Uniklinik-Streik in NRW: Das sagt eine Intensivpflegerin

Pflege Der Arbeitskampf gegen Überlastung und Unterbesetzung an den Unikliniken in Nordrhein-Westfalen geht in die sechste Woche. Eine Pflegerin erklärt, welche Unterstützung die Streikenden brauchen
Nach mehreren Wochen Streik fanden sich am 1. Juni in Köln Hunderte Menschen zusammen, um gegen die Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche zu protestieren
Nach mehreren Wochen Streik fanden sich am 1. Juni in Köln Hunderte Menschen zusammen, um gegen die Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche zu protestieren

Foto: Dominik Bund/IMAGO

Wenn dieser Artikel erscheint, beginnt für die Pflegekräfte der Unikliniken in Nordrhein-Westfalen bereits die sechste Streikwoche. Noch viel länger warnen und mahnen sie, berichten von ihrer Überlastung und Unterbesetzung. Genau wie ihre Kolleg*innen in Jena und Berlin wollen sie deswegen einen Tarifvertrag erkämpfen, der sie vor dem Burnout bewahrt, der einen Personalschlüssel bemisst und regelt.

Doch das ist alles andere als leicht, berichtet mir die Intensivpflegerin Anuschka Mucha, die ich frühmorgens an ihrem Streikposten erreiche: „Allein hier in Köln sind um die 400 Kolleg*innen draußen. Es sind viele Stationen geschlossen, OP-Kapazitäten wurden heruntergefahren, genauso wie Labore und Servicebereiche, denn es streiken ja nicht nur Krankenpfleger!“ Das mache ihr Mut, erzählt sie, aber: „Wir tun das hier nicht, weil es uns Spaß macht. Streiken ist extrem viel Arbeit. Viel mehr als unsere Arbeit, die wir am liebsten normal ausüben würden.“ Und sie ergänzt: „Wir lassen hier auch keine Patienten im Stich. Es gibt eine Notdienstvereinbarung, die gilt für uns wie für die Klinik. Wenn es einen Notfall gibt, sind wir da. Aber: wir streiken hier ja auch, damit wir unsere Patienten auch in Zukunft versorgen können. Gerade geht das oft nicht.“

Die streikenden Krankenhausarbeiter*innen verhandeln mit den sechs Unikliniken, doch entgegen den Lippenbekenntnissen der vergangenen Monate und Jahre, wie wichtig gerade die Pflege sei, passiert bisher nichts. „Das liegt an der Finanzierbarkeit. Die muss die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen gewährleisten. Das scheint bei der zukünftigen schwarz-grünen Landesregierung aber keine Priorität zu haben. Das ist schon hart.“ Sie ergänzt aber, dass es schön sei zu sehen, wie sehr sie von anderen Gruppen als den Parteien unterstützt werden.

Welche Unterstützung brauchen die Kolleg*innen in Nordrhein-Westfalen? Anuschka Mucha muss nicht lange überlegen: „Journalist*innen sollten über unseren Arbeitskampf berichten. Gerade in den überregionalen Medien kommen wir kaum vor.“ Und wer nicht selber berichtet, „kann die Menschen in seinem Umfeld informieren. Wenn jemand nur mit einer Person über unseren Kampf und unsere Probleme spricht, ist schon viel gewonnen“. Wer mehr wissen möchte, könne sich sehr gerne melden, sagt sie. „Am liebsten gleich vor Ort. Kommt vorbei, sprecht mit uns. Darüber freuen wir uns sehr.“

Nina Scholz hat zuletzt das Buch Die wunden Punkte von Google, Amazon, Deutsche Wohnen & Co. veröffentlicht, mehr dazu im „A – Z Hausautor*innen“

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden