Börsengehandelter Agrarrohstoff

Glyphosat und Soja Totalherbizidresistentes Soja wird weltweit an Börsen gehandelt. Umwelt- und Gesundheitsschäden entstehen fernab unserer Wohlfühlsphäre, für die es produziert wird
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Börsengehandelter Agrarrohstoff
Die wirklich gefährlichen Hauptteile der Agrarproduktion mit dem Glyphosat-System wurden zeitig in ferne Weltgegenden ausgelagert, die eher selten europäische Wahlbürger kümmern

Foto:  Philippe Huguen/AFP/Getty Images

Glyphosatresistentes Soja: Ein Beispiel für globale, börsengehandelte Agrarrohstoffe

Fünf Jahre Schonfrist für Glyphosat

Barbara Hendricks (SPD), die geschäftsführende Umweltministerin, fühlte sich von ihrem CSU-Ministerkollegen Christian Schmidt (CSU) getäuscht. Der Landwirtschaftsminister hatte als Deutschlands Vertreter im EU-Rat (Vertretung der EU-Regierungen) für eine fünfjährige Verlängerung der Zulassung glyphosathaltiger Herbizide gestimmt.

Unsere Umweltministerin zeigte daraufhin das SPD-Politiksyndrom. Pflichtgemäß realpolitisch, immer staatstragend, dafür aber weitgehend wirkungs- und perspektivlos, will sie nur vorab informiert sein, nicht übergangen werden. Tatsächlich leidet die ruhig-sachliche Ministerin chronisch unter umweltpolitischen "Kopf- und Bauchschmerzen". Nie entschied Frau Hendricks grundlegende Fragen in ihrer Amtszeit.

Zur jüngsten Welt-Klimakonferenz gestand sie ein, es sei in Deutschland, über vier Bundesregierungen hinweg, zu wenig umweltpolitisch getan worden. Ihr Parteigenosse Sigmar Gabriel, einst mächtiger Wirtschaftsminister und Parteivorsitzender, beschnitt, ging es um Energie und Automobile, mit schöner Regelmäßigkeit die Pläne des Umweltministeriums und blockierte Fortschritte auf EU- Ebene. Das geschah in voller Überseinstimmung mit den SPD geführten Landesregierungen NRWs, Niedersachsens und Brandenburgs. Angela Merkel, der stillen Letztentscheiderin im Kanzleramt, konnte das nur Recht sein. So rügte sie nun, ohne allzuviel Federlesen, ihren foulenden CSU-Minister. Das kostete sie nichts.

Die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung richtet in Europa trotzdem nicht allzu viele Schäden an, geht es um unsere Gesundheit, um unsere Biodiversität und unseren Naturschutz. Jedenfalls solange die Anwendung sachgemäß erfolgt! Der Einsatz des Totalherbizids ist stark beschränkt und durch den weitgehenden Verzicht auf die Zulassung genmodifizierter, glyphosatresistenter Nutzpflanzen (GMO-,GV-, GE-HT-Saaten) in der EU auch wenig sinnvoll.

Die wirklich gefährlichen Hauptteile der Agrarproduktion mit dem Glyphosat-System wurden zeitig in ferne Weltgegenden ausgelagert, die eher selten europäische Wahlbürger kümmern.

Soja: Gewinnmaximierung oder ökologisch-soziale Wirtschaft für die Welternährung?

Findet sie statt, die ewige Ernteschlacht, wohlverstanden immer zur Sicherung der Welternährung? Ist Gewinnmaximierung in einer völlig industrialisierten und kapitalisierten Landwirtschaft das erfolgreiche Herrschaftsprinzip? Stimmt die Geschichte vom gentechnologischen Produktionswunder? Die Sojaproduktion kann, stellvertretend für andere "Cash crops" im internationalen Agrarhandel, daraufhin untersucht werden.

Die gute Ware setzt sich am freien Weltmarkt durch, so lautet die ökonomische Denkweise. In Brasilien oder Paraguay, jenem küstenlosen Nachbarn des Amazonasstaates mit dem größten Wirtschaftswachstum Südamerikas und zugleich der höchsten Armuts- und Analphabetenquote, werden für dieses grundlegende Marktprinzip systematisch Kleinbauern und Farmer vertrieben und auch getötet ("Paraguay's soy boom: a blessing or a curse?", Oxfam).

