Philip Grassmann
08.01.2015 | 10:14 160

Das Unbehagen ist groß

Charlie Hebdo Überall auf der Welt solidarisierten sich Menschen mit den Opfern des Anschlags und traten für Presse- und Meinungsfreiheit ein. Ob das so bleiben wird?

Das Unbehagen ist groß

Bild: imago/Haytham Pictures

Tausende Menschen haben sich gestern in Frankreich, aber auch in Deutschland und anderen Ländern mit den Opfern des furchtbaren Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo solidiarisiert. Es war ein beeindruckendes Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaften sich nicht von Terror und Fanatismus davon abbringen lassen werden für ihre Werte einzutreten., für Presse- und Meinungsfreiheit. Es waren friedliche Versammlungen von Menschen, die nicht nur demokratische und freiheitliche Werte verteidigen wollten, sondern die auch einen Unterschied machen zwischen der Religion des Islam und radikalen Fanatikern, die Religion als Motiv für ihre terroristischen Zwecke missbrauchen.

Ob das so bleiben wird?

In Frankreich muss man befürchten, dass die Debatte der kommenden Tage anders verlaufen wird. Dort gib es einen starken Front National, der seit Jahren mit seinem harschen Anti-Islamismus die Stimmung anheizt und generell Stimmung gegen Ausländer macht. Über mangelnden Wählerzulauf muss sich Marine Le Pen nicht beklagen, ihr werden sogar gute Chancen für bei der nächsten Präsidentschaftswahl vorhergesagt.

Aber richtig ist eben leider auch: Das bisherige französische Integrationsmodell ist gescheitert, das Land mit der zahlenmäßig größten muslimischen Gemeinschaft in der Europäischen Union hat es nicht geschafft, Millionen von Menschen das Gefühl zu geben, sie seien Teil der Gesellschaft. Auch die beiden mutmaßlichen Attentäter hatten einen französischen Pass. Mit den Werten der französischen Demokratie wollen sie aber nichts zu tun haben.

In Deutschland sind die politischen Verhältnisse zum Glück anders. Die Pegida-Bewegung, das hat der vergangene Montag ja gezeigt, ist weit davon entfernt ein Phänomen von bundespolitischer Bedeutung zu werden. Aber man darf die Stimmung, die sich in diesen Protesten ausdrückt, auch nicht unterschätzen. Es gibt in Deutschland einen Nährboden für Ressentiments gegen den Islam und Muslime. Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Deutschen den Islam als bedrohlich wahrnimmt, nur ein Drittel der Menschen sieht ihn positiv. Das Unbehagen ist also groß und diesen Gründen muss nachgegangen werden. Denn die Muslime wiederum fühlen sich der deutschen Gesellschaft zu großen Teilen eng verbunden. Es ist eine verkehrte Welt.

Schlimmer noch, die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es auch hierzulande eine wachsende Zahl vor allem junger Muslime gibt, die sich radikalisieren. Seit dem vergangenen Sommer sind etwa 500 von ihnen sind nach Syrien und in den Irak ausgereist, um sich dort den terroristischen Fundamentalisten der IS anzuschließen. Aufgefallen war das bis zu diesem Zeitpunkt kaum jemanden. Das zeigt: Das Thema spielte viel zu lange Zeit politisch und gesellschaftlich überhaupt keine Rolle. Diese Defizite, die dazu beitragen, junge Leute auf den Irrweg des Fundamentalismus zu leiten, können am Ende dazu führen, dass eine ganze Gesellschaft in ihren Grundwerten beroht wird. Das zumindest ist eine der Lehren, die man aus den schrecklichen Morden von Paris ziehen muss. Diese Defizite kann man nur auflösen, wenn man nicht mit Abschottung und Ausgrenzung reagiert, wie es die rechtspopulistischen Parteien fordern, sondern mit größerer gesellschaftlicher Durchlässigkeit, mit Aufstiegschancen und Toleranz. Auch wenn es schwerfallen mag. Aber seien wir ehrlich: Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt.  

Kommentare (160)

Hans Springstein 08.01.2015 | 10:36

Notwendigerweise und ergänzend auch an dieser Stelle meine Gedanken dazu:

Mich haben die Nachrichten aus Paris ebenfalls entsetzt. Und ja, Ausgrenzung darf nicht die Antwort sein.

Aber bei allem Entsetzen über den Tod von Berufskollegen beschäftigen mich auch solche Gedanken: In den Nachrichten wurde gebracht, dass die Täter ihre Opfer mit Namen riefen, also genau wussten, wen von der Redaktion sie töten wollen, nämlich die Verantwortlichen, die führenden Köpfe von Charlie Hebdo. Ein französischer Regierungsvertreter sprach von einem barbarischen Akt.

Doch das ist genau das Muster, das mich an folgende Nachricht erinnerte: "Die Dokumente der Isaf-Truppen sowie der Geheimdienste NSA und GCHQ stammen unter anderem aus dem Bestand von Edward Snowden. Sie umfassen erstmals die komplette Liste der westlichen Allianz für das "targeted killing" in Afghanistan. Die Unterlagen zeigen, dass die tödlichen Angriffe nicht nur als letztes Mittel eingesetzt wurden, um Anschläge zu verhindern, sondern zum Alltag im afghanischen Guerillakrieg gehörten.
Die Liste, auf der zeitweise 750 Personen standen, belegt nun erstmals, dass die Nato nicht nur auf den Führungskreis der Taliban zielte, sondern auch die mittlere und untere Ebene in großem Stil ausschaltete. Einige Afghanen standen nur deshalb darauf, weil sie angeblich als Drogenhändler die Aufständischen unterstützten." (Spiegel online, 29.12.14)

Auf beiden Seiten gezieltes Töten, nach Plan, nach Namenslisten ... Wer ist hier barbarischer? Bei Spiegel online heißt es im selben Beitrag immerhin: "Aber der Westen hat den Feldzug in Afghanistan jahrelang mit dem Versprechen verbunden, dort für andere Werte anzutreten. Eine Demokratie, der ein Verdacht ausreicht, um ihre Feinde zu töten, verspielt ihren Anspruch auf moralische Überlegenheit. Sie macht sich mitschuldig."

Nein, es gibt für den Mord in Paris keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung. Aber ohne das Verstehen und Wissen um das Warum werden weitere ähnliche Terrorakte nicht verhindert werden können. Und zu dem Verstehen gehört eben auch der Terror des Westens in anderen Weltgegenden, auch islamisch geprägten, staatlich sanktioniert, von Oberbefehlshabern befohlen, begründet mit angeblich höheren mopralischen Werten. Für diesen befohlenen Terror gibt es genauso wenig Rechtfertigung.

Auf der einen wie der anderen Seite reichen einige wenige Gewaltbereite, um die vielen anderen Friedvollen auf der jeweiligen Seite mit hineinzuziehen, obwohl sie nichts damit zu tun haben, um bisher Friedvolle zu, nein nicht radikalisieren, sondern zu extremisieren. Das ist nicht radikal, weil es eben nicht an die Wurzel des Problemes, des Konfliktes geht.

Diese Gewaltspirale darf nicht weiter gedreht werden. Ich weiß nicht, wie das erreicht werden kann. Dazu sind auch die Ursachen für ideologischen Extremismus, der bereit ist zu töten, zu komplex. Ich befürchte, dass es weiter geht.

Bei allem Entsetzen und aller Trauer ist aber auch bedenkenswert, was zumindest in der Schweiz dazu gedacht und geschrieben wird:
"«Das ist nicht unser Satire-Verständnis»
Schock nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo»: Das Schweizer Satiremagazin «Nebelspalter» distanziert sich vom «Tabubruch zum Selbstzweck». ..." (Tages-Anzeiger online, 7.1.15)
Für alljene, die nicht klicken und den Beitrag des Tages-Anzeigers selbst lesen hier das für mich interessante Zitat daraus: "Ratschiller: Die westliche Kultur verstehe das Bilderverbot im Islam nicht. Dort sei die Darstellung Mohammeds ein Tabubruch. «Während wir selbst darin im Grunde nicht einmal eine satirische Pointe erkennen». Denn: Eine solche Karikatur habe eine Zielgruppe, zu der man nicht selbst gehört. Diese Form des «Tabubruchs zum Selbstzweck» mache der «Nebelspalter» nicht."

Und ein etwas weitergehender Hinweis, auf den bereits u.a. der Historiker Gerd Althoff in der Berliner Zeitung vom 1.8.11 aufmerksam gemacht hatte: "Nun hat der religiös legitimierte islamistische Terror ein fundamentalistisch-christliches Pendant, das ihm an Grausamkeit und Irrationalität nicht nachsteht, wenn auch zunächst als Einzelfall. Die Frage, die man häufig und vorwurfsvoll an die muslimische Welt richtete, kehrt sich um. Auch die christliche Welt muss darauf Antwort geben, ob sie irgendwelche, wenn auch noch so vage Anhaltspunkte verantwortet, die Wirrköpfe zu einer Gewalttheorie zusammenbrauen und, wie geschehen, in blutige Praxis umsetzen konnten. Das hat nichts mit Schuldzuweisungen, sondern ausschließlich mit der Absicht zu tun, die Wirksamkeit solcher Gedankengebäude zu minimieren und Wiederholungsfälle zu verhindern. Der Osloer Massenmörder Anders Behring Breivik hat sich auf die Templer berufen und ihr rotes Kreuz als sein Symbol ins Internet gestellt. Symbolisch verdichtet, reklamiert er damit für sich die Tradition der Kreuzfahrer und der in diesem Zusammenhang wirkenden Ritterorden, die sich die dauerhafte Befreiung des Heiligen Landes von muslimischer Herrschaft auf die Fahnen geschrieben hatten. ..."

Oliver Barckhan 08.01.2015 | 11:00

Ich teile Ihre Einschätzung, Herr Grassmann.

Nach dem Bloody Wednesday für die Pressefreiheit ist ein symbolischer Moment der Solidarität der Mächtigen mit den Medien, eine Atmenpause. Die Schweigeminute um 12:00 Uhr huscht gleich vorüber.

Die Worte "Lügenpresse" für unangenehme Medien, "Verräter" und "Spion" für Whistle Blower wie Snowden, und die Denke in gelernten Kategorien wie "links, rechts und oben, unten" sind fester Denkwortschatz. Da liegt die Arbeit.

Kein Kuschelwohlfühlwaschprogramm:

1. Die Presse hat den Mächtigen auf die Finger zu sehen.

2. Die Mächtigen erliegen der Verlockung, die Wahrheit zu ihren Gunsten zu drehen.

balsamico 08.01.2015 | 11:11

Aber richtig ist eben leider auch: Das bisherige französische Integrationsmodell ist gescheitert, das Land mit der zahlenmäßig größten muslimischen Gemeinschaft in der Europäischen Union hat es nicht geschafft, Millionen von Menschen das Gefühl zu geben, sie seien Teil der Gesellschaft. Auch die beiden mutmaßlichen Attentäter hatten einen französischen Pass. Mit den Werten der französischen Demokratie wollen sie aber nichts zu tun haben.

Sehr gut dazu: s. hier:

http://www.deutschlandfunk.de/islamismus-in-frankreich-antisemitisch-gewalttaetig.694.de.html?dram:article_id=308099

In Deutschland sind die politischen Verhältnisse zum Glück anders.

Da bin ich mir leider überhaupt nicht sicher.

Das Problem ist: Der Islam müsste sich aus sich selbst heraus in der Weise reformieren, dass alles Mörderische und alles Unfriedliche darin keinen Platz hat. Aber ich fürchte, das wird nicht gelingen.

Oberham 08.01.2015 | 11:12

.... die widerlichen Figuren hinter den Mördern kriechen doch heute schon aus ihren Löchern!

Verblendete Mordsklaven sind immer nur instrumentalisierte, vernunftbefreite, trieb- oder hassgesteuerte, kranke Artgenossen!

Es sind nicht die zwei Figuren die gestern massakriert haben, es sind die Gesellschaften dieser Erde, die es nicht hinbekommen, sich vom politischen Machtsystem zu befreien und regelmäßig wie die Zirkusbären am Nasenring von einer Richtung in die nächste buggsiert werden!

Ein Islamist ist in der Regel leichter zum Morden zu bewegen, da in diesen Kreisen wohl mehr Hasspotential aufzutreiben ist - nur - wenn die Gesellschaften in Europa sich so weiter entwickeln, wird es auch ein leichtes sein, wieder "christliche" oder "rassenwahnsinnige" Einheimische als gesteuerte Amokläufer zu gewinnen!

Das Gejaule der intellektuellen Fußtruppen ödet mich an, Ihr begreifft letztlich doch nichts, ihr baut eure Feindbilder auf, nur euch selber schaut ihr leider nicht auf die Finger!

Die alten Männer von Charlie waren mutig, wenn jetzt Leute auf den Straßen die Schilder "Je suis Charlie" vor sich her tragen, kommt mir nur ein zynisches Lächeln über die Lippen, das feige Pack, in der Masse traut es sich für Freiheit zu plärren, am Arbeitsplatz funktioniert es - für wen auch immer - hemmungslos, rückgratlos, knieend - es überlebt knieend, es stirbt nicht aufrecht!

Jetzt massenhaft Mohammed Karikaturen drucken - ja bitte - aber bitte mit einem vollgepissten Papst (der aktuelle Werbeträger) an seiner Seite und einer Auswahl der Kleptokraten dieser Welt - die lustig mit diesen Puppen spielen....................

