Reinkarnation

„Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen.“ Albert Camus
Reinkarnation
RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 13:19

„Sport ist halt im Faschismus primär als "Wehrertüchtigung" oder als Zeichen "Rassischer Überlegenheit" betrachtet worden.“

Das stimmt. Aber diese Auswüchse hier sollten wir auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Die Liebe zu Uniformen und Militär kommunistischer Regime ist und war immer fester Bestandteil der Staats“führung“.

RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 12:23

Danke für den Link. Ich lese gerne ergebnisoffene Analysen. Nicht solche, deren Ergebnis bereits im Voraus feststeht. Sie werden keine einzige Epoche in der gesamten Menschheitsgeschichte ohne Ungleichgewichte, Ausbeutung und dergleichen mehr finden. Ausser im sagenumwobenen (aber empirisch nie hinlänglich belegtem) Matriarchat, dass vor der Sesshaftwerdung des Menschen existiert haben soll. Oder ein paar Jahre früher, however. Aber wahrscheinlich nicht einmal dann. Ich finde es schade, dass Sie den Sport dermassen ideologisieren.

RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 10:43

Also die bildenden Künste nahmen auf jeden Fall auch in Höhlen ihren Anfang. Bis zu Lichtenstein, Indiana, Nauman oder Baselitz & Co. verging dann zwar noch ein Weilchen. Aber die Künste kamen, um zu bleiben. Genau so, wie der Sport nach Olympia auch.

RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 09:43

Wenn ich ehrlich sein will: Sport ging mir eigentlich immer links am Arsch vorbei, genau so, wie 99% aller anderen Sportarten auch. Aber seit ich selber wieder Sport betreibe, kann ich immerhin dem Radsport etwas abgewinnen, wenn auch nur mit halber Kraft. Dann noch Schwimmen mit einem Seitenblick und Triathlon. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch keine einzige Sportsendung / Übertragung zu Ende gesehen :o)

RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 09:21

Ich nehme an, die Ursprünge der olympischen Spiele sind auch Ihnen geläufig. Das Spekatel begann schon gut +/- 2800 Jahre vor James Watts und Karl Marx. Es scheint also einem menschlichen Bedürfnis zu entsprechen, sich auf spielerische Art und Weise sportlich zu messen.

RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 09:15

Ja, diese leeren Ränge in Tokyo waren wirklich beeindruckend! Das freudlose und vollkommen ablenkungsfreie Dasein, dass nur noch aus Pflicht und harter Arbeit besteht, scheint doch einige Anhänger:innen zu haben, wie ich gerade sehe. Why not? Jedem das Klosterleben, dass er verdient ;-)

Hedonisten aller Welten: Vereinigt euch!

RE: Nach Tokio sollte Schluss sein | 04.08.2021 | 07:07

Weniger Gigantismus würde reichen. Und bindende politische Standards für zukünftige Austragungsorte. Dieser globale Schwanzvergleich gehört auf jeden Fall dringend reformiert, aber sicher nicht abgeschafft. Mit dieser politisch sicherlich absolut korrekten Zwangsaskese kann ich nichts anfangen. Offenbar schwebt ganz besonders progressiven Apologeten einer besseren, neuen Welt so etwas wie ein freudloses Dasein vor: Nein danke!

RE: „Ohne das Geld der Banken käme der Kollaps“ | 03.08.2021 | 12:11

„Aber wie lange kann man diese Kriseninterventionspolitik noch betreiben...?“

Keine Ahnung: Ich bin auch nur ein erstaunter Zuschauer ;-)

Was das Eviction Moratorium anbelangt: Da droht eine mittlere, soziale Katastrophe.

RE: „Ohne das Geld der Banken käme der Kollaps“ | 03.08.2021 | 09:17

In diesem Artikel geht einiges durcheinander. Es bliebe z. B. kleingeistig anzumerken, dass es sich bei den Zentral- und Notenbanken nicht um die Dealer sondern um die „Lender of the last Resort“ handelt. Item. Ich finde nicht, dass sich die Regierungen, also die Politiker, stark zurück halten. Immerhin entscheiden die Regierungen darüber, ob ein Konjunkturpaket aufgelegt wird und nicht die Zentralbanken.

Die Schulden begeben die Finanzdepartemente und die Zentralbanken kaufen diese Schulden dann auf. Damit schaffen immer mehr Volkswirtschaften sozusagen ihren eigenen Geldkreislauf und können so praktisch unbegrenzt Geld aus dem Nichts schöpfen. Japan ist da zum Beispiel seit Jahrzehnten sehr „erfolgreich“. Der Staat begibt immer und immer wieder neue Schulden- und kauft sie selber auch gleich wieder auf! Um die Zinsen kontrollieren zu können- und nicht etwa dem Markt zu überlassen- hat man vor Jahren eine sogenannte Yield Curve Control inkraft gesetzt. Damit legitimiert man den Aufkauf der eigenen Schulden sozusagen per Gesetz. Bezeichnenderweise ist ein ähnliches Vorgehen auch in den USA ein Thema.

Im Gegensatz zur Finanzkrise haben die Regierungen vieler Länder während der Coronakrise unter anderem die Konkursgesetzgebung zugunsten der Schuldner abgeändert und Gesetze im Mietbereich angepasst (Geschäfts- und Wohnmieten). Das ist ganz wesentlich: Ohne diese essentiellen und schnell beschlossenen Gesetzesänderungen hätten wir es heute mit einer Flut von Konkursen zu tun! Darin besteht für mich der ganz grosse Unterschied zur Finanzkrise: Damals wurden vor allem Bilanzierungsstandards für die Finanzindustrie geändert, während z. B. in den USA gleichzeitig hunderttausende von Mietern und Wohneigentümern bankrott gingen. Ich finde es deshalb ganz falsch, zu behaupten, die Noten- und Zentralbanken agierten flexibler als die Regierungen. Man hat sich in der Not vielmehr auf eine breiter abgestützte und deshalb wesentlich effizientere Krisenpolitik geeinigt.

RE: Tourist sein heißt: sich selbst zu belügen | 03.08.2021 | 08:35

Nicht vergessen: Ferien sind auch und vor allem das Produkt des jahrhundertelangen, zähen Kampfes vieler Arbeiterinnen und Arbeiter um mehr Freizeit und ein würdiges Leben! Natürlich hat der heutige Massentourismus mit all seinen z. T. exzessiven Auswüchsen nichts mehr mit den ursprünglichen Arbeitskämpfen zu tun. Aber bevor man sich kritisch mit der Materie auseinandersetzt, sollte man sich mit den Ursprüngen von Produktions- und Reproduktionssphäre auseinandersetzen. Sonst droht man, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Worin die Intention dieses Artikels liegt, erschliesst sich mir deshalb leider nicht. Was will der Autor: Die Ferien abschaffen? Einen Teil der Sozialgeschichte rückgängig machen? Uns auf eine asketische Zukunft vorbereiten, in der es nur noch Arbeit und sonst nichts gibt?