Seit dem 1. Oktober knattern im Dannenröder- sowie im Herrenwald in Mittelhessen die Kettensägen. Hier soll ein 300 Jahre alter Mischwald für den Weiterbau der Autobahn 49 teilweise gerodet werden. Hinzu kommt: Von der Rodung sind mehrere Natur- sowie ein Wasserschutzgebiet bedroht, das den Trinkwasserspecher der Region bildet. Bio- und Ökolog*innen warnen seit Jahrzenten vor dem Projekt, dass in den 1970er Jahren geplant worden ist. Seit dem kämpfen verschiedene Bürger*innen-Initiativen gegen den Ausbau – auch mit Unterstützung der regionalen und lokalen Grünen.
Vor gut einem Jahr gewann dieser, teilweise schon verloren geglaubte Kampf eine neue Dynamik. Klimaaktivist*innen - einige direkt aus dem Hambacher Forst kommend - besetzten den Wald und errichteten dort Baumhäuser. Ein Ereignis, das zunächst vor allem regional Beachtung fand. Durch eine zunehmende mediale Professionalisierung der Aktivist*innen entwickelte sich die Waldbesetzung - je näher die am 1. Oktober beginnende Rodungssaison rückte - zu einem landes- und bundesweiten Politikum. Mittlerweile beherbergt die Besetzung im Dannenröder Wald über 100 bauliche Strukturen in fünf Baumhaus-Dörfern. Es existieren ein großes Unterstützer*innen- Protestcamp vor dem Wald sowie mehrere Mahnwachen. Auch gab eine kurzzeitige, mittlerweile aber geräumte Besetzung des benachbarten Herrenwaldes, der ebenfalls teilweise für den Weiterbau der A49 gerodet werden soll. In Größe und Infrastruktur hat die Besetzung des „Dannis“ mittlerweile den „Hambi“ überholt.
Schon längst geht es den Aktivist*innen nicht mehr nur um den Schutz eines gesunden Mischwaldes und eines Wasserschutzgebietes. In Zeiten von Hitzesommern, Dürren und Wasserknappheit sind die Auswirkungen des vom Menschen gemachten Klimawandels schon längst zu spüren. Wie der Hammbacher Forst einst ein Symbol für den Kampf für den Kohleausstieg darstellte, ist der „Danni“ zum Symbol für die dringend benötigte sozial-ökologische Verkehrswende geworden. Und insbesondere für die hessischen Grünen könnte der Kampf um den „Danni“ zu einem Kampf um die eigene politische Identität werden.
In Hessen regieren CDU und Grüne zusammen in einer Koalition. Am vergangenen Donnerstag, pünktlich zum Start der Rodungssession, diskutierte der Hessische Landtag über einen von der Linksfraktion eingebrachten Antrag für einen sofortigen-Bau- und Rodungsstopp. In der anschließenden namentlichen Abstimmung stimmten alle Abgeordneten der Grünen zusammen mit der CDU sowie SPD, FDP und AfD gegen den Antrag der Linken.
Seit dem geht ein Aufschrei durch die Klimagerechtigkeitsbewegung und die hessischen Grünen ernten in den sozialen Medien einen bisher ungekannten „Shitstorm“. Am Freitag besetzten Aktivist*innen die hessische Landesvertretung in Berlin. Die Botschaften auf den Transparenten, die die Aktivist*innen entrollten, richteten sich gegen die Grünen – nicht etwa gegen die Koalitionspartner*innen der CDU. Bisher als natürlich geglaubte Verbündete von Fridays for Future, Extinction Rebellion und Andere entziehen den Grünen ihre Unterstützung, die Grüne Jugend kritisierte den hessischen Landesverband der Partei ungewöhnlich scharf und einzelne Mitglieder verkünden in den sozialen Netzwerken ihren Austritt. Natürlich ist es fraglich, wie nachhaltig sich mediale Empörungswellen auf das Wahlverhalten von Menschen auswirken, ein „Shitstorm“ kommt so schnell wie er geht. In einigen Monaten könnte das Thema vergessen sein und andere Debatten den politischen Diskurs bestimmen.
