Endlich mal siegen!

Linke Der Erfolg von Syriza lässt ebenfalls die deutsche Linkspartei jubeln. Hinter der Solidarität steckt auch eine große Sehnsucht nach linken Regierungsoptionen
Endlich mal siegen!
Haben gut lachen: Bernd Riexinger und Alexis Tsipras

Foto: Imago / Greece Invision

Man kann es fast schon als Geheimtreffen bezeichnen. Die Wahlparty der Linken wurde nicht groß angekündigt, auf der Internetseite fehlte jeder Hinweis. Nur auf Facebook war davon zu lesen. 18.30 Uhr, Parteizentrale. Wenn Syriza in Griechenland gewinnt, will die Linkspartei in Deutschland feiern. Und es kamen viele. Offenbar ist sie groß, die Sehnsucht nach einem linken Erfolg, nach einer linken Regierung.

Schon der griechische Wahlkampf war für die deutsche Linkspartei eine wichtige Sache. Die Parteiprominenz ließ sich mit Schildern fotografieren: „Ich unterstütze Syriza“ oder „Solidarität mit Griechenland“. Der Vorsitzende Bernd Riexinger reiste nach Athen, sicherte Alexis Tsipras seine Unterstützung zu. Die Partei sammelte sogar Geld, um den griechischen Genossen ihren Flug nach Griechenland zu finanzieren und ihnen so die Wahl zu ermöglichen – hierzulande ist die Stimmabgabe nicht möglich.

Einmischung in den griechischen Wahlkampf? Ja klar! Nur die Bundeskanzlerin soll sich bitte heraushalten. An der Parteizentrale der Linken prangt ein riesiges Banner mit Tsipras und dem Spruch: „Lasst Griechenland die Wahl! Respektiert Demokratie!“ Doch wer die Linkspartei für Doppelstandards kritisiert, muss zumindest einräumen, dass die Drohungen der Bundesregierung deutlich mehr Einfluss gehabt haben dürften als die Solidaritätskampagne der Linkspartei.

Internationale Solidarität...

Zur Wahlparty am Sonntagabend kommen Europapolitiker, Bundestagsabgeordnete, Parteifunktionäre, Basismitglieder. Das Essen ist schnell weg, der Raum gut gefüllt, die Stimmung ausgelassen. Parteichef Riexinger hält eine Rede, spricht von einer „Aufbruchstimmung“ in Griechenland. Ein anderer Redner weist darauf hin, dass Syriza nun an die Regierung, nicht aber an die Macht kommen werde. Auch wenn das am Wahlabend niemand sagt: Die linke Regierung muss sich mit der Troika anlegen. Es steht ein harter Kampf bevor, und es wird schmerzhafte Kompromisse geben.

Warum sind jetzt alle deutschen Linken auf einmal Syriza? Zum einen spielt der Gedanke der internationalen Solidarität eine Rolle. Verbesserungen in Griechenland sind genauso erstrebenswert wie Verbesserungen in Deutschland. Und die Linkspartei kann dem griechischen Wähler klar machen, dass die Bundesrepublik nicht nur aus Angela Merkel besteht. Dass die Wahl von Syriza keine Wahl gegen Europa ist.

... und die Sehnsucht nach Macht

Zum anderen haben viele deutsche Syriza-Fans aber auch die Sehnsucht nach einem linken Erfolg und nach einer linken Regierung. Hierzulande sind Ergebnisse wie in Griechenland undenkbar, selbst eine Regierungsbeteiligung als kleiner Koalitionspartner im Bund liegt in weiter Ferne. Zwar gibt es nun mit Bodo Ramelow den ersten linken Ministerpräsidenten, doch Thüringen alleine kann nicht viel ändern. Die wichtigen politischen Kompetenzen, zum Beispiel zur Erhebung neuer Steuern, liegen auf Bundesebene.

Bevor die Linke sich an der Bundesregierung beteiligt, wird es einen heftigen Kampf zwischen den verschiedenen Parteiflügeln geben. Bei der Syriza-Unterstützung passiert das nicht. Schließlich kennen die meisten Linkspolitiker das Programm und die griechische Politik gar nicht so genau. Es wird wohl auf eine linke, aber im Kern sozialdemokratische Regierungspolitik hinauslaufen. Ob das der linke Flügel in Deutschland mitgemacht hätte?

Als bei der Wahlparty erzählt wurde, dass Tsipras vor einigen Tagen die Unterstützung durch die französische Rechtspolitikerin Marine Le Pen im vermeintlichen Kampf „gegen Europa“ zurückgewiesen hat, gab es besonders großen Applaus. Am Montag haben sich jedoch die griechischen Rechtspopulisten mit Syriza auf eine Koalition geeinigt. Nun wird sich zeigen, wie weit die internationale Solidarität mit der griechischen Linksallianz geht. Und ob jetzt die Zeit gekommen ist, die rosarote Brille abzusetzen.

12:55 26.01.2015
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