RE: Wider den Diskurs der Kriminalisierung | 06.06.2015 | 12:26

Da war doch noch was, nämlich noch ein Blog von Peter Nowak zum Thema: Ressentiment statt Argument

Christian Füller. Wie der auch Freitag-Lesern bekannte Publizist mit ressentimentgeladenen Texten zur "Pädophilen-Jagd" bläst.

Um den Blog war ich froh, weil mir Füllers 'Opfer'-Vereinnahmung und sein journalistischer Opportunismus auch sehr unangenehm aufgefallen war.

Insofern möchte ich 'lesen Sie sich ins Thema ein' zurücknehmen und durch 'bitte lesen Sie Ihren Blog durch die Brille derjenigen, die an ausgeübter erwchsener Sexualität an Kindern Schaden genommen haben' ersetzen.

Sie schreiben dort an Angelika Oetken °Die später so bekannten Stadtindiander waren da nur die Lautesten, die aber mit ihrer umstrittenen Praxis dem ursprünglichen Anliegen der Jugendlichen damals eher geschadet haben.°

Ich kannte damals, neben den Auftritten der Indianerkommune, auch andere Jugendliche, die sich für "freie und selbstbestimmte Sexualität" mit Erwachsenen aussprachen und bleibe bei meinem Standpunkt - weil alle, die ich kennengelernt habe, vorher noch üblere Gewalterfahrungen in Familien und Heimen gemacht hatten. Es wird kein Schuh daraus, aus weniger Gewalt in der Obhut pädokrimineller Pädophiler als vorher in Heimen und Familien den Schluß 'keine Gewalt' ziehen.

RE: Meinungen als trojanische Pferde | 06.06.2015 | 11:28

Danke für diesen Blog!

Mir erschien die FB-gestützte Kampagneritis und ihre Äquivalente in FC und dF gegen von Rönnes Müll bisher als deutlich zu flach und als reine Aufregerei um der Aufregerei willen, die das Geschäftsmodell der Springerlolita und ihrer Bewunderer nur zusätzlich beworben haben.

Politisch skandalöser als von Rönnes Feminismusekel finde ich auch nach wie vor ihr Gespucke auf psychisch Kranke, Kritik daran kam in der allgemeinen Empörerei kaum vor.

Mir scheint auch, daß von Rönne nur etwas mehr als den unter Publizisten verbreiteten Opportunismus an den Tag legt. Und das wird uns in Zeiten zunehmend vieler prekärer journalistischer Existenzen auch weiterhin erhalten bleiben, sprich: mehr trojanische Pferde voraus.

RE: Wider den Diskurs der Kriminalisierung | 06.06.2015 | 10:27

Anschließe mich, bis auf einen Punkt: Pädophile werden unabhängig ihrer Handlungen sogar in Bausch und Bogen kriminalisiert, nicht zuletzt durch die ständige Gleichsetzerei von Pädophilie und Pädokriminalität in den Medien.

Prominentes und aktuelles Beispiel dafür ist Edathy, dem permanent der Konsum von 'Kinderpornographie' (aka Dokumentation sexualisierter Gewalt gegen Kinder) vorgeworfen und dabei aktiv ausgeübte sexualisierte Gewalt gegen Kinder mitgemeint wird. Was aber weder die wackelige Anklage der Staatsanwaltschaft Hannover hergab noch sein Abstimmungsverhalten zu KiPo-Sperren und zur Vorratsdatenspeicherung vermuten läßt. Man muß Edathy nicht mögen, um über die Hexenjagd gegen ihn empört zu sein und weniger Bewerber für die immer noch viel zu wenigen Therapieplätze bei 'Kein Täter werden' zu befürchten.