Trotzdem scheint der 1. Oktober 2020 für viele Akteure der Klimagerechtigkeitsbewegung etwas verändert zu haben. In persönlichen Gesprächen zeigt sich, wie verletzend der scheinbare „Verrat“ der Grünen wahrgenommen wurde. Mit dem 1. Oktober ist ein tiefer Riss zwischen Bündnisgrünen und der Klimagerechtigkeitsbewegung entstanden. Spannend wird sein, ob sich dieser Riss wieder schließen lassen wird.
Natürlich fanden die hessischen Grünen eine schnelle Antwort auf ihr Abstimmungsverhalten. Man sei nach wie vor gegen den Ausbau der A49. Die Verantwortung dafür liege allerdings nicht beim Land Hessen sondern beim Bund. Verkehrsminister Scheuer sei die richtige Anlaufstelle für den Protest. In Hessen könne man hier gar nicht tätig werden, sondern müsse eine demokratisch getroffene und gerichtlich bestätigte Entscheidung lediglich umsetzen. Der Antrag der Linken sei daher pure Symbolpolitik und Populismus. Im Übrigen habe man ja erst vor wenigen Wochen einen Antrag für ein Bau-Moratorium in den Bundestag eingebracht. Dieser Antrag sei allerdings gegen die Stimmen von Grünen und Linken von einer Mehrheit des Parlaments abgelehnt worden. Das verkündete beispielsweise die grüne Landtagsabgeordnete und Verkehrspolitikerin Katy Walther via Twitter.
Die juristischen Diskussionen über die Frage, welche Möglichkeiten das Land Hessen nun tatsächlich hat um auf den Weiterbau der A49 einzuwirken einmal beiseitegelassen: Die tiefe Entfremdung zwischen Teilen der Klimagerechtigkeitsbewegung und den Grünen resultiert sicher nicht zuerst aus dem Abstimmungsverhalten der Partei über einen Schaufensterantrag im Landtag. Die Ursachen dafür liegen sicherlich in der Rolle, die die Grünen in der Debatte um die A49 zuletzt einnahmen.
Am Nachmittag des 1. Oktober, wenige Stunden vor der Abstimmung, fand vor dem Landtag in Wiesbaden eine Protestaktion von Greenpeace statt um noch einmal für einen Baustopp der A49 zu werben. Die Aktivist*innen hatten auf einem Tieflader einen großen abgesägten Baumstamm aus dem Dannenröder Forst mitgebracht, auf den sie mit weißer Farbe „Danni bleibt“ geschrieben hatten. Auf einem entrollten Transparent stand „Wenn das noch grün ist, sehen wir schwarz, Herr Verkehrsminister.“ Der angesprochene grüne Wirtschafts- und Verkehrsminister sowie Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir stellte sich dem Protest. Nachdem er nochmal ausführlich darlegte, weshalb er und das Land Hessen gar nicht tätig werden könnten und Adressat der Kritik Verkehrsminister Scheuer sein müsste, sagte Al-Wazir diesen einen fatalen Satz: „Der Kampf ist verloren.“
Zwei Wochen zuvor: Begleitet von einem großen Medientross aus Kamerateams und Fotograf*innen kletterten die Fraktionsvorsitzende der hessischen Linken Janine Wissler sowie einige andere schwindelfreie Landtagsabgeordneten der Linken auf eines der Baumhäuser im „Danni“. Wissler, die auch Vorsitzende ihrer Partei im Bund werden möchte, wirkte sichtlich gelöst, lachte. Einige Abgeordnete hoben solidarisch die Faust, Kameras klickten, die Bilder bestimmten die landespolitischen Nachrichten des Tages. Die Linksfraktion Hessen hatte zu einer öffentlichen Fraktionssitzung in den Dannenröder Wald geladen. Alle Abgeordneten der hessischen Linksfraktion, der komplette Mitarbeiter*innenstab, Pressevertreter*innen und Basismitglieder der Linken waren erschienen. Knapp 150 Menschen besichtigten so an diesem Tag die Waldbesetzung. Anschließend suchte man das Gespräch mit den Aktivist*innen, den Vertreter*innen der Bürger*initiativen aber auch mit Wissenschaftler*innen, welche die Bedeutung des Waldes für das regionale Ökosystem nahebrachten. Die Botschaft des Tages war klar: Wir stehen an eurer Seite und kämpfen mit euch gemeinsam für diesen Wald.
