Çiğdem Akyol
Ausgabe 0417 | 28.01.2017 | 06:00 24

Exil für türkischen Journalismus

Medien In der Türkei stehen die Mutigen immer mehr unter Druck. Umso wichtiger sind neue Kanäle wie die „taz.gazete“

Exil für türkischen Journalismus

Die „taz.gazete“ ging am 10. Jahrestag der Erdmordung des Journalisten Hrant Dink online

Foto: Burak Kara/Getty Images

Vor zehn Jahren, am 19. Januar, wurde der regierungskritische türkisch-armenische Journalist Hrant Dink in Istanbul auf offener Straße ermordet, die Hintergründe der Tat sind bis heute ungeklärt. taz.gazete, die neue deutsch-türkische Onlinezeitung der Berliner taz, ging am 19. Januar 2017 online. Es ist zweifellos ein symbolisches Datum. Denn kritische Journalisten fürchten heute in der Türkei mehr denn je um ihr Leben.

Gazete heißt „Zeitung“ auf Türkisch. Die taz-Kollegen in der Rudi-Dutschke-Straße wollen ihren türkischen Kollegen mit taz.gazete eine publizistische Plattform im Exil geben. Angekündigt sind Autoren wie die prominente Buchautorin Ece Temelkuran, Autoren aus den Redaktionen der regierungskritischen Zeitungen Cumhuriyet und Birgün sowie der Netzportale Diken und Bianet. „In Ermangelung einer freien Presse, die Fakten verbreitet, und einer unabhängigen Justiz, deren Urteile umgesetzt werden, erleben wir die Evolution eines Landes von der Demokratie zur Diktatur“, beschreibt der Journalist Efe Kerem Sözeri die Entwicklungen in der Türkei auf taz.gazete.

Vor allem seit dem gescheiterten Militärputsch gegen Präsident Erdoğan am 15. Juli haben die Angriffe auf kritische Medienschaffende extrem zugenommen. Mehr als 100 Organe wurden seitdem geschlossen. Während Angela Merkel wegen der Flüchtlingskrise zum Dauergast am Bosporus geworden ist, sind nach Angaben der türkischen Nichtregierungsorganisation P24 zurzeit 148 Journalisten inhaftiert, werden Tausende wegen Beleidigung des Präsidenten oder angeblicher Unterstützung von Terrororganisationen vor Richter gezerrt, die von der AKP installiert wurden. Auslandskorrespondenten fürchten um ihre Presseausweise und damit ihre Arbeitserlaubnis. Einigen ausländischen Berichterstattern wird die Einreise gleich ganz verweigert.

Die Texte der taz.gazete sind auf Türkisch und Deutsch, „um kritische Stimmen zu stärken, die kaum noch präsent sind“, womit die Reichweite schon erheblich ausgeweitet wird. Die ersten Beiträge bieten ein Potpourri an Themen und beschäftigen sich mit der armenischen Minderheit im Lande, der postfaktischen Türkei unter Erdoğan, den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in den Kurdengebieten. Die Journalistin Michelle Demishevich schildert, was es bedeutet, als Transjournalistin in der Türkei zu arbeiten. „Als ich im letzten Jahr versuchte, meine berufliche Situation über Twitter zu verbreiten, solidarisierte sich fast keiner meiner Kolleg*innen mit mir“, beschreibt sie ihre doppelte Ausgrenzung.

Zwar ist die taz.gazete nicht das erste deutschsprachige Medium, das türkischen Autoren eine Stimme hierzulande verschafft – auch der WDR bietet türkischen Journalisten auf dem Webportal Türkei unzensiert eine zweisprachige Plattform, und Journalisten wie Can Dündar oder Bülent Mumay schreiben Kolumnen für Zeit oder FAZ. Mit Correctiv hat Dündar zudem gerade das zweisprachige Online-Medium Özgürüz gegründet. Doch weil die Mutigen immer mehr unter Druck stehen, ist es umso wichtiger, dass ihre Stimmen im Ausland gehört werden. „Nach jedem Sprengstoffanschlag werden Nachrichtensperren verhängt und die sozialen Medien zensiert. Mittlerweile ist es in der Türkei unmöglich, Fragen zu stellen oder zu protestieren“, sagt Efe Kerem Sözeri.

