Echter Klimaschutz: Grundeln aus der Ostsee

Umwelt Der Klimawandel hinterlässt auch in Deutschland bereits deutliche Spuren. Wer etwas dagegen tun will, muss zum Fisch greifen
Echter Klimaschutz: Grundeln aus der Ostsee
Die Schwarzmund-Grundel, Neogobius melanostomus, auf einer sowjetischen Briefmarke

Foto: agefotostock/Imago Images

Diese Woche jährt sich das Pariser Klima-Abkommen zum fünften Mal. Sie erinnern sich? Nach elendig langen Verhandlungen hatten sich die Delegierten auf der 21. Klimakonferenz 2015 endlich geeinigt und sich sogleich frohlockend, ja weinend in den Armen gelegen. Was damals als „historischer Schritt“ gefeiert wurde, könnte man heute einen „Rohrkrepierer“ nennen. Denn kaum eine der entscheidenden Nationen hat sich bislang an die Klimaziele gehalten, die USA sind sogar wieder ausgetreten.

Das hat nichts mit Ihnen zu tun, weil Sie in einem wohlhabenden Land mit angenehm gemäßigtem mitteleuropäischen Klima leben? Nun, den Zahn muss ich Ihnen leider ziehen. Daran mögen Sie sich bei der jetzigen Winterkälte womöglich schlecht erinnern, doch auch Deutschland wird von Hitze heimgesucht – und zwar schon jetzt über das verträgliche Maß hinaus. Das fasste ein Verbund internationaler Wissenschaftler in dem gerade veröffentlichten Lancet Countdown in Zahlen: Demnach starben 2018 in Deutschland rund 20.200 über 65-Jährige, weil es zu heiß war. Nur in China und Indien gab es den Forschern zufolge im gleichen Jahr mehr Hitzetote – nicht prozentual, sondern in absoluten Zahlen.

In Ihnen ruft es immer noch leise: „Immerhin kann man jetzt auch an Deutschlands Küste vernünftigen Badeurlaub machen“? Auch der Zahn muss leider raus. Denn des Klimawandels Wege sind zuweilen unergründlich, will heißen: Er löst manchmal Dinge aus, mit denen kein Mensch gerechnet hätte, so auch in der Ostsee. Weil die immer wärmer wird, vermehren sich in ihr Vibrionen. Das sind Bakterien, die bei nichts ahnenden Badenden schwere Wundinfektionen auslösen können, in seltenen Fällen enden die sogar tödlich. Ein Forscherteam vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung fand nun heraus, wie die Bakterien es durch den kalten Winter schaffen: in den Körpern der Schwarzmundgrundeln. Die kleinen Bodenfische haben selbst eigentlich nichts in der Ostsee zu suchen, sondern reisten als blinde Passagiere im Ballastwasser von Frachtschiffen ein.

Das Problem ließe sich lösen, wenn wir die Grundeln einfach aufäßen, nur sind sie unter Anglern unbeliebt, sie sprechen von „vergrundelten“ Angeltagen – noch! Denn Rettung naht von den Anglerverbänden, die Kochrezepte in Umlauf bringen, um die Schwarzmundgrundel schmackhafter zu machen. So sieht die Antwort auf den Klimawandel aus – Petri Heil!

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