Oberham 08.01.2015 | 11:22

.... wie immer - sie listen so Vieles auf - leider ziehen sie die billigst möglichen Schlüsse - wenn ich Sätze lese - wie

"Man darf die Gewaltspirale nicht weiter drehen..." - dann sage ich Ihnen, doch, ich wünsche mir sie dreht sich weiter, den in unsere Wohnzimmer - unser aller Wohnzimmer - soll sie ankommen - wie in Syrien, im Libanon, in Palästina, fast flächendeckend in Afrika, - nichts hat unsere privilegierte Wohlstandsfeiglingsgesellschaft mehr verdient!

Lesen sie ihre eigenen Worte - wir echauffieren uns, doch wir stehen nicht mutig auf zu widerstehen!

Oder tue ich ihnen Unrecht - widerstehen Sie?

GEBE 08.01.2015 | 11:31

Die Frage, was Satire denn sei, wer sie bestimme, steht überhaupt nicht in meinem obigen Kommentar auf dem Tapet.

Daß die einschlägigen Karikaturen Satire waren, bestreite ich nicht. Etwas anderes wäre aber eine, wie vorgeschlagen, massenhafte Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt. Daß das dann andere als satirische Beweggründe hätte, dürfte Ihnen doch wohl nicht verborgen bleiben.

Peter Uhlemann 08.01.2015 | 11:44

"Jede Zeitung, die etwas von sich hält, müßte jetzt en masse Mohammed-Karikaturen veröffentlichen."

Dann hätten die Mörder gewonnen, dann hätten sie ihr Ziel erreicht, die Verschärfung des Konfliktes zwischen dem Islam und dem "Abendland".

Der richtige Weg wäre es, die Mörder zu jagen, zu fassen und sie nach rechtsstaatlichen Grundsätzen zu verurteilen. Ansonsten sollte das Leben genau so weitergehen wie bisher, denn nur so kann man zeigen, dass man sich durch solche Terroranschläge in keinster Weise beeinflussen lässt.

Joachim Petrick 08.01.2015 | 11:46

Lieber Philipp Grassmann,
mein Unbehagen ist auch groß und wird durch ihren engagierten Artikel eher genährt, denn entkräftet.

Sie beschreiben einfühlend europäische Probleme fehlender Willkommens- und Bleibekultur.

Aber gehören diese wirklich auf den Massenmord in Paris aufgesattelt, den der französische Präsident Hollande, bereits nach 30 MInuten des mörderischen Geschehens am Tatort, die Gefahr der Spaltung Frankreichs heraufbeschwörend, zum französischen, europäischen Nine Eleven hochstilisiert?

Hollande war schneller am Tatort als US- Präsident George W. Bush 2001 nach Nine Eleven am Ground Zero. Bush kam drei Tage später, die Stars and Stripes Flagge auf den Trümmern des World Trade Centers hissend, die Ausrufung des NATO- Ernstfalles als Krieg gegen den Internationalen Terrorismus im Rücken.

Wird Hollande nun diesen Krieg gegen den Internationalen Terrorismus seit 2001 für gescheitert erklären?, wohl eher nicht, sondern unter europäischer Koalitionsflagge weltweit ausweiten wollen.

Dagegen sollten wir mit Blick auf den Massenmord in Paris an 12 gesellschaftspolitisch engagierten Bürgern "NEIN" sagen.

Gold Star For Robot Boy 08.01.2015 | 11:54

Einer der mutmaßlichen “Charlie Hebdo” Attentäter, Cherif Kouachi, wurde 2008 vor einem Pariser Gericht wegen Unterstützung einer Terrororganisation zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Kouachi und sechs weitere Männer sollen Kämpfer in den Irak geschleust haben. Als Motivation für seine Radikalisierung benannte Kouachi 2008 seine Empörung über die TV-Bilder der Folter Opfer im US-Gefängnis Abu Ghuraib. Said Kouachi, Chérif Kouachi und Hamid Mourad werden aktuell als Verdächtige im Fall des Attentats auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo gesucht. Gegen 11.30 Uhr eröffneten vermummte, komplett schwarz gekleidete Attentäter das Feuer in den Redaktionsräumen des Satiremagazins.12 Menschen starben, mehrere wurden schwer verletzt. Sollten die Verdächtigen tatsächlich die Täter sein, hätte das Attentat womöglich verhindert werden können. Warum ein verurteilter Islamist/Terrorunterstützer, trotz aktueller Warnungen vor Terrorattacken, am helligten Tag, einen Anschlag auf eine unter Polizeischutz stehende Redaktion verüben konnte, wird sicher in den kommenden Tagen diskutiert werden. Vielleicht wird auch die Frage aufkommen warum die anlasslose, flächendeckende Überwachung unserer Kommunikation durch Geheimdienste mal wieder einen Terroranschlag nicht verhindern konnte, obwohl die mutmaßlichen Terroristen, wie im Fall von Kouachi, sogar im Visier der Behörden standen.

Quelle:Cherif Kouachi: verurteilter Islamist ist “Charlie Hebdo” Verdächtiger

Gold Star For Robot Boy 08.01.2015 | 11:58

9/11 Parallele:

"Die Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen schweren Fehler gemacht und die Polizei so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift Le Point und die Zeitung Le Monde schreiben, vergaß einer der Brüder seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als die Attentäter am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten"

Hatte man nicht auch einen Ausweis der Terroristen in den Trümmern von New York gefunden?

freedom of speech? 08.01.2015 | 11:59

„…Daß die einschlägigen Karikaturen Satire waren, bestreite ich nicht. Etwas anderes wäre aber eine, wie vorgeschlagen, massenhafte Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt….“

Ich sehe da keinen wesentlichen Unterschied. Die Veröffentlichung (Nachdruck) in Charlie Hebdo 2006 waren auch eine Reaktion auf den Ärger mit den Mohammed Karikaturen in der Jyllands-Posten.

http://www.lemonde.fr/europe/article/2006/02/08/charlie-hebdo-s-engage-dans-la-polemique_738997_3214.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen

Thema ist in beiden Fällen gerade die Zensur, die Fanatiker erzwingen wollen und für die sie sogar morden.

Und genau so eine satirische Kritik wäre es auch, wenn die Zeitungen heute massenhaft drucken würden.

Viele Grüße

Fos?

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2015 | 12:03

"Die Frage, die man häufig und vorwurfsvoll an die muslimische Welt richtete, kehrt sich um. Auch die christliche Welt muss darauf Antwort geben, ob sie irgendwelche, wenn auch noch so vage Anhaltspunkte verantwortet, die Wirrköpfe zu einer Gewalttheorie zusammenbrauen und, wie geschehen, in blutige Praxis umsetzen konnten. Das hat nichts mit Schuldzuweisungen, sondern ausschließlich mit der Absicht zu tun, die Wirksamkeit solcher Gedankengebäude zu minimieren und Wiederholungsfälle zu verhindern. "

"kehrt sich um" ist falsch. Erweitert sich, stellt sich genau so.

Aber an die Muslime müssen diese Fragen auch gestellt werden. Und die dürfen nicht ihre Rassismus-Reflexe ausfahren, sondern müssen sich wirklich fragen, ob sie gewisse Dogmen ihres Glaubens nicht auch in Frage stellen sollten.

siehe der Link

Hans Springstein 08.01.2015 | 12:09

Das gibt zwei bzw. drei mögliche Erklärungen:

Die mutmaßlichen Täter wollten für ihre Märtyerer-Ehre, dass bekannt wird, wer sie sind. Oder eben einfach keine Profis, die einen Ausweis nicht hätten liegenlassen ...

Oder das hat jemand nachgeholfen, standen die mutmaßlichen Täter doch unter Kontrolle: "Laut dem Pariser Innenminister Bernard Cazeneuve wurden die beiden überwacht. Es habe allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben.
Mindestens beim Jüngeren der beiden, Cherif, soll es sich um einen den französischen Behörden bekannten Jihadisten handeln. Er war im Jahr 2008 zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er in jihadistischen Netzwerken geholfen haben soll, Kämpfer in den Irak zu schicken. Diese sollten sich dort dem Terrornetzwerk al-Qaida anschliessen. ..." (Tages-Anzeiger online, 8.1.15)

Albrecht Müller hat sich auf den Nachdenkseiten dazu geäußert:
"Es gibt begnadete Menschen, die nach einem solchen Anschlag sehr schnell alles wissen. Ich weiß nur, dass hier Mörder am Werk waren und dass der Anschlag einem kritischen Medienorgan galt. Andere wissen schon: Die Ermordeten sind das Opfer ihrer Arbeit geworden. Sie wurden ermordet, weil sie den Islam und den Propheten kritisierten und so darstellen wie im Hinweis Nummer 1 von heute abgebildet. Bei mir bleiben trotzdem Zweifel zu den Motiven und zu den Hintergründen. Albrecht Müller.
Ich denke an das Oktoberfest Attentat von 1980 mit 13 Toten und 200 Verletzten, als die Begnadeten gleich wussten, dass dies das Werk eines Einzeltäters war. Heute wird das Verfahren neu aufgenommen, weil Zweifel aufgekommen sind, die übrigens damals schon geäußert wurden. Siehe dazu ein aktueller Bericht der Münchner Abendzeitung von gestern. Dort steht zu lesen: „Im Zuge der neuen Ermittlungen zum Oktoberfest-Anschlag 1980 …will die Bundesanwaltschaft auch auf die Datenbestände der Geheimdienste zugreifen. Das könnte bei der Suche nach möglichen Hintermännern und Mitwissern beim Massaker auf der Wiesn in einem lauen Lüftchen enden – oder ein Stich direkt ins Wespennest sein.“ ..."
Müller verweist auf weitere historische Beispiele und meint dazu:
"Ob diese aus der Vergangenheit abgeleiteten Erkenntnisse von Relevanz sind für die Klärung der Motive und der Hintergründe des Mordens von Paris, weiß ich nicht. Ich weiß aber auch nicht, dass Zweifel nicht angebracht sind. Und Nahrung für Zweifel finden sich schon in den Nachrichten über den im Fluchtauto zurückgelassenen Personalausweis. Ich zitiere aus Spiegel Online:
„Die mutmaßlichen Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen schweren Fehler gemacht und die Sicherheitskräfte so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift “Le Point” und die Zeitung “Le Monde” schreiben, vergaß einer der beiden seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als die Verdächtigen am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten.“
Trotz des traurigen Anlass musste ich bei der Lektüre dieser Passage lachen. Den Ausweis vergessen! – Wenn man bedenkt, was man heutigen Zeitgenossen mit solchen Texten zumutet, dann verliert man die Hemmung, Ihnen auch zuzumuten, was sogenannte Verschwörungstheoretiker zu den Vorgängen von Paris sagen oder meinen könnten: ...
Zweifel an der Erklärung vieler Vorgänge sind angebracht. Andreas von Bülow vor allem wirbt aus meiner Sicht mit Recht dafür, die Rolle von Geheimdiensten nicht zu unterschätzen. Man kann das so und anders sehen. Niemand zwingt Sie, diesen sogenannten Verschwörungstheoretikern zu folgen. Aber diese haben es auch nicht verdient, mit Etiketten belegt zu werden. Verschwörungstheoretiker ist einer der dümmsten Vorwürfe, die in der aktuellen Debatte obendrein inflationär verwendet werden. Zweifel sind angebracht. ..."
Ich halte das ebenfalls für bedenkenswert

Hans Springstein 08.01.2015 | 12:16

Nur eine Bemerkung dazu: Sie machen anscheinend etwas, worüber sich manch einer freuen dürfte: Sie setzen die Muslime und deren Glauben mit jenen gleich, die sich bei ihrem Terror auf den Islam berufen, ohne dass Sie nachprüfen, ob wirklich beides so einfach miteinander zusammenpasst, nur weil Mörder bei ihrem Mord rufen "Allah ist groß!"

Da mache ich nicht mit, falls mich mein Eindruck Ihrer Worte nicht täuscht.

Lethe 08.01.2015 | 12:55

Die Blindheit, die in Europa allenthalben herrscht über die Parallelität zwischen militanten christlichen und militanten moslemischen Fundamentalisten, ist erschreckend. Aber militante christliche Fundamentalisten erbringen ihr Werk zum Lobe des Herrn ja auch zumeist formal legal, weil unter dem Deckmantel der US Army. Und vor allem: woanders. Nicht hier, bei uns.

Eigentlich brauchen wir etwas ganz bestimmtes. Menschen, jeder und jede Einzelne, müssen sich selbst suspekt werden in ihren Überzeugungen, Werten und Motiven. So wie es jetzt ist, haben wir rundum nur Überzeugte, die alle zu wissen glauben, dass ihre Positionen die einzig angemessenen und vertretenswerten sind, und bis der Globus explodiert nicht auf die Idee kommen werden, dass sie alle Teil des Problems sind. Das ist auch bei weitem nicht auf militante religiöse Fundamentalisten beschränkt.

30sec 08.01.2015 | 13:03

Wunder gibt es immer wieder.
Zuerst war von drei Tätern die Rede. Das Morden wurde, nach Darstellung der Medien, kaltblütig und professionell exekutiert. Danach lässt ein Täter, versehentlich, seinen Personalausweis im Fluchtfahrzeug liegen. Immerhin, soweit bekannt, nicht in einem Exemplar des Koran.
Einer hat sich mittlerweile gestellt und offenbar halten die Ermittler sein Alibi für glaubwürdig.