Çiğdem Akyol, geboren 1978 in Herne, ist eine deutsche Journalistin. Nach Stationen u.a. bei der taz arbeitet sie zurzeit als Korrespondentin für die Austria Presse Agentur APA und als Autorin in Istanbul

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 04/17.

Kommentare (24)

B3thek 28.01.2017 | 11:19

Tja, die Journalisten müssen sich nun mal an die Gesetze halten. Wie jeder andere auch... der sich an die Gesetze des Landes halten muss in denen er/sie lebt. Während hier bald Majestätsbeleidigung abgeschafft wird, ist es dort ein No-Go... eben aus kulturellen Gründen. Wieso hören die nicht damit auf? Ganz einfach, weil sie nichts konstruktives beitragen können. Ebenso ist Terrorpropaganda ein No-Go. Die Leute haben die Nase von Terror gestrichen voll. Man stelle sich mal vor wie hier eine Zeitung für den IS Propaganda betreibt. Getraut hat sich doch bisher keiner, oder?

Von mir aus können die Journalisten her kommen und von hier aus weiter machen, da der Westen in den Fällen ja Tür und Tor weit geöffnet hat. Wohl gemerkt, während man im Fall der Flüchtlinge lieber die Türkei besticht damit sie sie uns vom Leib hält.

Karaman 29.01.2017 | 00:59

Es gruselt mir, wenn ich solchen wie diesen Artikel lese...

Das Weltbild, das hier über die Situation in der Türkei verberitet wird, ist wirklich grusselig...

Doch aber! Mehrere Fragen drängen sich mir sofort auf:

*** Ist das alles wahr?

*** Ist das alles möglicheweise nur ein Klischee?

*** Wo befindet sich DIESE EINE Türkei? Liegt sie irgendwo im Weltall? Oder befindet sie sich gar in jeweiligen Phantasien der Menschen, die solche Behauptungen aufstellen?

***Wer grantiert uns, dass die Behauptungen dieser türkischen "Journalisten im Exil", von denen hier die Rede ist, hundert prozentig wahr seien?

***Wer in Deutschland hinterfragt kritsch, was diese Exil-Türkische-Pressearbeit hier leistet? Oder zu leisten glaubt...?

Klar! Nicht alles ist gold, was (in der Türkei) glänzt. Die Türkei hinkt etliche Prozentpunkte hinter dem heutigen Stand der deutschen Presseverständnis&Werteverständnis und drg. hinterher. Sie hat einiges und eine ganze Menge aufzuholen.

ICH DENKE ABER, sie schaft es nicht, wenn wir die Türkei kaputtreden und sie vom Kopf stoßen.

Wir müssen uns fragen, wie tausende von ehrlichen Journalisten und Medienmachenden ihre tägliche Arbeit in der Türkei trotz Erdogan, trotz Unterdrückung und Verfolgung, trotz Lebensgefahr, wie hier in diesem Bericht behauptet wird, TAG FÜR TAG ERRICHTEN können?

Sollten sie alle, all diese Journalisten in der Türkei , etwa "Presseschaffende" für Erdogan sein?

Also, liebe Leute!

Ich lebe nicht auf dem Mond; bin ein Mensch von dieser Welt und weigere mich, blind daran zu galuben, was für welche Horrorgeschichten über Türkei hier (nicht nur hier bei "der Freitag") verbreitet wird; sei es von deutschen wie von den türkischen Journalisten im "Exil"...

Nein!

Jedes Argument, was hier aufgezählt wird, mag es wohl stimmen. Vieles stimmt auch teilweise in jenen Ansätzen!

