Kommentare von MathisOberhof

MathisOberhof 19.03.2017 | 10:45

Vorwurf “überfrachten“- ich fand nicht, dass im Film mehr Themen behandelt werden sollten, sondern andere.der“junge“Marx ist vor allem wegen seiner Untersuchungen zur“Entfremdung“ interessant und von dem Partei Ideologien vertuscht oder kritisiert worden.dies wichtige und hochaktuelle Thema“vergisst“ der Regisseur. Einwand Theologie der Befreiung fusst auf dem Marxismus“.völlig einverstanden.umso wichtiger die Vorläufer dieser Theologie aus der Zeit von Marx nicht zu karikieren. Vorwurf“zurück zu Hager“ sei zu streng. Können Sie mir einen Punkt nennen, wo Hager zensiert hätte? Meine Kritik meint: hier ist das offizielle Marx-Bild der SED verfilmt worden...

MathisOberhof 22.08.2014 | 09:24

frei nach Oscar Wilde, der einmal sagte: " Ein Landkarte, die nicht die Stadt Utopia verzeichnet hätte, wäre nicht einmsl eines Blickes würdig!" Möchte ich sehr viel realpolitischer zu dem Text von Michael Jäger anmerken: ein Artikel über Kriegseinsätze in fremden Staaten, der NICHT EINMSL DAS WORT "UNO" beeinhaltet..... Wie ernst kann ich den dann nehmen. Es geht doch nicht um die Alternative entweder Milan-Raketen oder Enthauptungen, sondern, darum, wie dem Terrorismus der Boden entzogen werden kann. Im Irak sind durch US-Waffen vermutlich schon mehr als 1 Mio. menschen umgekommen. Und die ISIS entstanden.

Und wer das ohne UNO denkt, ohne Stopp aller Waffenexporte, ohne Einfrieren aller Bankguthaben der ISIS, ohne schärfsten Druck auf die direkten oder indirekten ISIS-Unterstützer Türkei, Saudiarabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, der finde ich- bei aller sonstigen Wertschätzung gegenüber dem Autoren, kann mit seinem provozierenden Artikel samt Überschrift nicht wirklich etnst genommen werden.

MathisOberhof 01.06.2014 | 18:57

Da fühle ich mich durchaus von Daniel Domeinski richtig verstanden:“... Das linke möglichst offen und unvoreingenommen auf Menschen zugehen müssen, die eine andere Gesinnung haben.“

Aber es geht um mehr: in Deutschland hat das Etikett „Sozialfaschismus“ geklebt von den Moskau-treuen Kommunisten auf die Masse der antikommunistisch geprägten deutschen Sozialdemokratie eine wesentliche Mitschuld daran, dass ab Januar 33 die Demokratie auch formal abgeschafft wurde. Das gegenseitige Ausgrenzen und Verurteilen hat auf der Linken eine große Tradition. Der Volksmund kennt dazu den Witz“ zwei linke – drei Parteien „

Was hat das alles mit der Ukraine zu tun?

Nein - ich halte mich nicht für einen Fachmann zur differenzierten Analyse der Struktur des weiteren Protestes.

(Allerdings sehe ich die arabische Rebellion nicht als ein Aufstand gegen „alle Parteien“, sondern gegen konkret vorhandene autoritäre Führer. Das definitiv verbalisierte eins Misstrauen „gegen alle Parteien“ – ich wiederhole mich – habe ich vor dem Maidan Protest in der Form nicht wahrgenommen.)

Ich fühle mich gleichermaßen entfernt von den herrschenden Kreisen der Ukraine, wie den herrschenden Kreisen Russlands.

Es gibt zwei bedeutende Unterschiede: Russland ist das viel größere Land, mit sehr viel mehr ökonomischer Macht, dass die Ukraine – als ehemaligen Satelliten innerhalb der UdSSR – seinem Herrschaftsbereich wieder unterordnen will.

Insofern halte ich zu David gegen Goliath.

Und: basisdemokratische, partizipativen Proteste wie auf dem Maidan hat es meines Wissens in diesem Ausmaß zu keinem Zeitpunkt jemals in Russland gegeben, wo ein Großteil der Bürgerrechtsbewegung sich gegen die Krim Annexion ausgesprochen, und die Autonomie des Ukraine-Staates verteidigt.