Welche Chancen kann man den übrigen beiden angeblichen Tätern für das Überleben bei einer versuchten Festnahme einräumen? Wird es noch ein Wunder geben?

Glaskugel 08.01.2015 | 13:11

Ich stimme Ihnen zu und verstehe nicht, dass hier die ersten Kommentaoren wieder von Provokation sprechen.

Für mich steht nicht Islam gegen Christentum, sondern eine aufgeklärte säkularisierte Gesellschaft gegen religiösen Fundamentalismus. Diese Debatte muss geführt werden dürfen und wir müssen unser Werte verteidigen!

Man kann ja darüber debatiren, ob es Grenzen gibt. Ich denke da z.B. an den "Innocence of Muslims" Film, der vor einer Weile für Furore gesorgt hat. Aber weder die Charikaturen von Charlie Hebro, noch die von Jyllands-Posten fallen nach meinem Empfinden in diese Kathegorie! Die Karikaturen zum Problem zu erklären finde ich skandalös!

Glaskugel 08.01.2015 | 13:16

Mittlerweile bekommt man den Eindruck, der Islam sei intrinsisch intollerant und gewalttätig. ABER: Während des Europäischen Mittelalters waren es die Islamischen Länder, die das Modell für Toleranz und Aufklärung boten. Ob es um die Iberische Halbinsel, um Sizilien oder um das Heilige Land geht: Unter Islamischer Herrschaft war ein friedliches Zusammenleben von Christen , Juden und Muslimen möglich, unter christlicher Herrschaft nicht. Die Schriften Aristoteles überlebten die Verdammung durch die Christliche Kirche im Islamischen Exil. Es ist sicher so, dass gewisse Teile des heute real existierenden Islam intolerant sind (man schaue nur in die Golf-Staaten), doch kann dies nicht allein eine Frage der Religion sein!

Joachim Petrick 08.01.2015 | 13:47

"Hatte man nicht auch einen Ausweis der Terroristen in den Trümmern von New York gefunden?"

Das ist schon schlimm und utersuchungsbedürftig genug. Noch schlmmer wird es, wenn Hollande unter Einschluss einer

"Nationalen Front"

mit Sarkozy, Marie Le Peng im Bunde die Ausweitung des Krieges gegen den Internationalen Terrorisimus verkündet, weil Militärs unter Immunität gestellt, eine Untersuchung der Hintergründe, der "Umstände", Finanzierung des Massenmords in Paris durch die Staatsanwaltschaft, Ermittlungsrichter out of order stellen.

t

anne mohnen 08.01.2015 | 14:32

Lieber Herr Petrick,

Ihre Kritik an dem Artikel verstehe ich nicht ganz. Herr Grassmann spricht doch aus, was längst bekannt ist. Wenn auch eine kleine Minderheit von arabischen Muslimen, z.B. in den feinsten und teuersten Vororten Paris lebt, so ist die Mehrzahl der arabischen und afrikanischen Muslime in Frankreich u.a. aufgrund miserabler Integrationspolitik marginalisiert . Gila Lustiger, die zwei Jahre lang in Frankreich recherchierte, hat das im Interview mit dem Deutschlandfunk näher ausgeführt. Sich dem Islamismus zugewandte missachtete junge Männer sind arbeitslos, extrem bildungsfern, extrem antisemitisch, frauenfeindlich und homophob! Ein Profil, das auf die vermutliche Täter passt, wie die Frau t aufs Auge. Die vermuteten Täter- drei junge Männer, zwei Brüder, ehemalige Heimkinder, und ein obdachloser 18-Jähriger. Zu Cherif Kouachi, einer der vermuteten Terror-Brüder. Nachdem der damals 23-Jährige 2005 festgenommen wurde, weil er radikale Muslime für den Kampf im Irak anwerben wollte, zeichnete sein Anwalt ein Bild: >>Der damalige Pizzalieferant sei kein Extremist, „er raucht, er trinkt, er mag Fußball. Er war einfach nur ein ideales Opfer für radikale Prediger“. << Da stellen sich einige gesellschafts- und bildungspolitische Fragen bis hin zu der Frage, welcher Islam resp. ob Islam ihnen vermittelt wurde. Zu der Frage, welcher Islam haben sich führende Islamgelehrte aus aller Welt inzwischen geäußert und zwar ablehnend: Beispiele

Imam Benjamin Idriz „Das ist gegen den Islam“

Einer der Vordenker des europäischen Islams, Tariq Ramadan, spricht von einem “Verrat des Islams

oder hier eine Zusamenfassung: Muslims Around The World Condemn Charlie Hebdo Attack

Diese Verabscheuungswelle der Anständigen führt aber zurück zu Ihrem Kritikpunkt, den ich gerne etwas schärfer akzentuieren möchte: Wann überdenkt die EU, die Nato, Deutschland, also wir „Anständigen“ endlich radikal die Einstellung zu den Golf-Staaten: z.B. Qatar, Saudi-Arabien, Länder die weltweit, übrigens auch in Bosnien, den Islamismus und Salafismus schüren und finanzieren. Während wir Russland mit Repressalien versehen einerseits, haben wir andererseits keine Skrupel, diese korrupten, u.a. Freiheitswerten feindlich gegenüberstehenden Golf-Staaten im wahrsten Sinne des Wortes zu verteidigen ,und/um gleichzeitig den Zusammenstoß von Kulturen zu bejammern. Die Rüstungsindustie und "Falken" klatschen sich in dei Hände.

Joachim Petrick 08.01.2015 | 14:55

"Diese Verabscheuungswelle der Anständigen führt aber zurück zu Ihrem Kritikpunkt, den ich gerne etwas schärfer akzentuieren möchte: Wann überdenkt die EU, die Nato, Deutschland, also wir „Anständigen“ endlich radikal die Einstellung zu den Golf-Staaten: z.B. Qatar, Saudi-Arabien, Länder die weltweit, übrigens auch in Bosnien, den Islamismus und Salafismus schüren und finanzieren. Während wir Russland mit Repressalien versehen einerseits, haben wir andererseits keine Skrupel, diese korrupten, u.a. Freiheitswerten feindlich gegenüberstehenden Golf-Staaten im wahrsten Sinne des Wortes zu verteidigen ,und/um gleichzeitig den Zusammenstoß von Kulturen zu bejammern. Die Rüstungsindustie und "Falken" klatschen sich in dei Hände."

Liebe Frau Mohnen,
ich wertschätze anfänglich meines Kommentars, durchaus Phillipp Gassmanns engagiertes Bemühen und kritisiere gleichwohl, warum dieses Bemühen im Zusammenhang mit dem Massaker in Paris?, wenn er , anders als Sie, nicht den Zusammenhang der Verstrickung in heillose Allianzen in einen Krieg gegen den Internationalen Terrorismus nach Nine Eleven als Garantenkriege der USA, Europas, Japans, Russlands gegenüber den erdölexportierenden Staaten, u. a, jene, die sie erwähnen, nicht herstellt, dessen Ende ich fordere!

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2015 | 15:18

Ein komplexes Thema. gibt einen eigenen Blog. Kurzer Anriß:

Es gibt fließende Übergänge, und man kann die einen nicht so sicher und automatisch von den anderen trennen. Ich setzte die nicht gleich, aber die einen tragen auch ein bischen Verantwortung mit für die anderen:

die USA etwa treibt nicht alle Muslime mit ihren Drohnenangriffen in die Radikalität, also reicht das alleine nicht aus, es müssen noch andere Dinge dazukommen. Auch ohne USA haben sich gerade die Muslime selber seit Beginn des Glaubens die Schädel eingeschlagen: Sunnite/Schiiten.

Ihre Hinweise auf westliche Untaten reichen für das Thema offensichtlich nicht aus.

Ergebnis: man kann nur die Wahrscheinlichkeiten vermindern, die Zahl und die Grausamkeit der Täter. Also muß man auch solche Handlungen von den Muslimen fordern, die das eindämmen, obwohl die USA, und auch dann noch, wenn die USA nicht mehr.

Bis es wirkt, so wie die europäischen Christen - natürlich nicht 100% alle, aber fast alle, befriedet wurden. Und da ist bei den Muslimen noch ein gewaltiges Defizit, Drohen hin oder her.

nochmal: mein Beitrag über den Zentralrat.

Diese Argument gelten auch dann, wenn Sie nachweisen, daß dieser Anschlag ein Werk des CIA ist.

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2015 | 15:23

Verstehe ich nicht.

Die Nazis wollten die Juden auf jeden Fall ausrotten, aber weder die Muslime noch wir sind Nazis.

Ich sage: bei den Muslime herrscht im allgemeinen ein Defizit in der Akzeptanz westlicher Werte wie Individualität, Meinungs- und Künstlerfreiheit, Pluralismus. Auch bei den friedlichen. Und daran müßte stärker gearbeitet werden.

Bei den euopäischen Christen, Atheisten, den Buddhisten allgemein ist die Neigung zu (Selbstmord)Attentan auf andere Religionen aus Rache eher gering.

Hans Springstein 08.01.2015 | 15:48

Nicht von mir, aber ich würde es nicht anders formulieren:

Aus einem Kommentar bei der Neuen Zürcher Zeitung:

"Den "richtigen" Islam gibt es genauso wenig wie das richtige
Christentum, Judentum, Buddhismus usw. Jedes Individuum hat sein eigener Glauben, seine eigene Auslegung religiöser oder philosophischer Schriften. Solange die grosse Mehrheit der Muslimen friedlich bleibt, ist es unsinnig, den ganzen Islam verdammen zu wollen. Indem man pauschal "dem Islam" die Schuld gibt, fühlen sich automatisch alle Muslimen, auch die Moderatesten, verunglimpft, verständlicherweise. So giesst man Wasser auf die Mühle der Extremisten, deren Rhetorik ist: "Sehen Sie, der "ungläubige" Westen ist gegen uns (Muslime), er ist unser Feind". Das Problem ist also nicht der Islam, sondern eine bestimmte Ausrichtung des Islams, nämlich der Salafismus, der massiv von den Golfstaaten, insb. Saudi-Arabien und Katar, finanziert wird und von den USA und ihren
Vasallen instrumentalisiert wird (gegen R, China, Iran und die säkularen arabischen Regimes). Wie Sie wissen haben nicht wenige gewarnt, dass die aktive oder auch nur passive Unterstützung der Salafisten in Libyen und Syrien sich irgendwann rächen wird. Nun haben wir den Beweis, dass diese Prognose stimmte."

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2015 | 16:43

Wem nützt es?

Den USA. Europa zu destabilisieren, den Euro fertig zu machen, die Deutschen mit ihrer Nazivergangenheit in Schach zu halten, wem nützt das? Den USA. Syrien solange zu destabilisieren, bis ein IS sich gründete, auch das stärkt die Position der USA, denn wenn es da keine Probleme gibt, kann auch nichts gerettet werden und " retten" ist schon etwas Feines.

Natürlich wäre es redlich, die Muslime dieser Erde nicht unter Generalverdacht zu stellen. Aber, wo geht es schon anständig und redlich zu? Ist nicht immer der ein ganz Dummer, der sich an die Regeln hält? Dies in einer Welt, die zunehmend ohne Regeln funktioniert. Und ist nicht der ein Oberdussel, der Regeln ausgibt, von denen er weiss, dass er der Einzige sein wird, der sich daran halten muss und wird?

Ich bin kein Anhänger von Pegida und hier gibt es kein " aber". Worauf ich hinaus will? Die Muslime müssen es sich wohl gefallen lassen, dass junge, ledige Herren, ein wenig arabisch aussehend, mit wirksamer Bewaffnung und harschen Sprüchen auffallend, genauso scharf angeguckt werden, wie deutsche Glatzköpfe oder Jammerbürger des kleinen Wohlstandes mit ihren dummen Pegidasprüchen. Es sind beide Gruppierungen nichts Wert, niemand braucht sie für irgend etwas.

