Katharina Körting

"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie..." (Kurt Tucholsky)
Katharina Körting
RE: Warum liegen ukrainische Nationalhelden auf deutschen Friedhöfen? | 05.04.2022 | 19:02

Lieben Dank für diesen Kommentar bezüglich der Pöbelei/Selbstreferentialität/unfreundlichen Redundanz etc. Die Neigung allzuvieler, jeden Beitrag zu missbrauchen für immer neue Gehässigkeiten, persönliche Anwürfe und gegenseitige Bauchpinseleien, geht auch mir gewaltig auf die Nerven - Sie sprechen mir aus der Seele!

RE: Krieg in den Sozialen Medien – ein Aufruf zur Zurückhaltung | 25.03.2022 | 14:04

Interessanter Vergleich. Auf die Idee wäre ich nie gekommen (zumal man mich wohl zu den "Laienkritikerinnen" zählen könnte). Dennoch hinkt er, da die Kriegsmoral ja keine Booster zu brauchen scheint und ich eher die kriegerische Art zu sprechen hinterfrage. Interessanter Gedanke, die Opposition durch deutsche Social Media-"Diskussionen" zu unterstützen - aber trägt er? Und ist es, zum Beispiel, davon abgesehen, sinnvoll, Belarus bei jeder Sanktion und Kritik mitzufangen und zu -hangen? Spielt das nicht dem russischen Regime in die Hände? Belarus führt keinen Krieg gegen die Ukraine, vielleicht versucht es sogar im Gegenteil, so wenig wie möglich dort mitzutun - sollte man das nicht eher unterstützen? Indem man teilt und herrscht? Aber das ist wieder ein anderes Thema, klar, Frage ich mich nur die ganze Zeit: Belarus ist schlimm, ja, aber andere Länder sind es auch. Nutzt man nur die Gelegenheit, dem belarussischen Diktator gleich mit eine reinzuwürgen? Dient es dem Frieden? Das finde ich immer die wichtigste Frage. Bei Corona war (mir) die wichtigste Frage, wie man (nach menschlichem Ermessen) am wenigsten Leid provoziert. Hier ging es mir nicht um Sprechverbote (das wäre ja auch lächerlich), sondern um die Anregung darüber, sich klar zu machen, was man mit welchem Unterton postet. Also, auch wenn das mittlerweile peinlich klingen mag, um Achtsamkeit. Um die Verantwortung, die jeder für seine Worte hat. Von Verantwortung ist ja immer gern die Rede, alle reißen sich darum.

RE: Wir waschen uns die Hände in Unschuld | 18.03.2022 | 15:50

Gerade hacken ja alle auf dem Bundeskanzler herum, weil er nicht auf die Videorede reagiert hat und überhaupt so wenig emotional sei. So trocken! Nicht mal am Berliner Hauptbahnhof hat er sich gezeigt, fotogen empathisch mit Flüchtlingskindern! Mag sein, dass der Umgang mit der per Video eingespielten Rede des ukrainischen PRäsidenten gestern im im Bundestag ungeschickt war. Andererseits verstehe ich nicht, warum man so viel selbstreferentielles Gewese um solche Äußerlichkeiten macht, denn wem ist damit geholfen? Und: Ist das nicht auch unsolidarisch unserer eigenen Regierung gegenüber, die sich ehrlich bemüht, Leid zu verhindern und zu lindern? Ehrlich gesagt, bin ich - und ich hätte das nicht gedacht - bei aller Kritik froh über diesen deutschen Bundeskanzler. Ich bin froh, dass er wenig emotional, trocken, stur, ja vielleicht kühl ist. Auch über die sich ihres eigenen Dilemmas schmerzlich bewusste Rationalität eines Robert Habeck bin ich froh. Mir wäre sonst noch mehr Angst und bange. Zum Glück haben nicht die Literaten, die ein atavistisches Heldentum propagieren, das Sagen. "Wir zögern nicht nur aus Angst, sondern aufgrund kalter Vernunft", meint Adam Soboczynski in der Zeit. Bitte mehr von dieser Kälte, sonst reißt ein gut gemeinter, aber verheerend wirkender emotionaler Strudel alles in den Abgrund!

https://www.zeit.de/2022/12/kriegsrhetorik-kunst-literatur-intellektuelle-sprache