Doch, ich möchte es nicht gelten lassen und glauben, dass alle ehrliche, hinterfragende, kritisch-fragende Türken und türkische Journalisten ins Ausland geflüchtet seien und ALL DIE PRESSE UND die JOURNALISTEN, die IN DER TÜRKEI geblieben SIND, NUR STAATS,- und ERDOGANsFREUNDLICHE PRESSEARBEIT MACHEN und für und pro Erdogan arbeiten

Nein.

Das wäre eine Beleidigung an Journalisten, die in der Türkei trotz Schikanen wohnen, leben, arbeiten und sicherlich eine Beleidigung an allen Türken, unbabhängig davon ob sie die Partei AKP & Erdogan gewählt oder nicht gewählt haben...

Ehrliche Arbeit, ehrliche Mitmenschen sei es Journalisten oder wer auch immer, haben nichts zu befürchten. Weder in der Türkei, noch woanderes...

Und! Warum wir in Deutschland wissen es genau, was gut und was nicht gut für alle Menschen in der Türkei ist?

Wenn es uns interresiert, was in der Türkei geschiet, sollten wir mit ihr zusammenarbeiten, um es zum Bessern wenden zu lassen. Oder nicht!

Wenn wir es mit den Türken und der Türkei gut meinen, sollten wir einfach NUR ehrlich sein.

weinsztein 29.01.2017 | 04:13

Hallo Frau oder Herr Karaman,

Ihr Kommentar legt nahe, dass Sie in Deutschland leben und glauben, besser über die gegenwärtige Lage in der Türkei informiert zu sein als die Autorin des Artikels. Wieso eigentlich?

Anders als Sie lebe ich vorwiegend in der Türkei. Ich erlebe, dass zahlreiche TV-Sender und Zeitungen von der Regierung verboten wurden. So wurden tausende JournalistInnen in der Türkei arbeitslos, 148 sitzen im Gefängnis. Diese Zahl scheint mir noch untertrieben. Pressefreiheit gibt es nicht mehr.

Viele Menschen in der Türkei haben mittlerweile Angst, offen ihre Meinung zu äußern, das gilt auch für Menschen in den Medien. Sie fühlen sich bedroht, sie haben Angst.

Es gruselt Sie, wenn Sie obigen Artikel von Çiğdem Akyol lesen, schreiben Sie. Ich finde, Frau Akyol geht in ihrem Beitrag noch sehr behutsam mit derzeitigen Zuständen in der Türkei um.

Kanäle wie „taz.gazete“ oder "Türkeiunzensiert" (WDR) sind wichtig, um Menschen in der Türkei Mut zu machen.

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Karaman 30.01.2017 | 22:05

Hallo Herr @WEINSZTEIN,

Schuld ist „DER HEILIGER GRAL“ DES DOPPELTEN MORALES…

[…]Ihr Kommentar legt nahe, dass Sie in Deutschland leben und glauben, besser über die gegenwärtige Lage in der Türkei informiert zu sein als die Autorin des Artikels. Wieso eigentlich? […]

Als ein Deutscher-Staatsbürger mit Migranten-Hintergrund bin ich in beiden dieser Welten zuhause.

Nein, ich bin bestimmt nicht besser informiert als Frau Akyol oder als Sie.

Ich bin nur jemand, der mit seinen sechzig Lebensjahren gelernt hat, all seine Last, Ballast und Müll – ideologisch wie politisch – abzuwerfen. Und längst abgeworfen hat…

Solche Berichte haben in Deutschland viel dazu beigetragen, dass hier ein Weltbild über die Türkei entstanden ist, das es so nicht unbedingt stimmt; stimmen kann. Ich kann mittlerweile mit keinem Deutschen, ob er ein Bekannte, Freunde oder irgendjemand andrer ist, keine vernünftige Unterhaltung, Diskussion, Gespräch mehr über Erdogan &Türkei führen. Man wird sofort als Erdogan-Junge enttarnt; da Erdogan nur böse ist und nur das sein kann!

Ich will in dieser Sache nur das SCHWARZE SCHAF sein… gegen die Strömung schwimmen… den Menschen ein Spiegel vors Gesicht setzen…

[…] Kanäle wie „taz.gazete“ oder "Türkeiunzensiert" (WDR) sind wichtig, um Menschen in der Türkei Mut zu machen[…]

Sicher. Sie haben Recht. Wenn das so wäre, würde ich mir auch nichts anders wünschen.