Wenige Prozent der größten und ertragsstärksten Landwirtschaftsbetriebe in den USA, Brasilien und Argentinien produzieren die Hauptmenge der börsengehandelten Welternte. Die Staaten ca. 32 %, Brasilien 31% und Argentinien 18%. Mehr als 90 % dieser Erträge liefern genetisch modifizierte Arten (GMOs oder GVOs), die gegen Totalherbizide, wie z.B. Glyphosat (Roundup (R)), resistent sind.

Feed, Food, Fuel: Futter, Nahrung, Kraftstoff

Gerade mit Soja verdienen, im Schatten der börsenorientierten Agrarwirtschaft, auch biologisch und GMO-frei wirtschaftende Landwirte gut. Es besteht für sie ein erhebliches Preisgefälle zum heutigen "Goldstandard" GMO-Anbau, das von Händlern und Endkunden bezahlt wird.

Mit dem Siegeszug des Gensojas verknappten sich Flächen, die für den organischen Anbau ausreichend sicher unbelastet und ertragreich wären und nicht kontaminiert werden können. Die GMO-freien Farmer und Bio-Bauern produzieren hauptsächlich für die direkte Nahrungsmittelproduktion, während ihre konventionellen und meist fernen Nachbarn für die Welt-Tiermast und die gesteigerter Kuhmilchproduktion arbeiten und zudem die neuen, nur vorgeblich nachhaltigen, Energiemärkte ("Bio-Diesel", "Bio-Ethanol") mit nachwachsenden Rohstoffen beliefern.

Soja gehört zu den global börsengehandelten "Commodity-Crops" ("Feldfrucht-Waren"), wie z.B. auch Weizen (Winterweizen) und Mais. Das verdankt es einerseits seiner Lagerfähigkeit, womit auch mehr Preisspekulationen der Großbauern und der Börsenhändler, durch die Zwischenlagerung von Soja und Sojamehl möglich werden, andererseits seiner völlig standardisierten Produktion, mittels gentechnisch veränderter Saaten in monokulturellen Anbausystemen.

Europa: Produktionstechnisch randständig, im Konsum Treiber der Entwicklung

Die durchindustriealisierte, sojabasierte Wirtschaft aus Übersee hat den eher kleinräumigen, europäischen Futtermittelanbau schwer unter Druck gesetzt. Erbsen, Lupinen, Ackerbohnen und heimisches Soja sind nicht wirklich konkurrenzfähig, trotz der Tatsache, dass der Anbau in Europa GMO-frei erfolgt und ähnliche Hektarerträge, allerdings mit geringerem Proteingehalt (wichtigster Mast- und Ernährungsfaktor in der industriellen Tierproduktion!), erwirtschaftet werden können.

Wie die USA, subventionieren einige EU-Länder den Soja-Anbau. In Brasilien, Argentinien und Paraguay werden die Konkurrenzvorteile über unschlagbar günstige Bodenpreise für Großfarmer, billige Arbeitskräfte und praktisch nicht existierende Steuerpflichten realisiert (siehe"Paraquay im Sojarausch", Tagesspiegel). Völlig durchmechanisiert und in sogar noch höherem Maße auf die GMO-Arten umgestellt, ist die Produktion in Südamerika schon länger.

In Deutschland hat sich ein Soja-Förderring gegründet, der die Marktnischen für einheimische Bauern bekannt macht (sojafoerderring.de). Seit 1982 wird an der Universität Hohenheim zu Soja geforscht. Für Europa fällt noch eine Besonderheit auf: In der Urkraine kann GMO-Soja, trotz Verbots, in großem Stil illegal angebaut werden. Anders ist dessen Nachweis in 60% der Proben des exportierten urkrainischen Sojas nicht zu erklären. Viel davon dürfte aus den sogenannten "schwarzen Zonen" des Landes stammen, in denen, mittels Korruption, Landwirtschaft ohne staatliche Kontrollen betrieben wird.