Lars W. 08.01.2015 | 16:52

Dem Gedanken des Kommentars stimme ich im Grundsatz zu, nur finde ich hinkt der Vergleich vom gezielten Töten der Pariser Terroristen und der NATO in Afghanistan. Ich bin auch der Meinung, dass das gezielte Töten durch Drohnen viel stärker hinterfragt und kritisiert werden sollte, jedoch würde ich es nie auf eine Stufe mit den Morden in Paris stellen. Hier wurden Journalisten aus Rachemotiven im vermeintlichen Namen des Islam getötet. Das hat für mich eine andere Motivation und Dimension. Dennoch denke ich auch, dass Gewalt, Hass und Ausgrenzung niemals die richtige Antwort auf Gewalt sein wird und kann. Vielmehr sollte man fragen warum die beiden Waisengeschwister nicht von der Gesellschaft aufgefangen wurden und sich nie mit dem Grundgedanken der Französischen Verfassung identifizieren konnten. Ein weiterer Gedanke, der mir bisher in der öffentlichen Debatte zu kurz kam, ist wieso vom gemäßigtem und friedlichem Islam, der unbestreitbar die absoulte Mehrheit der Muslimen darstellt, kein Lösungsansatz oder Aktion ausgeht. Bisher konnte ich nur Ohnmacht, Ensetzen und Trauer unter den allermeisten Muslimen feststellen. Ich hoffe, dass sie bald Lösungsansätze finden um zu verdeutlichen, dass ihre Religion natürlich ihren Platz in einer europäischen, liberalen Gesellschaft hat und sowohl radikalen Islamisten als auch rechtspopulistischen Partein ihrer Argumente beraubt. Leider wird dies ein sehr langer und schwieriger Weg sein. Die Angst bleibt, dass die viele Menschen in Europa nicht bereit sind ihn mitzugehen.

nisticolaser 08.01.2015 | 18:09

Ein Ereignis wie das gestrige hat eine starke seelisch-emotional destabilisierende und aufwühlende Wirkung, die mich selbst als Halbfranzosen und gelegentlichen Charlie-Hebdo-Leser unvorbereitet überkommen hat. Die Künstler, die gestern ermordet wurden gehören für mich zum Besten, was die französische Kultur zu bieten hat. Die terrorisierende Wirkung dieses Verbrechens liegt neben der unmittelbaren tödlichen Gewalt gegen Menschen und des erheblichen Verlustes für das Kulturleben weiterhin in jener psychischen Erschütterung, die derzeit von einer großen Zahl von Menschen empfunden wird. Eine natürliche Reaktion darauf besteht darin, ein Ventil für die Ohnmacht zu suchen, so wie es viele Menschen auch im Zuge ihrer spontanen Versammlungen und ihrer ehrlichen Betroffenheits- und Solidaritätsbekundungen getan haben. Der Wunsch nach einem solchen Ventil impliziert naturgemäß auch das Bedürfnis, sich in der verwirrenden Gemengelage unterschiedlicher politischer kultureller oder ideologischer Tendenzen zu positionieren. Eine solche Reaktion kann unter Umständen die eigene Angst und die eigene Ohnmacht kurzeitig überdecken. Ob sie zu einer Lösung der Problematik beiträgt, welche sich seit gestern drastisch zu verschärfen droht und ob sie dem Geist jener Opfer, die es heute zu beklagen gibt gerecht wird, sei allerdings dahingestellt. Während diejenigen, die den Opfern in ihrer freiheitlich-aufgeklärten Haltung nahestanden noch um Fassung ringen, versuchen Reaktionäre wie Marine Le Pen oder Vertreter der PEGIDA-Bewegung jenes Unglück offenbar als Gelegenheit zu nutzen, eine weitere Polarisierung im ‚Krieg der Kulturen’ zu provozieren. Diese Reaktion lässt klar erkennen, dass sie von keinerlei wahrem Interesse an den gestern Ermordeten getragen ist. Leider kommt man nicht dazu, in angemessener Weise um die Opfer zu trauern, weil man sich sorgen muss, dass ihr Tod von politischen Kräften instrumentalisiert wird, die der Programmatik von Charlie Hebdo kaum weniger feindselig gegenüberstanden, als diejenigen, welche die gestrige Katastrophe zu verantworten haben. Dabei wäre es wichtig, sich die Zeit nehmen zu können, um diese Tragödie in Ruhe zu verarbeiten, weil dies die einzige Möglichkeit wäre, unter solchen Umständen das notwendige Maß an Besinnung zurückzuerlangen. Ich wünsche allen, die mit mir trauern, dass sie einen individuellen Weg finden mögen, mit ihren Gefühlen und Gedanken in einer Weise umzugehen, die den Ermordeten und ihren Idealen nicht hohnspricht.

Robert Zapf 08.01.2015 | 18:30

Ich wünschte, wir wären Religionsfrei.
Ich wünschte mir, es gäbe keine Religionen.
Warum gibt es Religion, in welcher Form auch immer?
Wenn man unwissend ist, mag es eine Form sein, sich bestimmte Phänomene durch das Walten eines Gottes oder höheren Wesens zu erklären.
Das war damals verständlich.
Aber in unserer Zeit?
Einen Punkt könnte ich noch verstehen. Die Angst vor dem Tod, weil das nun jeden betrifft.
Als Ungläubiger bin ich in der Beziehung auf mich selbst gestellt.
Ich denke, daß ich durch meine Kinder weiterleben könnte.
Was mich aber dazu führen müßte, aktiv jetzt etwas zu tun, damit das geschehen kann...

Peter Uhlemann 08.01.2015 | 20:09

Ich wünschte mir, es gäbe keine Religionen.
Warum gibt es Religion, in welcher Form auch immer?

Weil der Mensch Trost sucht, die Hoffnung, dass dieses "irdische Jammertal" seines Lebens nicht alles gewesen sein soll, sondern dass da doch noch etwas besseres nachfolgt. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Das Problem sind nicht die Religionen, das Problem sie die, die religiöse Menschen für ihre Ziele ausnutzen. Menschen, die unter sehr schlechten Bedingungen leben müssen, wenden sich eher der Religion zu und lassen sich dann eventuell viel leichter von den Versprechungen selbsternannter "Religionsführer" auf ein besseres Leben nach dem Tode einfangen als Menschen denen es gut geht.
Ich bin eigentlich nicht religiös und schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten. Es widerstrebt mir aber, für alles Elend dieser Welt die Religionen verantwortlich zu machen, so zu tun, als ob alles gut wäre, wenn es nur keine Religionen gäbe.
Die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, Hitler und Stalin und auch andere, waren nicht religiös, haben nicht mal die Religion ausgenutzt sondern sie sogar bekämpft weil sie ihren Zielen im Weg standen.
Nein, Atheisten sind auch keine besseren Menschen als die Gläubigen aller Religionen.

janto ban 08.01.2015 | 20:47

|| ... für ihre Werte einzutreten ... für Presse- und Meinungsfreiheit ... demokratische und freiheitliche Werte verteidigen ... dass eine ganze Gesellschaft in ihren Grundwerten beroht wird ... ||

Nix gegen Sie oder Ihren Text, Herr Grassmann. Aber...

...WOW!Werte, Werte, Werte, Werte, Werte. (Vgl. Ente, Ente, Ente, Ente, Ente usw..) Ist die Ukraine-Krise schon vorbei..? Werte, dieses Wort war doch das ganze Jahr 2014 über mit Foltergefängnis und völkerrechtswidrigem Drohnenkrieg übersetzt worden. Wo kommen die Werte denn jetzt plötzlich alle wieder her..? Und wo wollen sie hin..? Unter der Regenbogenflagge gen Osten, oder was..?

Nur mal so in die Runde gefragt. Nicht, dass ich mich über die Renaissance nicht freue. Aber irgendwie fühle ich mich auch ein bisschen verarscht. Ich hatte nämlich gerade angefangen zu glauben, dass Universalismus totalitär und Moral multipolar ist. Aber ich gewöhne mich gerne wieder um, das will ich dazu sagen. Ohne diese Info wär's nämlich nicht einmal die halbe Wahrheit.

Guter Text. Aber ein bisschen Fehlerlesen täte ihm gut, weil die überflüssigen Wörter beim Lesen stören..

ingobert 08.01.2015 | 20:51

Es ist ein schlimmes Verbrechen, egal wer in welchem Sinne dafür verantwortlich ist. Nur habe ich mittlerweile nach so vielen Tragödien, die bis heute nicht aufgeklärt oder einfach totgeschwiegen wurden (alleine im Ukraine Konflikt z.B. MH 17 Absturz, Todesschüsse auf dem Maidan und Odessa), den Glauben verloren, dass "Dinge" einfach so passieren. Mir fällt außerdem stark auf, dass ganz wenig über die Tragödie ansich, also über die Menschen, die dort gestorben sind, berichtet wird, sondern hauptsächlich darüber welche Konsequenzen der Anschlag hat, also sich für die Zukunft auswirken wird. Ich hoffe wirklich sehr, dass man trotz der Trauer besonnen reagieren wird.

janto ban 08.01.2015 | 20:53

|| Sich dem Islamismus zugewandte missachtete junge Männer sind arbeitslos, extrem bildungsfern, extrem antisemitisch, frauenfeindlich und homophob! ||

Was..? Russland..??

Nee, das war nur ein kleiner Scherz am Rande. Homophob sind die. Is richtich. Gut, dass wir darüber mal gesprochen haben. Und so besonnen.

Noch mal sorry, aber das gesamte letzte Jahr zieht gerade an mir vorbei. Can't help myself...

Mühlenkamper 08.01.2015 | 21:41

Gerade frage ich mich, was ich eigentlich über den praktizierenden Islam in meiner Nachbarschaft weiß. In zwei Kilometer Entfernung steht eine schöne Moschee. Was wird da eigentlich am Freitag gepredigt? Vielleicht gehe ich da mal hin, aber predigen die eigentlich auf Deutsch? Und darf man da so einfach mal zuhören? Bin mal gespannt. Aber vielleicht frage ich vorher mal in meiner Flüchtlingsinitiative, die Flüchtlinge aus Syrien sind nämlich ziemlich nett und freundlich. Auch die männlichen.

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2015 | 21:41

Endschuldigung, aber ich kann der allgemeinen Betroffenheit nicht beipflichten, denn ich bin NICHT Charlie Hebdo.Meiner Meinung nach hat diese Art des Karikaturismus nichts mehr mit Kritik zu zuen, es ist ZERSTÖRUNG und VERNICHTUNG.Ich wäre jetzt bereit über den erschossenen eine Karikatur zu zeichnen.ABER MIT DEM UNTERSCHIED ZU MEINEM KOMMENTAR !!!
Diese Sache hat nämlich nichts mehr mit Journalismus zu tuen,
und ist eine grobe Unart der Habgier von Zeitungsmachern die Karikatur allgemein vom von Artikeln oder Kommentaren abzukoppeln und zu vermarkten.Aber das macht Charlie Hebdo ohne aber auch in geringster Weise irgend etwas zum Thema beizutragen.Wenn man aber mit seiner Freiheit nur noch zerstören will, dann bin ich NICHT dabei.

Columbus 09.01.2015 | 01:50

Die Täter wussten genau, wen sie töten wollten: das stimmt so nicht ganz. Denn u.a. , haben sie, neben den vier bekannten und auch von Islamisten angefeindeten Zeichnern und Readakteuren, Stéphane Charbonnier (Charb), Jean Cabut (Cabu), Bernard Verlhac (Tignous) und Philippe Honoré (Honoré ) sowie George Wolinski (Wolinski ), auch einen Gast der Redaktion aus Clérmont-Ferrand, Michel Renaud, die Psychiaterin und Psychoanalytikerin Elsa Cayat, die für die Zeitung die Rubrik die Couch (Divan) betreute, den Ökonomen Bernard Maris, den Erfinder des "Oncle Bernard", den Korrekturleser Mustapha Ourrad, den Hausmeister und Servicemann Frédéric Boisseau, sowie die Polizisten Franck Brinsolaro und Ahmed Merabet ermordet.

Wenn man zumindest die Tötung der Polizisten noch als Umfeldtaten ansehen kann, obwohl sie die auch kaltblütig erschossen, hätten die Attentäter, wären sie wirklich so bewusst gewesen, das Leben der anderen Mitarbeiter der Zeitung schonen können. Elsa Cayat stand sicher niemals auf den ominösen Listen der Terrorgruppen oder der Drohbriefschreiber und die anderen Angestellten auch nicht.

Sie wollten die Zeichner auslöschen, die Zeitung ebenso, sowie allgemein Frucht und Schrecken verbreiten.

Da bleibt wenig Raum für eine Interpretation, diese Täter hätten nur Menschen ermordet die sie und/oder ihre Organisationen für Verantwortliche hielten. Da bleibt auch kein Raum, um im Zusammenhang mit den Taten ehrenhafte und verantwortliche Motive zu erkennen.

">>Der Osloer Massenmörder Anders Behring Breivik<<", hatte übrigens, das wird bei uns und auch in anderen Ländern in den Medien nicht häufig ausgeführt, neben dem Islam, vor allem und ganz besonders alle jene im Visier, die sich von ihm irgendwie mit der Kritischen Theorie und den 68ern verbinden ließen. Die Begründung dafür, nimmt weiten Raum in seinem, ebenfalls wieder hauptsächlich von anderen Radikalen abgeschriebenen, Pamphlet von über 1000 DIN A4-Seiten ein.

Die Satirezeichner, allen voran einer der beiden Älteren, Jean Cabut (Cabu), mit entsprechenden eigenen Erfahrungen, standen dem Pazifismus nahe.

Die doppelte Buchführung bei Gewalt und Macht, die wird uns ganz sicher noch lange am Halse hängen, weil sie unseren poltischen Eliten und auch einem Teil der Medien so in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Paradox erscheint, dass die relevanten Öffentlichkeiten auch erheblichen Ansehens- und Vertrauensverluste in Kauf nehmen und so Leuten in die Karten spielen, die Populismus besser können und radikalere politische Ansichten als Wahlgeschenke der Zukunft präsentieren.

Zu sicher sind sich Etablierte, zusammen gelänge ihnen immer noch eine erwählte politische Mehrheit. Die doppelte Buchführung zahlte sich bisher aus. Das dürfte zunehmend mühsamer werden.

Interessant, dass genau das eines der Handlungsmuster ist, welches Houellebecq in seinem Werk "Soumission" aufgreift. Charlie Hebdo verspottete ihn zwar zu Recht als Wahrsager und Orakel-Zauberer, als abgehalfterten Westentaschen- Nostradamus, aber diesen politischen Mechanismus hat er gut verstanden.