Was ich aber hier FALSCH finde, ist, dass es immer dieselben „Köche“ sind, die in solchen Medien oder Plattformen, von denen Sie schreiben, ihr Süppchen kochen. Es sind immer die gleichen PATENTIERTEN OPPOSITIONELLE Erdogans & der Türkei, die zu Wort kommen und genau das ist falsch.

Unter Pressearbeit verstehe ich ehrliche, unparteiische, unabhängige Berichterstattung…

[…] Viele Menschen in der Türkei haben mittlerweile Angst, offen ihre Meinung zu äußern, das gilt auch für Menschen in den Medien. Sie fühlen sich bedroht, sie haben Angst. […]

In diesem Zusammenhang siehe Twitter & Co…

Wenn ich z.B. an die Tageszeitungen Cumhuriyet, Aydinlik, Sözcü, Birgün und an zahlreiche Online-Medien denke, die immer noch „sehr unliebsame Art und Weise“ ihre tägliche Pressearbeit verrichten können, möchte solche Behauptungen als ein großes Klischee abtun, trotz deren Wahrheitsgehalt in bestimmten Masse. {zu Pressefreiheit und Türkei}

Ich bin der Meinung, ehrliche Arbeit hat nichts zu befürchten. Das gilt auch für Journalisten. Unter ehrliche Arbeit meine ich in diesem Zusammenhang nichts anders als eine Berichterstattung nach Presse-Ethik…

AUCH IN DEUTSCHLAND fühlen sich die Erdogan-Anhänger bedroht und haben Angst, auf Pro-Erdogan-Demos zu gehen… Denken Sie bitte an die Diskussionen über den Entzug der Doppelten Staatsbürgerschaft der Türken in Deutschland…

Ich glaube, jedes Land hat hier seine eigenen Macken und Vorstellungen, mit ANDEREN MEINUNG umzugehen…

[…]148 sitzen im Gefängnis. Diese Zahl scheint mir noch untertrieben. Pressefreiheit gibt es nicht mehr. […]

Das finde ich schade. Ich hätte mir gewünscht, dass die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU längt abgeschlossen wären. Dazu hätten sie sicherlich fortgeführt werden müssen; sicher von beiden Seiten… Von Seiten EU… Von Seiten der Türkei.

Unabhängig davon, ob es anschließend volle Mitgliedschaft der Türkei gewährt worden wäre oder nicht: Das hätte der Fortentwicklung des türkischen Systems in Sachen Demokratie und allen Bereichen, die dazu gehören, sehr geholfen… ABER DER HEILIGER GRAL DES DOPPELTEN MORALES…

. […] Pressefreiheit gibt es nicht mehr. […]

Ich würde mir wünschen, dass jeder, ABER JEDER, ganz frei wäre… keine Vorurteile…kein Hass… eine Pressefreiheit ohne Wenn und Aber…

Ich würde mir wünschen, eine Pressefreiheit, die nichts im geringsten Sinn mit einer Narrenfreiheit etwas gemeinsam hat.

In diesem Zusammenhang vergessen Sie bitte nicht, dass es hinter den meisten Tagespresse & Medien in der Türkei große Wirtschaftskonzerne stehen, die ihre Pressemacht für ihre wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Interessen einsetzen. ?!?

Eine Frage: Woran denken Sie, wenn Sie von BERUFSVERBOT in der BRD hören? Was ruft dieser Begriff in Ihnen wach?

Karaman 30.01.2017 | 22:11

@SIKKIMOTO

danke!

[…]Das Modell Autokratie + Gleichschaltung […]

Das sagen Sie nur SO VON HÖREN-SAGEN...

Und bestätigen Sie hiermit meine Feststellung, warum wir in Deutschland es genau wissen, was gut und was nicht gut für alle Menschen in der Türkei ist...

