Bericht vom Bürgermeisterempfang

Bachmannpreis Der Klagenfurter Bürgermeister eröffnete die 47. Tage deutschsprachiger Literatur. Begeistert ist der Kulturbetrieb von Christian Scheider nicht – und lässt es ihn spüren

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Der Kulturbetrieb duldet ihn explizit: Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider
Der Kulturbetrieb duldet ihn explizit: Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider

ORF/Johannes Puch

Im Rahmen der 47. Tage deutschsprachiger Literatur in Klagenfurt findet am ersten Lesetag des Bachmann-Wettbewerbs im Schloss Maria Loretto der Bürgermeisterempfang statt. Das Schloss, es liegt direkt am Wörthersee, ist umringt von einem romantischen Garten und bietet einen prächtigen Überblick über den westlichen Teil des Wörthersees, wird nur wenige Tagen im Jahr genutzt. Der Lesewettbewerb ist eines der Highlights an denen die Tore geöffnet sind.

Der Empfang 2023 hatte nicht nur ein spezielles Flair, sondern auch ein eigenartiges Klima. Bürgermeister Christian Scheider lud als Preissponsor zwar ein, erfuhr im Vorfeld dieser Society-Veranstaltung aber mehrere Demütigungen.

Christian Scheider war in den letzten beiden Wochen das Stadtoberhaupt, das über die österreichischen Grenzen hinaus traurige Berühmtheit erlangte: als Politiker, der sich in unerhörter Weise über die Grundrechte der Pressefreiheit hinwegsetzt und mit einer Anzeige dafür gesorgt hatte, dass die Polizei Handys und Laptop eines Kärntner Investigativ-Journalisten beschlagnahmte. Franz Miklautz hatte nämlich aufgedeckt, dass der Magistratsdirektor der Stadt, der von Scheider gegen die Mehrheit der Gemeindevertreter protegiert wird, zu seinem Gehalt auch noch formidable 66.000 Euro an Überstunden kassiert hat. Inzwischen wurde von der Klagenfurter Staatsanwaltschaft das Verfahren eiligst eingestellt, eine Entschuldigung ausgesprochen. Die sozialdemokratische Partei Klagenfurts hat diesen Vorfall genutzt, um die unsägliche Koalition mit der Partei Scheiders, dem „Team Kärnten“ zu beenden.

Der Vorjahresgewinner der Stadtschreiberschaft in Klagenfurt, Bachmann-Publikumspreisträger 2022, Elias Hirschl erklärte unlängst im „Standard“, welche Dummheit den Vorgängen zugrunde liegt und dass die Anwesenheit des Bürgermeisters an dieser Veranstaltung vom Literaturbetrieb maximal höflich toleriert wird.

Vom Balkon des Schlosses trägt der Bürgermeister in einiger Entfernung zu den Eingeladenen seine Empfangsrede vor. Er liest sie vor. Die Buffetglocke klingelt, die Anwesenden stellen sich in einer Schlage vor dem Buffet an. Es folgt das Übliche. Wir wollen uns doch nicht gegenseitig weh tun.

Der Bachmannwettbewerb: vom 28. Juni bis 2. Juli organisieren 3Sat und der ORF die 47. Tage der deutschsprachigen Literatur. Zwölf Schriftsteller*innen sind in diesem Jahr für den Bachmannpreis nominiert. Studierende der Angewandten Kulturwissenschaft des Instituts für Kulturanalyse an der Alpe-Adria-Universität Klagenfurt berichten hier über den Lesewettbewerb. Das Blockseminar „Einführung in den Literaturbetrieb“ (Dozent: Karsten Krampitz) verwandelt sich für ein paar Tage in ein Blog-Seminar.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Hannelore Kohlweg | Blogseminar

Studierende des Instituts für Kulturanalyse an der Alpe-Adria-Universität Klagenfurt berichten hier über den Bachmannpreis

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