Um sich eine Vorstellung von den erreichten internationalen Dimensionen zu machen: Die gesamte gentechnikfreie EU-Sojaproduktion deckt ca. 4% des Futtermittelbedarfs der Gemeinschaft. Der Rest, 96%, wird als GMO-Soja aus den USA, Brasilien, Argentinien, ... importiert.

Schiere Größe zählt

Eine der größten Farmen in Übersee, Bom Futuro ("Gute Zukunft"), in der Provinz Mato Grosso (Brasilien), produziert auf 550 000 Acres, das sind ungefähr 222 800 ha (Hektar), GMO-Soja, dazu auf 68 800 ha Baumwolle und auf 105 220 ha Mais. Diese unglaublich großen Flächen werden mit erstaunlich wenigen Arbeitern bewirtschaftet.

Der Eigner der Bom Futuro Farm, Erai Maggi, ein brasilianischer Agrar-Tycoon, kann von sich mit Recht behaupten, niemals einen Regenwaldbaum gefällt zu haben. Der Anbau des international handelbaren Sojas erfolgt vorzugsweise auf den ehemaligen Weide- und Steppenflächen des "Cerrado", aus denen die Viehzüchter ausgekauft wurden oder auf ehemaligem Kleinbauernland. Die Züchter und Kleinfarmer zogen weiter Richtung Regenwald und rodeten dort ihre neuen Flächen, nachdem vorher die Holzindustrie die verwertbaren Stämme herausschlug und international verkaufte ("Cerrado", Brasiliens "unzugängliche" Steppe, die einst als die artenreichste Savanne der Welt galt und heute zur größten zusammenhängenden, global organisierten Agrobusiness-Region des Planeten verwandelt wird, dazu: Fred Pearce, "Grim reapers: the exploitation of Brazil's savannah").

Erai Maggis Bruder, Blairo Maggi, ebenfalls Großfarmer und ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Mato Grosso, der jetzige Landwirtschaftsminister Brasiliens in der korruptionsgeschüttelten Temer-Regierung, macht seinem Bruder den Titel des "Weltsojakönigs" immer wieder einmal streitig. Die beiden Landwirtschaftkonzerne der Brüder bewirtschaften gleich mehrere Großfarmen.

Der Trump-Regierung nicht unähnlich, die grundsätzlich für die wirtschaftliche Erschließung in Naturreservaten eintritt, fördert die derzeitige brasilianische Regierung die Aufhebung des Schutzstatus großer Regenwald- und Savannengebiete, etwa in Größe der Fläche Belgiens. Zugleich möchte sie die effiziente und medial-öffentlich sehr unbequeme, staatliche Luft- und Satellitenüberwachung des Regenwaldes und der ökologischen Vorrangflächen im Steppenland durch privat beauftragte Unternehmen ablösen. Widerspenstige MitarbeiterInnen versucht man loszuwerden. Der Etat der Umweltbehörde wurde massiv gekürzt.

Zufallstreffer Glyphosat und seine Anwendung

Steigert nun das Anbausystem aus GMO(GV)-Soja und passendem Toltalherbizid das Produktionsergebnis? Um diese Frage zu klären, lohnt ein Blick nach Nordamerika.

Die Vereinigten Staaten erfassen seit längerer Zeit ihre Agrarproduktion einzigartig vollständig und systematisch, durch staatliche, private und universitäre Einrichtungen. Sie dokumentieren akribisch den US-Anbau aller global handelbaren Nutzpflanzen-Arten und des dazu nötigen Materialeinsatzes, sowie die Anwendung der verschiedensten Pflanzenschutz- und Düngemittel. Das gilt selbstverständlich auch für den Sojaanbau. Die meisten Datensätze stammen vom NASS (National Agricultural Statisics Service), der EPA (Environmental Protection Agency) und dem USGS (U.S. Department of Agriculture). Die Entwicklung in den Vereinigten Staaten entspricht weitgehend dem Welttrend.

Glyphosat stammt aus den Labors der "goldenen" Fünfziger-Jahre-Pharmakologie des letzten Jahrhunderts. Als Medikament unbrauchbar, ist es erst seit 1970 mit seiner Totalherbizid-Wirkung bekannt. Ein Zufallstreffer! Jedoch erst die gentechnologische Erzeugung glyphosatresistenter Nutzpflanzen, in den frühen 1990er Jahren, ermöglichte seinen globalen Siegeszug.

