Helke Ellersiek

Freie Journalistin. Leipzig, Köln, Berlin. Twitter: @helkonie
Helke Ellersiek
RE: Wir machen den Job der Journalisten | 09.06.2015 | 23:22

Danke, danke und noch mal danke für den Artikel. Es ist echt irre, dass es nicht mehr reicht, eine durchschnittliche deutsche Zeitung zu lesen/ einen Radiosender zu hören/ einen Fernsehsender zu sehen, um ein umfassendes Bild von der griechischen Lage zu bekommen. Michalis bei Facebook und Twitter zu folgen hat mich besser und umfassender informiert als alle Medien, die ich nutze. So, wie es einen Bildblog gibt, braucht es eigentlich einen Griechenland-Berichterstattungsblog, der alle Verdrehungen aller deutschen Medien unabhängig aufgreift. Man hat das Gefühl, dass viele Journalisten keinerlei Legitimationspflicht bei ihrer Kommentierung zu Girechenland fühlen. Es gibt kein organisiertes Korrektiv. Das ist ein großes Problem.

RE: Studium der Arbeit | 24.02.2015 | 09:53

Ich würde gern länger darauf eingehen, bin aber selber gerade eingespannt (ich bin auch Journalistin ;) )

Nur so viel erst mal: Mir hat dein Beitrag sehr gefallen, ich kann mich gut mit diesem Gefühl identifizieren. Aus dem Grund habe ich auch mein Abi für eine Ausbildung unterbrochen: Weil ich das Gefühl hatte, dass ich die ganzen interessanten Sachen, die man auf einem humanistischen Gymnasium so lernen könnte, nicht behalten kann, weil das G8-System einen zum Bulimielernen zwingt. Das ist schon paradox: Ein gesellschaftswissenschaftliches Abitur abzubrechen, weil man mehr über Gesellschaftswissenschaften lernen und es auch behalten will.

Und zum Semester verlängern: Ja, dieses Gefühl von Stress kenne ich. Niemand übt direkt Druck auf einen aus, und trotzdem fühlt man sich irgendwie unter Zugzwang. Ich glaube, wir müssen uns von diesem Gefühl einfach freimachen. G8 ist da auch wieder ein gutes Beispiel: Da werden junge Leute dermaßen unter Stress gesetzt mit diesem Internationaler-Vergleich-Blabla, dass am Ende lauter inkompetente 22-Jährige auf ihrem Bachelor vor Arbeitgebern stehen, die auch gern mal einen Bruch im Lebenslauf sehen, oder auf Erfahrung setzen wollen.

Bei sowas machen wir da doch den Unterschied.

Rede ich mir jedenfalls ein, dann kann man schon mal eine Existenzkrise vorübergehend überbrücken. :)

Insofern erst einmal solidarische Grüße von deiner jüngeren Leidensgenossin

Helke

RE: Burbach war kein Einzelfall | 24.01.2015 | 20:34

http://stura.uni-leipzig.de/MethodenZahlenLegida Die Fachschaft hat die Legida-Teilnehmer gezählt und kommt auf 4.000 statt 15.000

RE: Burbach war kein Einzelfall | 24.01.2015 | 01:06

Lieber Costa,

lieber nicht darüber nachdenken. Lieber darauf hoffen, dass dieses leipziger Soziologieinstitut Recht hat mit seiner Zählung. Das muntert auf.

Liebe Grüße und gute Nacht

Helke

RE: Mit Sicherheit ein falsches System | 23.01.2015 | 15:38

Guck mal, neuer Bericht:

"Aktuell werden für die durchzuführenden Kontrollen insgesamt 7 pensionierte Polizeivollzugsbeamte (alle mit befristeten Teilzeitverträgen) herangezogen.
Mit der vorhandenen Personalstärke können in jeder Einrichtung ca. alle drei bis vier Wochen unangemeldete Kontrollbesuche stattfinden, die derzeit i.d.R. während der allgemeinen Dienstzeiten stattfinden."

