Matthias Dell
25.09.2013 | 12:45

Google Movie

Kino Das Amerika der Handelsvertreter wird auf die Erfolgsgeschichte des Silicon Valley umgeschult: "Prakti.com" mit Vince Vaughn und Owen Wilson ist ein faszinierender Film

Wenn all die andauernden Krisen etwas gelehrt haben, dann doch, dass Ökonomie, obwohl sie immer rational tut, nicht allein von Zahlen lebt. Ohne Geschichten und Metaphern geht es in der Wirtschaft nicht. Der Springer-Verlag etwa hat zuletzt eine als Praktikum im kalifornischen Silicon Valley getarnte Kai-Diekmann-Verschickung öffentlichkeitswirksam inszeniert, damit des Hauses Neuausrichtung ins Digitale, die auch ohne diesen Firlefanz hätte beschlossen werden können, besser „darstellbar“ ist: als Lernerfolg, Makeover, Infizierung.

Ganz ähnlich geht Shawn Levys Film Prakti.com vor (im Original: The Internship). Vince Vaughn (der mit Jared Stern das Drehbuch geschrieben hat) und Owen Wilson, beides Schauspieler der prädigitalen Generation (Jahrgang 1970 und 1968), verkörpern die eloquenten, aber arbeitslos gewordenen Uhrenverkäufer Billy und Nick. Also jenes Vertreter-Amerika, das in Filmen wie Glengarry Glenn Ross (von 1992, mit Al Pacino) oder der gepeinigten Simpsons-Figur Lionel Hutz seit längerem prekär ist, zugleich aber viel zu liebenswürdig und romantisch aufladbar (das ewige Herumfahren als ur-amerikanische Tätigkeit), um es nicht retten zu wollen für die neue Zeit des E-Commerce.

Billy und Nick heuern beim Suchen nach neuen Jobs also direkt bei der Suchmaschine an, unter lauter blassen Nerds und lebensfernen Elite-Studenten. Möglich macht das die von Google performte Selbstoptimierungsideologie, die jedes Scheitern als Alleinstellungsmerkmal von Originalität verkaufen kann, wenn es seinen Zwecken nützt: „Manchmal ist es am radikalsten, einfach nur man selbst zu sein.“ In kleinen Teams, die alle um – eine herrliche Metapher für das „Für alle reicht’s nicht“ unserer Zeit – die Festanstellungen konkurrieren, die nur die Gewinner erhalten, raufen sich neue Skills und alte Herzensbildung zusammen, kurioserweise via Hollywood: Die Geschichte des Tanzfilms Flashdance (1983) dient Billy und Nick als Erzählung für ihren Sieg. Das Kino liefert die Geschichten, mit denen Google Profit macht.

Herausgekommen ist eine faszinierende wie abstoßende Volksversöhnung, ein Neoliberalismusporno, der lustige Sprüche macht, eine Dauerwerbesendung für ein total agierendes Unternehmen. Ein neues Feature im Angebot des Komzerns: Google Movie.