Viel wichtiger als diese komplizierten historischen und territorialen Fragen 1500 km von Berlin entfernt ist es mir aber – und da kann sich jeder, der es will in einer der 30 Städte, in denen derzeit Montags-Mahnwachen stattfinden, informieren und einmischen: nämlich eine „neue Friedensbewegung“ deren Entstehung für mich untrennbar mit dem Sektierertum großer Teile der „alten“ Friedensbewegung verbunden ist und im Gespräch mit diesen „Aktivisten“ lernen, was es heißt: „fragend schreiten wir voran!“.

• Fragen stellen,

• zu hören,

• verstehen lernen, dass es andere als traditionell linke Zugänge zu Krisen Protest, Antikapitalismus, oder Pazifismus gibt.

NB: bytheway, dies alles habe ich bei der Entfaltung der Willkommenskultur in Wandlitz, der Solidarität mit den Bewohnern des neuen Asylbewerberheims, sehr erfolgreich erproben und kennen lernen können.

Wie mein letzter Satz lautete:

wenn wir Linke nicht lernen, Verständnis zu haben und mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen, wird das alles nichts!

MathisOberhof 01.06.2014 | 18:55

Lieber Janto Ban, lieber Daniel Domeinski, danke für Ihre Kommentare. Ich gestehe, dass es mir nicht leicht gefallen ist, aus der Sicherheit meines jahrzehntelangem linken Schneckenhauses auf das dünne Eis mich zu begeben, jene ein bisschen besser zu verstehen, die ihren Protest gegen die herrschenden Verhältnisse so ganz anders zum Ausdruck bringen, als es linken Ritualen, linker Terminologie, linker Geschichte entspricht. Absatz

Ich finde spannend, dass ihr Kommentar, Herr Janto Ban, meinen Text offenbar deutlich anders verstanden hat, als Daniel Domeinski. Auch wenn ich die Texte von Sibylle Berg nicht immer hilfreich finde, so würde ich das von Ihnen wiedergegebene Zitat wohl unterschreiben, mein Text geht dabei in eine deutlich andere Richtung: nämlich zu erörtern, wie und unter welchen Bedingungen sozial verunsicherte zu solidarischem Handeln statt zu Hass motiviert werden könnten.

MathisOberhof 13.03.2014 | 11:44

Liebe @alle,

sorry, dass ich nicht früher auf die verschiedenen Kommentare eingegangen bin, deshalb will ich jetzt versuchen auf einige Aspekte zu antworten

Vorab zu der Frage von 30Sec: „Warum führen Sie Ihren privaten Disput nicht bei Facebook weiter?“

Also ich finde nicht, dass die Frage ob man die faschistische Gefahr auf dem Maidan höher bewertet, als die imperialistische und Kriegsgefahr durch die Annexion der Krim eine private Frage ist. Ich will jetzt nicht so polemisch sein, und dich fragen ob du meinst, „„ geh doch nach drüben – zu Facebook!“ Ich habe ja zum besseren Verständnis die Kritik die Andrej an mich gerichtet hat zunächst mit gepostet.

Darüber hinaus stelle ich staunend fest, dass ( auch) in der Krimfrage die alte rechts-links-Teilung nicht mehr klappt. Bis auf die Haudruff-Kalten-Krieger (ich mein jetzt nicht: Putin) die sowieso nie verhandeln wollen, ist alles „durcheinander“.
Egal ob Linke, Grüne, Sozis, ob spirituelle, friedensgewegte, Ossis oder Wessis, die einen sehen eher die "faschistische" Gefahr, die anderen die "imperialistische". Im Osten sehe ich eine leichte Tendenz zur traditionellen Solidarität mit den "Freunden". Aber in beiden Lagern lese ich Gewissenhaftes, Verantwortungsvolles neben Polemik und Beschimpfung.

Ist es nicht wie immer? Nicht:"ENTWEDER-ODER" sondern " SOWOHL ALS AUCH"

Und ja lieber @Rioges, du hast mich richtig verstanden:

@Rioges:Solltest Du damit aber meinen, dass auch die Tatsache eine Rolle spielt, dass wir es in der Ukraine seit mehreren Generationen nicht mehr mit demokratischen Strukturen zu tun haben und auch deshalb die Entwicklung dort so chaotisch, widersprüchlich, konfrontativ und hilflos wirkt, würde ich dem zustimmen“.

