Man gibt nicht auf

Tatort Müde geht die Welt zu Ende, die Tilli Ritter in Berlin ein letztes Mal in Berlin repräsentiert: "Großer schwarzer Vogel" versucht sich atmosphärisch an Depression

In Berlin ist Berlinale, das zwingt zur Kürze. Ist Tatort in Berlin, häufen sich derweil Gefühle von Erschöpfung, in – das ist doch mal ein Titel – Großer schwarzer Vogel trägt die Geschichte sogar Nick Caves Push the sky away. Daran sieht man, dass der Film etwas auf seine Atmo hält; die Rechte an so einem Lied kosten schließlich Geld, das im Zweifel immer gespart werden müsste.

Man könnte sagen, dass das derbe heterogene Werk von Ritter & Stark auf seine alten Tage zu so etwas wie einem Ton findet (RBB-Redaktion: Josephine Schröder-Zebralla). Könnte, bekanntlich sind die Tage von Ritter & Stark gezählt, Ritter läuft hier unvorbereitet zum letzten Mal auf, dabei kann man sich an der Graumeliertheit von Dominic Raackes graumelierten Haaren kaum satt sehen.

Und dabei deutete die – etwas Fall affektive – Episode vom Night Till Knight , der nicht in den Schlaf findet und deshalb in der Sendung von Nico "Du hast noch nie eine Sendung verpasst" Lohmann (Florian Panzner) anruft auf der Suche nach Seelsorge ein wunderbares Ausstiegsszenario an. Womöglich wird in der letzten Folge, die Soffy Stark (Boris Aljinovic) dann allein bestreiten muss, darauf zurückgegriffen.

Die größten Erfolge

Warum Ritter nicht mehr returned, kann man einem informativen TAZ-Interview mit Raacke entnehmen. Darin sagt der Schauspieler etwa, dass er auch schon vor vier Jahren hätte Schluss machen können, wobei dann zwei der besten Berliner-Episoden mit ihm nicht gedreht worden wären. Gemeint sind wohl diese und jene, das wären zumindest unsere Favoriten. Und es bleibt die Frage, wie so was geht, dass dem RBB-Tatort, der doch seit Äonen in der gleichen Verantwortung ist, in so kurzer Zeit zwei bemerkenswerte Folgen passieren, damit er kurz darauf das Ermittlerpaar auszutauscht.

Anyway. Großer schwarzer Vogel ist halb-halb. Seine disparatöse Stimmung zeigt Effekte, wobei das Thema Depression ästhetisch bei weitem nicht so erfasst wird, wie es Ordnung im Lot einst in Bremen mit einer Schizophrenie gelang. Das Spiel setzt auf eine Unmittelbarkeit, Direktheit, die in größerer Konsequenz interessanter hätte werden können, und die Panzner zumeist gut gelingt, Raacke manchmal weniger (Regie: Alexander Dierbach, Buch: Jochen Greve nach einer Idee von Titus Selge). In der Verdächtigenermittlung ist's dann nur das übliche Karussell (immerhin ist unser Freund Pöschi aus Rostock aka Andreas Guenther darünter).

Die Vergangenheitsintegration ist, wie immer, schwierig; dass so ein Hardcore-Schwimmtrainervater (Hans Uwe Bauer, der hüstlende Dissidentendichterfreund von Sebastian Koch aus dem – was könnte das sein? – Leben der Anderen) nach all den zurückliegenden Krisen schon nichts dazu gelernt hat, ist nicht leicht zu erklären, zumal wenn er Bauers freundliches Gesicht trägt. Und die Frauen werden nicht so gut behandelt; die eine, schwangere (Klara Manzel) kommt nicht vor in der Krise ihres Mannes, die andere, ehemalige (Julia Koschitz) muss dann doch immer bereit stehen für die Liebe, der sie sich am Anfang doch entziehen wollte.

Aber die Mucke hat was. Wie gesagt.

Ein Satz, der nicht nur unter Ornithologen Kennerschaft ausweist: "Das könnte so 'ne Schwalbe sein"

Ein Satz, der dem modernen Mensch nicht nur beim Brettspiel den Angstschweiß auf die Stirn treibt: "Wenn man raus ist, ist man raus"

Etwas Selbstreferentielles für den Grabstein: "Das war das Ende seiner Karriere"

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21:45 09.02.2014
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Ausgabe 42/2021

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