Am Ende ihres Redebeitrags erklärte Barbara Schlemmer, Aktive der BI „Keine A49“ und langjährige grüne Stadtverordnete: „Es ist schön, dass ihr hier seid. Aber es müssten Al-Wazir, Habeck und Baerbock sein, die heute hier stehen.“ In ihrer Stimme schwamm Enttäuschung mit. So reagierten an diesem Tag noch weitere Vertreter*innen der Bürger*inneninitiativen. Auch viele Aktivist*innen der Waldbesetzung waren positiv überrascht über die linken Solidaritätsbekundungen.
Einige Tage später besuchten auch Mitglieder der hessischen FDP-Fraktion die Waldbesetzung. Zwar steht die FDP fest an der Seite der Ausbau-Befürworter*innen, trotzdem suchte man das Gespräch mit den Aktivist*innen.
Die hessische Grünen-Landtagsfraktion hat den „Danni“ bis heute nicht besucht. Mit den nun beginnenden Rodungs- und Räumungseinsätzen, dürfte es dafür zu spät sein. Stattdessen besuchten der grüne Fraktionsvorsitzende Matthias Wagner und einige regionale Landtagsabgeordnete die grüne Basis in der Region, um für den landespolitischen Dreiklang der Grünen beim Autobahnausbau - prinzipiell dagegen sein, die Entscheidung aber akzeptieren und bei Fragen auf den Bund zu verweisen – zu werben. Bei der grünen Basis, die teilweise vor Ort seit Jahrzehnten gegen Ausbau der A49 kämpft, sorgte dieser Versuch für großes Unverständnis.
Seit dem Beginn der Räumungs- und Rodungsarbeiten wird der Polizeieinsatz im „Danni“ täglich von Parlamentarischen Beobachter*innen begleitet. Diese speisen sich zum größten Teil aus Bundes- und Landtagsabgeordneten der Linken. Auch einige wenige Bundestagsabgeordnete der Grünen, die ihre Wahlkreise in der Region haben, sind dabei. Die hessischen Grünen-Abgeordneten bleiben dem Wald jedoch weiterhin fern.
Den Aktivist*innen und Aktiven der Bürger*inneninitiativen fällt das durchaus auf. „Wo sind die Grünen?“ heißt es im persönlichen Gespräch vor Ort immer wieder. Und: „Ohne unsere Unterstützung aus der Klimagerechtigkeitsbewegung wären die nichts. Also, warum unterstützen die uns jetzt nicht?“
Es ist also vor allem der Politikstil, der zu einer Entfremdung der Aktivist*innen von den hessischen Grünen geführt hat. Die Grünen regieren in Hessen weitgehend staatstragend, sind de facto Staatspartei geworden. Sie wollen die Verhältnisse nicht mehr ändern sondern den Status Quo verteidigen – gegen die Gefahr einer neuen und antimodernistischen Rechten. Radikale Bewegungen, wie die Waldbesetzer*innen im „Danni“, stören da nur.
Das grüne Politikverständnis in Hessen beschränkt sich auf die Bühne des Parlaments. Dort werden Anträge gestellt und dadurch politische Entscheidungen getroffen. Das Verständnis für radikale Formen der politischen Praxis, für politische Symbole, die auf den gesellschaftlichen Diskurs einwirken und für die Bedeutung von zivilgesellschaftlichen Bewegungen für den sozialen und ökologischen Fortschritt, ist weitgehend verloren gegangen. Daher auch der immer wiederkehrende Verweis auf den scheinbar wirkungslosen „Schaufensterantrag“ der Linken im Landtag und den eigenen Antrag im Bundestag.
Oftmals kommt aber in der gesellschaftlichen Debatte nicht an, wer wann und wo welchen Antrag gestellt hat und welches das formal-korrekte Verfahren für oder gegen eine Entscheidung ist. Politik in medialen Massendemokratien vermittelt sich ganz häufig über symbolische Handlungen und Bilder. Diese beeinflussen gesellschaftliche Debatten und können politische Veränderung erzeugen, sie können Hoffnung schaffen. Wie das gelingen kann, zeigt nicht nur der Kampf um den Hammbacher Forst, der den Kohleausstieg in Deutschland massiv beschleunigt hat.
