Die besten Horrorfilme aller Zeiten

Kino Innerhalb von wenigen Wochen starben zwei Pioniere des unabhängigen US-amerikanischen Genrekinos: George A. Romero und Tobe Hooper. Eine subjektive Auflistung.
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10. NIGHT OF THE LIVING DEAD

von George A. Romero, USA 1968
mit Duane Jones, Judith O´Dea, Karl Hardman, Marylin Eastman

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Bei einem Friedhofsbesuch wird der Bruder von einem torkelnden Mann angegriffen und getötet. Die Schwester kann sich in ein verlassenes Haus retten. Weitere Flüchtende kommen dazu. Überall in der Umgebung stehen die Toten wieder auf und machen Jagd auf die Lebenden, um sie zu essen. Im verbarrikadierten Haus wachsen die Konflikte zwischen den Überlebenden. Der Erfinder des modernen Zombiekinos George A. Romero nutzt das Horrorkino als Mittel der Gesellschafts- und Zivilisationskritik, in das häufig ein Kommentar zum Vietnam-Krieg und zu Rassismus interpretiert wurde. Die Untoten sind keine Monster sondern eine Laune der Natur, von der Strahlung einer Raumsonde aus der Totenruhe geweckt; die wahren Monster sind die Menschen. Ausgerechnet der einzige Farbige in der Handlung wird zum Schluss für einen Untoten gehalten und von einer Bürgerwehr erschossen.

NIGHT OF THE LIVING DEAD wurde nie regulär in deutschen Kinos gezeigt. Inzwischen gilt er als Filmkunst, von dem eine Kopie im New Yorker Museum für moderne Kunst lagert.

9. DER EXORZIST (THE EXORCIST)

von William Friedkin, USA 1973
mit Linda Blair, Jason Miller, Ellen Burstyn, Lee J. Cobb, Rudolf Schündler und Max von Sydow

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Ein junges Mädchen wird von einem alten Dämon besessen. Nach diversen Untersuchungen in der Psychiatrie nehmen zwei katholische Priester den Kampf auf. Erstmals wurden in einem Hollywood-Film für ein Massenpublikum extreme Schockszenen gezeigt. Perverse Sprüche, die Selbst-Entjungferung der Zwölfjährigen mit einem Kruzifix und grüne Kotze sind legendär. 1997 wurde der Film mit zusätzlichen Szenen erweitert und dafür in Deutschland neu synchronisiert. Hier funktioniert nicht alles. Die dämonische Präsenz zeigt sich hier früher, was nicht unbedingt ein Vorteil für die Handlung ist. Ich bevorzuge die usprüngliche Version.

8. POLTERGEIST

von Tobe Hooper und Steven Spielberg, USA 1982
mit Jobeth Williams, Craig T. Nelson, Dominique Dunne, Oliver Robins, Heather O´Rourke. Beatrice Straight und Zelda Rubinstein

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Der zweite tote Genrefilm-Pionier dieses Jahres war Tobe Hooper, dessen Kannibalen-Terror TEXAS CHAINSAW MASSACRE (BLUTGERICHT IN TEXAS) Legende ist und nach über 30 Jahren Beschlagnahmung endlich wieder in Deutschland gezeigt werden darf.

Das jüngste von drei Kindern verschwindet in einem Parraleluniversum. Diverse Wissenschaftler und eine Geisterbeschwörerin helfen. Die Geiselnehmer sind die protestierenden Geister toter Indianer, deren Friedhof mit einer Siedlung bebaut wurde.

Tobe Hooper drehte hier unter der Produktion von Steven Spielberg seinen einzigen A-Film und wendet hier auch die Stilmittel seines TEXAS CHAINSAW MASSACRE mit schneller Montage und audiovisuellem Terror an, was sehr gut funktioniert. Angeblich wurde Hooper von Produzent Spielberg zwischenzeitlich abgesetzt, der inoffiziell selbst Regie führte.

2015 gab es ein missatenes Remake voll digitaler Reizüberflutung.