Wenn ich mir als Betroffene etwas wünschen könnte, wäre es Reset Null und Neustart der Diskussion der 70/80er über kindliche Sexualität, Pädophilie, Pädokriminalität und Sexualität im allgemeinen. Der Haupttatort sexualisierter Gewalt gegen Kinder heißt nicht RKK, Eliteinternate, Amstetten, sondern Familie und der Haupttäter ist nicht pädophil, sondern heterosexuell und kommt aus dem nahen Umfeld von Kindern.

Pädophile suchen sich ihr Begehren nicht aus, sie können nichts dafür. Sie können aber wie jeder andere auch alles für ihre Handlungen, während für den kinderfickenden Familienvater nicht mal Begehren als Rechtfertigung herhalten kann, sondern dabei geht es um Macht und maximale Kontrolle. Pädophile dürfen ihre Sexualität niemals mit einem anderen Menschen ausleben. Das ist auch eine Art Zölibat und die, die das schaffen, sind zu respektieren und nicht zu verachten und zu kriminalisieren. Werden sie unabhängig ihrer Handlungen kriminalisiert und verachtet, wird es nämlich egal, wie sie sich verhalten und das ist ein fatales Signal.

Haupttatort Familie und heterosexuelle Haupttäter geraten bei der ständigen Maximal-Skandalisierung (bzw. hier: Verharmlosung) möglichst weit weg von der eigenen Normalität, an entfernten Orten und mit Hilfe pädophiler Monster höchst angenehm aus dem Fokus, die mediale Bespiegelung fördert und bedient den normal-pädokriminellen Voyeurismus.

Sie @Peter Nowak wären sehr gut beraten, sich neben dem von Kallewirsch schon Erwähnten mit dem 'Informed Consent' auseinander zu setzen, der bei Kindern und Jugendlichen nicht vorausgesetzt werden kann. Es ist definitiv nicht die Aufgabe pädophiler/pädokrimineller Erwachsener, empirisch herauszufinden, welches Kind oder welcher Jugendliche schwer und u.U. lebenslänglich geschädigt wird, wer weniger und wer gar nicht.

Sie fragen: °Und was ist, wenn Kinder und Jugendliche selber für die freie, selbstbestimmte Sexualität eintreten?°

Freie und selbstbestimmte Sexualität unter Kindern und Jugendlichen, keine Frage, alles gut.

Erinnern Sie sich aber noch an z.B. die Indianerkommune? Das waren offensichtlich traumatisierte Jugendliche aus dysfunktionalen Familien und aus den oberüblen Heimen der 70/80er, die Pädokriminelle als das kleinere Übel zu erlebten größeren Übeln empfanden, die jede Veranstaltung sprengten und sich im Wortsinn asozial verhielten. Es ging dabei um alles Mögliche, nicht aber um freie selbstbestimmte Sexualität. Sondern sichtlich um's Überleben.

Ihre @Peter Nowak Argumentation, wenn man sie überhaupt so nennen möchte, basiert auf der erstaunlichen Überlebensfähigkeit vieler Kinder, trotz sexualisierter und anderer Gewalt. Die muß man aber nicht aus ideologischen Gründen oder aus Uninformiertheit noch zusätzlich strapazieren.

Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf? Lassen Sie Ihren Blog schnellstens verschwinden, lesen Sie sich ins Thema ein und überarbeiten ihn gründlich. So ist er inakzeptabel.

RE: Viel Antibiotika, aber ohne Chlor | 06.06.2015 | 09:10

Wo bleibt das Positive, Herr Kabisch...;-)...?!

Mir fehlt die Ode an das Huhn, das nicht in Bedrängnis und in der eigenen Scheiße aufgewachsen ist, sondern auf der Wiese spazieren ging und seinem Halter namentlich bekannt war, das wohlschmeckende Eier legte, deren Dotter im Frühling so dunkelgelb sind, wie Carotinzusatz im Futter es nie authentisch hinkriegt und das mindestens doppelt so lange lebte und doppelt so schwer wiegt wie die tiefgefrorenen Klumpen in den Glassärgen der Supermärkte.