Bis etwa 1993/1994 wurde daher in den USA und weltweit relativ wenig Glyphosat eingesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt verdrängte das akut wenig giftige Totalherbizid allenfalls mehrere Substanzen mit höherer Toxizität. Nun aber waren die erwünschten Nutzpflanzenarten resistent und alle anderen Feldpflanzen konnten vollständig ausgemerzt werden. Die Anwendung des Herbizids weitete sich über den gesamten Jahreszyklus der Agarproduktion aus. Landwirte verwendeten z.B. "Roundup-Ready (R) (Glyphosat)" vor der Saat, während des Aufwuchses und in der Blüte, sowie nachher, zur schnelleren "Austrocknung" der organischen Erntereste (Desiccant- Einsatz). Sie konnten jederzeit, ohne zeitlichen Sicherheitsabstand, mit der Fruchtfolge anderer GMO-"Commodity crops", z.B. Winterweizen, weiterwirtschaften.

Es gelten zudem die allgemeinen Wirtschaftsgesetze der freien Märkte, wie bei Energie, Finanzen, Medikamenten oder digitalen Kommunikationstarifen: Wer viel verbraucht und mehr einkauft, erhält großzügige Rabatte auf den Preis der Gebinde und Saatsysteme. Der darf sich auch auf Incentives freuen. Z.B. andere Spritzmittel zum Sonderpreis, landwirtschaftliche Geräte und private Geschenke. Wer standardisierte GMO-Saaten in großem Stil anbaut, erhält leichter einen Kredit bei den Agrar- und Geschäftsbanken, zu günstigeren Konditionen, und er findet leicht investierende internationale Geschäftspartner.

Stagnation bei der GMO-Soja-Produktion/Flächeneinheit – bei gleichzeitigem Glyphosat-Exzess

In den Jahren 1993 bis ca. 2006/2007 ging es daher mit dem Gensoja-Anbau steil nach oben und damit auch mit der Anwendung von Glyphosat. Nach einem Einbruch der Ernte 2007 verharrte der GMO-Sojanabau bis heute auf dem erreichten, hohen Niveau, während die Glyphosatnutzung weiter deutlich anstieg.

Hatte Glyphosat in den Jahren bis 2007/2008 andere Herbzidanwendnungen verdrängt, setzte nun eine zusätzliche Behandlungwelle mit Pflanzenschutzmitteln, teilweise sogar wieder mit den alten, akut giftigeren Substanzen ein. Zugleich erhöhten die Sojafarmer die Zahl der Glyphosat-Anwendungen und das Sprühvolumen der Einsätze, und sie verstärkten ihre Anstrengungen gegen den Befall der Sojapflanzen mit Würmern und Pilzen. Was war geschehen?

Gab es in den 2000er Jahren in den USA nur 1-2 bekannte Beikraut-Resistenzen gegen Glyphosat, waren es 2010 schon 4-6 und 2014/2015 deren 12, weltweit gar über 30! Glyphosat musste folgerichtig immer billiger werden und in immer größeren Mengen angewandt. Zudem lief der Patentschutz für die Substanz aus und es traten global, besonders in China, Nachahmer am Markt auf. Zur Produktionssteigerung trug das Totalherbizid nicht mehr viel bei.

So paradox es klingt: Die GMO-Sojaproduktion/Flächeneinheit – nicht die Gesamtfläche, die deutlich wuchs, weil Soja in die weiter wachsende Tiermast und in die Treibstoffproduktion geht – liegt 2016/2017 nur wenig über den Werten, die Anfang der 1990er Jahre mit konventionellen Saaten erzielt wurden. Statt 35-40 Bushels/Acre, sind es derzeit 40-43 Bushels/Acre (Das Bushel ist ursprünglich ein Volumenmaß. Bei Soja entspricht ein US- Bushel standardisiert ca. 27,2 kg Soja. Das Flächenmaß Acre entspricht ca. 0,4 ha). Der geringe Unterschied lässt sich zudem leicht aus der seither veränderten, viel engeren Aussaat (bessere Bodendeckung, weniger Feuchteverluste) und den neuartigen, bodenschonenden Bewirtschaftungsmethoden (No-till farming) ableiten.