Eine Demokratie, die halbwegs funktioniert, plus Erdogan finde ich viel besser als General Sisi von Ägypten

(Ach so! Was hatte unser SPD-Obmann Gabriel über Sisi gesagt, als er in Ägypten bei Sisi zu Besuch war?)

B3thek 30.01.2017 | 22:44

Herr Karaman,

Die Frage die ich mir seit einigen Jahren stelle ist, was haben wir davon?! Wenn wir jetzt, angenommen wir sind im Recht, die Leute hier bezüglich der Türkei "aufklären", quasi gegensteuern, und das ganze sich dann zumindest etwas legt, wie bei Putin vor einem Jahr z.B. Machen die hier nicht in ein paar Jahren wieder die gleichen Fehler? Ich finde wenn überhaupt, müsste man die Ursachen bekämpfen statt nur an den Symptomen herumzufeilen. Oder vllt. sogar einfach abwarten, dass die sich ordentlich mal auf die Fr*** legen?! Diese Leute haben sogar einseitig die Integration für gescheitert erklärt. An dieser Stelle wage ich es fast nicht mal zu sagen, dass es für die Integration beider Seiten bedürfte, sofern man nicht damit eigentlich Assimilation meinte. Wie gesagt, nur angenommen, dass wir im Recht sind.

Karaman 30.01.2017 | 23:15

Eigentlich nichts…

Wird nichts bringen… klar…

Können nur auf die Low-Quality der Berichterstattung in zahlreichen deutschen Medien aufmerksam machen…

Oder dass wir nicht viel besser seien…

Dass wir hier auch unsere Macken haben…

Dass unsere so hoch gelobten Werte manchmal oder so oft sehr, sehr opportunistisch seien und auf doppelter Moral beruhen…

Und dass überall auf der Welt so ähnlich ist…

Und dass wir alle nur Menschen sind, die die Hilfe & Unterstützung & Verständnis der andern braucht…

Sikkimoto 31.01.2017 | 17:12

Realität ist, dass die Presse in der Türkei gleichgeschaltet wird. Realitätsverweigerung ist, Fakten nach Gutdünken zu ignorieren und die Lücken durch Fantasterei zu schließen. In ihrem Satz:

>Doch, ich möchte es nicht gelten lassen und glauben<

haben sie das wundervoll auf den Punkt gebracht.

Sie nennen zB kritische Zeitungen und verschweigen, in welchem Außmass ihre Redakteure verhaftet wurden. Sie nennen "online Medien" und verschweigen, dass das Internet nach belieben abgestellt wird. Das ist gelebte Realitätsverweigerung.

Karaman 31.01.2017 | 19:52

Sie haben Recht... Sie haben MICH prima verstanden ( ! )

So ist es immer; Menschen picken etwas raus, was sie ausgiebig kritisieren können; unwichtig DABEI was der Schreiber im totalen sagen will...

Wie wär’s, wenn wir den geschriebenen Text (Wenn es uns sicher darum geht) genau durchlesen... Warum müssen wir immer alles zerlegen, auseinander nehmen? Ausschlachten?

Ewig kann man sich streiten, ob etwas schwarz SEI oder weiß...

ICH MÖCHTE ABER ERKENNEN, VERSTEHEN, ob es dazwischen, irgendwo etwas gibt, WAS GRAU IST...

Verstehen Sie?

Sicher werden Journalisten verhaftet, inhaftiert. Presse, Medien werden verboten... usw. usw. usw...

Das alles wurde x-mal gesagt... landauf...landab...

Ich bin kein Papagei... nein...

Wie gesagt...ich will verstehen... ich will etwas dazu beitragen (wenn möglich), dass die „Völkerverständigung“ HIER (!) ein bisschen funktioniert.

Nein! Ich will nicht Sie, oder jemand Anderen hiermit beleidigen, ärgern, gar beschimpfen... Nein!

Ich habe hiermit nicht vor, mich besserwisserisch darzustellen...

Verstehen Sie!

