Kathrin Zinkant

Dinosaurier auf der Venus
Schreiber 0 Leser 6
Kathrin Zinkant
RE: Vergessen zum Essen | 22.09.2012 | 18:46

wenn man es positiv sehen wollte, lieber merdeister, könnte man sich darüber freuen, dass es theoretisch immer noch möglich ist, alt zu werden ohne diabetes zu bekommen.

auch wenn es immer schwieriger wird. man denke nur an all die kinder mit typ-2-diabetes. ob die überhaupt alt werden?

ihre frau zinkant

RE: Dumm wie unser täglich Brot | 22.09.2012 | 14:28

liebe community: ich bin enttäuscht. wann immer es in der fc ums essen geht, egal, welche aspekte wir hier betrachten, wird am ende der vegetarismus beschworen, die persönliche erfahrung zur philosophie erhoben - oder rumgealbert.

klar, alles ist energie, photonen, damit kann man die debatte gleich mal ins absurde ziehen. klar, es gibt naturvölker, die sich gezwungenermaßen ohne fleisch ernähren, was für diese völker dann auch gut sein mag, aber das ist einfach kein argument gegen fleisch und der verzicht aufs ebensolche schon gar nicht die lösung aller probleme. klar, es ist schön, wenn gekocht wird und das auch noch entspannend ist.. aber aufs system übertragen geht es da weniger um die entspannung, als darum, sich überhaupt mal mit essen zu befassen.

vielleicht kann man das ganze mal von der eigenen befindlichkeit gegenüber dem essen lösen und versuchen, anders zu denken. ich glaube, nach vielen jahren der beruflichen auseinandersetzung mit dem thema, dass man mit der heutigen art der betrachtung nicht weiterkommt. gerade nicht in wissenschaftlicher hinsicht.

nahrung ist kein kraftstoff, der eine begrenzte zahl von mechanismen bedienen muss, die man isoliert untersucht um daraus dann schlüsse für die komposition des benzins zu ziehen. wenn man mit experten spricht, reden sie viel davon, was in der nahrung "enthalten" sein muss, aber klar: industrielle lebensmittel "enthalten" alles davon. im zweifelsfall ergänzt man, was nach neuesten wissenschaftlichen erkenntnissen fehlt. mit vitamin xy steht dann vorne drauf. innen drin ist aber immer derselbe bausatz, mit technischen produkten, die den stoffwechsel gehörig in die irre führen können, zumal in der konzentration, in der sie dort auftauchen.

und wenn dann beklagt wird, dass überall zuviel zucker drin ist, ist das genauso blöd. natürlich ist der alles überschwemmende zucker ein problem, aber die massenhafte verwendung doch erst eine folge des denkens, dass essen irgendwie aus närrstoffen besteht. wenn es dann problem gibt, muss es den EINEN verdächtigen geben, den man zu bekämpfen hat. aber das ist völliger unsinn. zucker ist super, toller stoff, fand die evolution offenbar auch, nicht umsonst ist er zentral im stoffwechsel. allerdings im rahmen dessen, an was sich der mensch über zwei bis drei millionen jahre angepasst hat.

genau dieses sprektrum wird atombomengleich gesprengt durch verarbeitete lebensmittel. ich bejammere dabei nicht den verlust von "natur" oder "natürlichkeit", es ist einfach vom konzept her falsch zu glauben, man könne sich über die eigene biologie hinwegsetzen. in manchen bereichen vielleicht, aber nicht hier. nahrung ist viel zu komplex als dass man sie aus ein paar grundstoffen zusammenmixen könnte, und physiologie ist viel zu komplex im gefüge, als dass man da einfach mit dem hammer draufhauen könnte.

die folgen sind längst bekannt und werden laut bejammert. all die dicken. all die zuckerkranken. all die menschen, die sich dumm essen, kulturell, ökologisch, geistig, körperlich. aber man kann, oh weh, nichts ändern! es hat ja keiner zeit und lust, sich mit einem essenziellen vorgang wie essen zu befassen, zuviel zu tun, zu viel anderes auf dem zettel. dann also "bio"-fertigkost. die schmeckt ganz gut und ist gewiss besser als industrienahrung.

really? nehmen wir mal den rahmspinat einer bekannten biosupermarktkette. man würde meinen: ist rahm und spinat drin. zwiebeln vielleicht noch, und ein paar gewürze. sahne und spinat sind in der tat drin. was aber haben zwei sorten stärke, verdickungsmittel, magermilchpulver, öl, traubenzucker und zwiebel-"pulver" da drin verloren? bio ist eben in weiten teilen industriefutter nur mit eigenem claim, aber ich sehe nicht, was das ernährungstechnisch (und nur darum geht es jetzt) für eine verbesserung ist gegenüber einem konventionellen fertigsspinat der großen blubb-marke.

