Reguliert Google, für die Demokratie!

Big Tech Zu lange schon verdienen IT-Konzerne an Arbeit, die sie nicht geleistet haben. Bald könnte damit Schluss sein
Reguliert Google, für die Demokratie!
Mark Zuckerberg (vorn) und seine Finanzierungsgrundlage (im Hintergrund, symbolisch)

Foto: Josh Edelson/AFP/Getty Images

Unlängst kündigte der US-Generalstaatsanwalt Untersuchungen zu Google und Facebook wegen möglicher Kartellrechtsverletzungen an. Das ist eine große Sache. In keiner Gesellschaft zuvor gab es eine derartig zentralisierte Macht über Informationen wie in der unseren. Dies ist vielleicht der erste echte Schlag gegen das Problem. Der Zusammenbruch von „Big Tech“ hat begonnen.

Was haben Google und Facebook getan, um die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu ziehen? Einfach ausgedrückt: Sie nutzen ihre Macht über den Informationsfluss, um Werbeeinnahmen zu monopolisieren, Zeitungen auf der ganzen Welt aus dem Markt zu drängen und potenzielle Konkurrenten zu eliminieren. Seit 2007 sind etwas weniger als die Hälfte aller Arbeitsplätze für Zeitungsjournalisten in den USA abgebaut worden. Jeder Sektor des Journalismus ist im Niedergang begriffen – nicht, weil der Appetit auf Nachrichten geringer wird. Die Menschen wollen Nachrichten. Aber die Werbeeinnahmen, die journalistische Inhalte früher abwarfen, fließen nun an das digitale Duo.

Strukturmängel auf dem Werbemarkt sind ein seltsames Problem, denn niemand möchte wirklich Werbung. Dennoch ist Werbung entscheidend, um die Presse finanziell über Wasser zu halten und vom Staat zu trennen. Werbung finanziert die Medien seit Anfang des 19. Jahrhunderts, und eine Demokratie ohne werbefinanzierten Journalismus ist kaum denkbar.

Facebook und Google sind im Grunde genommen Werbe-Vermittler. Google, Facebook und deren Produkte vereinen jeweils eine Milliarde Nutzer. Facebook wird dieses Jahr 60 Milliarden, Google mehr als 110 Milliarden US-Dollar umsetzen. Ihre Geschäftsmodelle sind komplex, aber im Kern versuchen beide, Anzeigen zu platzieren, während die Nutzer versuchen zu kommunizieren oder nach etwas suchen. Diese Unternehmen erhöhen ihre Leistungsfähigkeit, indem sie Daten von fast jedem existierenden Verlagshaus erhalten. Google und Facebook benötigen Verlage, um ihr großes Publikum zu bedienen, und Verlage benötigen Google und Facebook als Vertriebspartner. Aber das Machtgefälle ist stark. Google und Facebook brauchen Verlage, aber keine bestimmten. Im Gegensatz dazu braucht jedes Medienhaus dringend sowohl Google als auch Facebook, um seine Inhalte an die Leser zu bringen. Vor einigen Jahren beschloss Google beispielsweise, das Wall Street Journal für die Einführung einer bestimmten Art von Paywall zu bestrafen, indem es das Suchranking der Zeitung herabsetzte und den Datenverkehr auf der Seite damit um 44 Prozent senkte. Das Geschäft von Google war davon nicht betroffen.

Mit diesem Ungleichgewicht können und werden sowohl Google als auch Facebook durch eine Vielzahl von Vereinbarungen Millionen von Medien dazu verleiten oder zwingen, Daten über ihr Publikum weiterzugeben. Daten, die für die Werbetreibenden sehr wichtig sind. Das Resultat: Der größte Teil der Werbeeinnahmen, die von Menschen generiert werden, die journalistische Inhalte konsumieren, geht an Google und Facebook. Beide verdienen Geld mit der Arbeit anderer Menschen, was ungerecht und wettbewerbswidrig ist. Und deshalb sterben die Zeitungen.

Ein starkes Kartellverfahren und eine Rechtsprechung, die Medienunternehmen und „Big Tech“ wieder voneinander trennt, können den Werbefluss so umleiten, dass die Gewinne wieder zu denen fließen, die die Arbeit leisten. Solche Maßnahmen stärken letztlich unsere demokratischen Institutionen.

Matt Stoller ist Autor des Guardian und engagiert sich am Open Markets Institute gegen unternehmerische Machtmonopole

06:00 30.09.2019
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