Lutz Herden
29.05.2014 | 09:00 14

Blocks und Blockaden

China/Russland Moskau setzt angesichts gestörter Beziehungen zum Westen auf den Osten und findet mit der Pekinger Führung einen strategischen Partner, der ebenfalls Beistand sucht

Blocks und Blockaden

Xi Jinping begrüßt Wladimir Putin auf der CICA (Conference on Interaction and Confidence-Building Measures in Asia) in Shangai am 21. Mai

Foto: Mark Ralstone/ AFP/ Getty Images

Als Mitte Mai 1989 beim Peking-Besuch Michail Gorbatschows Chinas sakrosankter Führer Deng Xiaoping dem Sowjetpräsidenten die Hand gibt, ist die Botschaft der Versöhnung unwiderruflich. Die jahrzehntelang verfeindeten Großmächte wollen wieder miteinander auskommen. Der Vorsatz verheißt keine Rückkehr zum proletarischen Internationalismus seligen Angedenkens. Vielmehr gelten Pragmatismus und gegenseitiger Vorteil als die hohe Schule einer ausbalancierten Koexistenz. Bei jenen Paradigmen bleibt es, als Russland fortführt, woran der Sowjetunion in ihrer Restlaufzeit soviel lag. Die Partnerschaft mit China gerät dabei nie in die Nähe von Blockbildung. Zu sehr und zu genau achtet Peking bei allen Lockerungsübungen gegenüber Moskau auf gut austarierte Beziehungen mit den USA und der EU, besonders mit Deutschland. Auch der Schanghai-Besuch von Wladimir Putin vor wenigen Tagen und der dabei geschlossene Gasvertrag (Geschäftsvolumen 400 Milliarden Dollar) werden daran kaum etwas ändern – egal, wie sehr Russen und Chinesen harmonieren, wenn es um Syrien, den Iran oder das Verhältnis zu den USA geht.

Gemeinsames Flottenmanöver

Und doch wirkt Präsident Xi Jinping inzwischen wie ein um Freundschaft bemühter große Bruder Russlands, dem mehr als ein Energietransfer am Herzen liegt. Die von beiden Staatschefs reklamierte „umfassende strategische Partnerschaft“ verschreibt sich dem Willen, eine veränderte Weltordnung ohne unilaterale Hybris durchzusetzen. Was nur bedeuten kann, China versichert sich des russischen Beistands, um eine pazifische Hegemonie der USA und Japans zu blocken. Und Moskau findet Halt im Osten – wenn es sich vom Westen abwendet, steht es nicht allein. Wohl um dies auch als machtpolitische Option auszuweisen, gibt es – von Xi und Putin beobachtet – ein Flottenmanöver beider Staaten im Ostchinesischen Meer mit seinen umstrittenen Inselgruppen und Wirtschaftszonen. Keine Frage, auch wenn sich diese Partner nicht als Block verstehen, so lässt sich doch im asiatisch-pazifischen Raum das Entstehen von Machtblöcke kaum mehr aufhalten. Wenn China als Weltmacht reüssieren will, muss es sich in dieser Region beweisen. Eben dort, wo die USA Gleiches vorhaben. Russland darf sekundieren, mehr aber wohl nicht.


ausgabe

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 22/14 vom 28.05.2014

Kommentare (14)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 29.05.2014 | 12:33

Wenn Sie sich einmal die derzeit bekannten Lieferbedingungen und Konditionen des CNG-Vertrages zwischen Russland und China ansehen, werden Sie erkennen, dass dieser Vertrag wohl eher Rache für 1969 (Ussuri-Incident) ist, weniger ein Vertrag auf Augenhöhe. Das ohnehin bekannte Lächeln der Chinesen hat nun einen Grund mehr zu existieren.

karamasoff 29.05.2014 | 18:15

Wie hatte der Oberste aus China vor wenigen Wochen noch in Deutschland auf Fragen zur Ukrainepolitik des Westens geantwortet: China hat keine PRIVATEN Interessen an der Ukraine.

Das kleine Bonmot wurde hierzulande sichtbar übersehen, denn damit wurde zweierlei in lässiger Manier ausgesagt:

Die Interessen des Westens an der Ukraine sind keine Staatsinteressen und bzgl. Russlands ist man sich wirtschaftlich einig. Es ging und geht um die Unabhängigkeit von der Petrodollar-Doktrin.

Der Besuch Putins in China war auch damals schon bekannt, ebenso der Inhalt des Besuchs. Diese Tatsache nun als defensives einzig übriggebliebenes Manöver seitens Russlands aufgrund politischen und wirtschaftlichen Drucks durch NATO/EU im Geschacher um die Ukraine umzudeuten, beweist einmal mehr die Verlogenheit des Westens in der Sache.

Hunter S.T. 29.05.2014 | 19:06

Schön viele Fremdwörter benutzt, toll. Ändert aber mal gar nichts daran, dass der Inhalt total hanebüchen ist. 'Russland darf sekundieren' ?!? Von wegen, Putin hat den Psychopathen im Pentagon und im weißen Haus schon auf der Sicherheitskonfernz in München eine klare Absage erteilt. Keine unipolare Weltordnung, stattdessen gleichberechtigte Völker- das war mal ne Ansage. Da können die Ammis mit ihrem Masterplan zur 'Full Spectrum Dominance' mal schön nach Hause gehen. Und dann wird auch noch mit 'RT' versucht die Medienhoheit des Westens zu brechen- die Russen gefallen mir immer besser. Die Folge vom Truthseeker über die Boston Bombings ist einfach nur augenöffnend (falls man nicht eh schon wach ist...).