Man könnte ihn die ewige Auflösung einer wirklichen Opposition in den Bannmeilen der demokratischen Macht nennen und er frisst sich in vielen EU- Ländern vorwärts. Das ist gefährlich.

Beste Grüße

Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2015 | 02:26

Ioana Orleanu 08.01.2015 | 10:28

"Jede Zeitung, die etwas von sich hält, müßte jetzt en masse Mohammed-Karikaturen veröffentlichen."
Sie sollten gerecht sein: Jedes Heiligtum muß beleidigt werden. Alle zusammen auf einer Seite: Jesus, Mohammed, Deutschland, la France, die Menschenrechte und die Freiheit sowie die Pressefreiheit usw. , aber lassen Sie keins aus, nur, weil Sie persönlich es besser finden!
Und oben drüber müßte stehen: Schmeißen Sie diese Seite bitte ungelesen in den Müll.
Aber schreiben dürfen muß man sowas. Find ich auch. Sich damit zu solidarisieren, der Gedanke ist mir auch schon gekommen.
Aber um das klar zu sagen: Ich mag keine Mohammed-Karikaturen und das "Leben des Brian" fand ich scheiße, vor allem den Schluß. Es hat mir auch nicht gepasst, dass die von mir sehr geschätzten Southpark-Macher in einer Folge hässliches über den damalig amtierenden Papst produziert haben. Aber ich würde sagen: Zu einem Streit gehören immer zwei, und was man nicht sehen will, guckt man sich eben nicht nochmal an, und das wars?

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2015 | 04:01

Personalausweis liegengelassen:

Wenn ich da jetzt der Justizminister wäre, oder so, würde ich natürlich auch Wert darauf legen, Täter zu benennen, auch wenn sie in Wirklichkeit spurlos verschwunden wären und ich ein paar eigene Agenten nehmen müßte. Soll sich die Polizei nur aus Ehrlichkeit auch noch die wichtige Möglichkeit nehmen, die Sache mit einer Verurteilung zu beenden?
Wär doch auch eine Erklärung.
Oder das, was als Sachverhalt daherkommt, ist in Wirklichkeit ein Prozess.
Oder die Attentäter wollen sich irgendwo eine Belohnung abholen und wollten sich identifizieren.
Es gibt viele denkbare Erklärungen.

Oberham 09.01.2015 | 08:55

... Politik bindet "die Menschen" nur insofern ein, als dass sie sie als Manövriermasse betrachtet - Politik ist die Methode der Mächtigen, die Massen zu führen, solange Politik nicht durch Anarchie ersetzt wird, bleiben Hunger und Krieg die ständigen Begleiter unserer Art, werden die Massen auf Triebhaftigkeit reduziert und leider - dieses triebhafte ist in den Hirnen jener, die machtbedacht ihre Leben fristen, noch fataler und immanenter, als beim traurigsten Subjekt, dass sich Werbung auch noch vor einem Flimmerkasten betrachtet (ups - wir werden ja hier in Bannern - sofern man nicht ein entsprechendes Tool installiert - auch beballert).

Wer auch immer die zwölf in Paris binnen weniger Minuten massakrierte - die ca. dreißig Sekunden, die unsere globale Gesellschaft benötigte um eine entsprechende Zahl in den Hungertod zu jagen - werden nicht beklagt und niemand jagd uns durch den Wald.

Nein, die Masse solidarisiert sich mit den edlen Opfern dieses kleinen Massakers und tituliert "mutig" : je suis charly.

Die Politschranzen treten mit "betroffener" Miene vor die Mikrophone, dabei bin ich sicher - einige der französichen Kleptokraten, die von diesem Magazin so treffend bloßgestellt wurden, ließen in ihren Clubs die Sektkorken knallen!

Nur, bei uns faseln die intellektuellen Stimmen von einer Spaltung der Religionen, von Hass auf Muslime, von Gefahr, von Unfrieden, von dumpfem Rassismus.

Ich sage faseln, denn die Ursache allen Hasses sind die zwölf Hungertoten in den dreißig Sekunden, solange dieses Elend auf der Welt den Takt bestimmt, wird es immer Menschen geben, die soviel Trostlosigkeit in ihren Herzen anhäufen, dass eine Kalschnikov - statt - wie bei mir Worte - ihrer Ohnmacht Ausdruck verleiht!

Dafür sind wir alle veranwortlich - die Spaltung in Arme und Reiche - dass ist das Problem, und solange die westlichen Durschnittsartgenossen leben wie kleine Millionäre, auch wenn sie mehr als die Hälfte ihrer Lebenszeit in Unwürde und knieend in ihren Arbeitswaben verbringen müssen, der Konsumauftrag blendet sie darüber hinweg, werden vor allem unserere Gesellschaften in den HDC´s sich dafür zu verantworten haben.

.... und ich bin überzeugt - weder 9.11. noch Madrid noch London oder eben diesmal Paris wären möglich gewesen, hätten die machtbedachten Stellen es nicht billigend, ja gar in einem gehässigem Kalkül eingebunden, geschehen lassen.

Mag sein die letzte Äußerung fällt ins Reich der Verschwörungtheorien - die weit über 10.000 Hungertoten täglich sind eine bittere Realität!

Ebenso die Tatsache, dass man alleine mit den Mitteln die man für die Versorgung und den Protz und Pomp der Deutschen Politmarionetten aufwendet - zumindest den Hunger auf der ganzen Welt durch frugale Zufürhung des kalorischen Bedarfs stillen könnte. (Was natürlich keine Lösung des Spaltungsproblems darstellte - es zeigt nur die Zynis der Millionen Toten in jedem Jahr - mit jedem Häppchen das ein Abgeordneter in seinen Rachen stopft - könnte er ca. 10 warme Mahlzeiten in einem Hungerbrennpunkt bereitstellen. (2 Euro zahlt die Staatskasse dafür wohl sicher an die Catering-Firma)

Mag sein, ich bin nur ein Plärrer, ein Rohkrepierer, ein Spinner - wenn ich davon spreche, dass wir die Gewalt in den Wohnzimmern verdienten, hält man mir geistige Umnachtung vor - mag sein.

Doch wie geistig umnachtet sind Gesellschaften, die sich quasie zu Tode fressen, wenn eine Stundenreise entfernt die Menschen an Hunger krepieren - und dann wird von Religionsspaltung resümiert?

Warum gibt es keine Massendemonstrationen gegen den Hunger auf der Welt?

Warum zum Teufel verzichtet ihr nicht auf euren Überflusskonsum und überweist die Kohle an das WFP der UNO?

(ja - hier kann man tausend Einwände anführen - nur akut denke ich- ist das die schnellste und effizienteste Art zumindest in den Bennpunkten Linderung zu schaffen!)

Einer der getöteten sprach einmal davon, würde er mit seinen zeichnungen gewährleisten, dass auch nur ein Mensch weniger auf dieser Welt an den diversen Dummheiten unseres System verrecken, würde er Tag und Nacht nur noch zeichnen - er hat es natürlich nicht getan, er war intelligenter als ich, er hatte längst jede Hoffnung aufgegeben, dass jemals jetwas zum Guten - zur Vernunft gewendet würde, von den Massen,

Den Politik kastriert und verwaltet diese Massen.

Den Politik ist der Ursprung der Spaltung!

Und er wusste, gegen Politik ist kein Kraut gewachsen.

Oberham 09.01.2015 | 09:23

... sie übersehen, dieser Zyklus von mehr oder weniger Grausamkeit des politischen Establishments ist schlicht einer natürlichen Rhytmik gleichzusetzen.

Was sie als gefährlich beschreiben, ist ein immanenter Bestandteil jeglicher politischen Machtstruktur.

Es gibt letztlich keinen Unterschied zwischen einem Hitler und einem Kohl oder einem Schröder einer Merkel - zwischen einer gnadenlos grausamen Despotie und einem vermeintlich pluralistischem, demokratischem Syststem.

Das Grundprinzip ist immer das vom Gewinnen und vom Verlieren, im grausamten Fall, werden die Verlierer schlicht ermordet, im günstigsten Fall als entwürdigte Konsumtrottel vorgehalten - wobei - um die Ressourcen hierfür zu generieren, das Morden schlicht exportiert wird!

Politik ist immer schwarz! Wir haben schlicht Glück, in einer bequemen Nische geboren worden zu sein.

Doch die grobe Wahrheit, die mag das sublime Hirn nicht aufnehmen, man müsste sich vielleicht mal selber in Frage stellen, seinen Anteil am Elend der Welt überdenken und seine tägliche, willige Helferschaft eingestehen.

Für uns ist natürlich Merkel etwas anderes als Hitler, für die verhungernden, die durch globales Landgrabbing, durch den perfiden Neokolonialismus zu Grunde gehen, ist sie nicht minder entscheidend verantwortlich, für deren kümmerliche Existenzen und das millionenfache Sterben, als es ein Hitler für unsere Urgroßeltern und Großeltern war - doch solche Vergleiche sind natürlich absolut unangebracht, nicht wahr?

Nur mit welcher Keule, ausser jener der Ettikette, mit welchem Argument räumen die die Kausalität unseres Reichtums versus der Armut, der nun über Jahrhunderte sich hinstreckenden Armut, z.B. Afrikas bei Seite?

..... wir werden auch in unseren Regionen mit zunehmender Massenarmut wieder grobe politische Strukturen erhalten!

In Frankreich ist es bald soweit - da musste ein mittelmäßiger, effektaffiner Kulturzampano nicht kommen, der hat es nur geschickt für sich entdeckt und vermarktet es zu seinen Gunsten (würde er die ganzen Tantiemen dem WFP spenden, würde ich ihm nicht ins Gesicht spucken, träte ich ihm gegenüber, sondern ihm danken........ -schließlich sind alle Käufer des Buches, sensationsgeile Arschlöcher- exakt auf seinem Level - ups das war jetzt wohl zu grob..............)

..... ich hör schon auf -

fühlen sie sich nicht persönlich beleidigt, meine Wut gilt uns allen - sie können es also durch ca. 400 Mio. Europäer teilen - .................

fedup 09.01.2015 | 10:19

Was mir an der ganzen Geschichte aufstößt, ist wie perfekt sie

in die Hysterie um den angeblich so gewalttätigen Islam spielt.

Kann es nicht sein, dass das ganze ein inszenierter coup war ?

Dass wir uns jetzt alle so schön solidarisieren können als Abendländer, die dem rückständigen menschenverachtenden Islam die Stirne bieten müssen?

Ich bezweifle auch, dass die im video gezeigten Vermummten, die Kouachi Brüder sind, kann genausogut auch 007 mit seinem Stiefbruder 008 gewesen sein.

Was mich richtig anwidert sind jetzt diese Betroffenheits-Exhibitionisten, die sich überall zusammentun, um "ein Zeichen zu setzen".

Ja, der Tod dieser Menschen ist schrecklich, aber was ist in Ländern wie Pakistan, Jemen Afghanistan wenn dort eine hellfire Rakete wieder mal ganze Familien und Dorfgemeinschaften zerfetzt.

Diese kurzen Meldungen, werden von diesen jetzt so entrüstet Auftretenden doch schnell überblättert.

freedom of speech? 09.01.2015 | 10:30

„…Was mir an der ganzen Geschichte aufstößt, ist wie perfekt sie in die Hysterie um den angeblich so gewalttätigen Islam spielt.

Kann es nicht sein, dass das ganze ein inszenierter coup war ?...“

http://www.titanic-magazin.de/newsticker/

„…+++ TERRORHINWEIS: Für 16 Uhr ist in der TITANIC-Redaktion eine Pressekonferenz angesetzt, bei der RTL, Hessischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau und sämtliche weitere Privat- und Systemmedien anwesend sind. Für Terroristen bietet sich hier die Möglichkeit, nicht nur eine Satireredaktion auszulöschen, sondern auch die gesamte deutsche Lügenpresse. Es gibt Schnittchen (hinterher)!…“

JeSuisCharlie

fos?

Lethe 09.01.2015 | 11:16

Ich sage: bei den Muslime herrscht im allgemeinen ein Defizit in der Akzeptanz westlicher Werte wie Individualität, Meinungs- und Künstlerfreiheit, Pluralismus. Auch bei den friedlichen.

Da irren Sie sich. Oder vielleicht irren Sie sich nicht, dann sind Sie dafür blind, dass genau dasselbe Defizit auch bei jenen Christen vorliegt, die ihren Glauben noch ernst nehmen. Trotzdem kann denen zumindest in Europa im Allgemeinen niemand vorwerfen, säkulare westliche Werte nicht zu respektieren. Und dort, wo das nicht der Fall ist, z.B. bei Anders Breivik, der sich dezidiert unter ein christliches Banner gestellt hat, gehen wir von pathologischen Ausnahmen aus.

Dasselbe kann und muss auch für europäische Moslems gelten, im Allgemeinen.

Columbus 09.01.2015 | 14:27

Entschuldigung. Aber dieser Antwort, diesem Kommentar, kann ich ebenso wenig einen Sinn abgewinnen, wie so manchen Weiterungen Herrn Springsteins, obenan.

Nähme ich es ernst, so wäre auch jegliche Kritik und jegliche Opposition unmöglich, denn in einer Welt die teuflisch ist und von Teufeln beherrscht, die im Grunde alle wie der schweflige Bruder H. wesen, gibt es einfach keinen vernünftigen Anlass mehr, es besser machen zu wollen und besser zu können.

