RE: Geschichte zu Ende bringen | 17.01.2019 | 23:01

Nun, Sie schreiben unter einem Artikel von Daniela Dahn, dass die "Rechten Herren" beim Freitag Einzug gehalten hätten. Da schon fragt man sich, was das nun mit diesem Artikel zu tun haben soll. Dann lesen wir, Frau Dahn schreibe "solche Floskeln, die im tiefsten Grunde eigentlich pseudolinken "Endlösungsfantasien". Wo ist nun also groß der Unterschied? Wollen Sie wirklich darauf beharren, Dahn nicht als Rechte, sondern nur als den Rechten Wortgleiche, mit "Endlösungsfantasien", im "Denken Ergraute" und "Verwirrte", bezeichnet zu haben? Na meinetwegen - wenn es Ihnen auf diese Differenz ankommt. Allerdings sind Sie im Beschimpfen deutlich genug; da brauchte ich wahrlich kein Wunschdenken bemühen. Oder würden Sie sich rausretten wollen, dass sie "Endlösungsfantasien" ja nur in Anführungszeichen gesetzt haben? Das erinnert - da kann ich jetzt auch nicht anders - doch sehr an die sattsam bekannte AfD-Taktik. Die Provokation sitzt, aber expressis verbis habe man doch nichts Schlimmes gesagt.

RE: Geschichte zu Ende bringen | 17.01.2019 | 19:39

Frau Dahn ist für Sie also ein "Rechter Herr", soso ... Wie Sie sie dann schließlich verunglimpfen, ist allerdings eine rechte Anmaßung. Zumal Sie offenbar den Artikel und besonders den Schluß nicht verstanden haben.

RE: Geschichte zu Ende bringen | 17.01.2019 | 19:34

Frau Dahn meint wohl eher, dass (sozialistische) Zukunft nur bedeuten kann, nicht die Fehler von einst zu wiederholen. Also insofern mit der Geschichte abzuschließen. Und das sozusagen mit Rosa Luxemburg, wie es weiter oben im Text ja heißt: "Rettung also nicht durch Rückkehr zu Gewesenem, da das Gewesene weder wieder herstellbar noch für alle tauglich wäre, sondern nur durch etwas wirklich Neues."

RE: Geisterfahrt zum Brexit | 16.01.2019 | 22:46

Zwei Szenarien gehen mir, wenn auch jetzt erst allmählich, auf: Zumindest eine bestimmte Fraktion will entweder die EU mit hinab ziehen oder so brutal hoch pokern, dass doch noch der beste Deal herauskommt. Letzteres würde sich die nicht unbegründete Angst vor allem in den westlichen EU-Ländern vor ersterem zunutze machen, auf dass Brüssel einknickt. Allerdings wäre das extrem spekulativ ... Andererseits darf man so etwas durchaus gerade von Typen wie Farage oder Johnson erwarten. Und wenn man auch gesehen hat, wie hämisch May sich im Unterhaus behandeln lassen durfte ...

RE: Wohl dem, der lieben kann | 13.01.2019 | 22:43

"Ich lasse mich gern überzeugen, wenn das möglich ist, daß Netflix das alles auch kann. Ich habe mein Beispiel gegeben, geben Sie doch nun Ihres. Eine Netflix-Szene oder –Folge, die imstande sein könnte, jemandes „Leben zu verändern“."

Das will ich doch gar nicht; wie ich aber auch schon gesagt habe. Theater- und Museumsbesuche oder z. B. Literatur beeindrucken mich in der Regel auch tiefer und nachhaltiger, als eine TV-Serie.

Ich habe natürlich provozierend geschrieben, weil mich als erstes an Ihrem Artikel seine Kürze geärgert hat. Nach dem Präludium folgt sofort die Coda; wo es anfängt, richtig interessant zu werden, wo es in die Vertiefung hätte gehen sollen, sind wir schon am Ende. Ich weiß, dass auch Sie gerne mehr geschrieben hätten. Tatsächlich sind wir, wie Sie ja auch sagen, gar nicht weit auseinander.