Und das gebraten eine Köstlichkeit ohnegleichen ist.

Man nehme ein solches Huhn (ersatzhalber ein Bresse- oder mindestens ein Maismasthuhn), schneide es an der Brustseite, reibe die Haut liebevoll und gründlich mit Salz ein, platziere es auf einem Bett aus Wurzelgemüse, Zwiebeln, bißchen Weißwein, Lorbeer und schiebe es in den auf mittlere Oberunterhitze vorgeheizten Backofen. Nach etwa einer Stunde ist ein seltenes und spektakulär leckeres Eßerlebnis fertig, mit dem man locker 4 Leute satt kriegt und glücklich macht.

Der Weg zu besserer Nahrung und schonenderem Umgang mit dem Mitgeschöpf Tier wird eher über Genuß als über Zeigefinger beschritten, weswegen ich mir den Brathuhnausflug erlaube.

Was mir am Widerstand gegen TTIP fehlt, ist neben etwas Informiertheit abseits des Chlorhuhns vor allem der Gedanke an Entwicklungs- und Schwellenländer, die wesentlich mehr gefährdet würden als EU und Deutschland.

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 05.06.2015 | 23:03

Vielen Dank für die links, es sind im Moment also insgesamt 174 Professuren mit dem Teil- oder Vollgebiet Gender Studies an Hoch- und an Fachhochschulen besetzt, 14 weitere sind unbesetzt. Ich habe jetzt keine Lust, mich durch Namenslisten zu fräsen - ist Hirschauer der einzige Mann? Mir ist so, daß es noch ein paar mehr gibt, wissen Sie das zufällig?

Auf der verlinkten Leitseite steht zu lesen:

°Anmerkung
In jüngster Zeit werden die Existenz und die Anzahl von Professuren mit Teil- oder Volldenomination für Frauen- und Geschlechterforschung in Printmedien, Fernsehen und im Netz vermehrt thematisiert. Dabei kommt es häufig zu gravierenden Fehlinterpretationen – so wird etwa die Anzahl dieser Professuren mit der Anzahl der Professuren in Einzelwissenschaften wie Slawistik, Paläontologie oder Wissenschaftstheorie etc. verglichen, um die Aussage zu untermauern, es seien ungebührlich viele und die Zahl würde stetig wachsen. Das ist falsch, denn:
1. Geschlechterforschung ist ein interdisziplinäres Wissenschaftsfeld und kann nicht mit einer traditionellen Einzeldisziplin verglichen werden. Die Professuren mit einer Aufgabenbestimmung (Denomination) für Geschlechterforschung verteilen sich auf über 30 Fachdisziplinen. Sie sind also in der Regel mit einer Fachdisziplin verbunden. Es gibt nur sehr wenige Professuren mit einer Volldenomination für Geschlechterforschung, die Mehrzahl hat eine Denomination für eine Einzelwissenschaft mit einer Teildenomination für Geschlechterforschung. Es handelt sich dabei streng genommen nicht um Professuren für Geschlechterforschung, sondern im Rahmen dieser Professur sollen Aspekte der Geschlechterforschung berücksichtigt werden.
2. Es handelt sich um Professuren in unterschiedlichen Besoldungsgruppen. Lehrstühle (d.h. Professuren, die über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen) sind in diesem Feld eher selten. Oft handelt es sich bei den Professuren mit Teil- oder Volldenominationen für Geschlechterforschung um solche der unteren Besoldungsgruppen (Juniorprofessuren, W2-Professuren) und etwa ein Drittel ist befristet.
3. In Deutschland pendelt der prozentuale Anteil der Professuren mit Teil- oder Volldenomination für Geschlechterforschung im Vergleich zur Gesamtzahl der Professuren an den Hochschulen zwischen 0,4 und 0,5 Prozent und hat sich seit dem Jahr 2000 nicht verändert.°