"Es gibt letztlich keinen Unterschied zwischen einem Hitler und einem Kohl oder einem Schröder einer Merkel - zwischen einer gnadenlos grausamen Despotie und einem vermeintlich pluralistischem, demokratischem Syststem.

Das Grundprinzip ist immer das vom Gewinnen und vom Verlieren,..." -

Wenn Sie sich und mich einbeziehen, weil Sie ja ein Grundprinzip erkannt haben wollen, bleibt doch nichts mehr zu sagen.

Also, da sind Sie irrational und auch ungerecht gegenüber ihrer eigenen Fähigkeit Unterschiede zu erkennen und anzuerkennen. Sie machen sich damit doch selbst klein. Sie tappen in die Falle, weil Sie wirklich enttäuscht sind, was kein gutes Argument ist, weil Sie eventuell Gefallen an einem kompletten Nihilismus, auch an einer grundständigen Ungerechtigkeit haben. - Aber was bringt das?

Was ich auch nicht mehr hören und lesen kann, weil es nun wirklich immer und bei jeder Gelegenheit gesagt und geschrieben wird, egal ob es sich um Ebola dreht (Argument: aber an Malaria und Tuberkulose, oder im Straßenverkehr sterben mehr!), um Attentäter, Irre und verbrecherische Regime, die was anstellen, das ist der Spruch: es sei unter Garantie an anderen Orten der Welt viel Schlimmeres passiert und noch viel größeres Unrecht dauerhaft im Gange.

Gutes Wochenende

Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2015 | 14:35

Dass wir uns jetzt alle so schön solidarisieren können als Abendländer, die dem rückständigen menschenverachtenden Islam die Stirne bieten müssen?

Ein großer abendländischer Meisterdenker der Neuzeit, mir fällt gerade der Name nicht ein, schrieb gestern in seiner Spiegel-Kolumne: "Der Terror ist ein Teil von uns". Ihr braven Schreibhäschen braucht also kein Rätsel mehr zu lösen....

Oberham 09.01.2015 | 14:51

.... ich verstehe ihren Standpunkt, ich bin nicht passiv, im Gegenteil ich tu, was ich glaube tun zu können, um etwas zum Besseren zu erreichen...

Die Vergleiche, die sie am Ende anführen, zeigen, dass sie es wirklich nicht in dem Sinn interpretieren, wie ich es zum Ausdruck bringen möchte, aber das erklären Sie ja schon im Eingangssatz.

Ganz verkürzt:

Teile und herrsche - das immanente Prinzip der Führungskaste.

Global wird in Arm und Reich geteilt.

Diese Teilung sorgt für die permanente Grausamkeit.

Wer das Glück hat in einer Wohlstandsnische geboren zu sein, der kann trefflich über seine Umwelt, seinen Soziokosmos und seine Möglichkeiten reflektieren, einzig - den armen Teil, den blendet er dabei möglichst aus - und gerade angesichts der Morde in Paris ist eben dieses Ausblenden der Armut und das Fokusieren auf vermeintliche Ursachen die sich im Kampf der Kulturen finden, lassen wieder so offensichtlich die Ignoranz aufblitzen.

Eine Ignoranz, die anscheinend zum Lebens- und -Glückselexier der bevorzugten Klassen einer globalen Welt zwingend begemsicht werden muss.

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2015 | 15:00

Wenn Sie sich und mich einbeziehen, weil Sie ja ein Grundprinzip erkannt haben wollen, bleibt doch nichts mehr zu sagen.

Also, da sind Sie irrational...

Dann schicken Sie diese Erkenntnis aber nicht nur an @Oberham, sondern auch an Augstein, wenn er gestern im Spiegel damit aufmacht: "Der Terror ist ein Teil von uns".

Denn ich zähle mich nicht zu Augsteins "uns". Sie etwas...?

MfG Unschaerfe

Columbus 09.01.2015 | 15:42

Augstein hat unscharf formuliert, Sie haben es erkannt.

Sonst war aber der Ton und die Richtung der SPON-Kolumne in Ordnung. Wir- Gefühle sind schon nötig. Ebenso die unbedingte Solidarität unter Journalisten in dieser Frage. Sie sind alle mit angegriffen worden. Die Meinungsfreiheit bleibt ein hohes Gut, in Europa erfunden und gepredigt. Sie ist eben mehr als nur ein Glaubenssatz, sondern ein wichtigstes Korrekturinstrument und Grundrecht in der freien und demokratischen Gesellschaft, die zu Zeiten gewiss nicht weniger grausam und zerstörerisch sein kann, als andere politische Systeme, aber eben grundsätzlich veränderbar bleibt.

Von Terroristen darf man sich keinesfalls einschüchtern lassen.

Leider hat Frankreichs Premier Manuel Valls verkündet, nun führe Frankreich, geeint natürlich mit der EU, einen Krieg gegen den Terrorismus.

Wer den Krieg gegen den Terrorismus führen will, der wird ihn ewig führen müssen. Für Kriege werden Ausnahmetatbestände geschaffen, die schädlicher für die freien Gesellschaften und anderer, schwächere Teile der Welt sind, als es der Terror je sein kann, und es ist ein mühsames geschäft, die Dienste, die man damit so außerordentlich ermächtigt, wieder einzufangen, geschweige denn, den Krieg offiziell zu beenden. - Das ist politischer Unsinn. Aber eben einer, der in den USA mindestens seit 9-11 völlig umgesetzte Realität ist und sich mit Milliardenbudgets und Hunderttausendenden Mitarbeitern verbeamtet oder unkündbar angestellt fühlen darf.

Auch Ihnen ein gutes WE

Christoph Leusch

apatit 09.01.2015 | 16:47

Was mir auffällt, Menschen sollten doch Menschen sein – so alle gleich Wert? Schlimm mit den Toten in Frankreich – aber auch schlimm mit den Toten in Pakistan, wenn mal n`e US- Drohne nicht trifft und Unschuldige sterben. Wo ist da der Aufschrei der Anständigen? Und nun wieder die Mechanismen, Kampf gegen den Terror und wieder sollen Daten gespeichert werden – alles zu unserer Sicherheit. Und Ursache und Wirkung wie dieser Terror entstand wird völlig ausgeblendet und dann findet man bei diesen Mördertypen – nach US Geheimdienst super in Jemen ausgebildet den PERSONALAUSWEIS im Fluchtauto!

NullAchtFuffzehn 09.01.2015 | 21:33

Ein Teufelskreis! (TV Kaiser)

Mir scheint es das es was biologisch menschliches ist. Wissen und erfahrung über jahunderte haben ja "scheinbar" nichts gebracht. Und ich spüre diese "urinstinkte" auch in mir und habe auch jetzt wo ich mich als "westen" angeriffen fühle diese reaktionen. Wie wut, hilflosigkeit, verzweiflung, rache, überfoderung, vergeltung, nachdenklichkeit, nicht wahr haben wollen und das alles mit dem bewußtsein das das doch alles echt PIP (selbstzensur) ist.

Robert Zapf 09.01.2015 | 21:56

Werter Apatit,

lassen Sie doch dem Leser wenigstens das Vergnügen, vielleicht selbst drauf zu kommen.

Manchmal bringt das mehr, als alles gleich verraten.

Und weil Sie gerade "Rat der Götter" erwähnen, es gab da 1969 auch einen DEFA Fünfteiler "Krupp und Krause", bzw. "Krause und Krupp" mit Günther Simon.

Und dann gab es 2013 den ARD? Dreiteiler "Krupp-Eine deutsche Familie"

So können auch Geschichtsbilder vermittelt werden.

Der Kommentar wurde versteckt
Ratatörskr 10.01.2015 | 10:44

Wenn das so unklar ist, nicht wer das bestimmt, sondern WAS Satire ist, können die Täter sich auf ihre Art der Satire berufen?

Ich verstehe unter Satire den Ausdruck der Wahrheit mit geistigem Witz und Humor, die den Adressaten den Respekt vor ihrem Denken vermittelt und zum Weiterdenken auffordert.

Formulierungen wie "ihre Mission" und "lieber sterben als in die Knie gehen" passen nicht in diese Kategorie! Sie sind der selbe Fanatismus u. Fundamentalismus wie der, den sie angeblich bekämpfen, aber anfeuern.

Das, was geschah, ist eine furchtbare Katastrophe, aber die Opfer waren keine Unschuldsengel. Sie wussten, dass sie Hass schürten. Was dieser Verantwortungslose Journalis andere Jurnalisten stolz macht, kann ich nicht nachvllziehen.

"@ Ioana Orleanu

Nein, es wäre ein Bekenntnis zur Freiheit VON Religion und vor allem - keine Feigheit!"

Die Freiheit der Religion gilt für alle, bis zu dem Punkt, der Reliongsfreiheit des Anderen und Einhaltung der Menschenrechte in Würde.Was ist, wenn auch die Täter ihre Morde als Satire mit dem Anspruch auf Religions- und künstlerischer Freiheit vertreten?

Die Täter nahmen sich eben ihre Art der Freiheit von Religion und waren vor allem nicht "feige"!

"Nein, Kopf in den Sand stecken ist immer besser."

Einen klugen Kopf steckt man nicht in den Sand, er sitzt auf einem starken Rückgrat und stellt sich dem Thema intellektuell.

Roger11 10.01.2015 | 11:23

Ich bin zwar auch der Meinung, dass der Koran dringendst einer reformistischen Überarbeitung bedarf, aber wir sollten uns hüten, in eine Falle zu laufen.

Seit 9/11 gestatten wir Desperados, ihre Motivation für ihre Taten religiös zu tarnen. Dabei handelt es sich ausschliesslich um ein Politikum, fussend auf Frustration ob der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse und der damit verbundenen Selbstwerteinschätzung eines jeden Menschen.

Die Vorgabe "westlicher Werte" bleibt solange trügerisch, so lange sie physisch wie gedanklich nicht umsetzbar ist. Insbesondere auf Grund eklatanter Mängel bei der Akzeptanz und Förderung aller sozialen Schichten. Aber: Ist das im Sinne des Kapitals?

Die Arm-Reich-Schere kennt keine Ethnien, schon gar keine religiösen Unterschiede unter der arbeitenden Bevölkerung. Hauptsache, sie arbeitet. Und genau da sind wir beim Thema, 9/11, Madrid oder jetzt Paris: Wie wertvoll sind Menschen? Wer bestimmt ihren Wert? Arbeitsvieh für stetig reicher Werdende oder sozialer Konsens?

Es geht nicht um Religionen. Es geht um Gerechtigkeit, soziale Gerchtigkeit. Dass manche darüber ausflippen, ist der Horror für uns alle, aber den Ursprung des Ausrastens sollten wir verstehen - und daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen.

Ratatörskr 10.01.2015 | 11:33

"Ich bin zwar auch der Meinung, dass der Koran dringendst einer reformistischen Überarbeitung bedarf, aber wir sollten uns hüten, in eine Falle zu laufen."

Es gibt nicht wenige Moslems, die diese Meinung ebenfalls vertreten und sich dafür einsetzen, aber auch erfahren wie schwer das in den eigenen Reihen ist. Ihnen fallen solche Satiriker und Täter in den Rücken.

Religionen sind Privatsache so lange, wie sie die Menschenrechte respektieren. Das sollte für alle Religionen gelten. Das ist ohne Wenn und Aber zu fordern und vom Gesetzgeber festzuschreiben.

heinthüer 10.01.2015 | 11:34

Das Unbehagen, das der Kommentar thematisiert, trifft auch meine Gefühlslage.

Auf Frankreich bezogen, bin ich etwas zuversichtlicher als der Autor.

Die geistigen Brandstifter des Front national, die unermüdlich die Trennung in geborene und eingebürgerte Franzosen predigen, kommen derzeit nicht durch in der öffentlichen Debatte, sie können ihr Süppchen nicht kochen. Mein Eindruck ist, dass das „Frankreich den Franzosen“ von Le Pen anachronistisch wirkt angesicht der großen nationalen Solidarität, die alle Kulturen und Religionen umfasst.

Bernard-Henri Levy hat das in einem Tageskommentar vorgestern so geschrieben: „Nationale Einheit“ sei das Gegenteil von „Frankreich den Franzosen“.

Levy: "Die 'nationale Einheit' ist die Idee, die dafür sorgt, dass die Franzosen verstanden haben: Die Mörder von Charlie sind nicht „die“ Muslime, sondern der winzige Bruchteil unter ihnen, der den Koran mit einem Folterbuch verwechselt - und diese Idee muss unbedingt weiterleben."

Da ist der republikanische Geist erwacht, der den Rassismus klein und spießig aussehen lässt.

Derzeit strömt von dieser republikanischen Welle vieles nach Deutschland herüber. Hoffentlich noch lange.

freedom of speech? 10.01.2015 | 11:54

„…Das von mir gesetzte Fragezeichen respektiert Ihre Denkfreiheit.!...“

Na, da bin ich aber froh.

Übrigens:

IS-Reisen bietet derzeit Bildungsurlaub an. An ausgewählten Orten in orientalischer Atmosphäre lässt sich der Unterschied zwischen Zeitungen und Sturmgewehren hautnah erleben.

Reklamationen und Reiserücktritt sind bei diesem Angebot allerdings ausgeschlossen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-miliz-soll-mehr-als-100-deserteure-hingerichtet-haben-a-1009766.html

Viele Grüße

Fos?

