RE: Sex für die Katz | 15.12.2017 | 16:29

Sicherlich ist es sinnvoll, die verschiedenen Ebenen dieser Debatte - z.B. die klassische Literaturkritik ("Ist das eine gelungene/gute/überzeugende Short Story?"), die Diskursanalyse, die Frage nach der Rezeption und den Reaktionen auf Twitter etc. - nicht zu sehr zu vermengen. Aber ich finde es bei näherem Überlegen toll, dass die Story eine Figur in den Mittelpunkt stellt, die man nicht so leicht mögen kann; Kristen Roupenian hat ja viel eingesteckt, weil ihre Protagonistin Margot so "unsympathisch" sei (genau wie Robert, den sie beim Popcorn- und Red-Vines-Verkaufen kennenlernt - vielleicht auch nicht so eine uninteressante Ausgangslage), und sie ist sicher auch schwer greifbar. Mit anderen Worten: Ihre Erfahrungen mögen viele teilen, aber ihre Persönlichkeit? Da fällt es schon schwerer, Ähnlichkeiten wahrzunehmen, geschweige denn sich einzugestehen.

Mein Bild von Margot hat sich im Verlauf der Erzählung ganz schön gewendet. "Keine der Figuren ist besonders ausgearbeitet" - diesen Punkt kann ich nicht ganz nachvollziehen, ich finde, dass man eine Menge über sie erfährt. Ich würde sogar sagen, über die Geschichte wird gerade deshalb so viel geredet, weil sie so komplex ist, widersprüchlich nicht nur in dem, was sie (von Robert, aber ja auch von sich selbst) will, sondern ganz grundsätzlich in einem multiplen Schwellenzustand: Arbeit und College, Virtualität und Realität, meinetwegen Jugend und Erwachsensein, usw. Ich würde die Geschichte gerne nochmal mit etwas Distanz zu der ganzen Debatte lesen. Und hören übrigens - ich habe die Audioversion gehört und dabei mitgelesen, das war im Nachhinein betrachtet gut, diese doppelte Aufmerksamkeit.

RE: Furcht vor dem Finale | 26.06.2017 | 08:07

Ich bin so froh, hier etwas über The Leftovers zu lesen; ich halte die Serie für ganz schwer unterschätzt und es gäbe so viel, über das diskutieren könnte.

Auch das ist natürlich subektiv, aber ich fand das Ende ebenfalls gelungen und teile Ihre EInschätzungen. Ein paar Fäden vom Beginn der Staffel wurden wieder aufgenommen, Nora Durst in den Mittelpunkt zu stellen hat sich für die Serie noch jedesmal gelohnt (wundervolle, fantastische Carrie Coon!) und die letzte Einstellung war sogar richtig beglückend (ich hab' einen Screenshot gemacht, für schlechte Zeiten). Mehr hätte ich mir eigentlich nicht wünschen können.

Ich denke, das ist eine der ganz wenigen Serien, die ich mir von der ersten bis zur letzten Folge sofort nochmal ansehen würde. Irgendwann mache ich das auch.

RE: Die Mären der Amme | 14.06.2016 | 09:54

Das freut mich ehrlich sehr – vielen Dank! Ich muss gestehen, dass ich es fast unglaublich finde, dass sich angesichts des Trends zu Romanbiografien scheinbar noch niemand Lafcadio Hearn angenommen hat. Seine Lebensgeschichte ist ja „stranger than fiction” und schreit vielleicht genau deshalb nach Fiktionalisierung. (Ich hatte sogar kurz den megalomanischen Einfall, es selbst damit zu versuchen.) Ich hoffe, Sie haben auch so viel Freude mit der Lektüre!

RE: Affen in Waffen | 11.08.2014 | 14:46

Wirklich eine vertane Chance, dieses Sequel. Ein kruder Kriegsfilm mit merkwürdigen Vorstellungen von Begriffen wie Zivilisation, Intelligenz oder Kultur. Ärgerlich, besonders nach dem ziemlich hervorragenden ersten Teil.

RE: Alles ist echt und nichts ist wahrhaftig | 17.05.2014 | 11:40

Fun fact: So überrepräsentiert wie (derzeit) im Freitag-Literaturteil ist der Krimi aber auch selten. Nicht übel!