Es tut mir leid, aber ich kann mich immer noch nicht wirklich darüber aufregen...;-)... Ich finde auch, daß Sie angesichts eines Professorinnenanteils von 20% in der Hochschullandschaft reichlich dramatisieren-> °Hinzu (zu weniger Veröffentlichungen/Soziologie) kommen reine Frauenprofessuren und diverse andere Fördermaßnahmen, durch die männliche Konkurrenz ausgeschaltet wird.°<-Das klingt eher nach Agententhriller^^

Unter dem link zur strukturellen Diskriminierung fand ich: °...d.h. die Themenbereiche Soziologie, soziale Arbeit, Pädagogik, Geschichte, Literatur etc., dominieren schon aufgrund der Qualifikation des Personals, Natur- und Ingenieurwissenschaften sind praktisch nicht vertreten.°

Hätten nicht Männer mit einer Kombination von Gender Studies und Natur- oder Ingenieurswissenschaften beste Karten bei der Anregung und Besetzung solcher Professuren, u.a. wegen weniger weiblicher Konkurrenz als in Soziologie und Co? Oder hapert es, von der strukturellen Diskriminierung einmal abgesehen, vielleicht doch an der innerlichen Bereitschaft?

Sie schreiben: °Dazu (zur Öffnung des Arbeitsmarktes GS für Männer) müßten Dutzende von Gesetzen, die Frauen die Alleinvertretung in der Geschlechterfrage garantieren, geändert werden.°

Welche Dutzende von Gesetzen sind das denn?

Ich finde es btw. weniger dramatisch, wenn jemand wie Ihr Biologen-Beispiel schräge Thesen raushaut - die können ja wohlbegründet und in erkenntnisstiftendem Austausch widerlegt werden. Tragisch ist, wenn nur noch superaggressiv oder gar nicht mehr diskutiert wird.

RE: Passiv-aggressives Nicht-Liken im Internet | 05.06.2015 | 11:56

Mely Kiyak: °Ist dieses ganze Getwittere und Gefacegebooke nicht eine ungeheuerliche Selbsterhöhung? Man muss sein Anliegen für eine derartige Unentbehrlichkeit halten, dass man es gehashtaggt durch die medialen Netzwerke jagt. Natürlich sind es immer die Benutzer dieser Kommunikationsformen, die beharrlich darauf hinweisen, dass Twittern, also das telegrammhafte Versenden einer Nachricht, wertvoll sei.

Eine schlüssige Argumentation hat man bisher zwar nie gehört, außer den Einwand, dass es eben so sei. Der Mensch möchte sich offenbar mitteilen, vielleicht hat die Anthropologie eine klügere Antwort. Es ist auch eine Folge des Niedergangs der guten, alten amtlichen Bekanntmachung auf der Pinnwand des Rathauses. Wiedenborstel beispielsweise hat zwölf Einwohner. Wer aber auch noch die Menschen in Bonebüttel und Todenbüttel erreichen möchte, für den scheint Twitter aufgrund seiner Reichweite über die Heimatgemeinde hinaus ideal.

Soziale-Netzwerk-Analphabeten gehen natürlich davon aus, dass es sich bei den wichtigen Botschaften um eine Art SOS handelt. Also: "Aufgepasst, Sicherheitskräfte nehmen Demonstranten fest, dreht um, kommt nicht!" oder "Biggi, mein Mann hat eine andere! Leihst du mir deinen Revolver?". Die ausführlichen Erklärungen zu einer Twittermeldung folgen zumeist auf Facebook. Facebook hat sich zu einer Art Slowfood unter den sozialen Medien entwickelt. Es ist das Lettre International unter den zivilen Quasselstrippenmedien. Wer mehr als 140 Zeichen tief gehen möchte, klemmt seine Bekanntmachung an die Pinnwand und lässt sich dafür liken. Ob es schon Menschen gibt, die für einen Like töten würden?°

Indem ich meinen FB-Account vor einem halben Jahr nur unter Mühen und erst im zweiten Anlauf wieder loswerden konnte, bin ich nun vermutlich bekennende aktiv-aggressive Nichtlikerin.