RE: Wir waschen uns die Hände in Unschuld | 15.03.2022 | 09:56

Guten Tag Frau Magda. Die Vorwürfe, die Sie mir machen, begründen Sie nicht. Was ist denn so furchtbar an dem Text? Dass ich nicht, wie Sie, mich mit den Spenden brüste, die ich leiste? Hätte ich die Kontoauszüge anfügen sollen? Sie schreiben, dass Sie auf die Vernunft hoffen. Da zumindest treffen wir uns. Und im Grunde handelt der Text von nichts anderem. Er fordert nicht zur unterlassenen Hilfeleistung auf, sondern macht sich ein paar Gedanken übers Drumherum, und darüber, wie forsch manche nach sofortigem Abstellen von Gas- und Ölhähnen rufen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Das hat mit Vernunft wenig zu tun, sondern vielleicht eher mit Schuldgefühlen. Die nachvollziehbar sind. Die größte Schuld der Deutschen jedoch, wenn man wiegen will, was man nicht kann, besteht dem russischen Volk gegenüber. Sie wird weder durch Stalins noch durch Putins Verbrechen gemindert. Und dennoch gilt es, rational zu handeln. Um der Verminderung menschlichen Leides (egal welcher Nation diese Leidenen angehören!) willen. Was daran furchtbar sein soll, erschließt sich mir nicht. Wenn die Motive, die ich thesenhaft erwäge, nicht vorhanden sind - umso besser. Es ist doch nur ein Debattenbeitrag von vielen. Und ich bin verdammt froh, dass der Wirtschaftsminister, und auch der Kanzler, nicht so rasch alles abstellen und stoppen, obwohl es ihnen schwer fällt. Genauso froh bin ich über diese grandiose Demokratie und ihre Meinungsfreiheit, die wir hier haben, die es mir ermöglicht, solch "furchtbare" Texte zur Debatte zu stellen - und Ihnen, sie "furchtbar" zu finden, ohne diese Meinung begründen zu müssen. Dennoch lasse ich mir von Ihren vagen Spekulationen, die noch dazu mit dem Text gar nichts zu tun haben - dessen Autorin sei "genervt" und finde die Solidarität "übertrieben" - keine hässlichen Schuhe überziehen. Die können Sie schön für sich behalten.(Dass es ein nicth ganz kleiner Unterschied ist, ob man Gott rühmt oder eine Nation, sollte gerade Personen, die die Vernunft für sich beanspruchen und sie anderen absprechen, hinlänglich klar sein.)

RE: Reden, nicht schreien | 24.01.2022 | 15:21

Vielen Dank, Frau Günter! Eine seltene Stimme im Chor des Geschreis und der gegenseitigen Bezichtigungen. Ist leider mutig geworden, solche Selbstverständlichkeiten zum Ausdruck zu bringen. Gerade auch in der Kultur halten doch arg viele ihre Klappe oder schreien mit.

RE: Die taube Generation | 31.12.2021 | 11:26

Nun weiß ich nicht, ob Sie wirklich mich ansprechen. Sie schreiben, dass Sie mir zustimmen, "dass es primär um Beziehungskonflikte geht, oft zwischen Vätern und Töchtern". Aber so etwas habe ich ja gar nicht geschrieben?Ich halte es für möglich, dass

- Sie missverstehen, was ich geschrieben habe (das kann natürlich auch an der Formulierung liegen, denn wie Sie ja selbst diagnostiziert haben: ich habe mich schon besser, schärfer, klarer ausgedrückt, wollte jedoch etwas wie kritische Solidarität mit Artikel und Autorin bekunden, das scheint mir nicht gut gelungen zu sein...)

- Ich missverstehe, was Frau Koester gemeint hat

- Sie einen Text - sowohl meinen Kommentar als auch den Artikel, auf den er sich bezieht, aus nachvollziehbaren Gründen persönlich lesen und nehmen, obwohl beide - Kommentar wie Artikel - eher politisch gemeint sind bzw. sich auf politische Diskussionen, Gender etc. unter Angehörigen verschiedener Generationen beziehen, die mitunter gehörig schieflaufen. Die Beziehungsebene lässt sich dabei natürlich nie leugnen (und wenn man es versucht, läuft es noch schiefer.)

Und noch etwas habe ich nicht gemeint: Denjenigen, dem Unrecht widerfährt oder der sich verletzt fühlt - z. B. einen Vater, der sich von seiner Tochter nicht gut behandelt fühlt - dafür verantwortlich zu machen. Wie käme ich dazu?! Das läge mir fern. Mit der eigenen Haltung bzw. dem eigenen Verhalten meinte ich es ganz pragmatisch: Mehr ist im Zweifel nicht möglich, denn das Verhalten der anderen Person ist deren Angelegenheit. Man kann immer nur zum Ausdruck zu bringen versuchen, wie es einem damit geht, was man sich wünscht etc. Aber das kann schon viel sein. Ich fürchte aber, auch damit war ich womöglich ein wenig übergriffig, da es vom Text wegführt und ins Spekulativ-Mediative bzw. potenziell Persönliche waberte.