Was den Status des Liebesromans angeht - ich glaube, das geht einher mit verschiedenen anderen Stereotypen und Stigmatisierungen. Ich musste bei dem Begriff jedenfalls sofort an die Romane denken, die in großen Ketten-Buchhandlungen unter dem Label "Frauenliteratur" geführt werden, also triviale, flache, heteronormative Unterhaltungsromanzen. Von dieser Vermarktungspolitik fühle ich mich gleich mehrfach beleidigt, als Frau, als Feministin, als Leserin, als politisch denkender und überhaupt als denkender Mensch. Danke für nix, Thalia und Hugendubel.

Ich wünschte, ich würde bei dem Begriff Liebesroman an etwas anderes denken, an "Written on the Body", "Naokos Lächeln" oder "Der Mann schläft". Oder eben an "Punk Pygmalion". Es gibt so großartige Bücher, die ganz zentral von einer Liebesgeschichte handeln.

RE: Alles ist echt und nichts ist wahrhaftig | 15.05.2014 | 14:22

Vielen Dank für den Kommentar! Vollkommen irre Liebesgeschichten selbst zu erleben ist ja zum Glück nicht immer so eine destruktive Sache, aber ich verstehe: als Leserin oder Leser ist man in der deutlich dankbareren Position. Ein bisschen geht es M. in der Geschichte ja auch so - das macht sie so spannend, verworren und nachfühlbar zugleich.

RE: Alles ist echt und nichts ist wahrhaftig | 15.05.2014 | 14:17

Danke, Magda! Was sich wirklich lohnt, ist hier mal genauer hinzusehen:

http://www.litblogs.net/

Dort findet man Links auf noch mehr literarische Blogs. Der von Jutta Pivecka ist dort gelistet, und auch der von Dana Buchzik und viele weitere sehr tolle Sachen.

RE: Im Universum der Süchte | 23.01.2014 | 11:39

Etwas mehr als drei Stunden, ja. Das HAU in Berlin hat den Roman übrigens vor zwei Jahren als 24-Stunden-Stück inszeniert. Ich hätte es gern gesehen.

Ob DFW bei Sinnen war? Lesen Sie doch mal ein bisschen in seinen Essays, das dürfte die (seltsame) Frage beantworten. Ich habe recht viel gelesen, "This is Water" fand ich als einzigen (!) seiner Texte enttäuschend, zumindest verhältnismäßig, es war mir zu sehr sprituell beladen, und man hat ihm da vielleicht auch ein bisschen die Vorliebe für Ratgeberliteratur angemerkt. "Unendlicher Spaß" begeistert mich noch Jahre später. Tun Sie sich den Gefallen! Es lohnt sich, die Realität dafür ein paar Monate links liegen zu lassen, ehrlich wahr.

RE: Strickliesels Liebste | 27.10.2012 | 23:06

Die Rezension macht auf mich nicht gerade den Eindruck, als hätte der Autor sich mit dem Film auseinandergesetzt. Vom Roman mal ganz abgesehen. "Die Wand" als feministische Fibel zu bezeichnen, halte ich für eine völlig abstruse, verfehlte Einschätzung. (Warum denn ausgerechnet eine Fibel? Habe ich echt verpasst, dass Haushofer eine pädagogische Handlungsanweisung zum Denkenlernen geschrieben hat, oder ist die Bezeichnung wirklich so falsch, wie sie mir vorkommt?) Vielleicht war's ja nur zugunsten der Alliteration - sei's drum.

Die Stricklieselmetapher finde ich jedenfalls fast ein wenig beleidigend, der Auszug aus der Biographie der Autorin ist so unsachlich wie unangemessen, da passt es irgendwie allzu gut ins Bild, dass der Name der Autorin auch noch falsch geschrieben wird; die Einschätzung, das Ende sei optimistisch und die Aussage banal, wird meiner Ansicht weder Film noch Romanvorlage gerecht. Ich habe nichts dagegen, auch mal einen gut begründeten Verriss zu lesen, aber so, wie hier argumentiert wird, ist das wirklich nicht besonders unterhaltsam.