hest

Journalist, Autor, Referent, Lehrkraft, Freischreiber. Wanderer & Wunderer in Sachen Medienkultur
hest
RE: Startschuss für Rot-rot-grün | 19.09.2016 | 09:29

Wenn eine Dreier-Koalition in die Regierungsverantwortung geht, dann sollten Journalistinnen und Bürger ihre notorischen Reflexe neu justieren – und eben nicht mit vorauseilendem „dit-wird-nüscht“ an einem solchen, naturgemäß wackeligen Bündnis rütteln, noch ehe es richtig steht.

Gewiss bringen viele der zwangsläufig notwendigen Kompromisse mit sich, dass mindestens eine der drei Parteien zurückstecken muss (mal die, dann die, dann die). Doch wenn deren jeweilige Anhänger und Wählerinnen jeden Kompromiss sofort hysterisch als „Ausverkauf-der-Positionen-und-Ideale“ weggrätschen, wird die Drei-Parteien-Mannschaft gar nicht erst ins Spiel kommen.

Andersherum betrachtet, aus Sicht der gewählten Abgeordneten, nämlich, tun die zukünftig Regierenden gut daran, sich viel öfter als je zuvor via direkter Demokratie und Bürgerbefragungen darüber zu vergewissern, welche Mehrheiten es für konkrete Entscheidungen in der Stadt gibt. Damit würden weder Parteien noch Personen ihre Gesichter verlieren, sondern primär der jeweiligen Sache dienen. Zumindest dann, wenn die jeweilige Minderheit einer Volksbefragung nicht wieder reflexartig rummeckert und … siehe oben.

RE: Mehr Debatte wagen | 30.01.2016 | 09:13

Anders als z.B. Vereine, gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, erhalten Parteien, finanziert durch GEZ Gebühren, im ÖRR enorm Gehör, um ihre Vorstellung zu artikulieren .

Guter Punkt. Gewiss finden Organisationen wie Greenpeace, Foodwatch, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen oder auch Reporter ohne Grenzen – sowie viele weitere – häufig in Nachrichten, Reportagen, mituner auch Talkshows statt, werden gefragt. Das spricht für ihre Bedeutung und ihre Wirkungsmöglichkeiten in Bezug auf öffentliche Meinungen.

Gleichwohl liesse sich fragen, auch an die ÖRR, ob man den offenbar bedeutenden Zuspruch zu solchen Organisationen, die ja für Inhalte, Haltungen und Forderungen stehen, nicht auch regelmäßig erfragen und in Prozentzahlen ausdrücken sollte, wie eben für die Parteien.

Ich stelle mir vor, dass solche „diese Organisation unterstütze ich“-Erhebungen andere inhaltliche Rückschlüsse liefern, als die „diese Partei würde ich wählen“-Abfragen.

RE: Unser Weg ist das Ziel | 11.06.2014 | 12:15

Danke für den Link (zum Forum auf Chip.de), sehr aufschlussreich; bis vor kurzem gab es in meiner Nähe kein Kaufland und ich war auch erst zweimal dort. Dass die das schon sechs Jahre so praktizieren, es aber anscheinend keine Nachahmer gibt, spricht ja auch für sich. Und die Theorie mit dem TTIP-Chip klingtabsolut plausibel. Setze ich auf die Agenda für unseren nächsten Stammtisch, am 31. Juni in der Verschwörungskneipe „Stein und Bein“ ;-)

RE: Unser Weg ist das Ziel | 11.06.2014 | 08:53

Hey, das dürfen Sie entscheiden! (Auch das mit der Paranoia ;-)

RE: Darum braucht es Blogs | 26.02.2014 | 16:10

Vielleicht gibt es noch eine andere Lesart des Michalamentos: Wo ist bei „den Bloggern“ der zwischendurch mal so stark ausgeprägte Drang zu Professionalität und wirtschaftlicher Autonomie abgeblieben?

Diese Lesart aufgreifend könnte man fragen: Wenn dieser Drang noch lebt – könnte man ihn nicht ganz neu bündeln? Etwa in einer, ja, doch, kommerziell agierenden Special Interest Nachrichtenagentur für Digital- und Netzthemen?

Es gibt ja beispielsweise den „Sport Informationdienst“, kurz SID. Wie wäre es also mit einem Pendant, dem – Achtung, Arbeitstitel – „Nerd Informations Dienst“, kurz NID. Ein professionelles Netzwerk aus bestens informierten Experten und Superfrühbescheidwissern, international aufgestellt und technisch immer ganz vorne?

Diesbezügliches Potenzial, das unter anderem Carta, Netzpolitik, Netzpiloten, Netzaktivisten, D64, DigiGes, sowie viele, viele, weitere Teams, Kollektive und Personen als „Zelltiere des Schwarms“ (entwickelt) haben, wird derzeit in einem – von außen betrachtet – ziemlich skurilen „wir haben es zuerst gemeldet“-Rennen verpulvert. Das geht doch bestimmt geeinter, professioneller.