Belassen wir es also dabei.

Kontaktverweigerung bzw. Kommunikationsverbot ist das Schlimmste, was mir passieren kann, kann man als Gewalt erleben, aber manchmal mag es aus Gründen, die nicht zwingend mit der "gesperrten" Person zu tun haben, aus Sicht derjenigen, die den Kontakt verweigert, nötig sein, für eine Zeit. Dass es schwer erträglich ist, ist klar, Ähnliches habe ich im weiteren familiären Umfeld als ungut und leider nachhaltig erlebt, und falls eines meiner Kinder mit mir so verführe, litte ich wie ein Hund (oder eine Hündin ;-)). Sicher scheint mir, dass auch die Kontakt verweigernde Person leidet, und dass es immer hilft, dennoch - aus der Ferne - Mitgefühl zu versuchen.

Ich wünsche Ihnen (beiden) off topic und ganz persönlich, dass Besserung möglich ist!

RE: Die taube Generation | 29.12.2021 | 14:59

Sowas kenne ich auch. Dass eine ältere Person schlicht verweigert nachzuvollziehen, was eine jüngere Person ihr mitteilen will, da die Ältere der Ansicht ist, sie habe alles Wesentliche gedacht, gefühlt, gesagt - alles, was danach noch kommen könnte, wäre seichte Nichtigkeit. Es gibt solche Leute. Sie sind unangenehm. Man kann ihnen eigentlich nur zustimmen, sonst wird das Gespräch anstrengend. Sie wollen auch nicht wirklich wissen, was man denkt, fühlt, meint. Und sie haben auch keine Bereitschaft, ihre eigenen Ansichten hinterfragen zu lassen. Der Frust ist nachvollziehbar. Ob es die gesamte ältere Generation betrifft, jeweils? Mag man bezweifeln. Früher hätte man vielleicht gesagt, es sei das Vorrecht der Jugend, nicht zuzuhören, sondern "einfach mal" (ihr eigenes Ding) zu machen. Vielleicht sollte die jüngere Generation (oder Person) nicht so wichtig finden, was die ältere von ihr meint. Ich sehe eher einen Beziehungs-, denn einen Generationenkonflikt.Und da kann man - die bittere Erfahrung lehrt es oft genug - immer nur an sich, der eigenen Haltung, dem eigenen Verhalten etwas ändern, um mit der Situation umzugehen, nicht am andern.Aber natürlich kann ich mich irren.Schön wäre, wenn ein gewisses Wohlwollen immer dabei wäre. Frust kann nicht alles sein.

RE: Freund, Ehemann, Vater – und Impfverweigerer | 14.12.2021 | 11:54

"Der Impfverweigerer" ist ja gerade der Punkt. Die Fragwürdigkeit dieses Stereotyps sollte der Text rüberbringen. Man muss immer ein großes "D" mitlesen, wenn dieser IMPFVERWEIGERER als Etikett verwendet wird, "Der Impfverweigerer", auch wenn er nicht im Satzanfang steht, sowohl in diesem Text als auch im Diskurs, oder gleich ganz in Versalien die Fragwürdigkeit herausstellen, wahlweise auch in DER IMPFGEGNER, DER IMPFSKEPTIKER etc. (das Gender schenke ich mir hier, ist ohnehin selbstsam, dass bei solchen Worten - übrigens auch bei KRIEGSTREIBER u. Ä., die Diversitäts-Lücke nicht mitgesprochen wird, aber wer's mag/braucht/fordert: DIE IMPFVERWEIGERIN gehört natürlich genauso dazu ;-)). Bei genau diesem Zuschreibungs-"Spiel" will der Text nicht mitmachen - und zugleich darauf hinweisen, dass man aber unwillkürlich der Versuchung erliegen kann, mitzumachen, solange man nicht drüber nachdenkt bzw. nachfühlt. Solange man sich weigert, konkret zu werden. Und den anderen konkreten Menschen als Menschen wahrzunehmen. Zuallererst. Das heißt nicht, dass man dessen Meinungen richtig findet. Das heißt erstmal: zuhören und da sein lassen, ohne gleich zu etikettieren. Dieses Normalste ist das Schwerste geworden. PS Zur Vereinfachung zählt auch "Das verblödete Wählervolk" - ich mache da nicht mit.