Ratatörskr 10.01.2015 | 12:09

Wenn das keine Solidaritätskundgebungen sind, sondern "Demonstranten" ergibt sich welche Schlussfolgerung?

Ist das dann nicht schon geschürter Hass oder lassen sich Teilnehmer noch zum Hass aufstacheln?

Finden Sie das gut?

Mein Antwort ohne Fragezeichen ist: Stellen Sie keine demagogische Fragen, sondern begründen Sie Ihre Meinung, damit sie zu einem sachlichen Argument kommen.

Roger11 10.01.2015 | 16:06

Offensichtlich haben auch Sie nicht den Unterschied zwischen Beleidigung und Provokation verstanden. Niemand in der Karikaturistenwelt "beleidigt" Personen, sondern man hinterfragt bildlich deren Geisteshaltung, ohne dabei respektlos zu werden. Das ist hohe Kunst, mein Lieber.

Das zeichnerische Vermögen mancher Könner vermag das gesprochene Wort bei Weitem zu überflügeln. Die Reaktion von Diktatoren sind der beste Beweis.

Josef Knecht 10.01.2015 | 17:13

Darf Satire alles? Schnell ist man geneigt "ja klar" zu sagen. Aber stimmt das wirklich?

Satire ist ein Ausdrucksform, des westlichen Kulturraum und nutzt Zeichen, Metaphern und Sprachcodes die uns vertraut sind. Deswegen sind wir europäische Mittelstandskinder, schnell dabei zu sagen "ja klar".

chauvinistische Grundhaltung von Satire

Satirische Veröffentlichungen, mit ihren Karikaturen und Sprüchen können wunderbar sein, doch immer dann wenn sie den Respekt zum Gegenstand ihrer Betrachtung verlieren, werden sie beleidigend. Es ist in Ordnung, wenn man sich über Dinge lustig macht und verballhornt wo das satirische Opfer, Satire auch als Satire Interpretieren kann. Aber leider, kommt es häufig vor das Satiriker sich Gegenstände, Opfer nehmen, die Satire nicht verstehen können, weil sie die Zeichen und Sprachcodes nicht kennen, weil sie aus einen anderen Kulturkreis kommen. – Andere Länder, ander Sitten.

Sich als Satiriker hinzustellen und mit dem Verweis auf "Meinungsfreiheit" und die "Freiheit der Kunst" den Respekt für andere Kulturen über Bord zu werfen ist mir zu wenig.

jaein.

ja und nein, Satire darf nicht alles lautet meine Antwort. Satiriker sollten ihre Kunst besser erklären, sollten die Funktion die sie haben besser darstellen. Damit andere, die Satire nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben, eine Chance bekommen zu verstehen was der Karikaturist sagen will.

Satire hat nicht immer Recht.

heinthüer 10.01.2015 | 18:07

Natürlich darf Satire alles.

Wer eine Satire obszön oder vulgär findet und sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt, der hat die rechtsstaatliche Möglichkeit, dagegen zu klagen. Aber sie muss erlaubt sein.

Die provokante Satire von Charlie Hebdo, die satirische Militanz des Blattes, gehört ebenso zur freien und demokratischen Kultur in Europa wie der Monthy Pythons-Film "Das Leben des Brian" von vor über 30 Jahren, gegen den britische und amerikanische konservative Christen zu Felde zogen.

Wer ausgerechnet jetzt meint, Satire dürfe nicht alles, wenn sie religiöse Gefühle verletze, der ersetzt das Plädoyer für eine schrankenlose Meinungs- und Pressefreiheit durch einen puritanischen Katzenjammer.

Man knickt ein vor der wahren Obszönität eines mörderischen Fanatismus, den die Dschihadisten in die europäischen Metropolen tragen.

Josef Knecht 10.01.2015 | 19:19

ebeb, für Europa mag das zutreffen, auch wenn ich von einer "freien und demokratischen Kultur in Europa" nicht sprechen würde.

Es geht mir nicht um religöse Gefühle, sondern um die Wahrung und Respekts der Andersartigkeit. Wenn sich Satiriker über ihren Kreis der Kunst hinaus, als Provokante Arschlöcher gebärden und sich herausreden "alles Satire" dann ist das eben keine Satire, sondern chauvnistisch – aka rassistisch.

Peter Uhlemann 10.01.2015 | 19:28

Natürlich darf Satire alles.

Theoretisch ja. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das geschützt werden sollte.
Das setzt aber auch einen verantwortlichen Umgang mit ihr voraus. Die ganz bewusste Provokation einer grossen Religionsgemeinschaft ist aber verantwortungslos, dient nicht dem friedlichen Zusammenleben der Menschen, auch Worte und Bilder können töten. Hier wird die Meinungsfreiheit mißbraucht.
Führt man Ihre Argumentation konsequent zu ende, dann wären auch die widerlichen Schmierereien mit denen in der Nazi-Zeit die Juden "kritisiert" wurden erlaubt. Und das wird ja wohl kaum in Ihrem Sinne sein.

Frank Linnhoff 10.01.2015 | 19:43

Seit über 30 Jahren in Frankreich lebend bin ich irritiert über die Darstellung, welche der Autor dieses Artikels über die Situation von Muslimen in Frankreich von sich gibt. Zuerst einmal ist Frankreich ein laizistischer Staat, in welchem Religion reine Privatsache ist. Es gibt deswegen keine Statistik über Relegionszugehörigkeiten in Frankreich, auch gibt es nicht die Frage der Integration, wie sie in Deutschland täglich gestellt wird. Jeder Franzosen, gleich welcher Abstammung, ist Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten . Die mörderischen Brüder hatten selbstverständlich französische Ausweispapiere, waren sie doch per Geburt Kinder der französischen Repulik. Selbstverständlich bin ich mir im klaren über den täglichen Rassismus, welcher den Bürgern mit nordafrikanischem Aussehen und Namen entgegenschlägt, den geringen Chancen bei der Arbeitssuche etc. Schon jetzt steht fest, dass die Attentäter während ihres Aufenthalts im Gefängnis wegen Drogendelikten radikalisiert wurden. Leider besteht mit dem Tod der zwei Täter nicht mehr die Gelegenheit in einer ordentlichen Gerichtsverhandlung ihre Beweggründe und persönliche Entwicklungsgeschichte aufzuklären. Ansonsten bin ich erstaunt darüber, mit welcher Leichtigkeit die Redaktion von Charlie Hebdo und die sie zu schützenden 2 Polizisten auf die regelmäßigen Morddrohungen reagiert haben. In dieser Beziehung wird sich sicherlich einiges ändern. Zwölf Menschen wurden von den zwei Tätern ermordet, doch keinesfalls die Meinungs- und Pressefreiheit in Frankreich beschädigt.

heinthüer 10.01.2015 | 22:36

Diese Diskussion über die Freiheit der Satire findet ja nicht im luftleeren Raum statt, sondern ein paar Tage nach der Hinrichtung der Charlie-Leute. Sie waren sehr mutig, weil sie sich trotz zahlreicher Morddrohungen und Anschläge gegen Charlie Hebdo in den vergangenen Jahren nicht haben einschüchtern lassen und das geschrieben und gezeichnet haben, was sie für richtig hielten.

Wie kann man in dieser Lage nur die Frage stellen: Darf Satire wirklich alles? Da ist die Frage nicht mehr weit: Musste Charlie Hebdo denn unbedingt so weit gehen mit seiner Provokation?

Das wäre eine Mißachtung ihres republikanischen Mutes.

Fro 11.01.2015 | 01:38

Diese Diskussion wäre berechtigt, wenn man davon ausginge, dass dieses Attentat wegen der antiislamischen Karikaturen verübt wurde. Und die Attentäter quasi Vollstrecker des Zorns vieler Muslime wären. Ich bezweifle, dass es so war. Dieses Attentat wurde verübt, um eine größtmögliche Betroffenheit und Empörung in Frankreich und Europa hervorzurufen – vergleichbar durchaus mit dem Anschlag 9/11. Da sich aber weder der IS noch Al-Qaida zu dieser Tat bekannt haben, kam die Idee von den Attentätern selbst oder von anderen Auftraggebern. Und ob da überhaupt Islamisten dran beteiligt waren, ist noch gar nicht bewiesen.
Aber unabhängig davon ist es natürlich eine interessante Frage, wieweit Satire überhaupt gehen 'darf' – für den aufgeklärten, friedliebenden Bürger.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2015 | 03:02

Ach Oberham! Ich möchte auch gerne in einer Kommune leben mich für meine Gemeinschaft aufopfern mich müde arbeiten und dafür von ihr geliebt werden. Alle würden in tiefem Ernst und Frömmigkeit einander dienen. Statt dessen bin ich zwangsweise zum Egoisten oder Unterstützer von Unmenschen degradiert. Darf jedenfalls kein Gemeinschaftswesen sein. Abgesehen davon, dass ich noch eine Frau habe.
Ich finde das so scheisse.
Aber wenn ich Regierungspolitik zu bestimmen hätte: Als Demokrat müßte ich an Widerwahl meiner Partei denken.
Also kann mir nicht egal sein, was die von ihnen zu Recht so geschmähten Massen denken. Die mir,-wäre ich grade Regierung- grade aus der Hand gleiten und zu pegidieren anfangen. Will ich in ein paar Jahren nicht von Nazis abgelöst werden, muß ich schleunigst was für die Bewußtseinsbildung meines Volkes tun.
Also lasse ich sie alle ausrufen: "Je suis Charlie!" und nachdem sie sich bis zum äußersten darin verbissen haben, dass sie Charlie sind, erzähle ich ihnen, dass Charlie für Meinungsfreiheit war und was Meinungsfreiheit ist, und wofür Charlie sonst noch ist. Und schwupps kann ich sie wieder von den Pegida-Nazis und den LePen-Nazis weglotsen. Denn jetzt sind sie ja Charlie.
Sind sie nicht entsezt, dass Marine Le Pen die Todesstrafe fordert, angeblich eine Präsidentschaftskandidatin mit gewissen Aussichten? Ich würde gerne Marine Le Pen töten, wenn ich könnte.
Die Massen müßen eingebunden werden!
Es geht doch um hier heute und jetzt. Es gibt doch garkeine Alternative zur Manipulation mehr? Das ist unsere Demokratie: Politiker und Lobbyisten manipulieren die Massen und die dürfen dann wählen. Schlimm, aber viel mehr ist im Moment nicht zu haben.

heinthüer 11.01.2015 | 13:42

Ein Witz ist schlichtweg nur ein Witz, egal ob platt oder intelligent. Wer ihn nicht mag, soll ihn tolerieren (ertragen) oder er kann ihn ignorieren. Vertreter des heiligen Ernstes begegnen der Komik gern mit Zorn. Auch das ist ihr gutes Recht. Aber wo ist jetzt das Problem der Meinungs- und Pressefreiheit?

Charlie Hebdo hat sich mit seiner libertären, anarchischen Tradition nie gescheut, alle Religionen, die eigenen Politiker und Prominenten so gut es geht und mit großer Lust zu verarschen.

Ob das jeder gut und respektvoll findet oder etwa zu obszön, das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass die Schüsse von Paris sich gegen ein Prinzip richteten: dass sich jeder selbst ein Bild von Gott und der Welt machen darf. Für dieses Prinzip mussten die Zeichner und Autoren von Charlie Hebdo sterben.

Ratatörskr 11.01.2015 | 14:28

Danke. Mir gelang der Zugang inzwischen mit der manuellen Eingabe <n-tv.de/politik/...>

Beim Lesen vergeht mir das Verständnis dafür, dass der Artikel, der diese radikale Auffassung von Kritik gegenüber anderen ohne jede Einschränkung als aberwitzige Sturheit belegt , dennoch durchgehend in den Medien als gerechtfertigte, heldenhafte Pressefreiheit verkauft wird. Diese Satiriker wussten, dass sie auch andere gefährden.

Mich beeindruckend ist Gespräch mit dem Karikaristen Plassmann und J. Augsteins Kolumne.

Wünschen wir uns, dass der heutige Sonntag gut enden wird.

Ratatörskr 11.01.2015 | 14:37

Samstag, 10. Januar 2015 Wie weit dürfen Karikaturisten gehen?"Charlie Hebdo ist besonders scharf"

Thomas Plaßmann kannte einen der ermordeten Zeichner von "Charlie Hebdo". Im Interview spricht der deutsche Karikaturist über die Grenzen der Satire, religiöse Gefühle und das Attentat in Paris. "Das macht mir Angst", sagt Plaßmann.

n-tv.de: Nach dem Mordanschlag in Paris stellt sich die Frage: Wie weit dürfen politische Karikaturen gehen?

http://bilder4.n-tv.de/img/incoming/crop14291191/585657963-cImg_16_9-w282/portrait-3-Kopie.jpg Thomas Plaßmann zeichnet seit Jahren Karikaturen und Cartoons, unter anderem für die "Frankfurter Rundschau", die "Berliner Zeitung" und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Thomas Plaßmann: Ich glaube an Tucholskys Spruch, Satire darf alles. Wir brauchen einen freien Raum, um Zustände zu beschreiben, die man für kritikwürdig hält. Die größte Schwierigkeit besteht darin, dass nicht für jeden Menschen dieselben Grenzen gelten. Am Ende muss jeder Zeichner mit sich selbst ausmachen, wie weit er bereit ist zu gehen.

Haben Sie sich Regeln auferlegt für Ihre Zeichnungen? ..."

.....................................