Aber keine grüne Minister*in klettert im „Danni“ in ein Baumhaus oder spricht mit den Aktivist*innen. Keine prominente Grüne nimmt bisher als Parlamentarische Beobachter*in an den Räumungen teil, wirkt deeskalativ und verhandelt mit der Polizei über die Freilassungen von festgenommenen Aktivist*innen. Keine prominente Grüne steht solidarisch an der Seite der Bewegung und verhilft dazu, den Druck auf die Bundesregierung zu vergrößern.
Stattdessen erklärt ein grüner Verkehrsminister, dass eine politische Entscheidung, die vor gut 50 Jahren getroffen wurde, nun unumstößlich und der Kampf damit verloren sei, während die hessische CDU fröhlich verkündet, dass bei den Grünen endlich verkehrspolitische Vernunft eingekehrt sei. Durch ihre Rolle im Kampf um den Dannenröder Wald schaffen die hessischen Grünen keine Hoffnung. Sie nehmen Hoffnung und ziehen sich argumentativ hinter scheinbare Sachzwänge zurück.
Und so kommt in der Klimagerechtigkeitsbewegung vor allem an, dass die Grünen im Hessischen Landtag gegen den Baustopp der A49 gestimmt haben und ihre Ideale damit dem Willen der Koalitionspartnerin untergeordnet haben. Der pure Machterhalt sei wichtiger als die Rettung des Klimas.
Oder wie es ein Aktivist im persönlichen Gespräch resigniert ausdrückte: „Wenn es denn stimmt, dass der Antrag der Linken eh nichts hätte ändern können, dann hätten die Grünen doch auch dafür stimmen können. Realpolitisch wäre also nichts passiert und die CDU hätte keinen Grund für Unmut. Für uns wäre es aber ein wichtiges Zeichen der Solidarität gewesen. Scheinbar war den Grünen der Koalitionsfrieden aber wichtiger.“ Deutlicher hat es die Grüne Jugend in einem Tweet als Reaktion auf eine Pressemitteilung ausgedrückt, mit der die hessischen Grünen ihre Haltung zur A49 ausdrückten: „Liebe Grüne Hessen, leider habt ihr ‚Wir sind auf eurer Seite und tun alles, um die Räumung zu verhindern und den Wald zu retten‘ schon wieder falsch geschrieben."
Was bleibt, ist für viele Aktivist*innen also das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein. Und dieses Gefühl wiegt deutlich schwerer als das tatsächliche Durchsetzungsvermögen eines Landes-Verkehrsministers im Kampf gegen eine Bundesautobahn.
Kommentare 16
Mal positiv gesehen: Liegt in solchen Stellungnahmen der Grünen nicht eine Chance für Linke, sich endgültig von "GRR"-Träumereien zu lösen und als klare Opposition mit eindeutigen Sozial-Klima-Friedens-Umwelt-politischen Zielen, für Alle leichtverständlich aufbereitet, wieder stärker zu werden? Das Programm gibt das ja her.
Der Autor des Blogs könnte mal nach seiner eigenen Partei schauen, die in der Corona-Politik grundsätzlich auf Kritik an der Bundesregierung verzichtet. Da fällt sie als Oppositionspartei völlig aus. Dass sie derzeit mehrheitlich auf ein unrealistisches Wahlziel setzt, nämlich Grün-Rot-Rot, stärkt sie als Partei keinesfalls. Wenn demoskopisch eine solche Regierung möglich wäre, müssten sie mindestens eine große Hürde nehmen: Die Abwendung von der Anti-Kriegspolitik hin zur Akzeptanz der Nato. Ohne diese Wende wird keine US-amerikanische Regierung diese Partei in der Regierung dulden.
Richtig dargestellt ist, dass die hessischen Grünen als CDU-Koalitionspartner sich so staatstragend verhalten, wie es von den Bürgerlichen erwartet wird. Und warum sollte es die Bundeslinke anders machen, wenn sie mit zwei bürgerlichen Parteien die Regierung stellte, jedoch, und da bin ich mir sicher, nicht mal ein wichtiges Ministeramt erhalten würde, das verändernd im Sinne von mehr sozialer Gerechtigkeit in die Gesellschaft hineinwirken könnte.