RE: Die große Ungeduld | 29.04.2021 | 10:20

Werter Herr Augstein,

auch Ihnen merkt man die Pandemiemüdigkeit an - gern würde man wieder über andere Dinge streiten, oder? Und kann doch im Moment kaum anders.

Mir scheint, die Regierung, zumindest einige, haben mit dem Feuer der Panikmache gespielt mit dem Ergebnis, dass sie dieses Feuer, das auch den Diskurs verbrennt, nicht mehr eindämmen können.

In dem Strategiepapier aus dem Frühjahr 2020 stehen ja tatsächlich Dinge wie diese:

"1) Kommunikation: Der Worst Case ist mit allen Folgen für die Bevölkerung in Deutschland unmissverständlich, entschlossen und transparent zu verdeutlichen.

2) Geschlossenheit: Die Vermeidung des Worst Case ist als zentrales politisches und gesellschaftliches Ziel zu definieren. Politik und Bürger müssen dabei als Einheit agieren.

3) Nachvollziehbarkeit: Die Bürger müssen nachvollziehen können, dass folgende Maßnahmen nur mit ihrer Mithilfe zu ihrem Wohl umgesetzt werden müssen und können.

4 a. Worst case verdeutlichen!

Wir müssen wegkommen von einer Kommunikation, die auf die Fallsterblichkeitsrate zentriert ist. Bei einer prozentual unerheblich klingenden Fallsterblichkeitsrate, die vor allem die Älteren betrifft, denken sich viele dann unbewusst und uneingestanden: «Naja, so werden wir die Alten los, die unsere Wirtschaft nach unten ziehen, wir sind sowieso schon zu viele auf der Erde, und mit ein bisschen Glück erbe ich so schon ein bisschen früher». Diese Mechanismen haben in der Vergangenheit sicher zur Verharmlosung der Epidemie beigetragen.

Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden:

Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst. Die Situation, in der man nichts tun kann, um in Lebensgefahr schwebenden Angehörigen zu helfen, ebenfalls. Die Bilder aus Italien sind verstörend."Kinder werden kaum unter der Epidemie leiden": Falsch. Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, z.B. bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.Folgeschäden: Auch wenn wir bisher nur Berichte über einzelne Fälle haben, zeichnen sie doch ein alarmierendes Bild. Selbst anscheinend Geheilte nach einem milden Verlauf können anscheinend jederzeit Rückfälle erleben, die dann ganz plötzlich tödlich enden, durch Herzinfarkt oder Lungenversagen, weil das Virus unbemerkt den Weg in die Lunge oder das Herz gefunden hat. Dies mögen Einzelfälle sein, werden aber ständig wie ein Damoklesschwert über denjenigen schweben, die einmal infiziert waren. Eine viel häufigere Folge ist monateund wahrscheinlich jahrelang anhaltende Müdigkeit und reduzierte Lungenkapazität, wie dies schon oft von SARS-Überlebenden berichtet wurde und auch jetzt bei COVID-19 der Fall ist, obwohl die Dauer natürlich noch nicht abgeschätzt werden kann."

Quelle: https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/informationsfreiheit/das-interne-strategiepapier-des-innenministeriums-zur-corona-pandemie

Da kann man dann bestenfalls unterstellen, dass Politiker und ihre Berater selbst von Panik ergriffen waren - aber macht es das besser? Die Auswirkungen dieser Panik-Strategie wirken weiter nach. Danach ist es nur "logisch", Kritik an Maßnahmen zu verdammen. Und jetzt haben wir den Salat, dass Kritiker sich in die rechte Ecke gestellt sehen - und die rechte Ecke davon profitiert, sie reibt sich die Hände. Auch hier kann "die Dauer natürlich nicht nicht abgeschätzt werden".

Gestern kam im Deutschlandfunk eine Psychiaterin zu Wort, die ein Buch geschrieben hat darüber, wie den Leuten Krankheiten eingeredet werden, damit andere dran verdienen. Sie zeigte sich auch skeptisch gegenüber der Panikmache gegenüber dem Long Covid Phänomen. Die regierungsseitige Kommunikation darüber scheint ja noch direkt dem oben zitierten Papier zu folgen: Am besten, jeder hat maximal Angst davor, damit er minimal an den Eindämmungsmaßnahmen zweifelt.

Beängstigend.