Gleichzeitig hat die Anzahl der Sprüheinsätze, die Zahl der verwendeten Spritzmittel und deren Menge fast wieder jenen Stand erreicht, der vor der Einführung des GMO-Saat-Glyphosat-Systems durchschnittlich ausgebracht wurde.

Während die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten noch überschaubar und engmaschig staatlich kontrolliert sind, gilt das für Südamerika und die Anwendung in Afrika oder Asien nicht. In Argentinien, Paraguay und Brasilien werden erheblich mehr Totalherbizide/ Flächeneinheit ausgebracht als in den USA. Es erfolgen, z.B. beim Soja, 5- 7 Sprüheinsätze in einem einzigen Anbauzyklus, statt der durchschnittlich zwei in den Vereinigten Staaten (zum gesamten Absatz: Charles M. Benbrook,"Trends in glyphosate herbicide use in the United States and globally", 2016)

Selbstredend, dass sich dort auch Glyphosat und sein Hauptabbauprodukt, AMPA (Aminomethyphosphonsäure), das am gleichnamigen Glutamat-Rezeptor bindet und damit biowirksam, z.B. im Nervensystem, eingreift, in Saaten und verarbeiteten Agarprodukten, Böden und Oberflächengewässern anreichert. Sogar im Regen und in der Luft der Anbaugebiete konnten beide Substanzen nachgewiesen werden. Was für den Soja-Anbau gilt, stimmt so auch für die anderen industriellen GMO-Monokulturen.

Was bringt die Zukunft?

Der Weg der genmodifizierten Nutzpflanzen ist beschritten. Die dafür getätigten Investitionen waren enorm. Die globale Marktbeherrschung bei Futtermitteln und Energiepflanzen entwickelte sich monopolistisch. Treiber am Markt sind nicht mehr Bauern oder Farmer, sondern multinationale Firmen, internationale Investoren und Anleger, die auf sichere, standardisierte und über Börsen weiterverkaufbare Quantitäten setzen, die die größten Profite garantieren.

Totalherbizide wie Glyphosat und Glufosinat wirken immer weniger sicher, weil sich nun schneller Resistenzen ausbilden. Die Substanzen können nicht mehr allein angewandt werden. Sie müssen wieder im "Cocktail" mit anderen Pflanzenschutzmitteln und in höherer Dosis zum Einsatz kommen. Die überseeischen Hauptproduktionsländer haben dafür die zulässigen Rückstandsgrenzwerte in den Ernteprodukten und auf den Ackerflächen erhöht. Verhältnisse, die man in der GMO-Anbaueuphorie der frühen 2000er Jahre für dauerhaft überwunden hielt.

Die Antwort der großen Agrarchemie- Anbieter lautet jedoch nicht, die Landwirtschaft grundsätzlich zu ändern. Sie wollen mit neuen gentechnologischen Methoden (z.B. CRISPR/Cas9) so viele Resistenzen gegen Herbizide, Fungizide und Nematodenmittel in die Commodity-Crops einbauen, damit praktisch jedes Spritzmittel beliebig eingesetzt werden kann. An bis zu 12 Resistenzen in einer Nutzpflanzenart wird derzeit gearbeitet. Ob das die Kunstnatur in vivo hergibt, werden wir sehen.

Auf jeden Fall steigt die Belastung der agrarischen Böden und der natürlichen Umwelt sowie die gesundheitliche Gefährdung der Menschen in den Hauptanbaugebieten der Weltlandwirtschaft weiter an, denn die Staaten und Gesellschaften dort, sind einfach zu schwach sich dem ökonomiegetriebenen Druck zu widersetzen. Derzeit gelingt es ihnen nicht einmal, die Überwachung und Kontrolle der bestehenden Gesetze und Verordnungen zu garantieren. In Südamerika arbeiten daher einige neoliberale Regierungen daran, nun noch bestätigt durch das Beispiel der Trump-Regierung, erlassene Schutzmaßnahmen großflächig wieder zurückzunehmen.

Christoph Leusch

01:46 30.11.2017
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Columbus

Profil nicht mehr nötig. Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus

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