Wahre Arier tragen Kopftuch

Fernsehen Mit „Die Arier“ sendet ARTE am 29. April eines der Doku-Highlights der zurückliegenden Ausgabe von „achtung berlin“
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Wahre Arier tragen Kopftuch

Link zur Sendung (Bis zum 6.5.14 verfügbar)

Zwei Filmschaffende der zurückliegenden Ausgabe von „achtung berlin“ und Gäste des ersten Dokumentarfilmtags haben bereits besondere Ehrungen erhalten! Doch zunächst ein kleiner Rückblick auf die Diskussionen des Dokumentarfilmtages:

Dabei trafen sich während des Festivals neben Mo Asumang („Die Arier“) auch die Regisseurinnen Josephine Links („Am Anfang“) und Katarina Schröter („The Visitor“) sowie Produzent Henning Kamm („The Special Need“) zu Hintergrundinterviews vor öffentlichem Publikum im Babylon-Kino und stellten sich den Fragen des Journalisten Max-Peter Heyne, um den Zuhörern einen Eindruck ihrer Filme zu verschaffen. Sie nutzten die Chance, den Weg zu dem Produkt zu skizzieren, ihre Vorgehensweise näher zu beschreiben und Anekdoten ihres Dreh-Alltages zu erzählen, mit denen sie das Publikum begeistern konnten. Mit der Reflexion der unterschiedlichen Weisen, mit denen gesellschaftliche und individuelle Probleme in den Filmen dargestellt wurden, wurde das Publikum angeregt, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. (Bei der Meinungsbildung können die Betrachtungsweise des Regisseurs und die Art, wie der Regisseur den Zuschauer in seine eigene Auseinandersetzung im Film integriert, eine wichtige Rolle einnehmen.) Das Interesse spiegelte sich in den angeregten Gesprächen zwischen Zuhörern und Repräsentanten wieder, welche nach Beendigung des Interviews zahlreich entstanden. Rückblickend also eine Veranstaltung, die seinen Zweck für alle vollständig erfüllte. Wir freuen uns auf den nächsten „Dokumentarfilmtag“ beim „achtung berlin“-Festival 2015!

von Lennart Tiedt

Dass die Macher des Festivals „achtung berlin – new berlin film award“ gerade in Bezug auf Dokumentarfilme den richtigen Riecher hatten, beweist nicht nur die große Resonanz auf den neu etablierten „Dokumentarfilmtag“ während des zurückliegenden Festivals, sondern wird auch von zwei brandaktuellen Nachrichten bestätigt:

  1. Der Produzent des herzerwärmenden Films „The Special Need“ über einen geistig Behinderten nach einer Frau fürs Leben, Liebe und Sex (Regie: Carlo Zoratti), Henning Kamm von der Hamburger/Berliner Produktionsfirma Detailfilm, ist von der European Film Promotion in diesem Jahr als deutscher Vertreter zu ihrem Networking-Programm „Producer on the Move“ eingeladen, das vom 17. bis 19. Mai im Rahmen des 67. Festival de Cannes stattfindet und in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum feiert. Henning Kamm, der beim „achtung berlin“-Filmtalk aufschlussreiche Hintergrundfakten und Anekdoten über die Entstehungsgeschichte von „The Special Need“ berichtete, darf sich damit „Producer on the Move“ nennen.

  2. Als erster „achtung berlin“-Beitrag wird der neue Dokumentarfilm der Moderatorin, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Mo Asumang, „Die Arier“, bereits am Dienstag, den 29. April 2014, um 22.10 Uhr (Wiederholung am Donnerstag, 15.05. um 9.00 Uhr) auf dem deutsch-französischen Kultursender ARTE um seine TV-Uraufführung erleben.

„Die Arier“ wartet mit spektakulären Szenen auf, denn wie schon in ihrem ersten Film „Roots Germania“ über die verquere Ideologie weißer Rassisten geht die die afrodeutsche Mo Asumang Michael-Moore-mäßig wieder mitten in die Höhle des Löwen. Diesmal besucht Asumang jedoch nicht nur deutsche Rechtsradikalendemos (in Gera) und versucht, mit deren Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Sie besuchte für den neuen Film auch einen der führenden Hetzer der rechten Szene in den USA, Tom Metzger, und sogar Mitglieder des rassistischen Klu Klux Klan im Mittelwesten. Zugleich hinterfragt sie kritisch die (unzulängliche, weil historische fehlerhafte) Verwendung des Begriffs der Arier und kommt esoterischen Irrwegen auf die Spur.

„Bin ich weniger Wert, weniger als ein weißer Mensch?“ fragt sich Mo Asumang in ihrem neuen Dokumentarfilm ‚die Arier‘. Mit erstaunlichem Mut und bemerkenswertem Willen tritt sie vor diejenigen, die sowas behaupten. Sie geht auf Neonazi-Demonstrationen, trifft Ku Klux Klan-Mitglieder und begegnet Gründern von rassistischen Hassgruppen. In intensiven Gesprächen stellt sie einfache Fragen und erhält verblüffende Aussagen. Sie geht dort hin, wo andere weggucken, deckt für den Zuschauer eine gefährliche und verdrehte Welt auf und wird dabei oft beleidigt, beschimpft oder abgewiesen. Trotzdem bewahrt die Filmmacherin ihre herzliche und genuine Freundlichkeit und findet schließlich, dank Historikern, Archäologen und Sprachwissenschaftlern die waren Arier, weit entfernt von den blonden und großen Blauäugigen. So lernen die Zuschauer von Mo Asumang, wo die ‚wahren‘, die Ur-Arier beheimatet sind: im Iran!

Ein hervorragender Dokumentarfilm, mit einem hohen Informationswert, eine tolle Kameraführung und einer bewundernswürdigen Hauptdarstellerin, dem kein Preis entgehen sollte. Zwei – darunter einen Publikumspreis beim Filmfestival in Phoenix/Arizona – hat Mo Asumang mit „Die Arier“ schon errungen.

von Julia Lohmann Garcia

im Rahmen des Studiengangs Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation – MHMK, Standort Berlin.
19:02 28.04.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

achtung berlin

Der achtung berlin - new berlin film award ist ein Filmfestival, das sich mit Leib und Seele dem Hauptstadtkino verschrieben hat. 9.-16. April 2014
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