Dieses Gespräch meinte ich.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2015 | 16:35

"Die Karikaturen zum Problem zu erklären, finde ich skandalös"

Hier stimme ich Ihnen ausdrücklich zu.

Richtig schmierig und ja, geradezu widerlich ist es, wenn man sich jetzt auch noch von den Opfern distanziert und ihnen somit noch die Schuld an ihrem Tod gibt:

"«Das ist nicht unser Satire-Verständnis»
Schock nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo»: Das Schweizer Satiremagazin «Nebelspalter» distanziert sich vom «Tabubruch zum Selbstzweck». ..." (Tages-Anzeiger online, 7.1.15)

Wenn man doch einmal begreifen würde:

Diese Mörder der Karikaturisten gehören nicht zu feinfühligen Gläubigen, die sich durch irgendwelche Cartoons provoziert fühlten und sich nicht anders zu helfen wussten als die sog. Blasphemiker und Provokateure zu töten.

Wenn morgen einer der Hintermänner befiehlt, in eine Zeitungsredation einzudringen und Journalisten zu töten, weil ihm ein Bericht über die IS nicht gefallen hat, dann werden sich ebenfalls Attentäter finden, die sowas tun.

Es wäre schon einiges gewonnen, wenn man begreifen könnte, mit wem man es hier zu tun hat. Es geht um Macht und um die Erzwingung einer anderen Gesellschaftsordnung.

Die Grenze verläuft zwischen denen, die sich zu einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung bekennen und denen, die sie zerstören wollen.

Um diese zu zerstören, ist jedes Mittel recht. Und Gründe finden sich auch. Man sollte aber dabei nicht Opfer mit Tätern verwechseln, bzw. Opfer noch nachträglich zu solchen deklarieren.

fedup 11.01.2015 | 17:11

Diese Diskussion wäre berechtigt, wenn man davon ausginge, dass dieses Attentat wegen der antiislamischen Karikaturen verübt wurde.

Werter FRO, genau das ist der Punkt und das macht mich auch so stutzig.

Und auch Ihre weiteren Gedanken zu dem Attentat teile ich.

Darüberhinaus, ich erwähnte es schon an anderer Stelle hier,

geht mir dieser jesuishebdo-hype gewaltig auf den Wecker.

Das Massaker vom 2.Mai in Odessa hat dieselben Leute, die sich jetzt überall fotografieren lassen, anscheinend nicht zu ähnlichen Solidaritätsausbrüchen bewegen können.

Matthias Böhringer 11.01.2015 | 23:02

Die Szenerie heute in Paris mit den marschierenden Staatsschefs fand ich sehr surreal. Sie gehen wegen Spinnern auf die Straße, die wie NSU oder dieser Norweger Schrecken verbreiten. Auf einmal wird die Meinungsfreiheit hochgehalten. Dann kann ich ja Frau Merkel am nächsten Samstag, 17.1. bei der wir-haben-es Satt Demo in Berlin gegen TTIP und Agrarindustrie erwarten. Wie steht Frau Merkel zum Plan der EU -Komission die Bevölkerung mit positiven Studien für das TTIP-Abkommen zu begeistern? Negatives soll unter den Teppich gekehrt werden. Siehe Artikel "Wie neue Studien belegen" im Freitag vom 8.1. Das ist ein Verbrechen an der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Das ist Terror der Wirtschaft.

chrom 12.01.2015 | 12:05

Terror funktioniert nur dann, wenn er ein Vorfeld aus Sympathisant_innen hat. Aus den Attentaten von Paris und aus der Präsenz Tausender in Europa sozialisierter Djihadisten in Syrien ziehe ich den Schluss, dass die jahrzehntelange Praxis der Diskriminierung armer Einwanderer und ihre faktische Exklusion aus dem Erwerbsleben insbesondere in Frankreich ein solches Vorfeld geschaffen haben. Es ist also eine Menge schief gelaufen, und die Mehrheitsgesellschaft hat es schon seit Jahren gewusst und in Kauf genommen. Es wird Zeit für die „westlichen“ Gesellschaften, sich an die Idee der Demokratie als Emanzipation und gleiche Teilhabe zu erinnern und gerade deshalb die Kernelemente ihrer Verfassungen nicht nur hochzuhalten, sondern sie endlich ernst zu nehmen.

Robert Zapf 12.01.2015 | 13:14

Werter Hunter,
In Bezug auf " «Das ist nicht unser Satire-Verständnis»
Schock nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo»: Das Schweizer Satiremagazin «Nebelspalter» distanziert sich vom «Tabubruch zum Selbstzweck». ..."
Ich habe diesen Beitrag als eine Erklärung verstanden, welche Formen der Satire sie für sinnvoll hält und welche nicht.
Ich z.B. finde diese Karrikatur in der Titanic für nachvollziehbar:
Titanic Karrikatur Benedikt1
Damals ging es um die Mißbrauchsfälle in der Kirche.
Diese Karrikatur überschreitet nun mein Verständnis:
Titanic Karrikatur Benedikt2
Damals ging es um Vatikanleaks.
Ich bin nicht religiös, mir ist der Papst egal, aber ich habe meine Vorstellungen von Satire oder Karrikaturen, was meiner Meinung nach umpassend ist, wie auch immer.
Einig bin ich mit Ihnen natürlich darin, dass man deshalb nicht morden darf.
Ich bin allerdings auch der Meinung, dass man diese Leute generell nicht verfolgen oder anklagen sollte, auch nicht mit den uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln.
Bei Titanic im letzten Fall erfolgt. Auch eine erfolgreiche Klage kann den gesellschaftlichen Tod bedeuten.
Natürlich ist das immer noch besser, als wie im Fall Hebdot erschossen zu werden.
Aber wir sind ja aufgeklärte Europäer, und gerade deshalb könnten wir doch auch auf die uns zustehenden Mittel der Verfolgung oder Vernichtung verzichten.
Im Namen der Toleranz, für die wir doch alle sind.
Das sollte übrigens in der neuen Ausgabe von Hebdot auch erscheinen:
Hebdo: Charb-Figur-wuenschte-sich-einen-Anschlag

stiller 12.01.2015 | 13:17

Wenn der Andromeda Nebel auf die Milchstrasse treffen wird, wird das ja problemlos bleiben, selbst wenn die Sonne bis dahin verglüht sein sollte.

Grandios wird da keines von den Systemen gescheitert sein bis auf, naja, die vielen grandiosen Opfer, die das kostet.

Und weder den Andromeda Nebel noch die Knilchstrasse wird es kümmern.

Sterben ist fein - vor allen Dingen wenn es die anderen tun.

Man sollte "Je suis Charlie" mal daraufhin prüfen, wieviele Todesopfer diese gestrige Matrosenanzugdemokratie gefordert haben wird im bodycount spätermal.

Wenn der Spießer demonstrieren geht, dann gehts so richtig ans Massensterbien.

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Ehemaliger Nutzer 12.01.2015 | 20:31

Sehr geehrter Robert Zapf,

warum ist das so schwer zu verstehen, dass es bei diesen Leuten nicht um sensible Gemüter geht, die morden, weil sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen.

Ich bezweifle sogar, dass diese Mörder sich überhaupt je mit Fragen wie Pressefreiheit, Satire und den besagten Karikaturen beschäftigt haben.

(Möglicherweise kennen sie diese überhaupt nicht.)

Haben Sie übrigens schon vergessen, dass einer der Attentäter in einen Supermarkt eingedrungen ist, um dort Menschen zu töten, die er für Juden hielt?

Hatte dies irgend etwas mit Karikaturen zu tun?

Zeigt sich darin nicht zur Genüge das Faschistoide dieser Form des religiösen Fanatismus? Welche "Entschuldigung" oder "Erklärung" wollen Sie uns hierfür anbieten?

Ich war letzten Sommer in Thailand und durfte dort Berichte lesen über die Ermordung von Lehrern und buddhistischen Mönchen im Süden des Landes durch Islamisten.

Welche Schuld trugen diese an ihrem Tod?

Für Aufklärung wäre ich dankbar.

Robert Zapf 12.01.2015 | 21:22

Werter Hunter,
warum ist das so schwer zu verstehen, dass es bei diesen Leuten nicht um sensible Gemüter geht, die morden, weil sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen.
Das habe ich doch gar nicht gemeint.
Da stimme ich ihnen vollumfänglich zu.
Weshalb es natürlich auch andere Zeitungen treffen könnte, die, wie im geschilderten Fall, eine andere Richtung vertreten.
Man kann das Agieren dieser Leute nicht rational erfassen.
Trotzdem habe ich versucht, zu begreifen, warum nach 2 Jahren jetzt plötzlich die umstittene Mohammedkarrikatur von 2012 der Auslöser sein soll.
Und da bin ich auf die als letzten Link gepostete Karrikatur gestossen.
Haben Sie übrigens schon vergessen, dass einer der Attentäter in einen Supermarkt eingedrungen ist, um dort Menschen zu töten, die er für Juden hielt?
Ob er aus dem Grund eingedrungen ist, weiß wahrscheinlich niemand und wird wahrscheinlich auch niemand mehr erfahren können.
Was man aber mittlerweile weiß: Ein Mann, der einige dieser Menschen rettete, war selber Muslim.
Zeigt sich darin nicht zur Genüge das Faschistoide dieser Form des religiösen Fanatismus? Welche "Entschuldigung" oder "Erklärung" wollen Sie uns hierfür anbieten?
Wie ich schrieb:
Einig bin ich mit Ihnen natürlich darin, dass man deshalb nicht morden darf.
Natürlich gibt es dafür keine Entschuldigung.
Nun habe ich einen Teil Ihrer Fragen versucht zu beantworten bzw. Widersprüche zu klären.
Nur haben Sie, meiner Meinung nach, überhaupt nicht Bezug genommen auf meine Antwort betreffs "Das ist nicht unser Satire-Verständnis".
Wollen Sie dies nun auch noch tun?

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Ehemaliger Nutzer 12.01.2015 | 22:12

Ich hatte vor ein paar Jahren einmal ein längeres Gespräch mit einem Libyer.

Im Laufe der Unterhaltung kamen wir auch auf das Bombenattentat auf die Diskothek La Belle in Berlin zu sprechen, für das man zuletzt seine Regierung verantwortlich machte.

Der Libyer rechtfertigte das Attentat mit dem Argument, dass in der Diskothek leicht bekleidete Frauen tanzten. Dies sei schamlos und müsse bestraft werden.

Ich wies ihn darauf hin, dass es sehr wohl (noch) einen Unterschied gebe zwischen Deutschland und Libyen und dass niemand den hier lebenden Frauen verbieten würde tanzen zu gehen. Was, so wollte ich wissen, mache es ihm denn so schwer, andere, europäische Sitten eben einfach anzuerkennen?

Der Mann war möglicherweise ein Fundamentalist, möglich sogar, dass er Terrorist war.

Der Witz bei der Sache ist nur, dass es damals dem (möglichen) Drahtzieher Gaddafi ganz sicher nicht um irgendwelche unbekleidete Frauen ging, die in Berlin in eine Diskothek gehen. (Das wird er aber seinen Attentätern nichts desto trotz genau so erklärt haben.)

In Wirklichkeit ging es ihm wohl nur um eine Machtdemonstration.

Und eben genau dies ist hier der Fall.

Es geht hier gar nicht um die Karikaturen. Man wählte nur sehr geschickt eine Zeitungs-Redaktion aus, für deren Auslöschung im Zweifelsfall schon Leute auftreten werden, die dafür Verständnis aufbringen.

Ja, und genau dies geschieht ja.

Das schweizer Satiremagazin entblödet sich ja nicht einmal sich von den Karikaturisten unmittelbar nach ihrer Ermordung zu distanzieren! (Wahrscheinlich haben die jetzt so die Hosen voll, dass sie geschlossen zum Islam übertreten. Ob es ihnen was nutzt?)

Und wir?

Was diskutieren über Fragen des Stils, des Geschmacks und der Freiheit von Satire.

Nein danke. Ich habe gar keine Lust, darüber zu diskutieren. Denn da gibt es für mich nichts zu diskutieren.

(Meine Meinung dazu würde sich nur ändern, wenn ich in einem Land lebte, in dem man gezwungen wird, Satiremagazine zu kaufen und sie unter Beobachtung zu lesen.)

apatit 13.01.2015 | 09:18

"In Wirklichkeit ging es ihm wohl nur um eine Machtdemonstration." Richtig !

Bin ich da ein Relativierer wenn ich sage, was war das dann in Israel/ Palästinenser – wo Stadtteile in Schutt und Asche gelegt worden und wo auch Unschuldige starben? Verdammt noch mal, bei dieser schlimmen Sache in Frankreich stelle ich doch fest – Menschen sind Interessen geschuldet – nicht gleich “ Wert“! Bin ich da so falsch?

bruchteil 13.01.2015 | 19:53

Wie verlogen ist dieses System. 12 getötete Europäer, ein Akt der Barbarei ? Sicherlich, jeder Mensch der durch Gewalt ums Leben kommt, ist einer zuviel ! Millionen bekunden Mitgefühl, aber warum? Weil es Franzosen waren, oder weil diese von der Presse waren? Was ist mit den Menschen die Tausendfach und daß mit unserer Hilfe getötet wurden und werden? Zählen diese nichts? Ich könnte Kotzen bei der Scheinheiligkeit jener, welche Unterschiede beim Morden machen !