"Am wichtigsten sind Emotionen"

Interview achtung berlin Blog im Gespräch mit Regisseur Thomas Sieben, der dieses Jahr Mitglied in der Jury des Wettbewerbs Mittellanger Film bei achtung berlin ist
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"Am wichtigsten sind Emotionen"

Mit “Staudamm” war Regisseur Thomas Sieben Teilnehmer an Filmfestivals in aller Welt. Unter anderem lief der Film zum aufwühlenden Thema Amoklauf auf dem Sao Paulo International Filmfestival, dem Montreal World Film Festival und achtung berlin – new Berlin film award 2013, wo er den Preis der Ökumenischen Jury gewann. Auch dieses Jahr ist Sieben dabei, als Jury-Mitglied. Vorher spricht er mit Carim Soliman über Partys, Filme und schlechte Wortspiele.

Thomas, wie bist du mit dem achtung berlin Festival zum ersten Mal in Berührung gekommen?
Das ist eine lange Geschichte. Ich war mal auf einer Party zum Hofer Filmfest [Internationale Hofer Filmtage, Anm. d. Red.], als mich noch Niemand kannte. Im Laufe des Abends hat mich eine Frau angesprochen, die meinte, sie plane ein Festival in und für Filme aus Berlin. Sie wollte von mir wissen, mit wem sie dafür reden muss. Ich konnte ihr aber nicht weiterhelfen, ich hatte mich ja selber reingeschlichen. Als ich dann Jahre später von achtung berlin hörte, dachte ich ok, dann hat sie wohl noch jemanden gefunden. Konkret damit beschäftigt habe ich mich aber erst 2009, als ich für meinen Film “Distanz” nominiert war. Und heute kommt man ja kaum darum herum.

Weil das Festival so bekannt ist?
Weil es jedes Jahr bekannter wird. Es steht natürlich im Schatten der Berlinale, wie eigentlich jede Filmveranstaltung in Berlin. Das macht es dem achtung berlin schwer, außerhalb der Nachwuchsszene wahrgenommen zu werden. Aber die Leute dahinter sind sehr engagiert und erzeugen eine fast familiäre Atmosphäre, was wirklich schön ist.

Auf anderen Veranstaltungen ist das anders?
Ja. Bleiben wir beim Beispiel Berlinale: Das ist eine Riesenveranstaltung, bei der alle Beteiligten höchst professionell arbeiten. Das hat schon fast Unternehmensstruktur. Das achtung berlin ist mehr wie ein Familientreffen für Filmemacher. Man kennt sich einfach, was für eine lockere Stimmung sorgt.

Letztes Jahr hast du mit “Staudamm” den Preis der Ökumenischen Jury gewonnen, was bedeutet dir das?
Zum einen war es natürlich super, gleich beim zweiten Festival, auf dem wir liefen, einen Preis abzuräumen. Ab da war klar, dass wir keinen kompletten Mist gemacht haben können. Andererseits haben wir uns als Team darüber so gefreut, weil er eben von der Ökumenischen Jury verliehen wird, sprich ein gesellschaftlicher Preis ist. Dass ich ihn mir mit dem Fahrrad abholen konnte, hat sicher auch geholfen.

Hat der Preis dazu beigetragen, dass du dieses Jahr selbst Juror bist?
Nicht wirklich. Ich kenne Hajo und Sebastian [Festivalleiter, Anm. d. Red.] einfach schon etwas länger, weil ich eben schon zweimal dort mit Filmen lief, so wie viele andere, die mit dem Festival zu tun haben. Und als sie mich gefragt haben, ob ich in der Jury sein möchte, habe ich natürlich sofort zugesagt. Man hilft, wo man kann und wenn es auch noch Spaß macht, erst recht.

Kannst du schon sagen, welche Aufgabe dir mehr Spaß macht?
Noch beschränkt sich die Juryarbeit auf ein paar organisatorische Mails. Aber ich war ja schon mal Mitglied einer Festivaljury. Im Endeffekt muss ich nur ganz entspannt Filme gucken und darüber reden. Wenn man selbst im Rennen ist, ist da schon eine gewisse Anspannung, egal ob man sich etwas aus Preisen macht oder nicht. Wie kommt der Film an? Sind die Vorstellungen voll? Und so weiter..

Welche Aspekte sind dir besonders wichtig, wenn du einen Film bewertest?
In erster Linie sind Filme natürlich Geschmackssache. Ich persönlich mag einfache Geschichten. Wenn man zu viele Handlungsstränge zusammenknotet wird es nur unnötig kompliziert. Der Filmemacher in mir achtet auf Dinge wie eine saubere Dramaturgie und glaubhafte Charaktere. Am wichtigsten sind Emotionen. Ein Film muss mich auf irgendeine Weise emotional berühren. Wenn diese Energie spürbar ist, werden Dinge wie Genres zu Nebensächlichkeiten. Ich lasse mich sogar sehr gerne von Streifen überraschen, die auf den ersten Blick nichts für mich sind.

Zum Schluss eine Frage, die wir uns beim besten Willen nicht verkneifen konnten: Herr Sieben, was sind Ihre sieben Lieblingsfilme?
Zuerst mein Konter: Mit dabei ist natürlich der Thriller “Sieben” von David Fincher, mit Brad Pitt und Morgan Freeman. Ansonsten würde ich sagen: “Der schmale Grad”, “Casablanca”, “Brügge sehen und sterben”, “Solaris”, also die Neuverfilmung von Steven Soderbergh, “Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück” - wie viele sind das, sechs? Moment, ich muss kurz meine DVD-Sammlung vor meinem geistigen Auge durchstöbern. Na gut, zum Schluss noch ein deutscher Film: “Absolute Giganten”.

Von Carim Soliman / im Rahmen des Studiengangs Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation – MHMK, Standort Berlin.
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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achtung berlin

Der achtung berlin - new berlin film award ist ein Filmfestival, das sich mit Leib und Seele dem Hauptstadtkino verschrieben hat. 9.-16. April 2014
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