Projekt: Gründung einer Uni in La Ceiba (3)

Ein Freiheits-Akt Nachlese: Internationaler Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung 21. März „Ein Volk, das seine Fremden nicht ehrt, ist dem Untergang geweiht.“ (Goethe)
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Foto: H. Gebauer (21. März 2015), Sekundarschule, in der der Weltgedenktag gegen Rassendiskriminierung begangen wurde, Coxen Hole, Roatan, Honduras

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Mein dreiwöchiger Aufenthalt in Honduras zur Unterstützung der Konzipierung einer internationalen Universität für die ehemaligen Sklavenvölker Lateinamerikas (siehe auch die ersten beiden Folgen unter "infos") führte mich nach dem Besuch der Moskitia-Region und der Garifuna-Gemeinde von Trujillo auch auf die Insel Roatan, die hauptsächlich von englischsprachigen Schwarzen, aber auch von Garifunas und Miskito-Indigenen bewohnt wird. Roatan ist die bedeutendste Touristen-Insel von Honduras, auf der u. a. Nachfahren der ehemaligen englischen Kolonialmacht und der zahlreichen Piraten ihre Heimat haben. Selbst Julio Iglesias, dessen Lieder mich in unmittelbarer Nachkriegszeit im zerstörten, ethnisch gesäuberten Bosnien mit Latinoatmosphäre aufmunterte, nennt ein riesiges tropisches Areal in Roatan sein Eigen. Mein Besuch in Roatan, in Gesellschaft von Celeo, dem Chef von ODECO, und Daniel, dem jüdisch-abstämmigen Chilenen, dessen Eltern vor den Nazis flüchteten und eine neue Heimat im südlichsten Winkel Lateinamerikas fanden, war dem Internationalen Tag gegen Rassendiskriminierung geschuldet sowie auch der Diskussion über die Gründung der Universität.

Auf der Feier dieses Tages in einer Sekundarschule waren zahlreiche englischsprachige Schwarze, Garifunas und Miskitos sowie ein honduranischer Regierungsvertreter und der Gouverneur der Insel vertreten. Es fehlten die weiße Oberschicht sowie die weißen Touristen.

Die Beiträge der Redner machten wieder einmal deutlich, wer das Sagen im Lande hat, das von einer Nationalen Oligarchie regiert wird, die fest im internationalen kapitalistischen Markt verhaftet ist. Die autochthonen Völker können Gedenktage feiern so oft sie wollen. Ihre Jugend bleibt gezwungen auszuwandern oder sich in das Schicksal „moderner“ Sklaven zu ergeben. Dabei haben sie selbstverständlich das Recht, wie die untertänige Zivilgesellschaft in Deutschland auch, alle vier Jahre ihr Kreuzlein auf einem Wahlzettel zu markieren. Untertanen und ans Kapital Ausgelieferte bleiben sie allemal. Da helfen auch die aufmunternden Tänze und Gesänge nicht, die dem Kraftschöpfen gewidmet sind, wenn nicht praktische Tat, solidarischer Wille und rechter Verstand zu Grundlagen der Freiheitssuche werden.

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Foto: H. Gebauer (21. März 2015), Garifuna-Tanzgruppe beim Weltgedenktag gegen Rassendiskriminierung, Coxen Hole, Roatan, Honduras

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Nach dem Roatan-Besuch fanden wir uns in kleiner Gruppe bei Sonnenuntergang in Silvias rustikaler Bar ein. Silvia schreibt wunderbare Lyrik. Sie versprach mir, diese zu mailen, damit ich Kostproben ins Deutsche übersetzen kann. Immer wieder scheint die Sehnsucht nach Freiheit hindurch, die durch nichts gebrochen werden kann. In ihrer Bar treffen sich lokale Dichter und Sänger, die ihre Unabhängigkeit trotz schwierigster materieller Bedingungen bewahrt und Bütteldienste fürs Kapital ausgeschlagen haben. Hier wurden die Eckpunkte der zu gründenden Universität besprochen. Diese soll im Januar 2016 beginnen:

Eine Universität aus der Gemeinde heraus und im Dienst der Gemeinde, unter aktiver Beteiligung aller: Jugend, Erwachsene, Alte, gemeinsam in Ausbildung, gemeinsam in Produktion, gemeinsam in Reproduktion, über Grenzen und Kulturen hinweg, friedensstiftend.

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Foto: H. Gebauer (22. März 2015), Garifunas auf dem Heimweg, von Silvias Bar aus gesehen, La Ceiba, Honduras

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Ende der 3. Universitäts-Folge.

Eine Zusammenfassung des Universitäts-Projektes, zu dem ich auch deutsche und europäische Unterstützung suchen werde, wird zu gegebener Zeit eingestellt. Ebenso Silvias Gedichte.

LG, CE

07:57 29.03.2015
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Geschrieben von

Costa Esmeralda

35 Jahre Entwicklungsberater, Lateinamerika, Afrika, Balkan. Veröff. u.a. "Abschied von Bissau" und "Die kranke deutsche Demokratie".
Costa Esmeralda

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