Ihren Blog: gern gelesen, willkommen beim Freitag!

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 05.06.2015 | 11:35

Hmnuja, Gender-Studies sind zweifellos interdisziplinär, aber ob nun 1 Professor m/w gleich alle Disziplinen als Schwerpunkt zu haben hat? Scheint mir ein klein bißchen viel verlangt.

Ansonsten klärt sich der Blick, wenn Sie sich die gesamte Hochschullandschaft ansehen, in der gerade mal ein Fünftel aller Professuren von Frauen besetzt werden und sich das auch nur extrem langsam ändert. Vor 115 Jahren wurde die erste deutsche Universität für Frauen überhaupt geöffnet, war sozusagen vorgestern.

Die Geschlechterverteilung bei Studenten ist heute in etwa paritätisch, weibliche Promotionen machen noch ungefähr 45% aus, Habilitationen nur noch rund ein Viertel. Frauen haben eine geringere Reputation, sie werden weniger zitiert, haben eher befristete Verträge und einen erschwerten Zugang zu Fördergeldern.

Was vor allem damit zu tun hat, daß Frauen schwanger werden, Kinder bekommen und in Deutschland für die Arbeit rund um Kinder hauptsächlich zuständig sind.

Daß es bei der Verteilung der Familienarbeit nach wie vor keine Geschlechtergerechtigkeit gibt, hat mit Biologie überschaubar wenig, dafür um so mehr mit Politik und Kultur zu tun. Wirft man einen Blick nach Osteuropa mit selbstverständlicher externer Kinderbetreuung und staatlich verfügter Gleichstellung, sieht's nämlich anders aus mit den Professuren und Reputationen, während der Anteil der Professorinnen in Iran mit dem in Deutschland in etwa gleichauf liegt.

Insofern kann ich mich nicht allzu sehr darüber empören, wenn die Gender-Studies frauenlastig sind, es gibt nämlich noch ein bißchen zu tun, nicht nur in der Hochschullandschaft. Ich halte es auch für einen Trugschluß, Frauen mehr Ideologie zu unterstellen als Männern. Wobei ich mir, wie schon gesagt, mehr Männer in den Gender-Studies wünsche, allein schon, damit weniger Männer in die Gefahr des Herzinfarkts geraten, bei Erwähnung des bösen Worts, das mit g anfängt und mit ender aufhört °_O

Ich habe jetzt eine halbe Stunde gesucht, um in Erfahrung zu bringen, wie viele Genderprofessuren es in Deutschland eigentlich gibt (und wie viele davon mit Männer, bzw. Frauen besetzt sind) und stieß darauf: °... einzelne – "überwiegend Männer" – trügen ihre Unsicherheit über die Geschlechterfrage aus. Diese Verunsicherung ist auch innerhalb der Wissenschaft spürbar. Männliche Kollegen hätten das Gefühl, keine Stellen mehr zu bekommen, weil überall Gender-Studies-Lehrstühle eingerichtet würden, sagt Hark. In der Statistik spiegelt sich das nicht wider: Harks Stelle ist die einzige in Deutschland mit der ausschließlichen Denomination Gender Studies. 160 weitere Professuren haben einen Genderschwerpunkt innerhalb ihrer Disziplin, doch das sind nur 0,4 Prozent aller Professuren.°

@Robert

Der autoritäre und (bestenfalls) konservative Backlash ist doch längst in vollem Gang. Roswitha Scholz nennt das die °Verwilderung des warenproduzierenden Patriarchats° und schließt den Erfolg von und die Stützung durch Feministinnen dabei mitnichten und -neffen aus.

Es lohnt in diesem Zusammenhang, die Bielefelder Frauen wie u.a. Maria Mies heute noch mal zu lesen. In den 70er schien auf allen Ebenen mehr Zukunft möglich als das heute der Fall zu sein scheint.

