Das Kaninchen sind wir*

Medikamententest Mit den Berichten über Medikamententest an DDR- Patienten im Auftrag westlicher Pharmafirmen ist ein - gar nicht so neuer - medialer Aufreger unterwegs
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Das Kaninchen sind wir*

Foto: Joe Raedle/Getty Images

Die mediale Anordnung folgt dem bekannten Muster:

  • Die DDR-Bürger als Versuchspersonen, willige Objekte willkürlicher Herrschaft. Der Subtext lässt auch die finstere Geschichte mit anklingen.
  • Die DDR-Oberen, gleich mal wieder die Stasi, nur zu willig, die von ihnen unter Veschluss gehaltenen Menschen an zahlende Leute zu finsteren Zwecken zur Verfügung zu stellen, usw. usw. Gewissermaßen "Zuhälter" der Pharmaforschung.
  • Die Annahme, den Verantwortlichen in der DDR seien ihre "Bürger" völlig wurscht und gleichgültig gewesen, ist die Generalgrundierung des Ganzen.

Was macht man denn in einer solchen Geschichte mit den bösen, bösen West-Pharmafirmen? Die sind heute noch mächtig, auch was die öffentliche Kommunikation angeht und können nicht einfach so als Monster abqualifiziert werden. Ein echtes Problem. Man verweilt nur kurz bei ihnen. Ein paar Anfragen werden schon noch an sie gestellt oder gestellt werden. Einige ihrer Sprecher haben bereits auf die aus ihrer Sicht korrekten Rahmenbedingungen verwiesen. Entsprechende Forschungen sollen die dringend nötige Aufklärung schaffen.

"Der Charité-Historiker Volker Hess will die damaligen Vorgänge an der Uniklinik in Zusammenhang mit den Tests nun untersuchen. Er warnte davor, vorauseilend zu skandalisieren. Es handele sich um klinische Arzneimittelversuche, die nach gängigen Regeln durchgeführt wurden, sagte der Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité." heißt es in einem Beitrag der "Zeit" zum Thema.

Die DDR-Bürger selbst aber sind mal wieder nichts als Opfer und Beweismittel für die Verruchtheit des Systems, in dem sie gelebt haben. Da hilft es nicht, dass es solche Versuchsreihen auch in anderen Ländern - vor allem der Dritten Welt - gibt oder gegeben hat.

Versuchskaninchen waren die DDR-Bürger ohnehin schon immer. So haben sie sich in Witzen hin und wieder selbst veralbert, Versuchskaninchen für ein gesellschaftliches Experiment zu sein. Das ist gründlich schief gegangen. Aber vielleicht sind die Risiken und Nebenwirkungen dieses Experiments bis auf den heutigen Tag so virulent, dass man immer mal wieder versucht, sie davon zu entgiften. Mit medialen Gegengiften wie Skandalisierung statt Aufklärung. Das geht schon seit zwanzig Jahren so.

*Die Überschrift verwendet - leicht verändert - den Titel eines bekannten DEFA-Films, der sich mit Liebe, Macht und Ohnmacht beschäftigte und in der DDR verboten war.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-05/ddr-pharmaversuche-konzerne/komplettansicht

"Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990" ist der Titel eines Sammelbandes, den die Bundeszentrale für politische Bildung als Lizenzausgabe des Leipziger Universitätsverlages anbietet. Daraus habe ich interessante Thesen und Erkenntnisse gewonnen.

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Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

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