Klar sind SZ, FAZ, Spiegel, Zeit, Welt und andere Großmedian besser ausgerüstet, aber sie beziehen nach wie vor einen Großteil ihrer Informationen von Zulieferern, darunter eben auch Agenturen. Warum sollten diese derzeit so überlegenen Wettbewerber dann nicht auch Kunden einer professionellen NetzDigitalDaten-Agentur werden?

Die bloggenden, postenden und tweetenden Digital-, Netz- und Daten-Publizisten sind mit ihren Anliegen und Themen, mit ihrer Versiertheit und ihrer Bedeutung nunmehr an einem Punkt angekommen, der in gewisser Weise nach Monetarisierung ruft.

RE: Die Aufzeichnerin | 04.12.2013 | 14:58

@TLCUACHE Die zitierte Textpassage sagt doch nicht, dass Stokes alle genannten Sender über die gesamte genannte Zeit aufgenommen hat. Insofern scheint (mir) indirekt klar, dass sie die Aufzeichnung jener Kanäle erst dann begann (beginnen konnte), als diese auf Sendung gingen. Liesse sich gewiss auch präziser formulieren, schmälert aber meines Erachtens nicht diese spezielle Lebensleistung dieser Dame.

RE: Finger weg! | 03.05.2013 | 11:29

Das alles zeigt, dass eine unverzichtbare Infrastruktur wie das Internet – ähnlich dem Verkehrswegenetz – nicht in der Hand einer privaten Firma liegen darf, die vor allem die Interessen der Shareholder im Blick hat. Der Zugang zum Internet ist aber heute Bestandteil der Daseinsvorsorge. Und die sollte man dem Wettbewerb ein Stück weit entziehen.

Genau das ist der Punkt. Es zeigt sich doch im Erfolg von Volksbegehren zu (Teil-)privatisierten Wasserbetrieben (in Berlin) oder im Urteil des Bundesgerichtshofes, das Internet als Grundversogung zu definieren. Es bedarf zwar unternehmerischer Investitionen und Innovationen, (neue) „Netze“ aufzubauen und zu unterhalten (mitunter staatlich subventioniert, wohlgemerkt). Es bedarf aber zugleich weiser Politik oder/und bürgerlichen Engagements, um der Privatisierung solcher Netze – wenn sie zu moderner „Fürstentumerei“ zu werden droht – deutlich Einhalt zu gebieten. Anderenfalls lassen sich womöglich auch andere Unternehmen dazu verleiten, erst den Netzausbau großzügig „zu übernehmen“, aber dann auch großherzöglich zu protektionieren. Etwa bei Autobahnen und Busverkehr, da ist ja so manches „vorstellbar“: https://www.freitag.de/autoren/hest/wen-die-drossel-ruft

RE: Von wegen "Mission Complete" | 24.04.2013 | 06:46

Und während diese Enquete-Kommission tagte, boxte die Regierungskoalition das Leistungsschutzrecht durch. Die neueste Urheberrechtsreform lässt weiterhin auf sich warten, zu Netzneutralität schaffen allenfalls Unternehmen neue Tatsachen und von Beratungen über mehr Mittel oder gar Vorgaben für digitale Lehrmedien in Schulen – in der KMK oder im Bundestag – ist auch nichts zu hören.

Was also, außer 2000 Seiten Bericht und heißer Luft, bringt eine Enquete-Kommission wirklich? Das ist jetzt weniger rhetorisch gemeint, als es klingt, weil mir der Politikbetrieb – Bundestag, Kommissionen, Berichte, Folge-Aktivitäten – nicht geläufig genug ist:

Was, liebe Bundestagsabgeordnete, verehrte Volksvertreter, passiert bei Ihnen und durch Sie zu „Internet und digitale Gesellschaft“ als nächstes?

RE: Löschen verboten | 22.04.2013 | 17:10

Ja, gewiss, mit der Digitalisierung der Bibliotheken eröffnen sich auch Chancen für Digitaldenkmalpflege. Allerdings konzentrieren sich diese wohl auf „Werke“ und weniger auf „Kommunikationsarchitekturen“ und „Plattformen“, als die Webseiten meist fungieren. Das Archivieren derselben machen sich ja schon einige Privat-Initiativen zur Aufgabe, das fängt mit Servern und Festplatten an, geht über entsprechend zu koservierende PCs und Betriebssysteme beziehungsweise Emulatoren, und wird sich auf HTML- und Browser-Versionen erstrecken müssen. Doch dass hier bald auch die staatlichen Kultur-Bewahrer ein neues Kompetenzfeld „entdeckt bekommen“, das halte ich für ziemlich wahrscheinlich – und dann wird erstmal die Mittel-Mangel-Moserei anfangen.

RE: Die neuen Leiden der digitalen Z. | 10.12.2012 | 11:50

Konstruktive, pragmatische, potenziell tragfähige Konzepte und Vorschläge gab und gibt es meines Erachtens genügend, etwa hier:

Die Datenbank ist die neue Zeitung

Herr Döpfner und das Zauberstab-Prinzip

Inhalte sind wie Wasser – jede Nutzung zählt