Blütenlese Homophobie - 5 -

Der Wahnsinn hockt auf der Terrasse, auf dass er sich ein Opfer fasse und stürzt alsbald mit großem Eifer auf den homophoben Geifer(er) - sehr frei nach Christian Morgen- stern -
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Homophobe in Ost und West - in Dummheit und Paranoia vereint gegen homosexuelle Menschen aktiv:

  • USA: Ein Reservat („Freigehege“) für Homo-Hasser? Es klingt wie ein schlechter Scherz und ist doch ernst gemeint von einem notorisch homophoben Konservativen, der sich hermetisch abgeriegelte Wohngebiete/Städte für „Seinesgleichen“ wünscht, in denen diese „Elite der Gesellschaft“ [sic] weder mit homosexuellen, noch mit schwarzen oder gar mit armen Menschen in Berührung kommt. Gary Bauer, christlich-konservativer gescheiterter Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahre 2000, der sein ganzes Wirken heute in die Unterstützung von zwei religiös-fundamentalistischen Lobby-Gruppen steckt, hat genau das zusammen gesponnen und fragt: „Was wäre, wenn es Städte als Schutzgebiete für religiöse Konservative gäbe? Städte, in denen man als Religiös-Konservativer keine Atheisten, keine homosexuellen Menschen und keine armen Mexikaner sehen muss.“ Wer das nicht glauben mag. kann es nachlesen, denn Bauer äußerte seine irrsinnigen Phantasien im us-amerikanischen Magazin ‚Amercian Thinker’ vom 01.08.2015.
  • Russland: Zynische Kalkulation auf Schuldzuweisung für homosexuelle Menschen? Die Rate der HIV-Neuansteckungen in der Russischen Föderation ist alarmierend hoch. Hauptübertragungswege sind verschmutzte Spritzen von drogenabhängigen Heterosexuellen, die ihre Infektion anschließend bei der Beschaffungsprostitution an Freier weitergeben. Begünstigt wird diese seit Jahren ungebremste Rate der Neuinfektionen durch Unwissen, verursacht durch einen repressiven Umgang mit dem Thema Sexualität. Nun hat das russische Handelsministerium vorgeschlagen die Einfuhr westlicher Kondome zu stoppen (und das obwohl russische Kondome als äußerst unzuverlässig gelten, weil sie zu porös sind und dadurch sehr leicht reißen). Gennadij Onischenko, ist Berater von Ministerpräsident Medwedew und ehemals Chef der russischen Gesundheitsbehörde; er behauptete kürzlich gegenüber ‚RIA Nowosti’: "Durch Sex ohne Kondome werden mehr Kinder geboren, wodurch die demografischen Probleme des Lande gelöst werden können.“ Diese Einschätzung teilen allerdings längst nicht alle „Experten“. Jeljena Njewoline etwa, die Sprecherin des Verbandes der russischen Pharma-Industrie, erklärte gegenüber ‚Gazeta.ru’: „Auf einheimische Kondome können sich unsere Bürger nicht verlassen, in Russland produzierte Präservative sind von minderer Qualität. Kondome waren immer sehr gefragt in unserem Land und Käufer haben importierte Produkte bevorzugt.“ Das Importverbot könnte nun zu einem explosionsartigen Anstieg der HIV-Infektionen führen (90.000 Neuinfektionen gab es in Russland, allein in 2014) Im Mai 2015 hatten örtliche Behörden bereits vor einem noch dramatischeren Anstieg gewarnt, man befürchte innerhalb von 5 Jahren rund 2 Millionen neu infizierte Menschen in Russland. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist alarmiert, sie macht u.a. das kontraproduktiv wirkende Gesetz gegen sog. „Homo-Propaganda" dafür verantwortlich, dass es keine wirkungsvolle Präventionspolitik im Land gibt: „Bei einem Importstopp westlicher Kondome sind nicht mehr Kinder, sondern hauptsächlich mehr HIV-Neuinfektionen die Folge.“ Da wären bei Putins paranoider Homophobie die vermeintlich „Schuldigen“ schnell gefunden, homosexuelle Menschen und eine Pogromstimmung schnell erreicht. Schon jetzt hat die homophobe Politik Putins dazu geführt, dass homosexuelle Menschen in ihrem Ansehen in Russland noch unterhalb von Kriminellen, wie Dieben und Mördern, angesiedelt sind. So konstruiert man Sündenböcke, die man anschließend dann für alles Missliche verantwortlich machen kann, um damit von den eigenen politischen Fehlern abzulenken. Die sog. „Protokolle der Weisen von Zion“ lassen in Russland, aus dem sie stammen, erneut grüßen.
  • Deutschland: CDU im Thüringer Landtag macht Stimmung gegen Sexualkundeunterricht in Schulen und eignet sich damit die bewusst inhaltlich unrichtige Rhetorik seiner homophoben CDU-Kolleginnen Hedwig Freifrau von Beverfoerde und Birgit Kelle („Demo für alle“, Stuttgart) an, die ebenfalls von einer „Frühsexualisierung“ faseln, um damit Stimmung gegen homosexuelle Menschen zu machen. Christian Tischner, der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Thüringen stößt mit seiner Behauptung „Eltern fühlten sich beim Bildungsplan der Ramelow-Regierung übergangen und fürchteten eine Frühsexualisierung“, allerdings auf massives Unverständnis und das sogar bei seiner „eigenen“ Klientel. Olaf Hollunder etwa, der stellvertretende Sprecher der Landeselternschaft sagte der ‚Thüringer Allgemeinen’, „ich kann diese Behauptung Tischners überhaupt nicht nachvollziehen, da mir keine der von Tischner behaupteten Sorgen von Eltern wegen angeblicher Frühsexualisierung bekannt geworden sind.“ Das Bildungsministerium in Thüringen wies Tischners Behauptung ebenfalls energisch zurück: „Es geht nicht um Frühsexualisierung, sondern um einen, dem Entwicklungsstand entsprechenden, Umgang mit Sexualität.“ Naja Herr Tischner, man kann als konservativer Politiker, welcher der abgewählten CDU angehört, ja mal versuchen auf den Zug der Reaktionäre aufzuspringen, um ein paar Wählerstimmen von Uninformierten abzugreifen, nicht wahr? Dumm nur, wenn man anschließend als Lügner dasteht, denn so etwas bleibt in der eigenen Biografie haften und im Internet noch über Jahrzehnte abrufbar.
  • Deutschland, deine Demonstranten: In Stuttgart geht regelmäßig die geistig-moralische Elite des Ländles gegen den Untergang des heteronormativ-christlichen Abendlandes auf die Straße. Der Untergang droht nämlich laut den Organisatorinnen der sog. 'Demo für Alle' (Beatrix von Storch, AfD +++ Hedwig Freifrau von Beverfoerde, CDU +++ Birgit Kelle, CDU) wenn der Bildungsplan der Landesregierung umgesetzt wird und wenn außerdem noch die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften erfolgt (Ehe-Öffnung). Einige Eindrücke von den Demonstrationen, die früher einmal 'Demo besorgter Eltern' hießen, sind in den nachstehenden Videos festgehalten:

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Rückblick:

Blütenlese Homophobie - 1 -

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/untergang-die-zeichen-sind-unuebersehbar

Blütenlese Homophobie - 2 -

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/bluetenlese-homophobie-2

Blütenlese Homophobie - 3 -

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/bluetenlese-homophobie-3

Blütenlese Homophobie - 4 -

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/bluetenlese-homophobie-4

19:13 07.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow

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