Gespenstische Veranstaltung in Fulda -Teil 2-

#hassprediger Kongress 'Freude am Glauben': Das 'Forum deutscher Katholiken' hatte zu seinem jährlichen Treffen geladen und über 1.000 Teilnehmer reisten nach Fulda.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Rückblick auf Tag 1 der Veranstaltung:

Bereits am Eröffnungstag des Kongresses ‚Freude am Glauben’ hatte der schweizer Bischof Vitus Hounder für weltweite Aufmerksamkeit (aufgrund der Fernsehübertragung in alle Welt) gesorgt, als er zwei Passagen aus dem Alten Testament zitierte und anschließend die dort vorgesehene Tötung der homosexuellen Männer als, Zitat: „Rechte Wende …“ empfahl.

„(…) Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft, das wäre ein Gräuel" sowie „(…) wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben." Bischof Hounder anschließend: „Die zitierten Stellen genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben.“

„Die als rechte Wende“ [zur „Behandlung“ von Homosexualität] vom Bischof empfohlenen Bibelzitate wurden von nicht wenigen als „kaum verschlüsselter Mordaufruf gegen homosexuelle Menschen“ verstanden.

In der Schweiz gingen daraufhin mehrere Strafanzeigen gegen den Bischof ein und die Video-Mitschnitte der, via Web-TV und durch katholische Fernsehsender weltweit übertragenen, Hounder-Rede wurden als Beweise archiviert.

Anmerkung:

Wer Bibelstellen, die die Tötung Homosexueller als Strafe vorschreiben, zitiert und seinen Zuhörern dann auch noch suggeriert „diese Bibel-Anweisung habe die Reaktion der Kirche auf Bestrebungen zur Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren zu sein“, kann sich anschließend nicht damit herausreden, „es nicht so gemeint zu haben.“

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Fortsetzung des katholischen Kongresses am 01./02.08.2015:

An den Tagen zwei und drei der Veranstaltung gab sich dann in Fulda „die geistig-moralische Elite“ der Gesellschaft (aka der „reaktionäre Bodensatz“) ein Stelldichein.

Auffällig war das hohe Durchschnittsalter der Referenten (vom abgehalfterten CSU-Politrentner bis zu hoch betagten Klerikern, von denen allein zwei durch Schwächeanfälle am Vortrag gehindert wurden).

Spötter behaupten nun „der beißende Geruch nicht rechtzeitig gewechselter Inkontinenzeinlagen hätte sich mit dem süßlichen Verwesungsgeruch, der permanent im Tagungsgebäude herrschte, einen regelrechten Wettkampf geliefert“, was ich allerdings für leicht übertrieben halte.

Das Personal:

  • Werner Münch, CDU (ehemaliger Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt) hat nach seiner Abwahl als „neues Hobby“ das Thema Homosexualität für sich entdeckt. Er hält bundesweit und darüber hinaus bezahlte Vorträge gegen die Öffnung der Zivil-Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und gegen „die Gender-Ideologie“. Münch begründet seine Kompetenz und „Berufung“ damit, dass er. Zitat: „(…) Anhänger einer christlichen Religion, der Schöpfungstheologie und der Kulturtradition des christlichen Abendlandes“ ist. Münch malte die üblichen, von Rechtsextremen gern herbei phantasierten, Horror-Szenarien an die Wand, z.B. die drohende Legalisierung der „Ehe mit Tieren“, um Stimmung gegen die Ehe-Öffnung für homosexuelle Menschen zu machen (siehe dazu auch meinen Blog „Wie diskreditiert man eine Forderung?") Den Vorwurf des Rechtspopulismus wies Münch in Fulda weit von sich.
  • Norbert Geis, CSU (saß im Bundestag jahrzehntelang „seine Zeit ab“ und wurde immer dann hyperaktiv, wenn das Thema Homosexualität zur Sprache kam. Schließlich wurde er offenbar selbst der CSU zu peinlich und sie sorgte dafür, dass er nicht wieder in den Bundestag gewählt wurde) hielt eine eher müde Rede (wohl seinem Alter geschuldet) und brachte keine Argumente, sondern nur die üblichen und jeweils unbelegten Behauptungen, wie „Die Familie lebt und wirkt am besten in die Zukunft, wenn sie aus Vater und Mutter besteht und ihre Grundlage in der Ehe hat. Als Ehe verstehen wir die Verbindung von Mann und Frau, und nicht die von Mann und Mann und Frau und Frau. Allen anderen Bewegungen und Interessen werden wir uns heftig entgegenstellen.“ Geis erhielt, wie alle Referenten, tosenden Beifall und erklärte „nicht in die rechte Ecke zu gehören“ :-)
  • Bischof Walter Mixa (als „Prügelbischof“ und wegen anderer Delikte in die Schlagzeilen geratener „Skandal-Bischof“) wollte eigentlich auf der Veranstaltung sprechen, erlitt jedoch kurz vor der Anreise einen Schwächeanfall und musste absagen.
  • Bischof Andreas Laun aus Salzburg (der einst mit teils bizarren und unfreiwillig komischen homophoben Äußerungen bekannt wurde) hatte die Anreise nach Fulda zwar noch geschafft, brach dann aber während der Veranstaltung zusammen, noch bevor er seine, mit Spannung erwartete, Rede halten konnte. Gute Besserung Exzellenz, nächstes Jahr gibt es wieder einen Kongress.

Resolution und Abreise:

Der Kongress verabschiedete noch die Resolution: „Wo und wie immer möglich, werden wir den ‚zerstörerischen Ideologien’ [sic], die Ehe und Familie bedrohen, entgegentreten.“ Auf die Ausgabe von Handfeuerwaffen verzichtete man jedoch vorsorglich.

Und dann wurden auch schon die Gehhilfen, Rollstühle und Windeln für Erwachsene wieder eingepackt und die „Kaffeefahrt der katholischen Altenseelsorge“ endete. (Ironie-Ende)

Glossar:

Eine gespenstische Veranstaltung in Fulda (Teil 1)

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/eine-gespenstische-veranstaltung-in-fulda

Spaßvogel und EU-Abgeordneter Martin Sonneborn veräppelt Norbert Geis, indem er sich als homophober Reporter ausgibt

Wie diskreditiert man eine Forderung?

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/wie-diskreditiert-man-eine-forderung

Die unheilige Allianz rechtsextremer und religiöser Eiferer

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/unheilige-allianz

Fakten und Überlegungen zur Öffnung der Zivil-Ehe für gleichgeschlechtliche Lebenspaare

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/dont-leave-you-with-that

Satire ‚Albtraum Homo-Ehe’

12:20 03.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow

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