Diese radikalen Konservativen

Kommentar Konservativ bedeutet zwangsläufig Nachhaltigkeit. Die wahren Radikalen laufen in Gestalt von CDU und FDP herum, wetten?
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Diese radikalen Konservativen
"Rettet die Arktik" - Ein Greenpeace-Aktivist protestiert gegen Gazproms Bohrungen in der Arktik und für die Freilassung von Greenpeace-Aktivisten.

Foto: Nikolay Doychinov/AFP/Getty Images

Die politische Welt ist eine seltsame. Da stehen 30 Aktivisten vor dem Richter und müssen erklären, weshalb sie auf die Idee kommen, eine Ölplattform vor der russischen Küste anzufahren und ein Banner plazieren zu wollen. "Piraten" oder "radikale Spinner", die jetzt erst richtig die Härte der Gesetze zu spüren bekommen sollten. Kurios, wie ich finde, denn sind nicht die Konservativen die wahren Radikalen dieser Welt?

Fast täglich werden wir an die drohenden Folgen von Klimawandel, Regenwaldrodungen oder Massentierhaltung errinert. Menschen, die wir bewusst ausbeuten, um unseren Wohlstand hier zu sichern. Alles hängt irgendwie miteinander zusammen und erscheint für (fast) jeden Menschen logisch und tragisch. Wir wissen was uns bevorsteht, beziehungsweise können andeuten, was da alles kommt. Wir wissen es und steigen trotzdem in den Flieger nach Mallorca, das Auto zum Supermarkt oder greifen zum billigen Fleisch beim Discounter. Die Gründe dafür sind vielfältig und auch teilweise verständlich. Geht es hier doch auch um soziale Brennpunkte oder um das Ausleben der persönlichen Freiheit. Dass diese Freiheit auch andere Menschen in ihrer Haltung einschränkt, ist ein anderes Thema.

Grundsätzlich ist es aber seltsam, dass es allgemein anerkannt ist, die Erde in der Lausitz für Kohle umzubaggern und diese Kohle auf Kosten des Klimas und der angrenzenden Bewohner zu verbrennen oder auf Kosten von Menschen billig Kleidung, Smartphones oder andere Gegenstände herzustellen. Diese konservative Denkweise scheint radikal umgesetzt zu werden. Ist es doch gerade dieses Weltbild, was wider der Natur arbeitet und zu immer weiterem Wachstum führen soll. Auch bei uns flammt die Debatte immer wieder auf. In allen Wahlprogrammen wird von nachhaltigem Wachstum gesprochen. Klingt gut, denn nachhaltig lässt sich weit fassen. Dabei ist es aber erst vor einiger Zeit durch eine Kommission betätigt worden, dass Wachstum nicht automatisch der Leitfaden für das Wohlbefinden der Menschen ist. Dass Wachstum ein Ende hat, bestätigt auch der Planet auf dem wir leben. Würden alle so leben wie wir in der westlichen Welt, wir bräuchten mehr als einen Planeten. Den brauchen wir sogar jetzt schon, aber das Spiel lässt sich beliebig fortführen. Dass einige Menschen ebenfalls schon seit Jahrzehnten auf die Folgen dieser radikalen Denkweise aufmerksam machen, ist ebenfalls bekannt.

Die radikalen Grünen, die Verbotspartei. Die kommunistische Linke, diese ganzen Greenpeace-Aktivisten. Ökos, Strickpullimenschen, Müslifresser - sie alle sind die Radikalen, doch scheint diese Gruppe an Menschen lediglich über ein Weltbild nachzudenken und dieses zu hinterfragen, dass uns dahin geführt hat, wo wir heute sind. Die Fragen zur Bekämpfung des Klimawandels sind bis heute politisch ungelöst, wenn auch Lösungen allgemein bekannt sind. Die Probleme, die bei der Massentierhaltung oder dem großen Verkehrsaufkommen in Städten entstehen sind bekannt, geändert wird nichts. Denn würde etwas geändert, würde ein Großteil der Politik und somit auch der Bevölkerung eingestehen: "Es war falsch so zu denken".

Die Erde als unseren Lebensraum erhalten zu wollen ist nicht radikal. Die wahren Radikalen sitzen in der Politik, die wahren Konservativen, die sich mit den Gefahren eines ausufernden Kapitalismus beschäftigen und nur die Gesetze der Natur beachten, sitzen im Gefängnis.

15:38 02.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Peter Jelinek

Europäer 🇪🇺 & Anhänger der Menschlichkeit. @Peter_Jelinek
Peter Jelinek

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