Ich glaube in der Tat, dass 70 Jahre Oktoberrevolution angefangen von der illegalen Auflösung der russischen Duma durch die Bolschewiki über die größte Kommunistenverfolgung in der Geschichte durch Stalin (fast 1 Million KommunistInnen wurden ermordet, neben Millionen anderen…) bis hin zur lähmenden und langen Phase der Lethargie Breschnews, so wie ich es geschrieben habe: so gut wie keine demokratische Tradition zwischen Lemberg und Wladiwostok eine Chance hatte, sich zu entwickeln.

@Magda, den Originaltext von Wladimir Kaminer kannst du lesen, wenn du auf den Link klickst, den ich links oben neben meinem Text eingefügt habe (und hier wiederhole: http://on.fb.me/Oo7f33 ). Ob du eine Rechtsschutzversicherung abschließt oder nicht, musst du selber entscheiden, ich jedenfalls habe in meinem ganzen Leben noch nie jemanden verklagt, mich höchstens von ihm entfernt, wenn er mich beleidigt hat, Trau dich doch zu sagen wenn dich etwas nervt. Ein Zitat von Wladimir Kaminer möchte ich hier aber einfügen: auf die Frage an seine russischen Freunde, „wie könnt ihr so leben?“ Bekommt er – so schreibt er – oft die Antwort:

"Ja, das sehen wir, wir sind nicht blöd, sagen meine Freunde. Aber warum denkst Du, die Freiheit würde diese Menschen heilen. Was für eine Freiheit überhaupt? Und wovon? Die Menschen hier brauchen keine Freiheit, sie brauchen günstige Kredite und bezahlbare Wohnungen, das bekommen sie von Putin. Alles andere sind westliche Werte, die uns aufgedrängt werden um schwache Geister zu verwirren. Niemand hier braucht Freiheit, außer Schwulen, Minderjährigen und ein paar Journalisten Es war hier nie anderes und es wird nie anders werden. Nur so kann dieses Land funktionieren mit einem Tyrannen statt einer Regierung, mit einer korrupten Bürokratie, die darauf ausgerichtet ist, die Schwachen zu treten und die Starken zu lecken, und mit einem nachdenklichen Volk, das alles sieht, aber nichts dagegen sagt. „

Diese depressive Lethargie, meine ich, @Magda, die die Hinterlassenschaft der Kriege, aber vor allem auch der stalinistischen Massenmorde ist.

Dass ich mich, wenn ich die Integrität der Grenzen des Ukrainischen Staates verteidige, wenn ich die Annexion der Krim für völkerrechtswidrig bezeichne, verdächtigen lassen muss, ich würde die Faschisten verharmlosen, ist nicht nur unlogisch, sondern beleidigt mich auch. Wir haben starke faschistische und rechtspopulistische, ausländerfeindliche Parteien und Strömungen nicht nur in der Ukraine, sondern auch insbesondere in Russland selbst, aber auch in Ungarn, in Frankreich, in Spanien, inzwischen sogar in Schweden, ganz zu schweigen von dem Rassismus in den USA. Es kann doch wirklich kein ernsthafter Leser der Freitags – Community meinen, all diese Staaten hätten kein Recht auf Respektierung ihrer Grenzen.

Was meinen eigenen politischen Standpunkt gegenüber den Neonazis betrifft: Die schönste Phase meines inzwischen über vierzigjährigen politischen Lebens als Linker habe ich im letzten Jahr hier in Wandlitz hinter mir. Uns gelang es in die Mitte der Gesellschaft hinein eine breite Willkommen Kultur gegenüber den neu in Wandlitz angekommenen Asylbewerberinnen und Asylbewerbern zu entwickeln (siehe auch: www.willkommeninwandlitz.wordpress.com).

Ich lerne auch, dass es nicht darauf ankommt, zu sagen, dass man gegen Faschisten ist, sondern zu verstehen, Mehrheiten zu organisieren, die Ausländerhass und Rassismus in der Lage sind, zu stoppen. Diese Aufgabe steht in allen europäischen Ländern, in denen überall versucht wird, aus der Verunsicherung, Verängstigung, Deklassierung, Verarmung der Menschen Kapital für nationalistischer Hetze zu schlagen.