7. SUSPIRIA

von Dario Argento, Italien 1977
mit Jessica Harper, Stefania Casini, Joan Bennet und Alida Valli

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Eine junge Amerikanerin geht auf eine Ballettschule in München - bei Argento sind es immer amerikanische Tänzerinnen oder Musiker oder Künstler, die in Italien oder anderen europäischen Ländern mit mörderischen Situationen konfrontiert werden. Dort kommt es zu mysteriösen Todesfällen und anderem Horror. Die Schule wird von einer von drei uralten Hexenschwestern geleitet.

Auch zu den besten Zeiten von Dario Argento war es oft so, dass die Handlung etwas absurd und die Darsteller knapp oberhalb des Knallchargentums sind - hier geht es einigermaßen; herausragend ist hier die Italienerin Alida Valli (DER DRITTE MANN, Alfred Hitchcock´s DER FALL PARADIN). Optik, Musik und Atmosphäre sind top.

6. BIS DAS BLUT GEFRIERT (THE HAUNTING)

von Robert Wise, USA / Großbritannien 1963
mit Julie Harris, Claire Bloom, Richard Johnson, Russ Tamblyn, Faye Compton und Lois Maxwell

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Ein Professor der Parapsychologie zieht mit einer Gruppe von Studenten in ein altes Schloss ein, um es zu untersuchen. Nach dem Tod des Hausherren kam es immer wieder zu mysteriösen Tragödien. Eine psychisch labile Studentin erliegt der Atmosphäre und den Einflüssen des Hauses, das ein Eigenleben zu führen scheint. Ohne Mätzchen und ohne Schocks, nur mit Licht, Schatten und Ton gelingt Robert Wise hier eine perfekte Gruselatmosphäre. Die brilliante Schwarz-weiß-Fotographie arbeitet durchgehend mit extremer Tiefenschärfe, die bis in die hintersten Bereiche der Räume alle Details erkennen lässt.

In einer Szene sitzen zwei Studentinnen verängstigt im Bett, während draußen auf dem Flur lautes Gepolter zu hören ist; der Türknauf bewegt sich und die Muster auf der Tapete scheinen sich ebenfalls zu bewegen. Als ich den Film zum ersten mal im Fernsehen sah, stand ich bei dieser Szene senkrecht im Bett. Ein Meisterwerk.

5. DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT (LA MASCERA DEL DEMONIO alias BLACK SUNDAY alias BLACK SABBATH)

von Mario Bava, Italien 1960
mit Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi, Arturo Dominici, Ivo Garrani

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Die Hexe Asa und ihr Geliebter werden mit der Teufelsmaske hingerichtet. Bevor sie auf dem Scheiterhaufen abgefackelt werden können, löscht ein starker Regen das Feuer. 200 Jahre später wird die tote Hexe durch ein Versehen wieder zum Leben erweckt und fährt in ihre Ur-Ur-Urenkelin. Die junge Britin Barbara Stelle spielt eine Doppelrolle und wurde so zur Horrorfilm-Ikone. Der italienische Genrefilm-Meister Mario Bava, der später mit seinen intensiven Farbgestaltungen zahlreiche Nachahmer inspirierte und Filmgeschichte schrieb, erzeugt hier in seiner ersten ofiziellen Regiearbeit noch in schwarz-weiß eine grandiose unnachahmliche Schaueratmosphäre. Der Geliebte der Hexe Asa heißt Yavutich und wurde für die deutsche Fassung zu Dracula gemacht.

Wundervoll!

4. NOSFERATU - SINFONIE DES GRAUENS

von Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland 1922
mit Gustav von Wangenheim, Max Schreck, Greta Schröder, Alexander Granach, Georg H. Schnell

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Der deutsche Filmpionier Friedrich Wilhelm Murnau schuf 1921 die erste Dracula-Verfilmung überhaupt und einen Meisterwerk des frühen deutschen Kinos. Neben einer spannenden und faszinierend erzählten Filmhandlung bot Filmlegende Friedrich Wilhelm Murnau schon vor über 90 Jahren fortschrittliche Tricktechnik wie Überblendungen, Zeitraffer und Einzelbild-Animationen. Aus urheberrechtlichen Gründen wurden Namen geändert und ein Teil der Handlung von London in die deutsche Ostseestadt Wismar verlegt. Fantastisch.

