1.000 Studien in einem Band

Alltagslektüre Diese Woche sammelt Mikael Krogerus bei seiner Lektüre Argumente für Autohasser: „Auto – Warum wir fahren, wie wir fahren und was das über uns sagt“

Seitenzahl: 480 Seiten.

Amazon-Verkaufsrang: 1.880 (der englischen Bücher, die deutsche Ausgabe erscheint am 18. März.)

Warum habe ich es gelesen?

Ich wollte mir ein Auto kaufen.

Worum geht es?

Vanderbilt verknüpft in seinem Buch zwei Gedanken. Erstens: Wie kann man Autofahren sicherer machen? Zweitens: wie den Verkehr reduzieren? Um das herauszufinden, hat der Topjournalist (Wired, New York Times) über 1.000 Studien gelesen – praktisch alles, was es gibt über modernen Verkehr und Autos. Akribisch hat er den Wissensstand zusammengetragen und in dringliche Fragen verarbeitet: Warum ist die andere Spur immer schneller? Warum verursachen Frauen mehr Staus? Warum sollte man beim Parkplatzsuchen warten und nicht kreisen? Und die ganz große Frage: Wie kann man Autofahren sicherer machen? Bei den Antworten hat er sich nicht zu einseitigen Thesen oder ideologischen Kurzschlüssen hinreißen lassen. Dafür weiß er inzwischen wohl zu viel. Stattdessen hat er klug, leicht, oft komisch, aber immer sehr genau gezeigt, wie man über Autos sprechen kann, ohne entweder ein Nerd oder ein Öko zu sein.

Was hängen bleibt:

Je sicherer Ihr Wagen, desto riskanter Ihr Fahrstil (SUV!).

Wie liest es sich?

Tom Vanderbilt erinnert an Malcolm Gladwell: Steile These, tolle Headline und dann vierhundert Seiten bunte Studien- und clevere Experiment-Beschreibungen, die seine Überlegungen unterstreichen, andere relativieren. Für jede noch so banale Feststellung wird ein Forscher zitiert; wenn Sie etwa für die simple Beobachtung, dass wir weniger Informationen aufnehmen können, je schneller wir fahren, eine wissenschaftliche Beweisführung brauchen, in diesem Buch finden sie sie!

Vanderbilt stelle ich mir so vor: Du fragst ihn, wie spät es ist, und er erzählt dir, wie die Uhr erfunden wurde. Das kann nerven. Andererseits ist es interessant. Fazit: Die Wahrheit hat gewisse Längen (in diesem Fall: 481 Seiten, 90 allein die Fußnoten!).

Das beste Zitat:

„Monat für Monat sterben auf den Straßen mehr Menschen, als bei den Anschlägen vom 11. September getötet wurden. Im Gefolge jener Anschläge hielten es laut Umfragen viele Bürger für hinnehmbar, dass zur Bekämpfung des Terrorismus grundlegende Bürgerrechte beschnitten wurden. Dieselben Bürger haben jedoch regelmäßig in Umfragen und durch ihr persönliches Verhalten bekundet, dass sie Maßnahmen zur Verringerung der jährlichen Verkehrsopfer ablehnen (etwa durch ein strengeres Tempolimit, die vermehrte Installation von Überwachsungskameras an Ampeln, die Senkung der Promillegrenze, schärfere Gesetze gegen das Telefonieren mit Handys beim Autofahren).“

Wer sollte es lesen?

Autohasser, denen die Argumente ausgehen.

Was lese ich als nächstes?

„Die letzte Partie“ von Fabio Stassi bekommt eine dritte Chance.

Die Alltagslektüre: In seiner Kolumne unterzieht Freitag-Autor Mikael Krogerus jede Woche ein Buch seinem persönlichen Literatur-Check. , , und Zuletzt: Hans Fallada, "Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein"Stephenie Meyer, "Bis(s) zum Morgengrauen"Rob Parsons, "Der 60-Minuten-Vater"Tod Wodicka, "Der amerikanische Ritter"

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