RE: Steinmeier träumt von Zweistaaten-Lösung | 04.06.2015 | 15:09

°Der Drohnenkrieg, die Special forces, die Totalüberwachung (medial, privat, wirtschaftlich), sind keinen Deut besser, als Autobomber, Attentäter, Kopfabschneider und Kulturzerstörer. Die Auswirkungen der unterschiedlichen Tathandlungen sind übrigens verblüffend und erschreckend ähnlicher Natur!°

Nein, die staatlichen Anmaßungen sind um einige Deute schlimmer, weil dahinter eben ein Staat steht, inklusive dem Selbstbestimmungsrecht seiner Bürger dazu und den steten Demonstrationen, wer hier der Ausnahmezustand-erklärende Souverän der Region ist.

Wenn ein Staat sich darin gefällt, jeden sich anbietenden Protagonisten des anderen fiktiven Staates mittels extra-legaler Hinrichtungen auszuknipsen und den Ausnahmezustand zusätzlich mittels regel- und unverhältnismäßiger Strafaktionen gegen die Zivilbevölkerung zu perpetuieren, wird nicht nur das politische Personal knapp, sondern auch die zivilgesellschaftliche Zustimmung zu Extremisten gefördert (Letzteres auf beiden Seiten).

Bestens zu sehen rund um das letzte Rasenmähen in Gaza, vor dem die Hamas nicht nur (durch den Coup in Ägypten und den ausbleibenden Support der Muslimbruderschaft) pleite war, sondern auch wenig Zustimmung in Gaza genoß und-> die Nähe zur Fatah suchte. Anders als hinterher, wobei die Hamas, im Vergleich zu weit militanteren Bewegungen, allein schon durch die Regierungsverantwortung in Gaza ge-mäßigt ist. Hamas und israelische Regierungen brauchen einander so nötig wie die Luft zum Atmen - nicht zuletzt zur Ablenkung von den eigentlichen Notwendigkeiten der jeweiligen Innenpolitik.

Die kleinen Oppositionen werden auf beiden Seiten einen Kopf kürzer gemacht, buchstäblich und im übertragenen Sinn.

Aufregend an Nusseibehs Gedankenexperiment finde ich u.a., die israelische Außenpolitik durch die Annektierung Gazas und der besetzten Gebiete im Westjordanland in israelische Innenpolitik zu verwandeln. Besatzer sind für das Wohl wie das Wehe der von ihnen Besetzten zuständig und verantwortlich, nach endlich eingestandener Annektierung wäre das nicht länger verhandelbar.

Das Thema Grenzen, wann, von wessen Gnaden und wie sie gezogen werden und wo sie im Wandel der Zeiten verlaufen, bzw. wo genau eigentlich das israelische Staatsgebiet ist, ist ja noch ein Extra-Krimi obendrauf.

Ein Staat benötigt dreierlei: ein Volk, eine Staatsgewalt und ein Staatsgebiet mit klaren Grenzen. Israels gewolltes Volk lebt mehrheitlich woanders, während das nicht-gewollte ausgebürgert und/oder entrechtet ist, über die Regierung und Staatsgewalt schweige ich mal lieber und die Grenzen sind nicht nur uneindeutig, sondern verstoßen gegen jedes Völkerrecht. Fazit: Israel benötigt eigentlich keine Terrroristen und Judenhasser mehr, um als Staat gefährdet zu sein.

Disclaimer: das Vorgesagte ändert genau nullkommanichts am Existenzrecht Israels, das ist a) durch Staatsgründung, b) durch die Anerkennung anderer Staaten und c) durch den Willen der israelischen Bevölkerung gewährleistet.