RE: Wohl dem, der lieben kann | 13.01.2019 | 00:00

"Es ist dennoch nicht wie im wirklichen Leben. Dort geht das Verlassenwerden vom anderen Menschen aus, über den ich nicht verfüge. Vor dem Bildschirm sitzend sehe ich aber nur zu. Ich bin gar nicht im Spiel."

Warum aber gerieten Sie dagegen in der beschriebenen "Holländer"-Inszenierung selbst "in's Spiel"? Ich könnte locker sagen: Was Ihnen in der Hamburger Oper passiert ist, hätte Ihnen auch mit einer TV-Sendung passieren können.

Sehen wir doch einmal von Ihnen persönlich ab, und dass Sie vermutlich lieber ins Theater gehen, als sich vor den Bildschirm zu setzen. Warum ist der Besucher der Opernproduktion "im Spiel", der vor dem Bildschirm-Sitzende hingegen nicht? Hierfür fehlen mir nach wie vor die Argumente.

Eine Annäherung gibt es sicher damit, dass insbesondere die privaten Streaming-Anbieter, wie auch bisher die TV-Anstalten, zusehen, dass das Programm Mainstream oder Durchschnitt genug ist, so dass so viele Menschen wie nur möglich immer wieder einschalten. Es muss sich rechnen. Das schränkt ein künstlerisches Abstraktionsniveau von vornherein stark ein. Das zieht dann auch ein entsprechendes Rezeptionsverhalten nach sich. Was mich nicht herausfordert kann ich auch in großen Mengen oder nach Gewohnheit in dichter oder regelmäßiger Frequenz aufnehmen. Also konsumieren. Vielleicht lassen sich so, im Ansatz, Unterhaltung und Kunstrezeption unterscheiden. Womit allerdings nicht gesagt ist, dass Kunst schwer sein oder Mühe machen muss.

Kunstfertiges kann mir mit einem solchen Konsumverhalten verborgen bleiben oder lässt mich nur im Gewohnten schwelgen. Das muss zwischen den "Kunstsphären" aber gar nicht so verschieden sein. Um auf den "Holländer" zurückzukommen: Wagner verhandelt nichts grundsätzlich anderes, als auch die seichteste Telenovela verhandelt. Die wesentlichsten Probleme der Menschen haben sich über die Zeiten nicht wirklich geändert. Die Erlösung durch das Weib ist vielleicht das grundierende Thema bei Wagner. Seine Tonsprache hat der Komponist ganz klar auf Berauschung ausgelegt. Lassen wir Wagner einmal in seiner Zeit und nehmen für unsere Zeit einen schwülstig-opulenten Hollywood-Film, der Abenteuer und Herzkino vereint. Nein, nein - gleichsetzen will ich nicht. Jedoch, jedes für seine Zeit genommen, hat(te) doch funktionell einen kaum verschiedenen Auftrag, oder? Und freilich war die Rezeption im 19. Jh. eine andere - man konnte eben nicht einfach die Flimmerkiste einschalten -, während wir heute die Werke aus Jahrhunderten neben die diversen von heute stellen können.

Auf diese historische Perspektive wollte ich noch einmal zurückkommen, da mir auch nicht genügt, zu sagen, Wagner und Bach, Shakespeare, Milton, Delacroix oder x bemalte Amphoren der klassischen Zeit haben bis heute, wie auch immer, überdauert w e i l sie höhere Kunst seien; sich also durchgesetzt hätten.

Mit dem "Problem" der Intimität bei Kunst wollte ich hingegen auch gesagt haben, dass im Reden über Kunst doch der Teil der subjektiven Wahrnehmung und Verarbeitung nur bei mir bleiben kann. Will ich Wesentliches teilbar machen, so bin ich auf Sachliches und Strukturelles zurückgeworfen. Das ganze analytische Rüstzeug hat am Ende aber ja doch nur eine sehr begrenzte Reichweite. Kunst bleibt ein Phänomen; Kunstfertigkeit kann auch nicht erlernt, sondern allenfalls entwickelt werden. Und wieviele Menschen kennt man im Leben, mit denen man sich, wie man so sagt, blind versteht?

RE: Tod dem Heldentod! | 11.01.2019 | 22:27

"Aber brauchen wir Knabenchöre in künstlerischer Hinsicht? Ist ein Kinderchor, ob Jungen, Mädchen oder gemischt, nicht so etwas wie Blockflötenmusik [...]"

