalismus' gibt es auch in raffinierteren Versionen, etwa 'soziobiologischer' oder 'anthropologischer' Art. Der Kernpunkt ist eigentlich immer wieder, dass man an der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise nichts ändern könne, weil sie 'in der Natur' läge. Das bedient die Erfahrung, dass Menschen aggressiv und egoistisch sein können - und knüpft an den Traditionshintergrund der christlichen Erbsündelehre an. Für Gutwetterzeiten gibt es auch noch die spiegelverkehrte Version, dass die kapitalistische Konkurrenz optimal die 'Leistungsfähigkeit' der Menschen, 'wie sie von Natur aus nun einmal sind', hervorkitzle. Allerdings sollte uns nicht zu dem Irrglauben verleiten, wir als Individuen der species homo sapiens sapiens stünden 'außerhalb der Natur'. Zu dieser Natur gehört es aber auch, die historischen Verhältnisse zu produzieren,in und unter denen wir leben. Werden wir es schaffen, sie so zu verändern, dass wir uns von allen Herrschaftsverhältnissen befreien? Diese Frage soll uns durch diese Art von Naturalisierung ausgetrieben werden - deswegen ist es so wichtig, diese Naturalisierung 'des Kapitalismus' in allen ihren Gestalten zu kritisieren. FOW
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02.03.2009 | 11:20 FOW
Die Frage nach der Herrschaft ist in der Tat zentral. Die Form des modernen Staates als verselbständigter Staatsgewalt ist selbstverständlich eine Form von Herrschaft. Die private Herrschaft des Kapitals bzw. der kapitalistischen Produktionsweise ist deswegen nicht weniger eine Form der Herrschaft, deren zyklische Reproduktion immer wieder zu 'gewalttätigen' Bereinigungskrisen führt, in denen 'überschüssiges' Kapital vernichtet wird - mit allerlei ganz realen Folgen für viele Menschen (und sogar andere Lebewesen). Das ist gar nicht 'mystisch', sondern äußerst real. Die Frage ist doch, wie diese Herrschaftsformen überwunden werden können, nicht wie die eine für die andere ausgetauscht werden könnte. Da wir uns darüber erst anfangen zu verständigen und auch niemals damit 'fertig' sein werden, brauchen wir eine ebenso offene wie ernsthafte Debatte. Das kann doch weder heißen, sich einfach mit den bereits beanspruchten 'Wahrheiten' zufrieden zu geben, noch den Wahrheitsanspruch in politisch wichtigen Fragen aufzugeben. Vielleicht hilft es weiter, sich klar zu machen, dass auch eine Wahrheit vermittelt und ergriffen werden muss, um politisch wirksam zu werden. Und das geht doch wohl nur, wenn sie sich mit dem verbindet, was die Menschen, die Menge der Vielen, wünschen und wollen, denken und glauben, fürchten und hoffen. FOW
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Zwei unzureichende Perspektiven

23.02.2009 | 13:59 FOW
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23.02.2009 | 14:52 FOW
Ich bitte um Entschuldigung für den verkorksten Zeilenfall. Auch nach mehreren Anläufen zur Korrektur wurde das nicht besser... FOW
FOW
Ich lehre als Honorarprofessor Philosophie an der Freien Universität Berlin, Mitinitiator des Forums Neue Politik der Arbeit und bin organisierter Humanist (u.a. Präsident der Humanistischen Akademie Deutschlands). Festschrift: Philosophieren unter anderen, Münster 2008
Mitglied seit:
3 Jahre 14 Wochen
Zuletzt aktiv:
06.01.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 9
Kommentare: 13
Logbuch
23:07
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:59
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:58
Michael Angele hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:53
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:46
Calvin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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