3. SHINING (THE SHINING)

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von Stanley Kubrick, Großbritannien, USA 1980
mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Barry Nelson, Philip Stone, Joe Turkel und Scatman Crothers

Die Handlung dürfte weitgehend bekannt sein. Schriftsteller Jack Torrance überwintert mit seiner Familie in einem riesigen stillgelegten Hotelkomplex, den er als Hausmeister vor Frostschäden schützen soll. Der Sohn hat paranormale Fähigkeiten und erschreckende Visionen von Toten und Blutfontänen im Hotelflur und kann über Gedanken mit dem Chefkoch kommunizieren. Durch Geister und seine eigene psychische Labilität und seinen latenten Alkoholismus langsam in den Wahnsinn getrieben versucht der Vater, seine eigene Familie zu töten, was schon ein früherer Hausmeister tat. Kubrick´s SHINING ist nicht nur ein Horrorfilm sondern ein Spiel mit den Wahrnehmungen der Zuschauer/innen. Es wimmelt vor Anspielungen auf die Ausrottungen der Indianer, auf deren ehemaligen Stammesgebiet das Hotel gebaut wurde. Der Berg Gepäck der Familie Torrance ist größer als der komplette VW-Käfer, der im Film gelb ist und nicht rot wie im Roman; dagegen sehen wir ein rotes Käfer-Wrack bei einem Verkehrsunfall - eine lange Nase des Regisseurs an den unzufriedenen Romanautor Steven King. Innerhalb einer Szene verschwindet ein Stuhl im Hintergrund und ist wieder da. In einem Fenster im Büro des Hotelmanagers aehen wir in verschiedenen Szenen verschiedene Motive von draußen, obwohl dieser Raum in der Architektur des Hotels gar nicht an einer Außenwand zu liegen scheint. Als der Sohn im Flur spielt, ist das Teppichmuster auf innerhalb von einer Szene um180° gedreht. Bei fast jedem anderen Filmemacher hätte ich Anschlussfehler durch Nachlässigkeit vermutet, nicht bei Kubrick. Man kann den Film immer wieder sehen und entdeckt immer wieder etwas Neues.

2. DIE VÖGEL (THE BIRDS)

von Alfred Hitchcock, USA 1963
mit Tippie Hedren, Rod Taylor, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright und Jessica Tandy

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Society-Lady Melanie Daniels fährt ihrer Zufalls-Bekanntschaft Mitch Brenner in den Küstenort Bodega Bay nach. Der Aufenthalt verlängert sich ungeplant und die Bewohner/innen des Ortes werden wiederholt von Vögelschwärmen angegriffen.

Dabei entwickelt Hitchcock in seinem einzigen übernatürlichen Film den Spannungsbogen langsam und unaufhaltsam. Der erste Angriff einer einzelnen Möwe auf Melanie Daniels erfolgt nach fast einer halben Stunde der erste große Angriff nach knapp 50 Minuten. Nach einer Stunde wird die erste Leiche gefunden. Die Ursache des tierischen Verhaltens ist ungeklärt. Eine Gegenwehr ist unmöglich.

Wenn Melanie Daniels auf dem Schulhof eine Zigarette raucht und sich im Hintergrund der Krähenschwarm zum Angriff sammelt, während die Kinder in der Schule ein Kinderlied singen, ist die Spannung kaum auszuhalten.

Gearbeitet wurde wohl überwiegend mit Trickaufnahmen, die sich auch heute noch sehen lassen können. Hitchcock traktierte seine Darsteller/innen und bevorzugt seine Hauptdarstellerin Tippie Hedren aber auch mit den Angriffen echter Vögel.

Was sich fast eine Stunde entwickelt wie ein Melodram über unerfüllte Liebe und Verlustängste, wird zum absoluten Horror, der in Zeiten fortschreitender Umweltzerstörung noch beunruhigender ist.