Außerdem heißt es:

"Die Maßnahmen des LKA haben insoweit ergeben, dass Gewalttaten durch Sicherheitsbedienstete
und sonstige Mitarbeiter oder Beauftragte der Einrichtungsleitung
oder des Betreibers gegen Bewohner nicht nur in Burbach begangen wurden."

S.12

http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV16-2618.pdf

RE: Mit zweierlei Maß | 16.11.2014 | 16:47

Der Ruf nach kollektivem revolutionärem Handeln ist ein Eingeständnis des Einzelnen gegenüber seiner Mutlosigkeit und geistigen Verarmung.


Kann ich so nicht sehen. Warum denn? Ich finde eher die Leute mutlos, die meinen, es sei sowieso egal, was sie machen, und die sich frustriert von Politik etc. abwenden. Nicht, dass ich nicht auch oft frustriert von Parteien etc. bin, auch oft vom Wähler, ganz schlimm. Aber ich sehe nicht ein, warum man nur dann den Durchblick haben soll, wenn man sich verbittert von allem zurückzieht und zum Selbstversorger oder blinden Ist-doch-eh-wurscht-Konsumenten wird.

Wer weiß, vielleicht bin ich aber auch einfach noch zu jung und idealpervertiert um diesen Stein der Weisen zu finden. :)

RE: Mit zweierlei Maß | 16.11.2014 | 16:20

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich bin natürlich nicht dafür, die Unternehmen STATT der Politik durch Konsumverhalten in die Verantwortung zu nehmen. Das wäre der totale Quatsch, die Politik kann und muss die Rahmenbedingungen setzen. Ich halte es nur für falsch, der. Politik frustriert den Rücken zu kehren, wenn sie ihre Versprechen bricht oder nicht schnell genug umsetzt, wofür wir sie gewählt haben - wir gleichzeitig aber bei den Schweineunternehmen weiter einkaufen. Dieser Fatalismus, den ich meine, ist entpolitisierend und folgenreich, weil er die Politik schwächt und gleichzeitig die Konzerne auch noch stärkt.

Außerdem beobachte ich häufig, dass genau die Leute, die gegen striktere Gesetze sind, gleichzeitig herablassend lachen, wenn man versucht, wenigstens sein Konsumverhalten zu ändern.

Demokratische Prozesse sind nun mal langsam, und ihnen stehen jede Menge Lobbyinteressen entgegen. Während dieses Prozesses sollten wir uns auf keinen Fall ins Schneckenhaus zurückziehen und sagen "In der Politik passiert nichts, den Konzernen kann man nicht vorwerfen, dass sie die bestehenden Gesetze zu ihrem Vorteil ausnutzen. Wir machen deshalb weiter wie bisher. Du kaufst kein Fleisch? Aber Kapselkaffee trinkst du trotzdem. Das zerstört auch die Umwelt." Diese Einstellung ist eine einzige Absicherung völligen Stillstandes. Und das verbittert uns auf Dauer alle.

Liebe Grüße,

Helke Ellersiek

RE: Jahrgänge der Erwartungshorizonte | 16.11.2014 | 13:04

Kennen Sie den Witz mit den zwei Lämmern? :)

RE: Mehr zivilgesellschaftliche Radikalität! | 08.11.2014 | 15:38

Ja, ich finde es auch schön, dass ihr mal ein bisschen mehr aus ihm herausbekommen habt. Ich finde die Stelle gerade nicht, aber da geht es doch irgendwo um seine eigene Betroffenheit, oder?

Ich weiß noch, dass ich sowohl eure Frage, als auch seine Antwort darauf sehr sympathisch fand.

Das, und die Stelle, wo ihr sagt, dass er immer erst im Nachhinein vom Schreibtisch aus schreibt, anstatt bei den Ereignissen dabei zu sein. Darüber denke ich ziemlich häufig nach.

Ich glaube, heute Abend nehme ich mir mal die Zeit, das noch mal konzentriert vom Anfang bis zum Ende zu lesen. :) Ich wollte das die ganze Zeit nicht so zwischen Tür und Angel machen.