Solche Fragen öffnen die Box der Pandora und ich würde sie eigentlich eher von Haushaltspolitikern erwarten denn von jemandem, der sich so für Musik begeistert. Knabenchöre gehören zur Tradition. Wer fragt, ob man sie "braucht", fragt auch, ob man noch J.S. Bach braucht und danach, ob Sinfonieorchester usw. Lässt sich doch auch alles kostengünstiger technisch emulieren, wie man es in Hollywood'scher Filmmusik macht. Daneben haben doch weder Knabenchor noch die Blockflöte, wie Sie selbst zugeben, künstlerischer Entwicklung im Wege gestanden. Das Spektrum der Chormusik weist heute alle möglichen Stimmenkombinationen auf. Das gleiche gilt für Instrumente, ob akustisch oder elektronisch.

Zur Frage um die Geschlechtergerechtigkeit und Knabenchöre:

https://www.tagesspiegel.de/kultur/diskriminierung-in-der-klassik-maedchen-sollten-in-knabenchoeren-auftreten-duerfen/23775388.html

https://www.br.de/mediathek/podcast/klassik-aktuell/maedchen-ausgeschlossen-sind-knabenchoere-diskriminierend/1408828

RE: Wohl dem, der lieben kann | 10.01.2019 | 22:42

Lieber Herr Jäger, ich bin vor allem darauf angesprungen, dass Sie Netflix gegenüber der von uns so gehüteten Kunst vergangener Zeiten so kategorisch von der Möglichkeit, Kunst sein zu können ausschließen. Das habe ich nicht getan, um die Unterhaltungsformate unserer Zeit zu verteidigen, sondern mir schien eine nicht hinreichend begründete wie klischeehafte Trennung von Kultursphären auf. Was im Museum ruht, im bürgerlichen Konzertsaal aufgeführt wird, oder in Bücher geschrieben wurde, gelte Kunst und Kultur, mithin als hochwertig, während das Übrige davon auszunehmen und eben allein passive Zerstreuung und Unterhaltung sei. Die überkommene sozial-gesellschaftliche Disktinktion, die da mitschwingt, braucht hier nicht weiter ausgeführt werden. Aber diese werfe ich Ihnen auch nicht vor (NB: Kunst für den Arbeiter, der "Bitterfelder Weg" der DDR, Brecht/Eisler, Nono etc., von der Sie oben @Moorleiche sprechen, wäre ein wertes, ergänzendes Thema). Zum einen würde mich das bei Ihnen auch mehr als wundern und zum anderen führen Sie als Argumentation ja kurz die verschiedene Kommunikationssituation zwischen z. B. der Situation im Museum und vor dem heimischen Bildschirm mit einer TV-Serie an. Wenn gerade auch dieser Punkt nicht wirklich ausgeführt ist, was wohl mit dem Gebot der Kürze für den Artikel zusammenhängt.

Mit der Diskussion von Endemann und Lethe, in der ich wechselnd bei beiden Zustimmungswürdiges gefunden habe, bin ich darauf gekommen, dass es Kunst "an sich", objektiv, gar nicht gibt. Ich bin da, wenn ich ihn richtig verstehe, stark bei Endemann; und zwar, dass Kunst eine "intersubjektive Realität" oder "objekt-subjektive Faktizität" sei. Wie stehe ich einem Ding, einem Sein, einem Werk gegenüber? Darüber hinaus kommt ins Spiel, dass Kunst aber auch zu solcher erklärt wird und somit soziales Verhalten determiniert. Zu solcher erklärt wird sie etwa dadurch, wenn sie im Museum steht - aber etwa nicht, wenn etwas in Form einer TV-Serie auf Netflix läuft. Dazu gehört aber auch, dass etwa jeder, der bei einer Castingshow halbwegs passabel trällert, zum Künstler erklärt wird. Ich stimme Ihnen ja insofern zu, als das passive Konsumieren und die Allverfügbarkeit der aktuellen medialen Formate eine von der Kunstrezeption zu scheidende Qualität ist. Hier kann allerdings auch gefragt werden, ob das Anhören einer Sinfonie per YouTube Kunstgenuss sein könne oder eben nur die Aufführung im Konzertsaal. Oder: Wie verhielte es sich mit der Erstveröffentlichung einer zeitgenössischen Komposition via Internet-Streaming?