ich würde mir wünschen, dass die idee eines "ernährungsunterrichts" mal umgesetzt würde, mit der wichtigen einschränkung, dass die kommenden generationen dabei nicht lernen, was in ihrem essen an nährstoffen drin sein sollte, sondern dass sie stattdessen regelhaft mit nahrung umgehen lernen. kohlrabi pflanzen, äpfel ernten, daraus eintopf, kuchen oder kompott machen, bei dem man weiß, was da drin ist. wenn ich einen kuchen backe und haue da eine packung butter rein und warte stunden, bis er fertig und kalt ist, esse ich den auch anders als wenn ich einen kuchen einfach kaufe.

das ist ein ganz entscheidender unterschied. "industriekuchen" ist so schnell gekauft wie gefuttert, und man muss sich keine gedanken darum machen, was der leckere, süße apfelstrudel wirklich enthält. nämlich neben den Äpfeln und dem Mehl und dem Zucker:

Pflanzenmargarine (pflanzliche Öle, pflanzliche Fette, Wasser, Emulgator Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren), Wasser, Sultaninen 4 %, modifizierte Stärke, Speisesalz, Zimt, Salz, Säuerungsmittel Citronensäure, Glukose-Fruktose-Sirup, Verdickungsmittel Natriumalginat, Verdickungsmittel Calciumalginat, Aroma

Das von der Rückseite eines Markenprodukts. Es ist also Apfelstrudel, aber aus teils absurden Sachen zusammengepampt. Glukose-Fruktose-Sirup. Modifizierte Stärke. Aroma?! Auf einer Biovariante heißt der Glukose-Sirup übrigens "Weizensirup" - aber immerhin aus öhologisch kontrolliertem Anbau!

Die viel gespriesenen Nährwertangaben geben übar all das NULL auskunft. Zucker ok, fett ok, wenig salz drin - alles gut! Und das ist nicht zuerst eine Täuschung. Es ist vielmehr Verblödung. Und bei aller Kritik und Betroffenheit der Verbraucher, die zu recht sich getäuscht fühlen, geht es in meiner Kritik um etwas mehr. Es geht um den ganzen Plan, die Betrachtungsweise, die Art, wie das industriell umgesetzt wird und was am Ende dabei herauskommt. Vielleicht Alzheimer. Dann könnte man das Problem selig vergessen.

schönes wochenende wünscht:

frau zinkant

RE: Wissen ohne Kenntnis | 17.09.2012 | 21:29

lieber merdeister,

ebenfalls danke für die antwort. ich sehe, wo wir uns entzweien. sie akzeptieren andere meinungen, solange sie sich auf dem boden ihrer argumentationsweise bewegen. das kann man so machen, man kann aber auch über den zaun springen und eine andere art der betrachtung zulassen. die ist dann allerdings nicht wissenschaftlich, sie ist vielleicht sogar polemisch und überschreitet grenzen. es ist tatsächlich nicht die art und weise, auf die ich selbst die dinge sehen würde. das habe ich mehrfach zum ausdruck gebracht, ob es nun um hirntod, pid, pnd oder um vegetarismus ging.

aber diese andere art der auseinandersetzung ist - mit qualitativen unterschieden - eben auch breite realität. und nicht zuletzt das gibt ihr berechtigung. soll ich als redakteurin also anfangen, die gedankenpolizei zu spielen? mich interessiert es ehrlich gesagt ungemein, wenn menschen wie helmut höge eine auffassung zu so einem thema wiedergeben, das in der öffentlichen breite eher psychiatriekonform begleitet wird. ich selbst kenne dabei genug menschen, denen die pharmaindustrie mit ihrenn verpönten mittelchen ein befriedetes leben ermöglicht hat. tatsache ist aber, dass es zwischen wissenschaft und öffentlichkeit - auch hier - einen graben gibt, dass wahrnehmungen gewisser art - wenn auch übertrieben formuliert - existieren.

man kann dann nach den gründen fragen, die debatte aufmachen, sich fragen, warum es immer noch eine verdammt große zahl an fortschrittsgegnern gibt. vielleicht gibt es ja gründe, die sich erst erschließen, wenn man selbst einmal von den studien lässt. man kann das ganze aber auch empört vom tisch fegen und sein abo kündigen, wobei eine abokündigung - man muss es einfach mal sagen - noch keine zeitung verändert hat, so sehr man den zugehörigen abonnenten auch schätzt und es bedauert

in diesem fall ist es ja immerhin trotzdem eine debatte geworden. wobei mich auch immer wieder irritiert, was für ein zur verletzung aufgelegter quatsch in unserer community bieweilen kommuniziert wird.

eine gute nacht wünscht:

ihre frau zinkant

RE: Wissen ohne Kenntnis | 17.09.2012 | 13:38

Liebe merdeister, lieber community,

dass evidenzbasierte medizin das einzige vehikel der wahrheit wäre, möchte ich bezweifeln. darum geht es bei höges artikel aber ohnehin nicht, und es geht auch im wissen des freitag nicht immer darum, bloßes wissen abzubilden, welches die aktuelle studienlage referenziert. obwohl nach zweieinhalb jahren meiner mitarbeit durchaus klar sein sollte, dass ich alles andere als ein feind der empirie bin.