karamasoff 30.05.2014 | 18:24

Inhaltlich ja, formal nicht. Dieser Satz wurde sogar zunöchst fehlerhaft übersetzt und am nöächsten Tag dann berichtigt. Es war der Hinweis Chinas, daß er das Vorhaben des Westens in der Ukraine für nicht staatengetrieben hielt. Zumindest habe ich das sofort so aufgefasst. Insofern haben Sie auch Recht^^. China ist als Staat an Waffenlieferungen interessiert, nicht als Privatinteressensvertreter. Offiziell ;D.

smukster 30.05.2014 | 19:28

"Nicht staatengetrieben" - von wem denn sonst? Kapitalinteressen? Die gibts natuerlich auch, aber trotz der guten Schwarzerde halte ich doch das Interesse der NATO an dieser Frontverlagerung fuer wesentlich schwerwiegender als die Interessen deutscher Konzerne, die bankrotte ukrainische Industrie bzw ihre Kunden zu uebernehmen. Aber die chinesische Regierung ist eben nicht Obama: sie redet nicht ueber Aussenpolitik, sie macht sie einfach.

Abgesehen davon verstehe ich die Relevanz des Artikels nicht ganz: Die aggressive westliche Politik fuehrt zu einer Annaeherung Ru-China, aber (noch?) zu keiner Blockbildung, weil beide sich keine Optionen verbauen wollen. Der Gasdeal ist sichtbarer Ausdruck dessen - dies ist nicht "irgendein weiteres" Exportgeschaeft.

So weit so klar, das war logisch und vorhersehbar seit Beginn der Krise, und das weiss mensch in Washington und Berlin auch schon lange. Das Interessante ist aber nicht was Moskau macht, sondern wie sich die Bundesregierung jetzt verhaelt, denn sie hat im Gegensatz zu Ersterem mindestens 2 Optionen. Und koennte das Zuenglein an der Waage sein, zumal sich Andere an ihr orientieren werden: Mit Berlin im Gefolge hat Washington eine Chance(!), ohne dieses jedoch nicht.

Stell Dir vor, es ist wieder Kalter Krieg, und wir stehen wieder im Zentrum...

Tara 31.05.2014 | 01:57

Für alle!
In Slovyansk begann die Hölle! Firing Haubitzen und “Acacias”. Bewohner verstecken in Kellern. Viele Leute haben nirgends zu fliehen und den Kellern in vielen Hochhäusern gibt es nicht. Sprich, der Haupt “Bereinigung” wird nach 23:00 Uhr beginnen. Aber wenn es nicht der Haupt, dann nach 23 Slovyansk ist wirklich dem Erdboden gleichgemacht.
In Slovynsk leben 120 000 Menschen.

Ukrainischen Militär dürfen nicht die Busse mit Kinder aus den Slawyansk ausreisen.
http://menschenwelt.blogspot.de/2014/05/ukrainischen-militar-durfen-nicht-die.html

Slavyansk, Donbass. Ukrainische Regierung will nicht, dass die Menschen die Wahrheit über ihre kriminellen Handlungen WISSEN.
http://menschenwelt.blogspot.de/2014/05/slavyansk-donbass-ukrainische-regierung.html

karamasoff 31.05.2014 | 04:33

Natürlich Kapitalinteressen und Interessen an Ressourcen und Energieinfrastruktur. Alleine die Statistikberichtigung der letzten Jahre (eine detaillierte Studie der US-Regierung für Frackingvorkommen weltweit) weist sehr grosse Frackingebiete aus für die Ukraine (vor allem in der Ostukraine soweit ich mich erinnere). Deutschland spielt dabei politisch eine untergeordente Rolle, die des Steigbügelhalters.

Daß der gemeine Deutsche den Titel des Exportweltmeisters mit politscher Macht verwechselt ist ein Witz.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 03.06.2014 | 19:19

Russland darf sekundieren, mehr aber wohl nicht.

Kaum.

Es ist ein Interessenausgleich der paßt. Die Chinesen sitzen auf Billionen von Dollar und investieren gezielt weltweit in Rohstoffe. Da stören sie die Kreise der Amerikaner, die Rohstoffsicherung als strategischen Eckpfeiler haben. Da ist es gut die andere Militärmacht Russland mit im Boot zu haben. Die wiederum hat genug Rohstoffe, will dafür aber das Dollarmonopol im Handel erheblich zurückdrängen.

smukster 03.06.2014 | 22:46

Dass es diese Interessen gibt, stelle ich nicht in Frage. Aber sie scheinen mir zumindest in diesem Fall eher nachrangig zu sein verglichen mit dem strategischen Positionsgewinn, sollte die Ukraine tatsaechlich in den Machtbereich der NATO eingegliedert werden koennen. Ausserdem schreiben Sie ja selbst in Ihrem letzten Satz, dass politische Macht schwerwiegender ist als oekonomische, oder lese ich das falsch?

karamasoff 03.06.2014 | 22:56

Lesen Sie richtig. Nur daß sich an die Politik ganz andere Maßstäbe anlegen lassen müssen. Das ist leider nicht mehr der Fall meiner Meinung nach, da fast nur noch wirtschaftliche Interessen das SPiel antreiben.

Das ist auch der Grund warum der Begriff "Kalter Krieg" nicht nur völlig daneben liegt, er soll auch offensichtlich das rein wirtschaftliche Interesse hinter den Konflikten in der Ukraine verdecken.China hat das zum Ausdruck gebracht und sich pragmatisch wirtschaftlich Russland angenähert.

Das is auch der Grund warum sie langsam nun auch in der Propagandatretmühle der NATO zum Bösewicht umgeschrieben werden. Die Zeitungen sind voll davon.