Da weinen die Koalas

Die Linke Die Partei streitet über ihren Kurs. Für Klimaschutz „nach dem Kapitalismus“ könnte es zu spät sein
Wer überlebt länger: der Kapitalismus oder dieser süße Koala?
Wer überlebt länger: der Kapitalismus oder dieser süße Koala?

Foto: Peter Parks/AFP/Getty Images

Jahresanfänge haben ihre Traditionen, es werden Empfänge veranstaltet und Klausuren abgehalten. Man nimmt sich vor, nimmt sich wichtig, nimmt Maß an der Konkurrenz. Und so hören wir nun aus der Linken, diese dürfe keine „zweite grüne Partei“ werden. Nicht?

Für große Überraschung sorgt das nicht, Politik kommt ja nur selten als Ähnlichkeitswettbewerb daher. Zudem ist „das Grüne“ an sich schon länger ein gern gehauener Pappkamerad, von wegen Latte Macchiato über Moral bis bürgerlich. Einerseits.

Andererseits legt die häufige Wiederholung solch linker Selbstermahnung durchaus die Frage nahe, ob da nicht auch Neid oder Eifersucht eine Rolle spielen: Die Grünen sind erfolgreich, warum also sollte man nicht zur „zweiten grünen Partei“ werden wollen? Die Aufzählung ihrer vergangenen Fehler überzeugt so wenig wie die Behauptung, die Grünen würden einen falschen grünen Kurs verfolgen.

Man könnte ja einen anderen, besseren vorschlagen, wo doch alle und ganz zu Recht über die Klimakrise reden. In Wahrheit versucht das die Linkspartei. Etwa als sozialistische Variante: „Klimaschutz und Kapitalismus gehen nicht zusammen“, hat einer ihrer Vorderen bei einem dieser Jahresauftakte gerufen, und in Australien gucken die Koalas gleich noch trauriger, weil sogar sie wissen, dass es bis „nach dem Kapitalismus“ vielleicht zu lange dauern könnte, um noch irgendetwas zu retten.

Also doch irgendwie die Widersprüche aushalten, sie politisieren, unter ihren Bedingungen versuchen, das Mögliche zu tun? Auch das will die Linkspartei, sie hat dafür ein Klimaschutz-Papier vorgelegt, das Beifall von Experten erhält, die man gut und gerne „grün“ nennen könnte, auch wenn damit nicht die gleichnamige Partei gemeint ist. Aber, oh Widersprüche: Besagtes Papier der Bundestagsfraktion stieß nicht auf ungeteilten linken Beifall. Strittige Punkte wurden auf kommende Sitzungen vertagt. Man könne doch die Leute nicht zur Eisenbahn zwingen, bevor die überall fährt, wandte einer der Abgeordneten ein.

Dahinter steckt nicht nur Logik, sondern auch eine Haltung zur Autoindustrie: Arbeitsplätze, Kollegen, Wirtschaftsfaktor und so weiter. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir Autoland bleiben.“ Nein, dieser Satz stammt nicht von besagtem Linkspolitiker, sondern den hat gerade erst Baden-Württembergs Ministerpräsident gesprochen. Und der ist von den – genau: Grünen.Offenbar ist also nicht die Frage, wer wie oder eben nicht wie die anderen werden will, die entscheidende. Sondern, wer mit seiner Position wo besser aufgehoben ist.

Geschrieben von

Tom Strohschneider

vom "Blauen" zum "Roten" geworden
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