man kann sicher fragen: warum habt ihr das gemacht? ich würde antworten: ich fand den text der antipsychiatrie wegen interessant (wer redet heute noch davon?) und der schlüsse wegen provokant. die verquickung zwischen j&j, aok und one mind habe ich nachgeprüft. und schlussendlich gehe ich in gewagten dingen, die von den erzevidenzlern unter uns nicht mal eines blickes würdig erscheinen, gern mit carl sagan. der bat einst einen forscher namen velikowsky auf die bühne, der behauptete, jupiter habe einst einen kometen ausgespuckt, der auf absurden wegen durch das sonnensystem pflügte, um durch seine massen schließlich punktgenau das rote meer zu teilen, als moses das volk israel hindurchführen wollte – und um letztlich als venus am firmament kleben zu bleiben.

sagan hat trotzdem mit ihm gesprochen, und es war nicht, um ihn bloßzustellen, im gegenteil. keine hypothese ist absurd, so lange man sich ihr nicht mit argumenten stellt. fand ich eine ansprechende haltung.

nun ist helmut höge ganz gewiss kein velikowsky, er ist ein erfahrener autor mit einer sehr eigenen art der betrachtung, die man ernst nehmen darf. auch wenn man selbst der ansicht ist, dass eine metaanalyse eine metaanalyse ist, und deren ergebnis fakt. dem würde ich ncoh entgegenhalten, dass gerade metaanalysen, zumal noch in der psychiatrie, qualitativ ziemlich heterogen ausfallen und nicht selten widersprüchliche ergebnisse zeitigen, abhängig davon, welche studien man in die berechnungen mit einbezogen hat.

es grüßt wie immer herzlich:

frau zinkant

RE: Die Korrekturen | 20.07.2012 | 21:19

liebe anne mohnen, können sie das ein bisschen ausführlicher erläutern? ich meine: wenn schon kritik, dann doch mit etwas rübenkraut dabei. oder?

herzlich, ihre frau zinkant

RE: Bist du's wirklich? | 08.07.2012 | 21:03

lieber uwe theel, da war ich wohl zu uffjereecht. immerhin einer, der genau liest, dafür schonmal meinen dank. ich hatte es zuvor in einem anderen artikel auch korrekt erzählt.

aber immerhin war es higgs himself, der sich immer wieder über diese verfremdete bezeichnung aufgeregt hat.

schönen abend!

ihre frau zinkant

RE: Bist du's wirklich? | 05.07.2012 | 21:45

tatsächlich wollte higgs das buch so nennen. der verleger verkürzte, aus den dargestellten gründen. deshalb ist der begriff ja immer noch so beliebt. klingt nicht nur besser, sondern gibt dem higgs-boson eine (in diesem zusammenhang völlig unangemessen) tiefe bedeutsamkeit.

RE: Bist du's wirklich? | 05.07.2012 | 21:05

lieber kunibert hurtig, und was genau habe ich geschrieben, was sie zu dieser belehrung nötigt?

ebenfalls lg! ihre frau zinkant

RE: Wehe, du entspannst dich nicht! | 20.06.2012 | 19:39

was das autofahrerbeispiel betriff und den verweis auf hundehaltung: ich glaube, fürchte oder bin mir sogar sicher, dass es einen unterschied zwischen autofahren/hundehaltung und schwangersein gibt.

ich kenne keine einzige frau, die während einer schwangerschaft nicht in erster linie damit befasst war, alles "richtig" zu machen. das kann man zwar nicht empirie nennen, aber "fehlverhalten" wie schwerer drogenmissbrauch sind meiner ansicht nach nicht mit jenen verhaltensweisen zu vergleichen, die seit jahren auch von der bundesdrogenbeauftragten verteufelt werden.

beispiel alkohol: das fetale alkoholsyndrom ist schlimm und unvermeidlich, wenn eine alkoholikerin schwanger wird und ihre abhängigkeit nicht in den griff bekommt. es werden unter gut 700.000 neugeborenen im jahr etwa 4.000 babys mit einem voll ausgeprägen syndrom geboren, insgesamt gibt es 10.000 mehr oder weniger betroffene kinder. in mehr als der hälfte den anderen 690.000 schwangerschaften - die nicht im fetalen alkoholsyndrom enden - wird auch alkohol getrunken, aber in kleinstmengen, deren schädlichkeit schlicht und einfach nicht nachgewiesen ist. dennoch mahnt die suchtbeauftragte auch im aktuellen suchtbericht:

"Alkohol wirkt auf das ungeborene Kind bereits in kleinen Mengen wie ein Zellgift. Er hemmt das Zellwachstum und führt zu Missbildungen. Vor allem aber schädigt Alkohol die Nervenzellen und das Gehirn."

wenn das so wäre, gäbe es fast nur noch missgebildete kinder.

könnte es darum gehen, den frauen die verantwortung in die schuhe zu schieben, wenn dann später was in der schule nicht klappt, was natürlich niemals am bildungssystem, am sozialen hintergrund usw. liegen kann....?

RE: Wehe, du entspannst dich nicht! | 20.06.2012 | 18:55

lieber h. yuren, es gibt viele probleme auf der welt und meiner geht an den meisten davon vorbei.

aber zuerst die frage: was meinen sie mit zivilisationsgiften? Autoabgase? Hormone im Wasser?