Am 25. Mai werden wir auch in der Ukraine feststellen können, ob der Maidan sich als ein Erfolg der Selbstermächtigung, bisher ohnmächtiger Bürger und Bürgerinnen herausstellt, oder als ein Siegeszug des Antisemitismus, der Ausländerfeindlichkeit und der Verfolgung von Minderheiten (um es noch einmal zu sagen: wie es in Russland seit Jahren Regierungspolitik ist!). Deshalb als letztes @Magda:

@Magda: „Die "gelenkte Demokratie" kann man betrachten wie man will. Es gibt ja viele, die meinen, nach den Jelzin-Jahren der Anarchie und der skrupellosen Oligarchen-Bereicherung, hätte es eines Putins bedurft, um das Land wieder berechenbar zu machen.“

Also den Satz verstehe wer will, ich verstehe ihn als Verharmlosung der russischen Herrschaft der Oligarchie der Homophobie, schließlich auch eine Verharmlosung der 160.000 Todesopfer des Tschetschenien Krieges.“ Aber vielleicht verstehen wir uns ja nicht…

MathisOberhof 14.12.2013 | 17:12

Endlich mal ein Artikel, der etwas in die kulturelle Tiefe geht. z.B. mit dem Satz: "Es wirkt sich auf unsere kulturelle Vorstellung von Sexualität aus, ob wir sie als Ausdruck gegenseitigen Begehrens zwischen zwei (oder mehreren) Menschen verstehen oder als banale Dienstleistung," da schimmert durch, dass Männer (und Frauen), die sich körperliche Liebe kaufen, scheinbar in der stärkeren Position (des Zahlenden) sind, aber in Wirklichkeit ärmer: Sie haben die Hoffnung einer körperlichen Liebe auf Gegenseitigkeit (oder Mehrseitigkeit) aufgegeben, oder/ und sie haben (vielleicht der größte Teil) aufgegeben, in ihrer bestehenden Paar-(oder anderen) Beziehung ihre sexuelle Bedürfnisse zu äußern.
Und ganz wichtig finde ich, das Antje Schrupp als ERSTE Gruppe diese nennt: "So mag es Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen geben, denen es nur schwer oder gar nicht möglich ist, auf andere Weise einen Sexualpartner oder eine Sexualpartnerin zu finden. .."
Prostituition ist m.E. immer Ausdruck der Beziehungs-Armut, der gestörten Kommunikation über sexuelle Bedürfnisse in Beziehungen. Denn natürlich weiß auch jeder Freier: Liebe kann mann nicht kaufen. Die Illusion davon lassen sich viele Millionen Männer jährlich viele Milliarden kosten. Und kehren einsam und stumm aus dem Bordell nach Hause zurück. Wenn wir über Prostitution reden, müssen wir über Liebe und ihren körperlichen Ausdruck reden, über uns und unsere Verklemmtheiten. Wir müssen über die Dinge reden, die die wunderbare mdr-Serie "MAKE LOVE" (www.make-love.de nur zwischen 22:00 und 6:00 wirklich infrmativ) behandelte: Darüber das mindestens 30% der Frauen noch nie einen Orgasmus hatten (Paulo Coelho lässt in ELF MINUTEN die Hure Maria sagen, dass ein wichtiges Motiv für Männer ins Bordell zu gehen, sei, "den Frauen (die ihn vortäuschen) einen Orgasmus zu vermitteln), über die Errektionsprobleme vieler Männer. Das ergäbe einen schrecklichen Jahresbericht der "Sexuellen Armut" in deutschen Haushalten (übrigens absolut unabhängig von der politischen oder weltanschaulichen Ausrichtung der Protagonisten!) , und auch dies ist der Nährboden für die Illusion, körperliche Hingabe und Sex kaufen zu können.

Das aber fällt viel schwerer, als auf die "Freier, diese Schweine" und die „Huren, diese Opfer“ mit dem Finger zu zeigen. (und dabei zu übersehen , dass drei unserer Finger zu uns zurück zeigen, in unser eigenes Bett, Schlafzimmer oder den Küchentisch, und unseren geheimen Wünschen, nie ausgelebt, nie ausgesprochen, weil so mit Scham verdeckt.
Ach, Anja Meulenbelt hatte doch so recht mit der Aufforderung: Die Scham ist vorbei. Leider: noch lange nicht.

MathisOberhof 22.07.2013 | 17:52

Ach ihr Klugen und Korrekten! Rechtfertigt all das aufgezählte Versagen des ehemaligen KPD-Sympathisanten Heinrich George denn dies Ende, wie es wikipeia beschrieb?

