Regenbogenfamilien: Eine queere Mutter darf keine Leerstelle im Geburtsregister sein

Meinung Aufstand der dicken Windeln: Die FDP steht doch so auf Beschleunigung. Warum müssen lesbische Mütter dann noch immer auf die rechtliche Gleichstellung mit heterosexuellen Elternpaaren warten?
Ausgabe 16/2023
Mutter, Vater, Kind: Familie kann so viel mehr sein
Mutter, Vater, Kind: Familie kann so viel mehr sein

Foto: Imago/Geisser

Psst ... hören Sie das? Das Protestgeschrei im Plenarsaal des Bundestags? Das Wutgebrüll der sich vor Standesämtern anklebenden Hetero-Eltern? Den Aufruhr der ganzen Republik, weil ein Kind zwei Mütter haben kann? Nein? Ich auch nicht. Es gibt keinen Streit über die Pläne des Bundesjustizministers Marco Buschmann von der FDP, queere Mütter mit den Mutter-Vater-Elternpaaren gleichzustellen. Finden alle richtig, eigentlich. Passiert ist seit Ankündigung der Pläne aber: nüscht.

Nun ist es mit Gesetzesvorhaben so: Während sie irgendwo im Inneren der Ministerien auf Schreibtischen herumgereicht und in Arbeitsgruppen diskutiert werden, geht da draußen das Leben weiter. Kinder kommen zur Welt, sie brüllen und machen Pipi und brauchen Milch und Windeln und Menschen, die sie kuscheln und abwischen und in den Schlaf wiegen.

Aber während Mutter-Vater-Eltern sich unkompliziert ins Geburtsregister eintragen lassen und dann einfach Mama und Papa sind, mit allem, was rechtlich dazugehört – Sorgerecht und Unterhaltspflicht zum Beispiel –, sind Zwei-Mütter-Eltern Mama und ... eine leer gelassene zweite Elternstelle im Geburtsregister. Rechtlich gesehen ist eine der beiden Mütter erst mal keine Mutter geworden. Das Kind hat nur einen Elternteil. So lange, bis das Adoptionsverfahren durch ist. Oder die Ampel mit dem neuen Gesetz um die Ecke kommt. Oder bis das Bundesverfassungsgericht über eines der insgesamt vier Verfahren plus eine Verfassungsbeschwerde entscheidet, die dort liegen, weil verschiedene Familiengerichte das herrschende Abstammungsrecht längst für verfassungswidrig halten.

Dabei steht die FDP doch so auf beschleunigte Verfahren! Planungsbeschleunigungspakete wurden verabschiedet. Ein LNG-Terminal wurde binnen Monaten gebaut, samt Infrastruktur. Der Umbau der Gasversorgung klappte unbürokratisch, schnell, flexibel – aber eine Mutter rechtlich zur Mutter machen, das braucht Bürokratie, Zeit und Starrheit?

Die Betroffenen jedenfalls haben die Nase voll, erste Initiativen sammeln Unterstützung für die Beschleunigung des, nennen wir es unbürokratisch: Gleichstellungsverfahrens. Eine dicke Lobby haben sie vielleicht nicht hinter sich. Dafür jede Menge dicker Windeln, die auch ganz schnell mal wo kleben können.

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Geschrieben von

Elsa Koester

Stellvertretende Chefredakteurin, verantwortlich für Online

Elsa Koester wuchs als Tochter einer Pied-Noir-Französin aus Tunesien und eines friesischen Deutschen in Wilhelmshaven auf. In Berlin studierte sie Neuere deutsche Literatur, Soziologie und Politikwissenschaft. Nach einigen Jahren als selbstständige Social-Media-Redakteurin absolvierte sie ihr Volontariat bei der Tageszeitung neues deutschland. Seit 2018 ist sie Redakteurin für Politik beim Freitag. Zudem ist sie als Schriftstellerin tätig: Ihr Romandebüt „Couscous mit Zimt“ erschien 2020, der zweite Roman „Im Land der Wölfe“ erscheint im August 2024. Nachdem sie ab 2020 für Wochenthema und Titelseite des Freitag zuständig war, ist sie seit Mai 2024 stellvertretende Chefredakteurin und verantwortlich für die Online-Ausgabe.

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