Wird der neue Barbie-Film etwa feministisch?

Hollywood Im Sommer 2023 soll ein neuer Barbie-Film in die Kinos kommen – mit Margot Robbie und Ryan Gosling. Warum das ein Statement für Empowerment werden könnte
Sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt nach Feminismus aus. Aber vielleicht steht der neue Barbie-Film ja doch für Empowerment
Sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt nach Feminismus aus. Aber vielleicht steht der neue Barbie-Film ja doch für Empowerment

Foto: Jaap Buitendijk

Es ist leicht, Barbie dafür zu hassen, was die Puppe verkörpert: eine bis ins Unmenschliche gesteigerte Attraktivität und eine Welt des Konsums, in der alles nur funkelnd schön ist. Gleichzeitig erfreut sich die Puppe, die der US-amerikanische Spielzeughersteller Mattel seit 1959 produziert und über eine Milliarde Mal verkauft hat, weiterhin hartnäckig riesiger Beliebtheit. Der von Warner Bros. für Sommer 2023 angekündigte Barbie-Film wird jetzt schon kontrovers diskutiert.

Er ist der erste in der Barbie-Reihe, wo die Figuren nicht animiert, sondern mit echten Schauspieler*innen besetzt werden. Und hochkarätig! Regie führt Greta Gerwig, die mit ihren Indie-Filmen Francis Ha (2012) und Lady Bird (2017) internationale Berühmtheit erlangte und zuletzt das Historiendrama Little Women (2019) drehte. Zusammen mit ihrem Partner Noah Baumbach schrieb sie das Drehbuch des Barbie-Films.

Die Hauptrolle der Barbie spielt Margot Robbie, die durch ihre Rolle in The Wolf of Wall Street (2013) bekannt wurde und zuletzt die Bösewichtin des DC-Universums Harley Quinn in den Actionfilmen Suicide Squad (2016), Birds of Prey (2020) und The Suicide Squad (2021) verkörpert hat. Die Rolle von Barbies Freund Ken übernimmt Ryan Gosling. Ryan Gosling! Also alles nur Kitsch und Klischee? Nicht unbedingt.

Greta Gerwig macht keinen Trash

Mit der Bekanntgabe des genauen Erscheinungsdatums des Films veröffentlichte Warner Bros. nun auch das erste Film-Still, das Schauspielerin Robbie als Barbie mit – natürlich – hellblonden Haaren in einem – natürlich – pinken Chevrolet zeigt (aber mit Elektromotor, heißt es). Robbie trägt ein weiß gepunktetes blaues Stirnband und ein großes blaues Armband, das an die frühen Jahre der Puppe in den 1960er Jahren erinnert. In einem Interview mit Vogue vergangenes Jahr griff Robbie die Vorurteile auf, die Menschen haben, wenn sie Barbie hören. Mit Gerwig als Regisseurin würden sie dabei aber nicht rechnen. Subtext: Gerwig ist eine ernst zu nehmende Regisseurin, eine Künstlerin. Sie macht keinen Trash.

Gerwig ist eine Besonderheit im bedauerlich männerdominierten Regie-Business. Sie ist jung, erst 38 Jahre. Das US-amerikanische Magazin Time nannte sie 2018 in seiner Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt.

Man muss erwähnen, dass die Latte für Barbie-Filme tief hängt. Stolze 39 animierte Barbie-Filme sind seit 2001 in die Kinos gekommen. Sie richten sich allesamt an ein junges Publikum. Der neue Film spricht eine viel breitere Zielgruppe an. Die Qualität der animierten Barbie-Filme bewertet die Filmdatenbank IMDb durchgehend ziemlich schlecht, zwischen 4,9 und 6,9 von 10 Punkten. Da gibt es wirklich Potenzial nach oben.

Zwischen Tradition und Empowerment

Die wenigen Details, die über die Handlung des Films schon bekannt sind, werden gedreht und gewendet. Im Plot geht es wohl um eine Puppe, die in Barbieland lebt, aber verstoßen wird, da sie nicht „perfekt“ genug ist. Daraufhin erlebt sie Abenteuer in der echten Welt. Wenig verwunderlich, denn echte Menschen können niemals so perfekt sein wie eine Plastikpuppe. Auch ein Spielzeugunternehmen, das an Mattel erinnert, soll auftauchen. Der Film scheint das Barbie-Universum selbstreflexiv zu kommentieren.

Überstiegene Attraktivitätserwartungen an Frauen sind auch im Mainstream längst nicht mehr zeitgemäß –und doch muss Barbie eine umwerfende Schönheit bleiben. Deswegen muss der Barbie-Film beides: sowohl die Tradition der Barbie als Schönheitsideal weiterführen als auch (zumindest Kapitalismus-konformes) Empowerment verkörpern. Mit dem hochkarätigen Cast des neuen Films könnte dies gelingen. Wir können uns auf den Film freuen, denn Selbstironie war schon immer ein guter Weg, um Klischees zu subvertieren. Oder nicht?

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