"

Im Juni 1945 wurde er aufgrund einer Denunziation verhaftet und vom sowjetischen Geheimdienst NKWD zuerst in Hohenschönhausen, dann im sowjetischen Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen interniert. Dort starb der einst massige Mann völlig entkräftet am 25. September 1946 kurz vor seinem 53. Geburtstag vermutlich an einem Hungerödem. Die Lagerverwaltung hatte den praktischen Arzt Dr. Schumann gedrängt, als Todesursache „An den Folgen einer Blinddarmoperation“ einzutragen, was dieser als offenkundig falsch jedoch ablehnte.

Die Gebeine wurden erst 1994 nach Angaben eines Mithäftlings in einem Waldstück bei Sachsenhausen gefunden und mittels einesDNS-Vergleichs mit seinen Söhnen identifiziert. Sein Ehrengrab der Stadt Berlin befindet sich auf dem Städtischen Friedhof Berlin-Zehlendorf im Feld 13."

nein! Ohne Anwalt, ohne rechtsstaatliches Verfahren, einfach verhungern lassen Und anschliessende verscharren!

zumindest erwähnen müsste man es......

MathisOberhof 20.07.2013 | 00:52

Merkt eigentlich keiner, was für ein Unsinn die Unterstellung ist, flüchtlingsheime würden nur in prekären Wohngegenden eingerichtet. Wandlitz hat nicht nur wegen der ehemaligen Politbüro-Siedlung sondern vor allem der vielen schönen Seen, die auch die Grundstückspreise steigen lassen, weissgott nicht das Image, prekärer Bezirk zu sin, eher Villengegend. Und hier ist ein erfolgreiche WILLKOMMENSKULTUR durchaus möglich.

MathisOberhof 18.07.2013 | 12:48

Im schönen Wandlitz, nördlich von Berlin, wurde im Januar eine Asylbewerber-Unterkunft geschaffen, viele Einwohner und die Rechten waren nicht begeistert und wollten die Unterbringung verhindern. Die Gemeinde wollte aber nicht als fremdenfeindlich in die Geschichte eingehen und rief eine Solidaritätsbewegung ins Leben. Das Ziel: die Asylbewerber sollen ins Gemeindeleben integriert werden.

Willkommen in Wandlitz: Wie ein Ort mit Asylbewerbern umgeht. Eine Reportage von Marc Dickgreber.

http://www.dw.de/journal-reporter-willkommen-in-wandlitz-2013-07-06/e-16883921-9800

MathisOberhof 04.02.2013 | 00:51

Der Film ist aus meiner Sicht ein eindruchvolles Psychogramm und eine Ode an jene Art von "SED-Genossen" die es eben auch gab. Und die an die Menschen, an die Kinder, an das Individuum dachten.

Zwei Hinweise, dass (mit Ausnahme des dummen Fehlers von den "russischen" Waffenbrüdern zu sprechen) viele Details stimmen, hier :

http://www.neues-deutschland.de/artikel/200421.an-einem-hellerlichten-tag.html?sstr=Mord|eberswalde

und

http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Hagedorn

MathisOberhof 19.07.2012 | 20:49

Seriousguy: Bei so einer hochemotionalen Diskussion sind 1000 Missverständnisse vorprogrammiert. Es geht bei der Diskussion über Sex mit und ohne Vorhaut, NICHT DARUM, WAS BESSER ist, sondern nur darum, das Sex ohne Vorhaut nur anders ist und keine Verstümmelung. Dazu habe ich positive Stimmen von Männern und Frauen gesammlet. Ich behalte meine Vorhaut und meine sexuellen Gewohnheiten gern! ABER ICH WEHRE MICH GEGN DEN UNSINN, Beschnittenheit als Traumatisierung und Verstümmelung zu bezeichnen. Ahnt denn niemand, wass das für Milliarden von Männern die beschnitten sind für eine Entwürdigung darstellt?

MathisOberhof 12.03.2012 | 00:08

Von Christian Petzolds auf der Berlinale mit dem SILBERNEN BÄREN ausgezeichneten Film BARBARA sind Zeitungen und Feuilletons voll.

Des Lobes, der Trailer und Szenenausschnitte und der Interviews.

Ein Feuerwerk der Pressevorführungen, Schauspieler-Interviews, Hintergrundsendungen.

Deshalb darf der Plot als bekannt voraus gesetzt werden: Barbara, Ärztin an der DDR-Elite-Klinik CHARITE wird nach Ausreiseantrag, darauf folgendem kurzen Gefängnisaufenthalt in die mecklenburgische Provinz strafversetzt. Heimlich trifft sie sich weiter mit dem westdeutschen Geliebten, bekommt Westgeld zur Bezahlung der Fluchthelfer.

