Martin Betzwieser
17.06.2017 | 20:12

Plan B funktioniert

Kino Deutschland ist ein filmisches Entwicklungsland zwischen semiromantischen Schweiger-Schweighöfereien und verpilcherter Rentner/innen-Sedierung. Aber es geht auch anders

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Martin Betzwieser

Plan B funktioniert

Screenshot: Trailer

Die meisten deutschen Kinofilme sind ja eher sch***ße. Daher ging ich mit Interesse aber auch einer gewissen Skepsis in den deutschen Actionfilm PLAN B - SCHEISS AUF PLAN A. Und war äußerst positiv überrascht.

Eingebetteter Medieninhalt

Inhaltsangabe

Drei Kampfsportler und Stuntleute sind auf der Suche nach Arbeit in Actionfilmen und auf dem Weg zu einem Casting. Ihr Manager schreibt aber die falsche Hausnummer auf - immer wieder beliebt: 69 und 96 - und das Quartett landet ein einer Geiselnahme. Einer wird als zusätzliche Geisel da behalten und die Anderen sollen Hinweise zum Aufenthaltsort geheimer Unterlagen finden. Auf der Schnitzeljagt geraten sie in diverse Prügeleien. Zwei Bullen mischen auch noch mit.

Lob und Kritik

Die Action- und Kampfszenen sind wirklich auf sehr hohem Niveau. So etwas kannte ich bisher nur aus Hong Kong, Thailand oder zuletzt aus Indonesien. Die Handlung ist schlicht, aber nicht plump. Diverse Klischees von untreuen Gangsterbräuten, sinistren Milleuschergen mit Migrationshintergrund und dem korrupten Bullen, der für den Gangsterboss arbeitet, werden bedient. Das ist teilweise vorhersehbar, nicht alles funktioniert und manches ist kurz vor´m Fremdschämen. Aber der Film hat Tempo und ist überwiegend flüssig erzählt. Neben diversen Klischees gibt es auch Seitenhiebe auf so genannte migrantische Parallelgesellschaften, den typischen türkischen Macho und einen kurzen Dialog in "Kannakendeutsch".

Dass an vielen Stellen Zitate aus bekannten Filmklassikern und Genrefilmen gemacht werden, schadet dem Film gar nicht.

Der große Vorteil ist, dass der Film ohne Filmförderung und ohne die Beteiligung von Fernsehsendern realisiert wurde. Die Macher waren frei von den Einflüssen zahlreicher Filmfördergremien und den Einmischungen durch Redaktionsapparatschiks. Die Kosten wurden durch zahlreiche Sponsoren co-finanziert, was auch nicht unbedingt totale Unabhängigkeit bedeutet, aber zu einem ansehnlicheren Ergebnis kommt als die Einflüsse von Filmförderung und Fernsehsendern. Sie wollen gar keine Filmkunst machen sondern nicht mehr als eine ansehnliche Actionkommödie und das gelingt überwiegend gut. Dabei machen sie, was sie wollen und gehen erstaunlich sorglos vor.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass vor und hinter den Kameras in den entscheidenden Positionen keine Bio-Deutschen agieren. Die meisten deutschen Filmschaffenden können ja leider nichts zu Stande bringen oder sie dürfen nicht. Den Namen nach sind für die Regie und die Actionchoreographie zwei Türken und ein Rumäne zuständig. Die Hauptdarsteller sind zwei Deutsch-Asiaten, ein Deutsch-Türke und ein Afro-Deutscher. Den Angaben der Produktionsseite nach arbeiteten die Hauptdarsteller bereits in internationalen Produktionen wie James Bond - 007 mit und zusammen mit Action-Stars wie Jackie Chan und Donnie Yen. Und das sieht man. Der einzige bekannte deutsche Darsteller ist Gedeon Burkhard, ehemals Hundehalter von Kommissar Rex und Darsteller in Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS.

Gedreht wurde in Berlin, allerdings sind die üblichen Schauplätze und Berlin-Bilder nur in kurzen Vogelperspektiven zu sehen. Drehorte waren überwiegend gammeliger Lagerhallen, Hinterhöfe und leicht schmuddelige Gastronomiebetriebe. Das sorgt teilweise für Atmosphäre.

Fazit

PLAN B funktioniert bei kleinen Schwächen überwiegend erstaunlich gut und ist sehr unterhaltsam. Die Unbekümmertheit, mit der er gemacht wurde, ist schon ermutigend. Davon möchte ich gerne mehr sehen.

PLAN B lief in der ersten Spielwoche in in drei Frankfurter Multiplexern und ist nun in der zweiten Spielwoche aus den Kinos verschwunden. In der Abdendvorstellung, in der ich am Dienstag war, saßen wir in einem Kino mit 304 Sitzplätzen saßen wir zu dritt. Das ist nicht ermutigend.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.