Man kann es aber auch mal so sehen: auch der allerübelste Anti-Israel-Rant in Ahmadineschad-Manier anerkennt Israels Existenz. Nur etwas, das existent ist, kann angefeindet werden. Das auch zu "Augenhöhe" und zur israelischen Verweigerung direkter Verhandlungen mit den "Terroristen" der Hamas: Israel hat ein Problem mit der Selbstwahrnehmung.

RE: Steinmeier träumt von Zweistaaten-Lösung | 04.06.2015 | 12:01

Mißverständlich formuliert, Edit: Und: wo bleibt die Rückbesinnung auf den Buber-Zionismus der Koexistenz mit den Arabern und eine politisch, religiös, sozial progressive Leitlinie?

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 04.06.2015 | 11:00

Wieso °besetzen durfte°? Hirschauer besetzt eine Genderprofessur, n'est ce pas?

Und das sollten, ich schrieb's bereits, mehr heterosexuelle Männer tun. Dann unterblieben vielleicht wenigstens die auch in dieser Diskussion vorgetragenen Verwechslungen von Gender-Mainstreaming und Gender-Studies.

°Die Gender Studies sind jenes kulturwissenschaftliche Unternehmen, das den praktischen Vollzug der Geschlechterdifferenz in der Gesellschaft beobachtet: ihren historischen Auf- und Abbau, ihre hartnäckigen Rekonstruktionen, ihre Wandlungs- und Verfallsprozesse, paradoxen Wendungen und ihre widersprüchliche Selbstabwicklung. Vor unseren Augen werden alte soziale Kategorien dekomponiert: die ‚Homosexualität‘ löst sich in geschlechtsgleiche Intimbeziehungen auf, die ‚Mutter‘ wird durch die Reproduktionsmedizin in verschiedene Figuren aufgespalten, der ‚Mann‘ verliert sich in Rollen (wie Ernährer, Beschützer, Kämpfer usw.), die allesamt auch Frauen einnehmen können. Die Männer werden dabei weiter Macht abgeben müssen. Aber auch den Frauen wird das passieren: bei der Mutterschaft etwa, deren millimeterweise Abtretung auch ihnen Ersetzbarkeitskränkungen beschert; und bei der Moralität: Erfolgreiche Frauen werden die einst unbescholtene ‚Weiblichkeit‘ weiter desavouieren und die alte Hoffnung des Feminismus zersetzen. Und das ist gut so.°

Es gibt in der Tat neoliberale machtgeile Frauen. Frauen können so egozentrisch und rücksichtslos sein wie Männer, Überraschung! Wenn die Grand old Schachtel mit irgendetwas recht hatte, dann damit: Frauen sind nicht die besseren Menschen.

Die °einst unbescholtene ‚Weiblichkeit‘° halte ich allerdings weit eher für eine Außenzuschreibung als für weibliche Selbstwahrnehmung. Frauen, die auch nur für 5 Pfennig Verstand haben, werden sich immer gegen die zugemessene Dualität der Heiligen/Hure wehren, weil sie wissen, daß der Heiligensockel nur bei Wohlverhalten gewährt und sie bei Unbotmäßigkeit da schneller wieder runtergetreten werden, als sie 'Stop-halt-Hilfe' rufen könnten.

Es gibt einzwei Punkte mehr, an denen ich anderer Meinung bin als Hirschauer, z.B. halte ich es für Unsinn, daß Maskulisten-Ressentiments "verständlich" sind. Sie sind mit Hilfe von Albert Memmi - Privilegienerhalt, Aggressionsrechtfertigung - erklärlich, aber nicht "verständlich" im Sinne von rational. Daß Jungen benachteiligt werden, liegt vor allem daran, daß sich viel zu wenig Männer für die Erziehung von Jungen und Mädchen interessieren. Würden Männer sich weit mehr und weit zuverlässiger an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen, gäbe es wesentlich mehr weibliche Unterstützung bei der Schleifung der Ungerechtigkeiten gegen Männer beim Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht. Und so weiter.

Danke für den link.