archinaut
25.02.2012 | 23:56 8

Fluch der Weißen Frau

Desperate Despoten: Träumereien in der Badewanne, bis der Besuch kommt

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied archinaut

Nichtsahnend liegt der Berliner Despot Wow I. in der Badewanne und träumt von seinem Schloss. Er stellt sich vor, wie er auf dem berühmten Balkon stehen und den Berlinern zurufen wird: „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“ Und dann schauen die Völker..... was soll er ihnen als nächstes zurufen? Genüsslich träumt der Despot davon, dass er den Völkern jetzt etwas besonders Wichtiges verkünden möchte..... zum Beispiel: „Die Mauer ist gefallen!“ Aber nein, das ist bereits Vergangenheit, damit wird er seine Untertanen nicht zum Despotenjubel hinreißen können....

„Heute gibt es Gulasch!“ fällt ihm jetzt ein, aber diesen Gedanken verbietet er sich sofort, was ist heute nur mit meinem Kopf los, denkt er im Stillen, „Freibier für alle!“ kann er vielleicht versprechen.

Soll er eine Revolution ausrufen? Das klingt gut, denkt er, wer die Revolution ausruft, kann sich gleich selbst an die Spitze setzen!

Der Despot träumt sehr lebhaft, wie ihn sein Volk auf starken Schultern dreimal um das Schloss trägt (eine Strecke von über drei Kilometern!) und achtet nicht auf das leise Plätschern, das vorwitzig am anderen Ende der Wanne auflacht....

„Eine Milliarde!“ flüstert eine Stimme. Der Despot erkennt sie nicht gleich, ihm folgen mehrere innere Stimmen. Hat er diese Stimme schon einmal gehört?

„Eine Milliarde!“ vernimmt er die Stimme wieder, diesmal etwas lauter.

„Wer bist Du?“ fragt Wow I. mit geschlossenen Augen... das Wasser riecht wundervoll nach Lavendel und Thymian. Er lauscht bis tief in seine Bauchregion, ob von irgendwo die Antwort aufsteigt. Aber er hört nur ein gehauchtes Kichern.

„Eine Milliarde!“ fordert die zarte Stimme.

„Aber was meinst Du mit dieser Zahl?“ fragt der Despot und seufzt.... es ist nicht leicht mit dem inneren Personal denkt er lautlos, schließlich möchte er keinen Streit.... das hatte er einmal erlebt, ein Streit seiner inneren Stimmen: eine böse Nierenkolik war das Ergebnis.

„Das sagst Du Deinen Leuten, damit sie Dich bewundern und gleichzeitig Respekt vor Dir bekommen!“ erwidert die Stimme, „sie sollen alle jubeln!“

Der Despot kräuselt die geschlossenen Lider, er hat das Gefühl, dass diese Stimme ihn foppen will.

„Es hat eine Milliarde gekostet, das musst Du ihnen sagen, lieber Despot!“ kichert die Stimme jetzt, und dem Despot läuft eine kalter Schauer den Rücken hinauf: Er ist nicht allein in der Wanne!

Er reißt die Augen auf: „Wer bist Du!?“ Am anderen Ende sitzt eine Frau in der Wanne, sie trägt ein weißes Spitzenkleid und lächelt traurig.

„Das weißt Du doch,“ sagt sie betrübt, „das letzte Mal war ich in der Nacht zum 26. Mai 1940 bei Euch in Berlin..... ich musste den Nazis eröffnen, dass Germania untergehen wird, die Stadt, die Berlin werden sollte...“

„Wer bist Du?!“ Entsetzen schwingt in der Stimme des Despoten... was für ein beschissener Tag ist das heute, denkt er noch wütend.

„Ich bin die Weiße Frau,“ flüstert die Gestalt im Spitzenkleid, „ich komme immer, wenn die Party vorbei ist...“

Hier endet der 271. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

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Hetär der Hedonisten Teil 1

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Fluch der weißen Frau

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Wow I. sehnt sich nach dem neuen Schloss, um mit seiner Herzdame endlich das Haus PreußischWow! in das güldene Buch der Geschichte Berlins einzuschreiben, aber der Schlossbau bleibt von Folge zu Folge chronisch unterfinanziert....

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (8)

mcmac 26.02.2012 | 02:03

„Der Marchese, von Entsetzen überreizt, hatte eine Kerze genommen, und dasselbe, überall mit Holz getäfelt wie es war, an allen vier Ecken, müde seines Lebens, angesteckt. Vergebens schickte sie Leute hinein, den Unglücklichen zu retten; er war auf die elendiglichste Weise bereits umgekommen, und noch jetzt liegen, von den Landleuten zusammengetragen, seine weißen Gebeine in dem Winkel des Zimmers, von welchem er das Bettelweib von Locarno hatte aufstehen heißen.“

(H.v.K.)

Wow I. - Das Bettelweib von Berlin sein höchst wünschenswertes, jammervolles Ende; eine Moritat...

Danke, lieber archinaut. Nicht aufhören!

poor on ruhr 26.02.2012 | 21:25

Lieber archie,

ich kann mich da SuzieQ nur anschließen. Bitte nicht mit dem schreiben aufhören. Ich bleibe auch dran solange es mir möglich ist. Einfach toll geschrieben. Klasse Einfälle. Danke.
Wünsche Dir schöne Woche, lieber Freund. (jetzt höre ich aber lieber auf sonst springe ich dir gleich virtuell auf den Schoß. ;O)) Ist aber trotzdem wirklich ehrlich gemeint.

Herzliche Grüße

por