Danke, Du hast etwas ausführliher begründet was ich mit meinem Kurzkommentar anregen wollte.
Die PdL war auch vor Covid-19 immer weniger als Opposition wahrnehmbar, und sie konnte folgerichtig das Wahlergebnis von 2009 nicht mehr erreichen, geschweige denn übertreffen. Ich denke, sie hat nur die Wahl, wieder als klare, unmissverständliche Opposition Wähler zurückzuholen (und dazuzugewinnen) oder als Mehrheitsbeschaffer der Agenda-2010 & Kriegs - Parteien unterzugehen.
Die Grünen machen sich nicht glaubwürdiger, wenn sie im Bund wegen der Bundestagswahl sich gegen den Ausbau der A49 aussprechen, im hessischen Landtag jedoch dafür stimmen. Baerbock sagt, die Bundesregierung müsse den Ausbau der A49 stoppen. Warum wirkt der Bundesvorstand dann nicht auf die hessischen Grünen ein, die mit ihrem Nein einiges hätten verhindern können?
Die einfachste Erklärung: Im Bund spielen sie zur Zeit noch Opposition, in Hessen sind sie an der Regierung beteiligt.
(Nicht persönlich nehmen, aber) an der Stelle eine kurze Einheit in politischer Psychologie. Die Hessen-Grünen agieren mittlerweile sechs Jahre als verlässlicher Juniorpartner der Bouffier-CDU. Einspruch gegen auch nur irgendein rechtskonservatives Vorhaben des Unionspartners hat es in der Zeit nicht gegeben. Was in Anbetracht der Tatsache, dass der Hessen-Ableger der Christdemokraten – siehe aktuelle Polizeiskandale, siehe Blockade und Vertuschungen im Fall NSU und Geheimdienste – traditionell nah an der Braunzone baut, durchaus überraschen mag. Stattdessen läuft das schwarz-grüne Regierungsbusiness derart geräuschlos, dass man mitunter vergisst, dass die Nachfahren von Dani & Joschka mit in der Regierung sitzen. Eben aus diesem Grund wird sich an der Aussitz-Mentalität der Hessen-Grünen auch nichts ändern. Für die Machtbeteiligung als Unions-Juniorpartner reicht es allemal. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass an ebenjenem Apparat Stellen hängen. Was konkret heißt: der obere Kaderapparrat der Landesgrünen hat unmittelbar-existenzielles Interesse daran, dass das Regierungsbusiness möglichst geräuscharm über die Bühne geht.
Inhaltliche Bedenken, Bauchschmerzen und so weiter stören innerhalb dieser Apparatur nur. Ich schätze, die hessische Grünen-Parteimaschine ist da derart eingespielt, dass selbst größere Verluste bei Wahlen (wo der nächste ernstzunehmende Termin eh erst 2023 anfällt) hier wenig ändern. Die Linkspartei wiederum macht in Hessen das, was sie in den meisten Ländern macht: mehr oder weniger brave Oppositionsarbeit. Janine Wissler mag eine linke Ausnahmepersönlichkeit sein. Abgesehen davon, dass sie auf dem Sprung gen Bund ist, zeichnen sich die hessischen Linken nachgerade aus durch eine bunte Koexistenz zwischen Altstalinisten Marke Sekte, flexibel agierenden trotzkistisch-entristischen Kadern und karrierebewussten Reformern. Was in der Summe heißt: parlamentarisch ist für den »Danni« nichts zu holen. Mag sein, dass sich da was ändert, wenn FfF & Co. stärker auf den Putz hauen. Bis dahin jedoch gilt: die Tagesordnung des hessischen Parlaments ist das Allerheiligste im Land.
..."Die Hessen-Grünen agieren mittlerweile sechs Jahre als verlässlicher Juniorpartner der Bouffier-CDU. Einspruch gegen auch nur irgendein rechtskonservatives Vorhaben des Unionspartners hat es in der Zeit nicht gegeben"...
HiHi:
Man soll ja sozial Verantwortungsbewusst an den Arbeitslatz der Schreibkraft Denken, nicht an sich selbst, das ist im Grünen - Gen halt drin.
;-D
Genosse Tim Dreyer, Mitglied im Landesvorstand DIE LINKE. Hessen.