In Andre dem Chefarzt, der durch Erpressung zum (wider-und unwilligen) IM wurde, erlebt sie einen Arzt höchster fachlicher, moralischer und hippokratischer Ansprüche. Und einen Mann, der ihr vom ersten Moment an den Hof macht.

Flüchten oder standhalten ? ja das ist eine der vielen Fragen die dieser große Film behandelt.

Neben dem kraftvollen, ZIEMLICH BESTE FREUNDE, der Herz und Lachmuskeln bis zum äußersten in Beschlag nimmt, ist dies für mich der Film des (bisherigen) Jahres.

Für Linke, allemal parteipolitisch und östlich der Elbe verortete dagegen, oftmals ein Bauchschmerz. Wie so oft in den letzten Jahren, wenn es (auch) um die Verbrechen im Namen des Sozialismus ging.

Bei DAS LEBEN DER ANDEREN, bei WESTWIND, bei HOTEL LUX. Und nun bei BARBARA.

Dabei ist es erstmal ein herrlicher Liebesfilm.

Sah man vorher so herrlich wortlos, wie sich Interesse, Seelenverwandtschaft, komplementäre Ergänzung in Liebe verwandelt wie hier? Verschiedene Rezensenten haben deshalb nicht übertrieben wenn sie titelten: "Casablanca in der DDR"(ndr), "Liebe in Zeiten der Bespitzelung" (Münstersche Tageszeitung).

Und: es ist ein Film über eine schöne DDR. Der wohl meist zitierte Satz des Regisseurs war denn auch: "Die DDR war auch schön". Die Ostseeküste, der kühle Norden. DDR in schönsten Sommerfarben. Den FREITAG-Rezensenten Mathias Dell hindert dies nicht zum absurden Satz: "Barbara ist auch deshalb kein Film über die DDR, weil die DDR hier aussieht wie eine Christian-Petzold-Landschaft: weites Grün, karge Besiedlung und hinter dem tiefen Wald liegt das Meer. "

Vollends auf die Spitze getrieben wird dies Verfahren des FREITAGS-Redakteurs, wenn er den Großteil seiner Film-Besprechung der These widmet, es sei unwahrscheinlich, dass es in der DDR Auberginen gab und dass ein Arzt - wie im Film - einlädt zur Ratatouille.

Ich bräuchte gar nicht darauf verweisen, was mir 1976 die damalige Chefredakteurin der DDR-Frauenzeitschrift FÜR DICH, Marlis Allendorf, auf Westbesuch im bayerischen SDAJ-Pfingstcamp von diesem französischen Gemüserezept vorschwärmte; auch in den Kommentaren zu Dells BARBARA-Artikel melden sich alsbald "gelernte DDR-Bürger", die darauf hinweisen, dass es - wenn auch höchst selten - Auberginen zu kaufen gab, dafür um so öfters als Frucht von Hobby-GärtnerInnen und dass in der nicht nur wegen der erotischen Fotos begehrten DDR-Zeitschrift DAS MAGAZIN in den Spalten LIEBE PHANTASIE UND KOCHKUNST Ratatouille-Rezepte zu lesen waren. Bedenken wir schließlich, dass der Schauspieler Roland Zehrfeld, der im Film den Chefarzt Andre spielt, mit 11 DDR-Judomeister war, und das Land aus dem FF kennt, fällt die Ratatouille-Kritik in sich zusammen als peinlicher Versuch, mit Requisitenkritik, von der Qualität und Überzeugungskraft filmischer Szenarien abzulenken.

Das erlebe ich nun seit Jahren.

Als der Film, DAS LEBEN DER ANDEREN in die Kinos kam, drohte mir der Vorsitzende der örtlichen Linkspartei mit dem Bruch jeglicher Zusammenarbeit, sollte der Film in unserem linken MÜHLENKINO aufgeführt werden. Hauptkritik: Der Film sei schon deshalb falsch, weil er als Ex-Oberleutnant des MfS bezeugen könne, dass IM Ministerium niemals - wie im Film gezeigt - in Uniform Dienst ausgeübt worden sei.

