Sozialmedizinerin im Gespräch: „Psychisch kranke und arme Menschen sind nicht faul“

Interview 37 Prozent der Empfänger:innen von Hartz IV sind depressiv oder suchtkrank. Eine Sozialmedizinerin erklärt, warum das kein Zufall ist – und wie die Gesellschaft damit umgehen kann
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 45/2022
Menschen, die von Armut betroffen sind, kämpfen mit vielen Vorurteilen
Menschen, die von Armut betroffen sind, kämpfen mit vielen Vorurteilen

Foto: Damir Samatkulov

Wie schwierig es ist, einen Alltag zu bewältigen, wenn Inflation und Armut zusammentreffen, twittern Betroffene unter #IchBinArmutsbetroffen. Viele berichten über ein Problem, das noch dazukommt: den Kampf gegen die Depression. Steffi Riedel-Heller forscht und arbeitet dazu.

der Freitag: Frau Riedel-Heller, von Armut betroffene Menschen berichten häufig auch von psychischen Problemen. Ist das Zufall?

Steffi Riedel-Heller: Nein, kein Zufall. Armut und Krankheit hängen ganz klar zusammen, das ist längst erforscht: Menschen mit gutem Einkommen, hohem Bildungsabschluss, mit einem Beruf mit hohem Status haben regelhaft eine bessere Gesundheit als Menschen mit wenig Einkommen, wenig Bildung, prekärem Beruf. Gesundheit ist sozial ungleich verteilt.

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