Willst du nicht mit deiner potienziellen Wählerschaft in die Diskussion eintreten? Die Kommunikation sollte doch nicht schon auf der Verlautbarungsbühne enden.
Da musst du erst mal Mitglied werden Achtermann, dann redet Genosse Dreyer vielleicht mit Ihnen.
..."Nur wenige halten sich aber an die Beitragsordnung. Im Schnitt zahlen die Mitglieder im Osten zwischen 15 und 19 Euro im Monat, im Westen zwischen 4,30 (Saarland) und 12 Euro (Bremen). „Die Beitragstabelle verkennt die Lebensrealität der Mitglieder“...
Und nicht nur da.
;-)
Bei der FDP beträgt der maximale Beitrag 24 Euro pro Monat, und zwar für die Leute, die 4.800 Euro brutto und mehr verdienen. Also auch für den, der ein Millionen-Einkommen hat.
Bei den Linken wird das Nettoeinkommen herangezogen. Ziehen wir vom Brutto 30 Prozent ab, wären das bei 4.800 Euro noch 3.360 Euro. Davon sind 4 Prozent zu entrichten. Das wären dann 134 Euro. Ab 2.500 netto sind 4 Prozent des jeweiligen Einkommens zu berappen.
Rein nach der Beitragsbemessung ist die Linkspartei mehr als 5 mal so teuer wie die FDP. Da ist schon ein gewisser Idealismus gefordert, wenn man Linke-Mitglied sein will. Auf das Jahr umgerechnet kostet die FDP 288 Euro, die Linke bei etwa gleichem Einkommen 1.608 Euro. Klar ist, dass in den seltensten Fällen die Linksparteimitglieder sich an die Beitragssatzung halten.
:-O
Top
>>Klar ist, dass in den seltensten Fällen die Linksparteimitglieder sich an die Beitragssatzung halten.<<
Da zeigt sich wieder mal der Unterschied zwischen Theorie und Praxis: Eine Partei, die keine Spenden von Firmen annehmen will setzt Beitragsregeln höher an als korrupte Parteien. Die Unabhängigkeit vom Privatkapital sollte den Mitgliedern den höheren Beitrag wert sein, meint man. Die Praxis zeigt: Nein, soviel ist es ihnen nicht wert.
Daraus können Lehren gezogen werden:
a) Die Partei hat gelernt, sparsamer zu wirtschaften als die korrupten Parteien
oder
b) auf einem Parteitag wird der Antrag gestellt, die Partei per Satzungsänderung für das Handaufhalten dort, wo viel Geld ist zu öffnen um die Partei auf eine breitere Finanzbasis zu stellen. Der Antrag wird von der Mehrheit angenommen.
c) theoretisch ist auch eine Erhöhung der Einnahmen aus der Wahlkampfkostenerstattung denkbar. Die PdL hatte ja schon mal mehr Wähler als heute.
Wenigstens wurde hier über das vergebliche Verhinderungswollen berichtet.Das ist deutscher Irrsinn diesen Wald abzuholzen für eine bekloppte Autobahn.
„Wenn das noch grün ist, sehen wir schwarz, Herr Verkehrsminister.“
https://www.youtube.com/watch?v=E9eX5Ddczlw
The Who: The Kids Are Alright, 1965.
Solidarische Gruesse.
||Natürlich fanden die hessischen Grünen eine schnelle Antwort auf ihr Abstimmungsverhalten.
Man sei nach wie vor gegen den Ausbau der A49. Die Verantwortung dafür liege allerdings nicht beim Land Hessen sondern beim Bund. Verkehrsminister Scheuer sei die richtige Anlaufstelle für den Protest.
In Hessen könne man hier gar nicht tätig werden, sondern müsse eine demokratisch getroffene und gerichtlich bestätigte Entscheidung lediglich umsetzen. Der Antrag der Linken sei daher pure Symbolpolitik und Populismus.||
Sagt so etwas plump-dump daher Hinkendes mehr über das Maß der Autokratie aus, oder eher über Dämlichkeit des Populus aus, mit dem sich so verfahren läßt; oder über Beides zugleich?
Immer wieder grotesk und surreal, was sich mit der Öffentlichkeit abziehen läßt.