Oder: Als der wunderbare Film: WESTWIND zwei DDR-Ruderinnen im Trainingslager am Balaton zeigt, die dort westdeutsche (unbedarfte) Jugendliche kennen lernen und in den Westen abhauen, war es eben jener Dell vom FREITAG, der behauptete, im Film sei die DDR mit allen Klischees abgebildet worden, obwohl doch alle Szenen nur auf ungarischem Boden spielen.

Oder: Als ich neulich voller Neugierde eine Veranstaltung der Hellen Panke zum sehenswerten Leander-Hausmann-Streifen HOTEL LUX besuchte, kulminierte die Kritik des von mir ansonsten hochgeschätzten international renommierten Experten für stalinistischen Terror, Dr. Wladislaw Hedeler in der Feststellung: Im Film sei die "Ekki", das "Exekutivkommitee der Komintern" falsch ausgesprochen worden.

Das Neue Deutschland verfolgt bei solch kniffligen Themen seit einiger Zeit die Taktik, lieber keine Besprechung zu veröffentlichen, sondern den Regisseur zu interviewen.

Die erste Frage des sehr lesenswerten Interviews lässt die Sichtweise der ND-Mitarbeiterin erkennen:

"In der DDR kann man nicht glücklich werden, sagt Barbara. Haben Sie erwartet, dass sich dieser Satz so stark einprägt?"

Es bleibt Petzold überlassen, darauf hinzuweisen, dass der Satz unwichtig, weil nur in der Konfrontation gesagt sei.
Ich verrate nicht zuviel, wenn ich darauf hinweise, dass auch für Barbara schlussendlich einiges dafür spricht, dass sie in der DDR glücklicher wird, als "bei den anderen".

Über die Rolle der Arbeit in Filmen in Ost und West, über den Faktor Zeit im DDR-Gesundheitswesen und andere Themen sagt der Regisseur dann noch manch überraschendes in diesem nd-Gespräch, was auch hier deutlich macht, dass er als Kind von DDR-Flüchtlingen eine hohe Affinität zu diesem Staat hatte.
In einem anderen Interview erzählt er, dass sein Vater trotz seines gefestigten sozialdemokratischen Antikommunismus auf dem Höhepunkt der ersten 'Ölkrise' überlegte, in die alte Heimat zurück zukehren.

Und dann noch der hippokratische Eid: Als Andre im Film der krebskranken Frau des Stasi-Offiziers verbotenes Morphium zur Schmerzlinderung spritzt, fragt die Stasi-gedemütigte Barbara: Machen Sie das öfters, Arschlöchern helfen? Und seine Antwort ganz Arzt: 'Ja, wenn sie krank sind!'

All jene, die in diesem Film reflexartig, Abwertung des Sozialismus oder gar der eigenen Lebensbiografie vermuten, sollten zur Kenntnis nehmen, dass die Vorgeschichte zum Film die unterschiedlichsten Facetten hatte.

Angeregt wurde Christian Petzold zum Film durch die Novelle BARBARA von Herman Broch gleichen Namens, der von einer kommunistische (!!) Ärztin kurz vor der Machtergreifung der Nazis berichtet, die sich in einen unpolitischen Kollegen verliebt.

Und: Petzold zeigte seinem Film-Team die Verfilmung von Ernest Hemingways Roman HABEN UND NICHTHABEN, indem umgekehrt auf der französisch verwalteten Insel Martinique die Hauptfigur Harry als Kollaborateur des faschistischen Vichy-Regimes sich in Marie die Widerstandskämpferin verliebt und schliesslich selbst zum Widerständler wird.

Barbara, der Name kommt von den 'Barbaren'. Die Fremde.

Im vorliegenden Film: sehen sich viele Protagonisten gegenseitig als Barbaren: Für parteitreue Kommunisten war der Westen die Barbarei, für in Stasi-Haft entwürdigte, das DDR-Regime barbarisch.

Und sinnstiftend für das Verständnis des Films ist da noch die Sage von der heiligen Barbara von Nikomedien, der ihr eigener Vater den Kopf abhackte. Er war Offizier der kaiserlichen Leibgarde(!) und verlangte von seiner Tochter ihren Gottesglauben und ihre Jungfräulichkeit zu opfern. Was diese verweigerte.

Symbole über Symbole.

Das Ich und die Anderen, das Thema der Gegenwart.