JR's China Blog 31.01.2017 | 20:37

Herr Karaman, Sie schrieben an Weinsztein:

Ich bin der Meinung, ehrliche Arbeit hat nichts zu befürchten. Das gilt auch für Journalisten.

So eine Aussage finde ich nun wiederum eine Beleidigung an Journalisten, die in der Türkei trotz Schikanen wohnen, leben, arbeiten, etc.. Sie haben eben ziemlich viel zu befürchten, wenn sie ihre Arbeit anständig tun wollen. Und das zu bestreiten, ist schlicht falsch, wenn man will, dass es besser wird.

Daran ändert die Tatsache nichts, dass jede Gesellschaft ihre →Leichen im Keller hat.

Ich glaube ihren Zorn über viele deutsche Scheinheiligkeiten zu verstehen (kann mich da aber natürlich auch irren). Aber ich habe - wie Sikkimoto - den Eindruck, dass Sie darüber vielen Türken Unrecht tun.

(Ich kenne ein paar türkischstämmige Deutsche, denen angesichts der politischen Trends in der Türkei die Haare zu Berge stehen - die das überhaupt nicht relativ scheiße finden, sondern absolut scheiße. Und ich halte sie für ziemlich gut informiert.

Karaman 02.02.2017 | 20:33

Danke für Ihren Kommentar, JR'S CHINA BLOG

Möchte festhalten, dass ich total dagegen bin, dass Journalisten, Intellektuelle oder ganz schlicht und einfach, Menschen wegen ihrer Arbeit, Meinung, Glaube, Sprache, Herkunft, Hautfarbe etc. benachteiligt oder inhaftiert oder getötet werden…

[…]Ich glaube ihren Zorn über viele deutsche Scheinheiligkeiten zu verstehen (kann mich da aber natürlich auch irren). […]

Was mich wirklich stört, ist nicht nur die „…deutsche Scheinheiligkeiten…“ sondern der Opportunismus in Deutschland und der EU… in Bezug auf die Türkei…

Mich stört, dass Werte gegeneinander aufgespielt, verglichen, verunglimpft werden…

Mich stört diese opportunistische Haltung in der Politik wie in der Gesellschaft…

Kann unendlich weiter aufzählen…

[…] ein paar türkischstämmige Deutsche, denen angesichts der politischen Trends in der Türkei die Haare zu Berge stehen […]

Das glaube ich und verstehe sie. Diese Menschen wollen, dass Erdogan verschwindet und mit seiner Partei AKP … Korrekt… Ich kenne auch etliche türkischstämmige Deutsche, die Erdogan anhimmeln…

AN WELCHEN TÜRKISCHSTÄMMIGEN SOLLTE MAN NUN GLAUBEN, Ihrer Meinung nach?

Ganz einfach: Es ist nun mal alles relativ... und der Sache des Standpunktes... Kein Mensch befindet sich im Unrecht (nach eigenem Ermessen sicherlich...)

JR's China Blog 02.02.2017 | 23:06

Möchte festhalten, dass ich total dagegen bin, dass Journalisten, Intellektuelle oder ganz schlicht und einfach, Menschen wegen ihrer Arbeit, Meinung, Glaube, Sprache, Herkunft, Hautfarbe etc. benachteiligt oder inhaftiert oder getötet werden…

Ja, was denn nun? Sie sind dagegen, aber es ist nun mal alles relativ?

Ganz einfach: Es ist nun mal alles relativ.

In dem Moment, in dem einem Menschen, der sich verfassungsmäßig im Recht befindet, von staatlicher Seite oder mit staatlicher Ermutigung willkürlich Schaden zugefügt wird, ist nichts relativ, Herr Karaman. Das können Sie so oft schreiben, wie Sie wollen: es bleibt opportunistischer Stuss.

Der Sinn der Menschenrechte besteht darin, dass man nicht erst dann gegen ihre Verletzung protestiert, wenn staatlicher Gewaltmissbrauch einen selber trifft.

Wer sich nur beschwert, wenn er selbst an der Reihe ist, wird ins Leere klagen - und die Erfahrung ist absolut.