1. ZOMBIE (DAWN OF THE DEAD)

von George A. Romero, USA / Italien 1978
mit Ken Foree, David Emge, Gaylen Ross, Scott Reiniger und Tom Savini

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Eine erschöpfte Frau lehnt nach einer Panikattacke an einer roten Wand, bevor sie von einem Kollegen aus der Starre gerüttelt wird. Wir sind in einem Fernsehstudio, in dem ein Interview geführt wird und Chaos herrscht. Danach werden wir Zeugen einer Polizeiaktion gegen eine Gangsterbande, bei der lebende Tote aus Wohnungen kommen und sich bei ihren Familienangehörigen durchbeißen. Die Welt ist im Chaos. Die Gesellschaft und Zivilisation scheinen am Ende zu sein, als die Leichen aus der Totenruhe zurück kehren und über die Lebenden herfallen. Die Frau vom Anfang und ihr Freund, ein Hubschrauberpilot, sowie zwei Polizisten klauen den Hubschrauber des Fernsehsenders und flüchten. Ihre Flucht führt sie in ein riesiges Einkaufszentrum außerhalb der Stadt, wo sie einige Zeit leben, bevor das Einkaufszentrum von einer plündernden Bande überfallen wird.

Der kürzlich verstorbene George A. Romero, der Erfinder des politischen Horror- und Thrillerfilms, zeigt uns den bis dahin kompromisslosesten und radikalsten Horrorfilm der Filmgeschichte und prägte spätestens mit diesem Film das moderne Zombiefilm-Genre. Wieder nutzt er das Horrorkino als Mittel der Gesellschafts- und Zivilisationskritik

Wieder sind die Untoten eine Laune der Natur, die ihren Instinkten folgen. Die wahren Monster sind die Menschen, denen es meistens an Solidarität und auch Intelligenz mangelt und die sich selbst und gegenseitig ausrotten.

DAWN OF THE DEAD ist auch eine Satire über die amerikanische Lebensart und Waffenfetischismus und das menschliche Konsumverhalten. Die Toten erinnern sich an ihr früheres Leben und kehren an die Orte ihrer früheren Einkaufserlebnisse zurück. Die Bewohner des Einkaufszentrums schalten erst einmal alle Energieanlagen von der Musikanlage bis zum Springbrunnen an, da ja genug Energie vorhanden ist und die Kernkraftwerke automatisch laufen. Die marodierenden Plünderer erschrecken mit Gewalt und Zerstörungswut.

Grundsätzlich gibt es eine US-Version von Regisseur Romero und eine kürzere Euro-Fassung von Co-Produzent Dario Argento mit eigener Filmmusik. Von beiden Filmversionen gibt es wieder unterschiedliche Fassungen, die wegen Forderungen nationaler Zensurbehörden mehr oder weniger gekürzt sind.

In Deutschland ist der Film wegen gewaltverherrlichender Aktionen gegen Menschen bzw. menschenähnliche Wesen immer noch bundesweit beschlagnahmt; die Aufführung und der Vertrieb sind Straftaten. Dabei ist die Gewalt in diesem Film alles Andere als herrlich und die Beschlagnahmung ist eine Absurdität. In anderen legal erhältlichen Filmen und sogar in der Fernsehserie THE WALKING DEAD sind Gewaltaktionen zu sehen, die mindestens so schlimm sind wie die nicht herrliche Gewalt in DAWN OF THE DEAD.

Aller guten Dinge sind zehn …

Auch, wenn es weitere extrem gute Horrofilme gibt, wollte ich mich auf zehn Filme beschränken, wobei mir die Auswahl nicht leicht fiel. Weitere Klassiker hätten noch aufgeführt werden können und sollen wenigstens eine lobende Erwähnung finden, z.B. Roman Polanski´s ROSEMARIE´S BABY, Richard Donner´s OMEN, Sam Raimi´s TANZ DER TEUFEL (EVIL DEAD) und natürlich Wes Craven´s NIGHTMARE - MÖRDERISCHE TRÄUME (NIGHTMARE ON ELM STREET.

George A. romero, Tobe Hooper, Horror, Horrorfilm, living dead, Zombie, Dracula, Mario Bava, Dario Argento
05:49 04.10.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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