"Die Zauberflöte ist nicht deshalb interessant, weil sie etwas Ähnliches wie Netflix wäre [...]"

Nicht weil sie "etwas Ähnliches wie Netflix wäre", sondern weil sich eine gewisse Vergleichbarkeit herstellen lässt, so man diese herstellen will.

[...] sondern weil Mozart da eine Dimension von Volksunterhaltung in etwas einbezogen hat, was „hohe“ Kunst war, wie das vor ihm Shakespeare tat."

Und insofern wäre es, eben mit den heute angesagten medialen Mitteln (so ist es ja nun einmal), doch zumindest in Erwägung zu ziehen, dass etwas auf Netflix auch Kunst sein kann. Vielleicht sogar hohe ... ("hohe Kunst" ist aber auch schwer zu argumentieren). Trotz der anzunehmenden Mehrzahl der Zuschauer, die sich eben eine Serie "reinziehen". Unabhängig von der Einschätzung der künstlerischen Qualität der "Zauberflöte" darf man im Gegenzug nämlich auch fragen, welcher Prozentsatz der zeitgenössischen Besucher zum Kunstgenuss im Opernhaus war und nicht primär des gesellschaftlichen Events oder des Schäkerns und Fressens in der Loge wegen. Und - auch wenn ich jetzt etwas polemisch zuspitze - man darf sicher auch danach fragen, ob nun vor jedem historischen Artefakt ehrfürchtig erstarrt werden muss, nur weil es vor x-Jahrhunderten erkennbar als nicht bloßer Gebrauchsgegenstand geformt wurde.

"Für Sie ist Kunst weiter nichts als ein soziologisches und psychologisches Phänomen, oder zumindest glauben Sie nicht, daß man anders als so über sie sprechen kann [...]"

Mit der Kunst ist es bei mir so: Was mir unheimlich gut gefällt, was ich liebe, das ist für mich eine zutiefst intime Angelegenheit, bei der ich das Gefühl habe, dass ich das, was mir so daran gefällt, gar nicht wirklich teilen kann. Keiner kann es so verstehen, wie ich; auf der sinnlichen Ebene kann ich niemandem begegnen. Deshalb bin ich jedesmal aufs Neue ungemein überrascht, wenn ich etwas über ein Kunstwerk lese oder höre, dass meiner Wahrnehmung sehr nahe kommt. Allerdings bin ich aus rein rationalen Erwägungen der Ansicht, dass über Kunst am besten als soziologisches und psychologisches Phänomen geredet werden kann. Ist sie denn nicht ein solches Phänomen? Wie kann man über Liebe reden?

"Ich glaube, Sie waren es, der einmal mit einem gewissen Erstaunen konstatierte, daß die Fünfte von Beethoven doch eigentlich recht unterkomplex komponiert sei. Es ist dann natürlich nicht überraschend für mich, daß Sie mit meinen Ausführungen zum „Anderen“ nichts anfangen können."

Dass ich Kunst über Komplexität beurteilte, ist ganz und gar nicht der Fall. Mein Kommentar, auf den Sie anspielen, ist unter Ihrem Bernstein-Text vom August und wollte geradezu das Gegenteil ausdrücken.

RE: Wohl dem, der lieben kann | 07.01.2019 | 23:18

Bitte verzeihen Sie, ich wollte nicht unhöflich sein und hätte heute morgen eher schreiben sollen, dass ich auf Sie zurückkomme. "Motiviert" war meine knappe Antwort allerdings schon aus dem Erstaunen heraus, dass Sie mich so missverstanden haben oder auch missverstehen.

