Verlorenes Vertrauen

Wer einmal lügt... Wie man Glaubwürdigkeit nicht zurückgewinnt
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

In dem nicht kommentierbaren Blog "Überzogene Reaktionen" setzt sich der Chefredakteur des Blattes mit den Diskussionen um journalistisches Ethos nach den Enthüllungen beim "Spiegel" auseinander. Seine Warnung, "nicht in falsches Fahrwasser zu geraten", nutzt er zu einer für mich erschreckenden Relativierung. Jede Lüge, und sei sie noch so klein, führt unweigerlich zu Glaubwürdigkeitsverlust. Konnten Medien früher noch darauf vertrauen, dass Leser nicht in der Lage sind, nachzurecherchieren, so hat sich die Situation heute komplett gewandelt. Viele Leser sind nicht nur fähig nachzuprüfen, sondern tun dies auch und veröffentlichen die Ergebnisse durchaus publikumswirksam. Wer unter diesen Umständen nur zu Relativierung neigt, muss schon dicht vor dem beruflichen Selbstmord stehen. In der Industrie gibt es die Forderung nach einer Null-Fehler-Strategie seit den 60-er Jahren. An TQM und ISO 9001 kommt kein Unternehmen mehr vorbei.

Herr Angele, wie passt dieser Text zu dem Versprechen, welches Sie am 04.01.2019 im Blog "Ein Befreiungsversuch" abgegeben haben? Von Ihnen als Chefredakteur hätte ich erwartet, dass Sie für den Freitag eine Qualitätssicherung im Sinne der oben genannten Null-Fehler-Strategie konzipieren und durchsetzen. Ein nicht kleiner Teil Ihrer Leser muss schon sehr lange in diesem Sinne arbeiten. Warum nicht auch Journalisten?

15:35 27.01.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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