Der Vater der Hauptdarstellerin, Nina Hoss, war auch so einer, der immer wieder die Seiten wechselte und sich doch treu blieb. Über Willi Hoss, seit seinem 16 Lebensjahr KPD-Mitglied, Funktionär, Mitglied des Parteivorstands der KPD, nach 25 Jahren wegen des CSSR-Einmarsches ausgetreten, als Kandidat der gewerkschaftsoppositionellen PLAKAT-Gruppe bei Daimler-Benz 40% der Stimmen auf seine Betriebsrats-Liste sammelnd, kritisiert nicht nur die Produktionsweise, sondern auch die Produkte, des westdeutschen liebstes Wohlstandssymbol, den Mercedes-Stern, Mitbegründer der Grünen, für sie im Bundestag und 2001 wegen der Zustimmung zum Afghanistan-Krieg wieder ausgetreten, ließe sich ein eigenes Kapitel schreiben - auch er also ein Grenzgänger, ein ganz großer der westdeutschen Linken, der seiner Tochter wohl viel mitgab auf dem Weg in die Schauspielerei.

Barbara - Flüchten oder bleiben. Ein Thema, das in dem Jahr hochaktuell ist, da einer, der in der DDR blieb -obschon ihr Gegner, nun Bundespräsident wird.

So viele, die es nicht mehr aushielten, bereicherten den Westteil: Ernst und Carla Bloch, Wolfgang Abendroth, Alfred Kantorowitz, Wolfgang Seiffert, Heinz Brandt, Hans Mayer, Gerhard Zwerenz, Leo Bauer, Heinz Brandt.

So viele die blieben, bereicherten den Ostteil und den Neuanfang der demokratischen Sozialisten, Robert Havemann, Rudolf Bahro, Dietmar Keller, Christa Wolff, Volker Braun und so viele andere.

Nein, nicht die Frage, wo das Individuum seine Heimstatt finden konnte, entscheidet über Glück oder Unglück. Wie und mit wem ich mich entscheide und unter welchen Umständen. Das ist es.

Und so gibt der Film auch für Tausende, die - wie ich - enttäuscht, die LINKE wieder verlassen haben, Hinweise, dass es hüben wie drüben, innerhalb wie außerhalb der gezogenen Linien Chancen für Glück und Selbstverwirklichung gibt.

Danke, Barbara, danke, Andre, Danke Christian Petzold, Hermann Broch und die vielen, die diesem Film den Stempel aufdrückten.

Fazit: Unbedingt ansehen.

MathisOberhof 08.02.2012 | 19:45

ich möchte gern als Mann zwei Dinge dazu anmerken.
Ich finde es schwer nachvollziehbar und deshalb auch nicht gerechtfertigt, dass im US-Fernsehen ABTREIBUNG unaussprechlich sein soll.
Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass ABTREIBUNG ein tiefgehender Eingriff in Körper und Seele ist, dass damit viele Traumata verbunden sind, und kann Gegner jeder Abtreibung (die das FÜR SICH entscheiden) sehr gut verstehen.
Aber mir das Wort "verbieten" lassen?

Und das Wort FOTZE.
Die Autorin schildert, was sie als junges verliebtes Mädchen dabei erlebte.(oder sie deutet es an). Davor muß jeder Respekt haben, und dies achten. Aber UND DAS IST MIR AM WICHTGISTEN: Die Verantwortung für die Schmerzen, für die Erinnerungern, die möchte bitte (in diesem Fall) Katrin bei sich lassen.
Ich halte im neutralen Umgang Fotze für eher Lustfeindlich, für die Freuden des Körperlichen nicht treffend wiedergebend.
Mit meiner Liebsten allein habe ich dann noch ganz andere Assoziationen dazu, und auch einen anderen Gebrauch.
Aber es nicht AUSSPRECHEN dürfen?
Da fühlte ich mich immer eingeengt, ja unterdrückt.

Letztes Beispiel:
In den 50er Jahren hörte ich meiner Jugend sehr oft den Begriff: Wir haben getanzt/getrunken/ gefeiert "BIS ZUM VERGASEN".
Das hat mir immer unglaublich weh getan. Und ich finde, wer heute so etwas sagen würde, den möchte ich sofort damit konfrontieren, dass ich diesen Wortgebrauch für extrem menschenfeindlich, geschichtsvergessen, und ja auch antisemitisch empfinde.
Aber das Wort: "Vergasen"? Bleibt natürlich im Wörterbuch.

Und die SLUTWALKS fand ich toll. Und empfand das weder als exhibitionistisch, und schon männlichen Gewaltphantasien Vorschub leistend. Im Gegenteil.

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