Mir geht es um die soziale Funktion und ich war der Ansicht, dass Sie im Artikel mit dem Netflix-Vergleich auch in diese Richtung zielten. Zu künstlerischer Qualität wollte ich gar nichts gesagt haben und mich auch weniger an den philosophischen Erwägungen, die besonders Endemann und Lethe veranstaltet haben, beteiligt haben. (Aber ich habe diese sehr interessiert mitgelesen und für mich mitvollzogen)

Ich meine, dass Endemann etwa 8 Stunden meinen Faden etwas aufgenommen hat, stimme ihm in Vielem zu - jedoch nicht in allen Punkten. Ich versuche es auch noch einmal, mich verständlich zu machen:

Wir haben heute ein künstlerisches Spektrum zur, sagen wir einmal, "Verfügung", das von der Antike bis, nunja, Netflix, YouTube ... reicht. Das war eben, bleiben wir einmal im 18. Jh., nicht der Fall. Ich wollte mit dem Beispiel der Oper im 18. Jh. und der von der Gunst des primär adligen Publikums abhängigen Kunst aber auch der frühkapitalistischen Verwertung, wie sie prototypisch in England stattfand, festgestellt haben, dass diese von der Verwertungslogik der heute prominenten medialen Kanäle, wie eben Netflix und Co., wenn auch nicht gleichzusetzen, so aber doch stark vergleichbar sind. Das aber freilich auch nur, wenn man so einen Vergleich herstellen will. Ich muss zugeben, dass Sie das zwar so eigentlich nicht wirklich tun - sondern wohl eher den Museums- oder Konzertbesuch der allbeliebigen Verfügbarkeit der Serienformate auf Netflix gegenüberstellen. Es kann sich also auch um zeitgenössische Kunst im Museum oder Konzert handeln.

Da Sie aber Netflix die Eignung, "Kunst zu sein", so generell absagen, fühlte ich mich zu meiner kunstsoziologisch gemeinten Anmerkung provoziert, was wir heute zumeist als hohe Kunst aus vergangenen Zeiten adeln, war zu ihrer Zeit gewissermaßen auch so etwas wie Netflix. Es gab schlicht nicht die Möglichkeit, sich zwischen dem kulturellen Format A, B, C oder D entscheiden zu können, wie heute. Aber auch bei der grundsätzlich uns heute zur "Verfügung" stehenden Vielfalt und Verschiedenheit (s.o.), dominiert doch ganz klar das, was per medialer Allverfügbarkeit durch die neuen Medien ins Haus und auf die Geräte flimmert; nennen wir es A. Im 18. Jh. gab es, wenn es hoch kommt, A und B, wobei aber auch ganz klar das Brandneue und am besten Unterhaltende dominierte; nennen wir es wiederum A.

Wenn Spätere zu Mozarts "Zauberflöte" nun sagten und sagen, naja, da hat er zugunsten des Populären ganz schön mit seiner künstlerischen Potenz gespart, so fand sie doch auf keinem anderen Parkett statt, als der "Don Giovanni". Und wieviele Künstler des 18. Jh. kennt heute kein Mensch mehr bzw. sind auch tatsächlich verschwunden? Mit der künstlerischen Qualität hat das nichts zu tun. Zumindest nicht im Vergleich dazu, dass wir von einem Haydn noch heute 104 Sinfonien und ich weiß nicht wieviele zig Streichquartette in der Schublade bewahren. Hier muss ich noch einmal betonen, dass ich damit eben nichts über die künstlerische Qualität der 1., 87. oder 101. Haydn-Sinfonie gesagt habe; geschweige denn, ob es irgendeine Rechtfertigung gibt, dass diese nicht im Altpapier gelandet sind, aus den Notenblättern nicht Palimpseste wurden oder nicht zum Fisch-Einwickeln genutzt wurden, wie es dem wohl größten Teil mittelalterlicher Musikaufzeichnungen widerfahren ist.

Ich stehe Netflix u.ä. mit Sicherheit genauso skeptisch gegenüber, wie Sie. Dass es an sich keine Kunst könne, kann meines Erachtens aber nur kunst- und mediensoziologisch sowie unter psychologischen Gesichtspunkten gezeigt werden. Damit, und da bin ich überzeugt, würden/werden gleichermaßen analytische Schlaglichter darauf geworfen, worin unsere so emphatische Erhöhung historischer Kunstwerke gründet bzw., wie begründet sie tatsächlich ist.

Ihre Ausführungen zum "Anderen" (hier ein Tag) verstehe ich noch nicht so recht.

RE: Wohl dem, der lieben kann | 07.01.2019 | 08:25

Nein, da verstehen Sie mich nicht richtig.